Wie VMware mit der veränderten Dynamik virtueller Rechenzentren umgeht

Die Server-Virtualisierung hat die Leistungsfähigkeit der Rechenzentren gesteigert und die Arbeit der IT-Administratoren erleichtert

Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts hat Server-Virtualisierungs-Software zu einer mächtigen Kraft in Rechenzentren werden lassen, die IT-Abteilungen mehr Flexibilität und einen deutlich effizienteren Betrieb ermöglicht. Jetzt aber zeigt sich, dass die Virtualisierung selbst nur der einfachste Teil war: Die Anwendung der Virtualisierung auf andere dynamische Bereiche von Rechenzentren steckt noch in den Kinderschuhen.

Die logischen Fortsetzungen des Trends zur Server-Virtualisierung sind Cloud Computing, Software-definierte Netzwerke und Veränderungen in Geschäftsmodellen, doch hier ist der Weg zum Erfolg weit weniger klar. Immer noch gibt es Bedenken im Hinblick auf die Sicherheit von Clouds, auch Software-definierte Netzwerke müssen ihr wahres Potenzial erst noch entfalten. Auch der Umstieg von VMware auf eine vRAM-Lizensierung und -Preispolitik, der in Richtung eines Cloud-Modells ging, hat sich als enorm unpopulär erwiesen – nach gerade einmal einem Jahr musste er wieder aufgegeben werden. In diesem Interview spricht Stephen Herrod, Chief Technology Officer von VMware, über die sich wandelnde Dynamik für Rechenzentren und andere Trends.

Bei allem, was man so über Software-definierte Rechenzentren, Storage und Netzwerke hört: Warum sollten IT-Profis Software-Anbietern wie VMware auch in Bezug auf Hardware trauen?

Stephen Herrod: Man muss hier etwas differenzieren. Bei Software-definierten Rechenzentren geht es um die Bereitstellung sämtlicher Dienste mittels Software. Ein wesentliches Ziel dieses Vorgehens besteht darin, die Elemente zu automatisieren, die sich bislang nicht automatisieren ließen.

Viele unserer Hardware-Partner machen ihr Hardware-Angebot derzeit mandantenfähig und leichter automatisierbar, so dass wir es in das System mit einbeziehen können. Es ist aber nicht in Stein gemeißelt, dass alles in dieser Welt nur in Form von Software läuft.

Die Grenze zwischen Software und Hardware verschwimmt zusehends. Wie wird dies die Rolle der IT-Abteilung und die Dynamik von Rechenzentren verändern?

Wir sehen wirklich diese Idee vom Cloud-Betrieb. Wir haben sie CloudOps – in Anlehnung an DevOps – genannt. Man muss begreifen, wie die Hardware mit hineinspielt. Wir haben dies bereits im Rahmen der allgemeinen Virtualisierung feststellen können: Es darf nicht sein, dass Sie ein eigenes Storage-Silo, ein Netzwerk-Silo und ein Server-Silo betreiben.

Wer ist Ihrer Meinung nach künftig für den Umgang mit Endanwendern zuständig?

Bisher gab es das Windows-Team oder das Desktop-Team, für Mobilität aber ist meistens ein anderes Team zuständig. Die Idee allgemeiner IT-Dienstleistungen bedeutet tendenziell auch eine andere Art von Team. Es müsste relativ hoch in der Organisation angesiedelt sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn Sie versuchen, eine bereichsübergreifende Suite zu realisieren.

Ich denke, dass es neue Rollen geben wird, die für sämtliche Endanwender-Zugriffe zuständig sind. Das gilt umso mehr, weil immer mehr Elemente außerhalb der Firewall liegen und nicht mehr dem Unternehmen selbst gehören.

Öffentliche Clouds – sieht es dort für VMware so aus, dass Amazon alle anderen abhängt? Und sind Sie zufrieden mit der Marktakzeptanz Ihrer als vCloud vermarkteten Dienste?

VCloud ist derzeit eines unsere am schnellsten wachsenden Segmente. Unsere VMware Service Provider Partner konzentrieren sich hier eher Enterprise-Kunden als auf Entwickler.

Wie viele vCloud-Partner gibt es weltweit?

Da sind auf der einen Seite die Service-Partner für Rechenzentren. Sie bilden die höchste Stufe und müssen viele Verpflichtungen eingehen, um Mitglied dieses Programms zu werden. Sie bieten die komplette Suite an und müssen eine Reihe von Zertifizierungen in Bezug auf ihre Anlagen sowie ihre Schulungen und Technologie durchlaufen. Ich denke, dass wir inzwischen zehn von dieser Sorte haben.

Aber wenn wir weiter herunter zu den vSphere- und vCloud-Partnern gehen, dann liegen wir hier bei mehr als 3000. Diese Partner verwenden nur das jeweilige Produkt als zentralen Bestandteil ihres Angebots. Bei der letzten Zählung waren wir damit in insgesamt 29 Ländern vertreten.

Ich vergleiche das mit einer Art Cloud-Franchisingmodell. Es gibt lokale Vorlieben und Anforderungen. Deshalb denken wir, dass ein lokaler Partner mehr erreichen kann, als wenn wir versuchen würden, eine einzige globale Cloud zu realisieren. Daten sind der Dreh- und Angelpunkt – sie sind in jedem Bundesstaat und erst recht in jedem Land unterschiedlich.

Im vergangene Jahr sagten Sie über Ihr vRAM-Lizenzmodell „Wir müssen Nägel mit Köpfen machen und realisieren, dass sich die Welt zu Pools von Rechen-Ressourcen und Clouds bewegt.“ Jetzt ist VMware zum früheren Lizenzmodell zurückgekehrt. Ihre Zukunftsvision passt also nicht mehr zu Ihrem Geschäftsmodell?

Wir hatten gute Gründe anzunehmen, dass die vRAM-Lizenzierung funktionieren würde. Nur leider konnten sich die Kunden noch nicht dafür begeistern. Tatsächlich waren die Kosten für die Kunden in beiden Modellen gar nicht unterschiedlich. Ich denke, es war etwas komplex, und die Kunden waren einfach noch nicht bereit dafür.

Bei all den Tools, die es inzwischen für die Verwaltung, Überwachung und Sicherung virtueller Umgebungen gibt: Was können IT-Abteilungen tun, um ihr Virtualisierungs- und Cloud-Management zu vereinfachen?

Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Tools unterschiedlichster Partner, die verschiedenste interessante Ideen umsetzen. In der Folge müssen die Leute erst einmal das Angebot und dann sorgfältig auswählen.

Es gibt nun überall Suites für VMware. Unser wichtigstes Ziel ist es, die Kunden nicht mit einer Vielzahl von Unterschieden in der Funktionalität zu verwirren. Wir haben zwei große Produkt-Starts hinter uns: Die vCloud-Suite 5.1, die insgesamt zwölf verschiedene Produkte bündelt und bei Endanwendern und Konsumerisierung eine Alpha-Version der Horizon Suite, die aus insgesamt sechs verschiedenen Produkten besteht.

Über den Autor:
Colin Steele ist Geschäftsführender Redakteur der Mediengruppe Data Center and Virtualization. Schreiben Sie ihm unter csteele@techtarget.com.

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