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SAP Business Warehouse Accelerator (BWA): Wiegen die Vorteile die Kosten auf?

Mit Business Warehouse Accelerator verbessert sich die Performance und Effizienz von SAP Business Warehouse deutlich - jedoch zu einem stolzen Preis.

Eine häufige Beschwerde über SAP ist, dass Abfragen im SAP Business Warehouse (BW) zu lange dauern. Im Hinblick auf Performance ist BW tatsächlich nicht gerade ein Vorbild. So arbeitet ein solides Data-Warehouse mit einem mehrdimensionalen Datenmodell, BW jedoch ist nur eine flache, relationale Datenbank. „Aus diesem Grund ist BW auch nicht für große Datenbestände skalierbar. Zudem war die Performance auch trotz diverser Tuning-Verfahren schon immer ein Schwachpunkt“, sagt Justin Burmeister der seit vielen Jahren als Administrator von SAP Basis tätig ist.

Mit dem Business Warehouse Accelerator (BWA) reagiert SAP nun auf diese Kritik. „Mit der Integration der Such-Engine TREX in BW, die alle Faktentabellen indiziert und im Speicher vorhält, ist SAP eine herausragende Architektur gelungen“, meint dazu Burmeister. So konnte die Performance bei Abfragen in BW von mehreren Minuten auf wenige Sekunden verbessert werden, und für unzureichende Daten-Subsets werden keine Abfragen mehr ausgeführt. Die Systemleistung wird dadurch nicht beeinträchtigt – Nutzer sind begeistert.

Bis die Rechnung kommt – und damit auch das nagende Gefühl, man würde hier für etwas zur Kasse gebeten, das SAP eigentlich schon von Anfang an hätte leisten müssen. Damit wächst auch die Frustration darüber, dass es günstigere Möglichkeiten zur Realisierung des gesamten Projekts gegeben hätte.

„Im Basis-Team gelten wir als Helden. Immerhin haben wir 20-Minuten-Abfragen mit BWA auf 2 Sekunden verkürzt“, erzählt Burmeister. Wobei es seiner Meinung nach „grotesk“ ist, welche Preise SAP angesichts der Beliebtheit von BWA verlangt.

„Das Lizenzierungsmodell ist echter Betrug“, sagt Burmeister. „Für mich ist das ein Workaround, der durch die grundlegenden Fehler in der Architektur von BW erforderlich wurde. Er wird jetzt als zertifizierte Hardware/Software-integrierte Lösung verkauft und dient als Goldesel für SAP und seine Hardware-Partner. Eigentlich sollte so etwas gar nicht notwendig sein.“

Warum ist der BWA so teuer?

Am häufigsten wird der Preis des BWA kritisiert. Mehrere befragte Kunden machen dafür die verfügbaren Vertriebsoptionen verantwortlich.

Der BWA wird nicht als Komplettpaket, sondern in zwei Teilen verkauft: Der Kunde erwirbt das Hardware-Paket von einem Hardware-Partner seiner Wahl, während die Software von SAP verkauft und lizenziert wird. Dabei ist die Software bereits auf der Hardware installiert und wurde schon im Vorfeld konfiguriert. Somit kann sie in der Kunden-Umgebung wie eine Appliance umgesetzt werden. Laut SAP war das Ziel, dem Kunden einen sofortigen Einsatz der Lösung zu ermöglichen. Als wichtigste BWA-Partner nennt SAP die Anbieter IBM, HP, Fujitsu, Dell, Cisco, Sun/Oracle und Teradata.

Der teuerste Posten ist die Hardware, auf der keine andere Anwendung ausgeführt werden kann. Wie Boris Evelson, Principal Analyst von Forrester Research berichtet, liegt der Listenpreis für die Software von SAP bei 50.000 US-Dollar. Für die Hardware werden laut Forrester durchschnittlich 200.000 Dollar fällig.

