vCloud Air integriert Google-Services Cloud Storage, BigQuery, Datastore und DNS

Nutzer von VMware vCloud Air erhalten dank einer Kooperation mit Google vier Schlüsselfeatures der Google Cloud. Zentrale Fragen bleiben aber offen.

VMware und Google, deren Stärken und Schwächen im Cloud-Geschäft sich diametraler nicht gegenüberstehen könnten, haben Anfang Februar eine Zusammenarbeit vereinbart, die beiden Unternehmen nutzen soll, von der auf Kundenseite allerdings vor allem Nutzer von vCloud Air den größten Vorteil haben dürften.

VMware wird noch in der ersten Jahreshälfte 2015 vier Cloud-Services von Google im Rahmen von vCloud Air anbieten – einschließlich Google Cloud Storage, BigQuery, Datastore und DNS. Nicht ausgeschlossen ist nach den Kooperationsplänen auch, dass eine Partnerschaft bezüglich VMwares Verwaltungstool vRealize folgt.

Laut James Staten, Vice President und Senior Analyst bei Forrester Research in Cambridge, dürften VMware-Kunden die größten Gewinner dieser Zusammenarbeit sein: Wenngleich für Googles Dataflow eine gewisse Lernkurve zu bewältigen sei, so seien doch Unternehmenskunden immer auf der Suche nach besseren Datenbank- und Speichertechnologien, womit die Vorteile des neuen Angebots den Nutzern sehr direkt zu Gute kämen. „Der Nutzen für VMware-Kunden liegt sicherlich darin, dass sie Zugriff auf Google-Dienste erhalten, deren Äquivalente bei VMware erst nach langer Entwicklungszeit zu erwarten gewesen wären“, so Staten.

Creative Solutions in Healthcare, ein texanischer Unternehmenskunde von VMware vCloud Air, hat sich nach Aussage seines CIO Shawn Wiora bereits mit Google getroffen, um sich über die Integrationsmöglichkeiten der neuen Werkzeuge informieren zu lassen. Googles breiter gefächerte technologische Stärken seien alleine bereits Grund zur Aufmerksamkeit, interessant sei jedoch insbesondere Google Block Storage, das großes Potenzial für IT-Abteilungen habe.

„Diesen Bereich sehen wir uns derzeit genauer an“, so Wiora. „Auf einem CIO-Treffen vor kurzem war dies in jedermanns Munde.“

vCloud Air und Googles Cloud-Plattform: Eine Hand wäscht die andere

Analysten zufolge haben sowohl VMware als auch Google Mühe, im Bereich Public Cloud mit Amazon Schritt zu halten. VMware ist im Enterprise-Markt fest im Sattel, lässt jedoch Agilität und Tools vermissen, die Kunden in der Public Cloud erwarten. Google hingegen gilt zwar als Platzhirsch für im Web skalierende Lösungen, spielt jedoch im Enterprise-Umfeld keine expansionsfähige Rolle.

Scott Collison, VMwares Vice President für Cloud-Dienste, und Chris Rimer, Leiter von Googles Kooperationssparte für Cloud-Plattform, räumten diesen Einschätzungen einen gewissen Wahrheitsgehalt ein und betonten, dass die Zusammenarbeit ihrer Unternehmen dazu beitrage, diese Lücken zu füllen.

„Beiden Seiten ist damit geholfen, Kundenkreise und Zielgruppen zu bedienen, in denen wir beide bereits aktiv sind, uns jedoch gegenseitig nicht zur selben Zeit in denselben Gesprächen befunden haben“, erklärt Rimer.

Laut Analysten hilft die Vereinbarung beiden Unternehmen, Google soll dadurch jedoch am meisten zu gewinnen haben.

„Google verfügt über nahezu keine Infrastruktur-Präsenz in Konzernen, entsprechend hoch einzuschätzen ist daher die Möglichkeit, diese Dienste neuen Kunden vorstellen zu können“, urteilt Jilllian Mirandi von Technology Business Research (TBR). Mirandi zufolge sei sein Unternehmen von der Vereinbarung nicht besonders überrascht worden, da TBR schon länger darüber nachgedacht habe, dass der Vertrieb seiner Dienste durch Dritte nützlich für Google sein könne, um sich auf seine technologischen Stärken zu konzentrieren.

