Nano Server in Windows Server 10 soll Cloud-Apps und Container adressieren

Inoffiziellen Dokumenten zufolge arbeitet Microsoft an einem Nano Server für Windows Server 10. Zum Einsatz käme dieser zum Beispiel bei Cloud-Apps.

Der Veröffentlichungstermin von Windows Server 10 bzw. Windows Server vNext wurde vor kurzem überraschend auf 2016 verschoben, als Grund hierfür gab Microsoft lediglich an, die Arbeit an der kommenden Servergeneration sei noch nicht so weit fortgeschritten wie geplant. Anders als die Technical Preview von Microsofts Client-Betriebssystem Windows 10 wurde die Preview-Version von Windows Server 10 auch seit der ersten Veröffentlichung im Oktober 2014 nicht mehr aktualisiert.

Wie eine jetzt von inoffizieller Seite veröffentlichte Präsentation zeigt, könnte der Grund für all dies ein weitaus komplexerer Umbau der Server-Architektur sein, als bisher angenommen wurde. Demnach plant Microsoft ein komplett neues Bereitstellungsmodell, das offenbar den Namen Nano Server  trägt.

Nano Server als Herzstück der kommenden Cloud-Infrastruktur

Microsoft reduziert den Fußabdruck von Server-Installationen bereits seit dem mit Windows Server 2008 eingeführten Server-Core-Bereitstellungsmodell, das wesentlich schlanker ausfällt als die vollständige Server-Version mit grafischer Benutzeroberfläche. Das Nano-Server-Bereitstellungsmodell soll diesen Ansatz offenbar noch weitaus radikaler verfolgen, so dass selbst Serverrollen und optionale Funktionen nicht mehr Teil der Nano-Server-Installation sind. Davon würden zum Beispiel Server-Images profitieren, die von entsprechenden Binaries und Metadaten entschlackt werden könnten.

Server-Rollen und weitere Funktionen sollen den inoffiziellen Dokumenten nach als Stand-alone-Pakete zur Verfügung stehen, die ähnlich wie Anwendungen je nach Bedarf installiert werden können. Generell soll der Nano Server in Windows Server 10 dabei lediglich die Rollen und Funktionen Hyper-V, Clustering, Storage, Core CLR, ASP.NET vNext, PaaSv2 und Container-Virtualisierung unterstützen.

Damit wird auch der angedachte Einsatzzweck des Nano Server gegenüber herkömmlichen Bereitstellungen von Windows Server 10 deutlich: Container- und Cloud-Applikationen, die aufgrund des abgespeckten Server-Betriebssystems mit einer wesentlich höheren Dichte als mit bisherigen Windows-Versionen auf ihren Hosts Platz finden dürften. Komplexere Szenarien wie RDS-Bereitstellungen (Remote Desktop Services) wird der neue Nano Server aber nicht unterstützen. Die Kompatibilität mit bestehenden Windows-Server-Anwendungen soll durch Server-Core- und GUI-Bereitstellungen von Windows Server 10 sichergestellt werden.

Durch den auf diese Weise zurecht gestutzten Nano Server soll zudem nicht mehr bei jedem Update einzelner Komponenten ein Reboot mit einhergehender Downtime notwendig werden. Auch die Angriffsfläche für Sicherheitsbedrohungen wird mit geringerem Funktionsumfang natürlich kleiner.

Den inoffiziellen Dokumenten zufolge wären für den Nano Server im Jahr 2014 beispielsweise lediglich 2 kritische und 9 wichtige Sicherheitsupdates veröffentlicht worden, wodurch für das gesamte Jahr nur 3 Neustarts notwendig gewesen wären. Für die vollständige Server-Installation dagegen listet Microsoft 49 Sicherheitsupdates auf (davon 23 kritische), elf Mal hätte ein Reboot erfolgen müssen.

Kommentar: Nicht offiziell, aber plausibel

Die hier zitierten Dokumente sind zwar alles andere als offiziell und könnten somit natürlich auch schlicht falsch sein. Letztendlich wäre eine weiter abgespeckte Version von Windows Server aber durchaus plausibel, um dem größer werdenden Marktsegment von skalierbaren Cloud-Anwendungen und Container-Virtualisierung gerecht zu werden. Der Erfolg beispielsweise von Docker und CoreOS zeigt, welch großes Potenzial hier in Zukunft stecken wird.

Microsoft konnte zwar kürzlich erst deutliche Fortschritte bei der Docker-Virtualisierung auf Linux-Hosts unter Azure vermelden, bisher ist aber noch nicht wirklich klar, wie die bereits im Oktober 2014 angekündigte native Docker-Unterstützung für Windows Server 10 aussehen kann. Nano Server könnte hierfür ein wichtiges Puzzlestück sein.

Sollte also wahr sein, was die Dokumente nahelegen, dann arbeitet Microsoft derzeit an einem schlanken Server-Betriebssystem, das schnellere Deployments, eine höhere Sicherheit und durch eine höhere VM-Dichte auch eine bessere Host-Auslastung ermöglicht. Abgerundet wird das Ganze durch die parallel dazu weiterhin erhältliche Server-Core- und GUI-Vollinstallation, die die Kompatibilität mit bestehenden Windows-Server-Anwendungen ermöglicht. Das klingt eigentlich fast schon wieder zu gut, um tatsächlich wahr zu sein.

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