Die Unzufriedenheit der Kunden mit diesem Preismodell wurde auch von SAP zur Kenntnis genommen. Als Antwort auf eine E-Mail-Anfrage äußerte sich das Unternehmen wie folgt: „Wir haben die Diskussionen über den Preis des Produkts verfolgt. Einhergehend mit der Verbesserung von BWA werden wir unsere Flexibilität hinsichtlich Preis und Implementierung kontinuierlich überprüfen.“

Seitens der Nutzer gibt es ganz eindeutige Vorschläge, wie sich die Kosten für BWA senken ließen. Beispielsweise durch eine Installation in Eigenregie: „Kunden werden nicht gerade dazu ermutigt, den BWA selbst zu installieren“, sagt Tony De Thomasis, NetWeaver Technician beim australischen Postdienstleister Australia Post. Unternimmt der Kunde doch einen solchen Versuch, wird ihm bei der BWA-Installation folgende Meldung im Hauptbildschirm angezeigt: „Support wird nur bei Durchführung der Installation durch einen der folgenden Anbieter gewährleistet...“

„Ich würde meine Infrastruktur viel lieber selbst aufbauen und den BWA auf die gleiche Weise wie meine Instanz der NetWeaver Enterprise Search ausführen“, sagt dazu De Thomasis.

Burmeister zufolgen sollte SAP seinen Kunden gestatten, eigene Beschleuniger mithilfe vorhandener Hardware aufzubauen und die Software der TREX-Suchmaschine selbst in BW zu integrieren. Ein ihm bekannter Großkunde war zum Kauf von Blade-Hardware im Wert von 750.000 Dollar bereit. Hätte er diese Hardware nicht im Rahmen des BWA-Programms erworben, hätten die Kosten lediglich im Bereich zwischen 90.000 und 120.000 Dollar gelegen.

Für Kunden ist die Entscheidung nicht einfach, falls sie die Vorteile von BWA nicht einfach ignorieren wollen. „BWA ist zu einer bedeutenden Entscheidung geworden“, sagt Kurt Schlegel, Research Vice President bei Gartner. „Die Kunden können nur schlecht auf den Leistungszuwachs durch BWA verzichten. Andererseits müssen sie dafür ziemlich tief in die Tasche greifen, und SAP gewährt keinerlei Nachlässe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass SAP seine Haltung überdenkt. Dafür verdient das Unternehmen viel zu viel Geld mit dem BWA.“

Werfen wir dazu einen Blick auf die australische Post. Das Unternehmen verfügt über 80 SAP-Instanzen und ging vor kurzem im Rahmen eines BWA-Pilotprogramms eine Partnerschaft mit IBM ein. Laut De Thomasis ist die Performance bei Abfragen mit BW 7.01 jetzt akzeptabel. Allerdings ist die Datenbank mit 1,1 Terabyte (TB) bereits ziemlich umfangreich und wächst darüber hinaus jeden Monat um 200 Gigabyte. Damit verlängert sich auch wieder die Abfragedauer, und langfristig gesehen beeinträchtigt dies natürlich die Gesamtleistung des Systems.

Während des Pilotprogramms ermittelte das Team die zehn wichtigsten BW-Abfragen und führte anschließend folgende Versuche durch: Es startete eine Abfrage ohne BWA und hielt die Abfragedauer fest. Anschließend maßen sie bei gleicher Last die Dauer der Abfrage mit BWA. In einem dritten Szenario führten sie bei gleicher Last eine Abfrage ohne BWA, allerdings mit doppeltem Speicher auf einer BW-Instanz durch.

„Aus den Tests ging BWA als klarer Sieger hervor“, sagt De Thomasis. „Bei aktiviertem BWA verbesserte sich die Leistung in manchen Fällen um den Faktor 65.“

Ein großes Problem im Hinblick auf BWA bleiben die Kosten, wobei die australische Post darauf keine Rücksicht nehmen wird, da ganz klar geschäftliche Anforderungen Priorität haben. Das Unternehmen bereitet sich auf eine steigende Zahl von Abfragen für Analyse-Anwendungen und komplexe Adhoc-Abfragen über die Mobilgeräte von Mitarbeitern vor.

