Checkliste: Mit diesen fünf Schritten finden Sie den besten Hypervisor

Der richtige Hypervisor für das Data Center hängt nicht nur von den Kosten ab. Ihre Ansprüche, die der Firma und das Ökosystem sind entscheidend.

Die Diskussion um den Hypervisor ist ein heißes Thema. Für manche IT-Profis hat das schon religiöse Ausmaße. Man ist sich allerdings meist einig, dass zumindest bis vor kurzer Zeit VMware der unangefochtene Spitzenreiter mit seinem Angebot an fortgeschrittenen Virtualisierungs-Features war. Viele glauben aber, dass Microsoft mit der Herausgabe von Windows Server 2012 Hyper-V und Windows Server 2012 R2 Hyper-V aufgeholt hat. Es gibt darin viele äquivalente Features, für die VMware bekannt ist. Wegen dieser Fortschritte ist gerade jetzt der ideale Zeitpunkt, einen Hypervisor für Ihr Data Center zu wählen. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und stellt Ihnen mehr Optionen zur Verfügung. Wie gehen Sie aber an diese Sache heran? Hier finden Sie eine Checkliste, die alle relevanten Bereiche der richtigen Hypervisor-Wahl für das Data Center behandelt.

1. Kennen Sie Ihre Ansprüche?

Bevor Sie einen Hypervisor für den Einsatz in Ihrer Firma wählen, sollten Sie natürlich deren Ziele und Ansprüche kennen. Schließlich sind das Unternehmen und die eingesetzten Applikationen der Grund für das Data Center und Ihren Job. Allerdings hat nicht nur die Organisation Ansprüche, sondern auch Sie und Ihre Mitarbeiter.

Für diesen ersten Schritt, das Brainstorming, raten wir Ihnen zu Stift und Papier oder zum Einsatz eines Whiteboards. Schreiben Sie die Anforderungen Ihres Unternehmens und die eigenen Ansprüche auf. Meine persönliche Liste würde zum Beispiel so aussehen:

Meine Anforderungen an einen Virtualisierungs-Hypervisor:

  • Flexibilität
  • Skalierbarkeit
  • Benutzerfreundlichkeit (Usability)
  • Verfügbarkeit
  • Zuverlässigkeit
  • Effizienz
  • Zuverlässiger Support
  • Robustes Ökosystem

Die meisten der Anforderungen für das Unternehmen sind dieselben, die auch meine persönlichen Ansprüche widerspiegeln. Das sollte im Großen und Ganzen auch bei Ihnen zutreffen. Es gibt jedoch immer Differenzen zwischen persönlichen Anforderungen und denen der Firma. Zum Beispiel möchte mein Unternehmen auch einen Hypervisor haben, der erschwinglich ist oder einen gewissen Bekanntheitsgrad mit sich bringt. Möglicherweise gehören zu den Kriterien auch Fallstudien, die einen Erfolg nach der Implementierung beweisen.

  • Auch wenn sich die Anforderungen auf dem Papier decken, bedeuten diese womöglich nicht dasselbe.

Auch wenn sich Ihre Ansprüche mit denen des Unternehmens decken, kann es immer noch in verschiedene Richtungen gehen oder die Gewichtung komplett unterschiedlich. Vielleicht ist Ihre Interpretation von Verfügbarkeit, dass der Hypervisor nicht ausfällt während Sie schlafen. Aus dem Blickwinkel der Firma bedeutet Verfügbarkeit wahrscheinlich 99,99 Prozent Applikations-Verfügbarkeit. Skalierbarkeit definieren Sie vielleicht so, dass sich weitere Server und virtuelle Maschinen recht unkompliziert hinzufügen lassen. Das Unternehmen sieht darin möglicherweise, dass der Hypervisor virtuelle Maschinen mit einem TByte Arbeitsspeicher unterstützt und eine VM-zu-Host-Ratio von 300 zu 1 bieten kann.

Techniker lassen sich schnell von Geschwindigkeit und Statistiken begeistern, wenn Sie auf der Suche nach einem Hypervisor sind. Allerdings sollten Sie erst dann zu Schritt Zwei übergehen, wenn Sie Ihre Ansprüche und die Anforderungen Ihres Unternehmens komplett verstanden haben.

2. Die Features verstehen

Ich habe viel Zeit damit verbracht, die verschiedenen Hypervisoren zu vergleichen. Das trifft im Speziellen auf VMware vSphere und Microsoft Hyper-V zu. Dadurch habe ich viel in Bezug auf die feinen Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Hypervisoren gelernt. Oftmals liegen die größten Unterschiede im Ökosystem, der Anwenderfreundlichkeit, den persönlichen Erfahrungen und dem Komfort-Kriterium.

  • Alle Hypervisoren bieten Virtualisierung. Dennoch sind sie nicht gleich.
  • Sehen Sie sich die kleinen aber feinen Unterschiede gut an!
  • Der Nutzen für das Unternehmen steht immer im Vordergrund.

Das soll natürlich nicht heißen, dass der Hypervisor selbst nicht mehr ausschlaggebend ist. Einige Journalisten und auch Microsoft wollten dies so darstellen. Ich kaufe ihnen das allerdings nicht ab. Warum, fragen sie? Es ist als würde man sagen: „Alle Autos bringen Sie von A nach B. Somit sind sie alle gleich.“. Den meisten Autobesitzern sind aber tatsächlich die Features und die feinen Unterschiede wichtig, die unterschiedliche Wettbewerber zur Verfügung stellen.

