IoT und Industrie 4.0: Cisco eröffnet Innovation Center openBerlin

Rund 26 Millionen Euro will Cisco in den neuen Standort in Berlin investieren. Dessen radikal neues Konzept soll gleichzeitig neue Offenheit demonstrieren.

Der Biergarten und der Meeting-Raum im Baumhaus, für den im Hauptgebäude kein Platz mehr war, sind noch nicht fertig, erklärt Dr. Bernd Heinrichs, Managing Director IoE EMEAR & openBerlin. IoE Innovation Center. Das nun offiziell eröffnete Cisco Innovation Center openBerlin selbst ist einem renovierten industriellen Ziegelsteinbau untergebracht. Betont umweltschonend, zweitverwertete Büromöbel, Graffiti von Berliner Künstlern an den Wänden, im Dachgeschoss Hängematten, lauschige Arbeitsecken und zur rechten Hand gleich nach dem Eingang ein zentrales Café - ein Hauch von Öko durchweht das alte Ziegelsteingebäude von Cisco.

Die Investition von „26 Millionen Euro in den nächsten Jahren“ zeigt, dass es dem weltweiten Netzwerkmarkführer ernst ist mit seinem Innovation Center in der Hauptstadt. Das für Cisco-Verhältnisse ungewöhnliche Konzept soll insbesondere Start-ups mit seiner offenen Atmosphäre dazu bewegen, zusammen mit dem US-Unternehmen den Anfang zu wagen. Anlässlich der Eröffnung von openBerlin gab Cisco Deutschland auch den Beitritt zum Bundesverband Deutsche Startups bekannt.

openBerlin ist eines von neun Cisco Innovation Centern weltweit und auf die Themen Manufacturing und Transportation fokussiert. Das Innovationszentrum ist dabei laut Cisco weder ein Inkubator noch ein Company Builder oder ein klassischer Accelerator. Es soll als offene digitale Plattform fungieren, die eine Infrastruktur für Partner bietet. Für deutsche Unternehmen, die sich stärker internationalisieren wollen, soll Ciscos weltweite Präsenz außerdem eine Hilfe sein.

openBerlin ist eines von neun Cisco Innovation Centers weltweit.openBerlin ist eines von neun Cisco Innovation Centers weltweit.

Das openBerlin-Team arbeite bereits mit einem Ökosystem von mehr als 40 lokalen und internationalen Unternehmen und Organisationen zusammen. Gemeinsam mit Bosch und Tech Mahindra hat Cisco nach eigenen Angaben ein Testprojekt für vernetzte Industriewerkzeuge durchgeführt. Ziel ist dabei die Entwicklung offener Standards zur einfachen Integration von Werkzeugen in manuelle Produktionsprozesse. Mit Intel arbeite man daran, die zahlreichen Sensoren im Gebäude sinnvoll zu vernetzen und daraus eine Blaupause für die Gebäudevernetzung zu entwickeln.

Bestandteil des Centers ist ein Entwicklungslabor, in dem Branchenlösungen und Lösungen für spezifische Kundenanforderungen entwickelt werden. In der Lab Area entwickeln Cisco-Experten gemeinsam mit Branchenpartnern und Start-ups Pilotprodukte und ergänzen Funktionen zu bestehenden Lösungen mittels Rapid Prototyping. Es gibt einen eigenen IoT-Demonstrationsraum (Internet of Things) sowie offene Bereiche, in denen Kunden, Start-ups, Communities, Forscher, Unternehmer und Technologieexperten neue Ideen und Technologien entwickeln können, so Cisco.

Komm mit einem Problem zu uns, und sechs Monate später kannst Du mit der Lösung Geld verdienen.
Dr. Bernd Heinrichs, Managing Director von openBerlin

„Unser Standort bildet selbst ein IoT-Vorzeigeprojekt mit mehr als 10.000 Sensoren, die Daten wie Raumtemperatur, Beleuchtung, Stromverbrauch und viele andere sammeln und analysieren - wir haben hier so ziemlich alles vernetzt. Auf der Arbeitsebene verfolgen wir ein gewinnorientiertes Modell, indem wir an Lösungen mit klarem Marktpotential arbeiten. Unser Motto lautet: Komm mit einem Problem zu uns, und sechs Monate später kannst Du mit der Lösung Geld verdienen.“, so Heinrichs.

Ein Beispiel für diesen Ansatz sei die Kooperation mit dem Berliner Unternehmen Azeti Networks. Gemeinsam mit Azeti hätten die Teams eine neue Asset-Management-Lösung entwickelt, die verteilte Infrastrukturen – wie zum Beispiel Basisstationen von Mobilfunkbetreibern – über das Internet überwacht und kontrolliert, und brachten sie innerhalb von sechs Monaten auf den Markt.

Oliver Tuszik, Vice President und Vorsitzender der Geschäftsführung von Cisco DeutschlandOliver Tuszik, Cisco:
„openBerlin soll ein Zeichen
setzen, dass auch Cisco sich
verändert hat.“

Oliver Tuszik, Vice President und Vorsitzender der Geschäftsführung von Cisco Deutschland: „Wir reden alle über staatliche Finanzierung. Das große Problem der Start-ups ist aus meiner Sicht nicht die Finanzierung, sondern Kunden zu finden. Wir gehen davon aus, dass die größte Zahl der Top-500-Unternehmen in den nächsten zehn Jahren nicht so überleben wird, wie sie heute aufgestellt sind. Es gibt verschiedenste Reaktionen darauf. Die einen resignieren, weil sie nicht daran glauben, dass sie sich überhaupt so stark verändern können, die anderen versuchen Spin-offs zu gründen und sich selbst radikal zu verändern. Wir verfolgen einen weitaus radikaleren Plan. Wir setzen uns das Ziel, in einer Woche nicht mit einen Business-Plan für die nächsten drei Jahre zu kommen, sondern mit dem ersten Prototypen einer Lösung. Start-ups müssen mehre Dinge überleben für die nächste Woche, damit sie ihren nächsten Finanzzuschuss bekommen. Deswegen haben Start-ups nach den ersten ein bis zwei Monaten ihre ersten Produkte auf dem Markt, weil kein anderer sonst die Zwischenphase finanziert. Wir wollen eine andere Art von Zusammenarbeit fördern. Wir wollen offen Standards schaffen, weil wir glauben, es kann nur Gewinner geben in Deutschland. Wenn wir diese schnelle Veränderung nicht schaffen, wird es uns so gehen wie manchem großen etablierten Unternehmen, was vollkommen überrascht war, dass irgendein kleines Start-up sein Business-Modell zerstören könnte. Wenn wir weiter mit alten Modellen arbeiten, werden wir nicht erfolgreich sein. Das ist auch die Botschaft von Open Innovation hier in Berlin. openBerlin soll ein Zeichen setzen, dass auch Cisco sich verändert hat.“

Tuszik weiter: „Deutschland ist eines der Länder mit dem größten Potential, von IoT zu profitieren, dank der exzellent ausgebildeten Ingenieure, der nachhaltigen Innovationsstärke und der starken globalen Marktposition. Gleichzeitig steht für die deutsche Industrie beim Thema Digitalisierung viel auf dem Spiel – Innovation ist der Schlüssel, um diese Chance zu nutzen. Wir kopieren hier nicht das Silicon Valley. Unser Ziel ist die Vereinigung der Stärken der deutschen Wirtschaft mit einem neuen Innovationsansatz. openBerlin setzt ein Zeichen für unser Engagement für Deutschland und unsere lokalen Partner, sowohl im privaten als auch öffentlichen Sektor.“

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