Laut Werner Hopf, CEO von Dolphin, einem auf Information Lifecycle Management spezialisierten SAP-Partner, sind für eine Entscheidung zur Implementierung von BWA die folgenden Faktoren ausschlaggebend: die Anzahl der pro Zeiteinheit in die Cubes geladenen Transaktionen, die Häufigkeit erforderlicher Änderungen bei Daten aus früheren Zeiträumen, Anzahl und Komplexität der Abfragen sowie die Zahl der Benutzer, die gleichzeitig eine Abfrage starten..

Alternativen zur Verbesserung der BW-Performance

Laut Schlegel müssen Kunden die Kosten für BWA dem Arbeitsaufwand (und der Datenlatenz) gegenüberstellen, die eine Verwendung von Aggregaten zur Verbesserung der BW-Leistung verursacht. Wie bei der australischen Post sind hier die Vorteile und Kosten der Entscheidung für den Kauf von BWA gegen einen simplen Zukauf von Hardware abzuwägen.

Allerdings gibt es noch weitere Möglichkeiten, die BW-Performance ohne Kauf von BWA zu steigern. Unternehmen sollten beispielsweise zuerst einen Blick auf Tuning-Möglichkeiten werfen. Laut Forrester-Analyst Evelson ist gerade hier noch viel Spielraum vorhanden.

„Ab einer bestimmten Größe ist BWA unverzichtbar“, sagt wiederum Hopf. Allerdings lasse sich die Performance bei Abfragen durch Implementierung von ILM und Archivierung durchaus deutlich verbessern. Eine gute Strategie sei die Implementierung von Nearline-Storage. Erst dann sollten Sie entscheiden, ob die Performance einen Kauf von BWA rechtfertigt. „Unter Umständen stellt ein Unternehmen dabei fest, dass es die Anschaffung von BWA zurückstellen oder bei einer Kombination aus Nearline-Storage und BWA zumindest den Umfang von BWA verringern kann“, so Hopf. Da sich BWA und die Produkte von Dolphin ergänzen, könnten Kunden eine billigere BWA-Installation wählen und die Performance dieser Lösung durch Implementierung von Nearline-Storage verbessern.

„Der spaltenbasierte Speicher von Nearline bietet Unternehmen eine ähnliche Leistung – nicht ganz, aber fast so schnell wie BWA“, so Hopf. So ließen sich 20-Minuten-Abfragen auf 10 bis 20 Sekunden verkürzen, und zwar zu einem wesentlich niedrigeren Preis. Abhängig von Hardware-Architektur und Anbieter belaufen sich die Kosten für ein BW-System mit 5 TB auf ungefähr 20.000 Dollar. Die Kosten für eine Lizenz für 1.000 Nutzer liegen bei etwa 150.000 Dollar. Im Vergleich dazu sind für ein BWA-System mit ebenfalls 5 TB  um die 675.000 Dollar fällig. Ein weiterer Vorteil sind die geringeren laufenden Kosten für Storage und Verwaltung.

„Zudem lässt sich die Nearline-Umgebung ohne zusätzliche Kosten auch für nicht-produktive Systeme (QA, Schulung, Sandbox, usw.) nutzen“, so Hopf. Bei BWA wären zumindest einige Blades erforderlich, um ein Test-System für Integrationstests zu realisieren.

„Im Kern geht es darum, dass es sich bei BW Accelerator um eine dedizierte Lösung zur Verbesserung von Performance oder Antwortzeiten von Abfragen geht“, meint Hopf. Das allerdings sei nicht unbedingt das einzige Kriterium für eine effiziente Infrastruktur für allgemeine Analysen und Business Intelligence.

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