Irritiert sei man hingegen, dass die Vereinbarung mit VMware zustande gekommen sei, so Mirandi. Für sinnvoller gehalten habe man Anbieter-unabhängigere Partner wie Dell oder HP, da diese stärker daran interessiert seien, als Broker im Cloud-Geschäft aufzutreten. Es sei daher nicht auszuschließen, dass die Kooperation kein Einzelfall bleibe: „Sie verfügen zwar über einen Direktvertrieb, der intensiv mit Konzernen zusammenarbeitet – aber eine Partnerschaft mit Anbietern, die bereits im Konzerngeschäft verwurzelt sind, würde Google wesentlich schneller die Tür zum hybriden Enterprise-Markt öffnen.“

Die Vereinbarung bindet die Partner keineswegs exklusiv. VMware steht es daher frei, konkurrierende Produkte zu produzieren und zu vermarkten. Google seinerseits kann vergleichbare Vereinbarungen auch mit Dritten eingehen.

Laut Mirandi habe Amazon seine Expansion in den Enterprise-Sektor mit einem speziellen Team für entsprechende Cloud-Services begonnen, wohingegen Google offenbar eine abweichende Strategie über Partnerschaften verfolge, um seinen Fokus auf der dahinterstehenden Technologie belassen zu können.

Staten bewertet die Situation allerdings ganz anders. Er erkennt bei Google die Strategie, das Wissen von VMware schrittweise in das eigene Unternehmen zu überführen, um die eigene Wertschöpfung im Bereich Support und Enterprise-Beziehungen zu verbessern – ein Vorgehen, das für VMware langfristig durchaus abträglich sein könne. VMwares Vertriebsleitung gönne Google kaum Aufmerksamkeit, während Reseller sehr viel eher bereit seien, Googles Ziele zu unterstützen.

„Langfristig werden sich für VMware Nachteile daraus ergeben, jetzt einen unglaublich agilen Konkurrenten an die eigene Kundenbasis herangeführt zu haben. Und obgleich Google in Enterprise-Kreisen kaum Gehör genießt, hat VMware ihnen eben diesen Zugang jetzt gegeben“, bilanziert Staten.

VMware-Kunde Wiora sieht aufgrund seiner Erfahrungen im Bereich des verwalteten und sicheren Hostings keinen Anlass, die Strategie zu ändern: „Es ist gerade einmal ein Jahr her, dass Google kaum etwas zum Thema HIPAA-Compliance mitzuteilen wusste. Unsere Ausrichtung bleibt voll und ganz auf vCloud Air konzentriert, denn VMware versteht und schätzt unsere Situation und ist in diesem Bereich wohl Marktführer.“

Offene Fragen zur VMware-Google-Cloud

Es wird abzuwarten sein, auf welche Weise die Google-Technologien letztendlich integriert werden. Scott Collison von VMware gab mittlerweile zu, dass sowohl Markteintrittsstrategie als auch Details zum Preisgefüge gegenwärtig noch nicht feststünden.

Laufe Googles Code einmal auf VMwares Infrastruktur, glaubt Mirandi, so sei es im Segmentierungsfall durchaus möglich, dass für vCloud-Air-Kunden eine gesonderte Version von Googles Cloud-Diensten eingesetzt werde und diese damit einige der kleineren, häufigeren Updates nicht erhielten.

VMware weist auf NSX als Brücke zu Googles Cloud-Diensten hin und will damit Bedenken zur Integration oder Migration ausräumen. Laut James Staten von Forrester Research bleiben zum derzeitigen Standpunkt aber durchaus wichtige Fragen offen, beispielsweise, wie VMware Googles Produkte in vCloud Air nativ integrieren will oder wie die unterschiedlichen Verwaltungswerkzeuge Kunden in einem konsistenten Zustand angeboten werden: „Es gibt definitiv noch einiges zu tun, aber sie haben eine derartig lange Startbahn, dass selbst Zweifler ihr mögliches Abheben werden einräumen müssen. Mein Rat an Kunden bleibt dennoch, grundsätzlich niemals die 1.0-Version eines Produkts zu erwerben.“

Wenngleich noch verschiedene Falten ausgebügelt werden müssen, sagt VMware seinen Kunden schon heute eine relativ nahtlose Integration zu, die in denselben Web-Oberflächen und Verwaltungswerkzeugen resultieren soll, die vCloud Air-Nutzer gewohnt sind.

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