SAP übernimmt hybris: Mehr Auswahl oder Verwirrung bei CRM und E-Commerce?

Durch den Kauf von hybris kann SAP Kunden bei CRM, E-Commerce und Cloud mehr anbieten. Ein Analyst warnt SAP, keine Verwirrung zu stiften.

Ein Analyst stellt gar nicht erst die Frage, warum SAP den E-Commerce-Softwarehersteller hybris gekauft hat. Er wundert sich vielmehr darüber, warum es so lange gedauert hat.

SAP hat seit Jahren hin und her überlegt. Natürlich wusste die Firma, dass die Akquisition von hybris strategisch geschickt wäre. Allerdings glaube ich, dass SAP der Meinung war, man könne selbst eine zuverlässige E-Commerce-Lösung zu Tage bringen.“, sagte Peter Sheldon, Analyst bei Forrester Research Inc. aus Cambridge, Massachusetts.

Am Mittwoch, den 5. Juni 2013, gab SAP den Plan bekannt, zu kaufen. Die Firma hat den Hauptsitz in Zug in der Schweiz und bietet Multi-Channel-E-Commerce-Software an. SAP wird so sein CRM-Portfolio erweitern. hybris bietet unter anderem auch Software für Stammdatenmanagement an. Kunden können die Applikationen in den eigenen Geschäftsräumen einsetzen, oder die Angebote OnDemand und Managed Services nutzen. Laut Sheldon gehört hybris zu den vier Größen bezüglich E-Commerce-Software. Man befindet sich hier mit IBM, Demandware und Oracle, nach der Akquisition von ATG und Endeca, auf dem E-Commerce-Olymp.

Dieser Schritt schließt laut Sheldon einige Lücken in SAPs E-Commerce-Portfolio. Die hauseigene Software Web Channel Experience Management ist ein Aufsatz für die SAP-CRM-Plattform. Allerdings kam man damit in diesem Bereich einfach nicht weiter, sagte Sheldon. „Der Firma wurde ganz einfach bewusst, dass die bisherige Strategie nicht aufgeht.“, fügte er an.

Zu den Konditionen des Geschäfts wurden keine genauen Angaben gemacht. Sobald die Übernahme abgeschlossen ist, wird hybris jedoch als eine eigenständige Instanz arbeiten.

Stiftet SAP Verwirrung oder liefern Sie mehr Auswahl?

SAPs Co-CEO Bill McDermott sagte bei einem Telefonat, dass man mit diesem Schritt die Strategie festige, eine „Business zu Business zu Consumer“-Firma zu sein. Hybris habe einen sehr guten Ruf, fügte er an. Weiterhin sagte er, dass die neue Software bald auf der In-Memory-Plattform HANA laufen wird. Man lege hier die Messlatte für die Konkurrenz sehr hoch.

„Keiner der Konkurrenten hat auch nur annähernd die Flexibilität und die Leistungsfähigkeit von hybris. Sobald die Software auf SAP HANA läuft, setzt man neue Akzente. Unternehmen sind dann in Echtzeit mit den Kunden verbunden.“, sagte McDermott. „Heutzutage arbeiten CEOs hart, um eine Rundum-Beziehung mit den Kunden aufzubauen. Sie setzen die Hebel beim Verkauf, bei Dienstleistungen, beim Marketing und beim E-Commerce in allen Kanälen an. Das hat etwas mit Vertrautheit zu tun, denn die digitalen Kunden von heute stellen diese Ansprüche.“, fügte McDermott an.

Während die Verantwortlichen bei SAP den Umfang der Modelle zwischen hybris und SAP übermäßig anpriesen, fragte sich ein anderer Analyst, ob SAP damit die Kunden nicht verwirrt. „Wir befinden uns hier in einer Art Situation, bei denen sie darauf bestehen, dass Kunden diese Auswahl an Bereitstellungsmodellen haben wollen. Weiterhin macht man der Kundschaft bezüglich Echtzeit-Erlebnissen den Mund wässrig, die man theoretisch mit HANA-Möglichkeiten unterstützen kann.“, sagte Jon Reed, der unabhängige Analyst und Gründer von JonERP.com. „Sie müssen aber aufpassen, dass sie nicht wie ein Gebrauchtwagenhändler klingen … Sie wollen Cloud? Sie können Cloud bekommen. Wir haben die HANA Enterprise Cloud, wir haben Cloud-CRM. Sie können das im Haus einsetzen.“, sagte der Analyst.

Reed fügte an, dass sich der Markt derzeit anscheinend mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Cloud-basierte CRM-Lösungen bewegt. „Wenn dem so ist, wird man verstehen, dass SAP die Geschichte als eine CRM-Debatte führen und weg von der Mischlings-Diskussion will.“, sagte der Analyst. Vergleiche man SAPs CRM-Software für lokale Installationen mit den eigenen Cloud-basierten CRM-Lösungen, lägen die Stärken klar bei ersteren.

Ob die auf hybris umzugswilligen SAP-Kunden neue Lizenzen brauchen, müsse man laut Reed ebenfalls noch adressieren.

Wo überschneiden sich hybris und SAP?

Die beiden Firmen hätten bezüglich Funktionalität, Preis, Promotion und Marketing-Management einige Gemeinsamkeiten, sagte Sheldon von Forrester. Das gelte auch für das Informations-Management von Produkten. „Das sind alles Dinge, die sowohl in SAP CRM als auch in hybris vorhanden sind. Bei letzterem sind sie vielleicht sogar besser.“, sagte Sheldon. Kunden von SAP CRM und ERP werden seiner Meinung nach von der Akquisition profitieren. Um die beste E-Commerce-Software zu bekommen, müsse man sich nicht mehr bei Drittanbietern umsehen, sagte er.

„Sie brauchen IBM und SAP nicht mehr kombinieren“, meint Sheldon. „Nun bekommen Sie eine einzelne integrierte Lösung präsentiert. Für SAP-Kunden hat das einen sehr positiven Effekt.“

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