Kognitio WX2 auf dem Weg in den deutschen Markt

Kognitio ist einer der zahlreichen Spezialanbieter für analytische Datenbanken, die seit wenigen Jahren viel Bewegung in den Datenbankmarkt gebracht haben.

Kognitio ist einer der zahlreichen Spezialanbieter für analytische Datenbanken oder Data-Warehouse-Appliances, die seit wenigen Jahren einen deutlichen Aufschwung verspüren und viel Bewegung in den Datenbankmarkt gebracht haben. Kognitio gehört in die Gruppe der analytischen Datenbanken und Data-Warehouse-Appliances wie Teradata, Netezza, DATAllegro (Microsoft), Greenplum, HP Neoview, Exasol, Vertica, ParAccel, und andere. Eine Unterscheidung zu vielen dieser Anbieter sieht Kognitio in einer höheren Ausgereiftheit seiner Technologie, die in der langen Historie und Entwicklungsgeschichte der Datenbank begründet ist.

Die Historie von Kognitio geht zurück bis 1992, Gründungsdatum der Firma WhiteCross Systems, mit der Kognitio im Herbst 2005 fusionierte. Mit einem Hauptquartier in Großbritannien hat Kognitio zunächst seine Technologie weiterentwickelt und im Heimatmarkt Referenzen etabliert. 2007 startete die internationale Expansion mit einem Schritt in die USA mit Büros in Chicago und New York. 2008/2009 steht nun der nächste Expansionsschritt in weitere europäische Länder an.

WX2 wurde als Spezialdatenbank für analytische Zwecke mit folgenden Eigenschaften konzipiert (in diesem ersten Blick auf das Produkt basieren alle Angaben auf einer Diskussion mit dem Hersteller und nicht auf einem Labortest, der für eine detailliertere Bewertung in einer BARC-Studie notwendig wäre):

  • Zeilenbasierte relationale Datenbank, die ohne Indizes arbeitet. Jede Abfrage wird als voller Scan über die Datenbank abgearbeitet, wobei diese zu einem möglichst großen Teil im Hauptspeicher liegt;
  • Verhältnis Rohdaten zu geladenen Daten in der Datenbank ca. 1 : 1,2;
  • Vollständig paralleles System in shared nothing Architektur;
  • Die Kommunikation zwischen den Servern, klassischer Schwachpunkt der shared nothing Architektur, wurde über die Jahre optimiert, so dass der Performance-Verlust hierbei sehr klein sein soll;
  • Kein Einfluss des Anwenders auf Distribution der Daten über die Nodes, Speicherung relativ weniger Daten pro Node (< 200GB);
  • Alle Query-Aufgaben werden in Maschinencode übersetzt, was den auszuführenden Code auf 1/10 reduzieren und damit zu Geschwindigkeitsvorteilen führen soll;
  • Suse Linux Unterstützung;
  • Zur Datenintegration können Standard-ETL-Werkzeuge eingesetzt werden, wobei noch keine spezielle WX2-Unterstützung im Markt verfügbar ist. Generell wird der ELT-Ansatz (Transformation in der Datenbank) präferiert, da die Geschwindigkeit der Datenbank genutzt werden soll.

Was an den technischen Spezifikationen auffälligerweise fehlt, ist eine Kompression der Daten zur weiteren Reduktion des Speicherplatzbedarfes und eine Unterstützung von MDX-Zugriffen auf die Datenbank, so dass auch analytische Anwenderwerkzeuge, die nur MDX absetzen können, mit der Datenbank zusammen arbeiten können.

Kognitio nennt einige Performancekennziffern, die ohne konkretes Einsatzszenario zwar nicht prüfbar und damit nur unter starkem Vorbehalt nutzbar sind, aber einen Eindruck von der eigenen Sichtweise der Marktpositionierung geben:

  • Anspruch ist, 40x schneller in Abfragen zu sein als Oracle bei günstigeren Implementierungs- und Betriebskosten;
  • Auch bei gemischten Abfrageprofilen (mixed workload) soll Kognitio schneller sein als alle anderen Data Warehouse Plattformen, inkl. anderer analytischer Spezialdatenbanken;
  • Die Scan-Rate der Datenbankabfragen soll 350 Million Daten pro Sekunde pro Node erreicht haben.

Interessant ist das Implementierungsmodell, das Kognitio in den vergangenen Jahren verändert hat. Mit der 2005 veröffentlichten Version 6 von WX2 ist neben der bis dahin angebotenen klassischen Data-Warehouse-Appliance (Koppelung von Software und Hardware) auch eine reine Softwarelizenz unabhängig von Hardware hinzugekommen. Kognitio geht hier den Weg von einigen Appliances, die sich von der strikten Hardwareabhängigkeit lösen. Im Aufbau ist momentan ein drittes Implementierungsmodell: "Data Warehousing as a service". Die Bereitstellung der Datenbank (-Appliance) als Service wird vor allem für Hosting Unternehmen angeboten.

Große Hürde für Kognitio ist wie bei allen Spezialanbietern analytischer Datenbanken die Zurückhaltung von Unternehmen in Datenbanken bzw. Datenbankanbietern zu investieren, die eine geringe Verbreitung haben und für die wenig Know-How im Markt ist. Andererseits sollte für den Betrieb von Datenbanken wie WX2 wenig Know-How ausreichen, insofern wäre ein ausführlicherer Test für einige Unternehmen in Datenbankentscheidungen in spezifischen Einsatzszenarien analytischer Systeme vielleicht interessant.

Über den Autor:

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

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