Nach was sollten Sie dann allerdings Ausschau halten? Die Antwort darauf kennen Sie bereits. Es sind die Features und Vorteile, die Sie im ersten Schritt spezifiziert haben. Sie wollen möglicherweise die Flexibilität genießen, laufende virtuelle Maschinen ohne Downtime von einem Host zu einem anderen umziehen zu können. VMware vMotion oder Microsofts Live Migration bieten das. Liegt der Fokus auf Verfügbarkeit, müssen sich virtuelle Maschinen nach dem Ausfall eines Hosts oder einem Absturz des Betriebssystems selbständig neu starten können.

Versichern Sie sich, dass die Features des Hypervisors immer für das Unternehmen vorteilhaft sind. Lassen Sie sich nicht von Statistiken oder den technischen Spezifikationen blenden. Sehen Sie sich die Software immer aus der Unternehmensperspektive an.

3. Erkunden Sie das Ökosystem

Evaluieren Unternehmen ein Produkt, vergessen sie dabei oft das Ökosystem in Augenschein zu nehmen. Als IT-Manager haben ich viele Software- und Hardware-Produkte evaluiert und gekauft. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man sich zu leicht von den Kenntnissen und Empfehlungen der Verkäufer beeinflussen lässt und daraufhin eine Kauf-Entscheidung fällt. Ebenso ist es einfach, sich einer von einem Hersteller gesponserten Veranstaltung anzuschließen. Möglicherweise sind Sie danach von einem Produkt begeistert und kaufen es, ohne sich vorher die Konkurrenz genauer angesehen zu haben.

Allerdings ist das Ökosystem um ein Produkt entscheidend. Ich erachte das Ökosystem als eine Vielzahl von Komponenten. Dazu gehören:

  • Verfügbarkeit von Knowledge-Base-Artikeln zum Produkt.
  • Bücher, Videos und Blog-Inhalte von Drittanbietern.
  • Schulungsangebote und Optionen für Zertifizierungen.
  • Tools von Drittanbietern, die bei der Steigerung der Produktivität helfen.
  • APIs und Applikations-Integration.
  • Die Teilnahme an lokalen User-Group-Treffen.
  • Die Anzahl der offenen Job-Angebote für dieses spezielle Produkt. Das zeigt, dass andere Firmen diese Technologie ebenfalls einsetzen und dementsprechend Leute suchen.
  • Die Anzahl an Consulting-Firmen, die Dienstleistung zu diesem Produkt anbieten. Dazu gehört natürlich auch die erfolgreiche Implementierung bei anderen Unernehmen.

Wollen Sie das Ökosystem unter die Lupe nehmen, können Sie sich auch mit anderen Firmen über positive und negative Erfahrungen austauschen. Oftmals treffen Sie diese Menschen bei lokalen User-Group-Treffen.

4. Vergleichen Sie die Kosten

Unternehmen sind deswegen im Business, weil Sie Geld verdienen wollen. Daher möchten sie eine Lösung haben, die sich im Endeffekt wieder auszahlt (ROI / Return of Investment). Allerdings lässt sich der ROI in Bezug auf einen Hypervisor schwer kalkulieren. Bestimmten Features, die große Flexibilität bieten, kann man nur sehr schwer ein Preisschild umhängen.

  • Es muss nicht immer das Beste vom Besten sein und möglicherweise lässt sich in bestimmten Bereichen eine kostenfreie Version einsetzen.

Dennoch können Sie zumindest die Anschaffungs-Kosten für die entsprechenden Produkte vergleichen und welche Funktionen Sie für die verschiedenen Preis-Staffelungen bekommen. Glauben Sie nicht, dass Sie immer die höchste Edition benötigen. Ebenso muss es nicht immer die komplette Suite sein. Ihre Zweigstellen kommen vielleicht mit der kostenlosen Version eines Produkts ganz gut zurecht. Möglicherweise brauchen Sie die Suite auch erst in ein paar Jahren.

Auf jeden Fall sollten Sie die Entscheidung für einen Hypervisor nicht nur an den Kosten festmachen. Auch hier sind in erster Linie die Ansprüche ausschlaggebend. Das verfügbare Ökosystem und Ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Produkt spielen ebenfalls eine Rolle.

5. Testen Sie selbst

Es gibt keinen besseren Test, als selbst auszuprobieren. Weiterhin ersetzen geschriebene Texte niemals persönliche Erfahrung. Sie können keinen Hypervisor kritisieren, solange Sie keine persönliche Erfahrung damit gesammelt haben. Zum Glück reichen ein existierender Desktop oder ein Notebook für ein erstes Schnuppern aus. Sowohl VMware vSphere als auch Microsoft Hyper-V lassen sich in VMware Workstation oder VMware Fusion betreiben. Damit haben Sie eine kleine, aber feine Test- und Lern-Umgebung.

Sobald Sie den Chef oder die Mitarbeiter von einer Entscheidung überzeugen wollen, wirken die Anfangsworte „In meiner Testumgebung“ Wunder.

Wollen Sie Ihren Hypervisor im Data Center umstellen oder einen hinzufügen, ist diese Checkliste hoffentlich von Nutzen. Damit finden Sie den Hypervisor, der am besten für Ihre Firma geeignet ist.

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