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Projekte für mobile SAP-Anwendungen richtig planen

Bei der Entwicklung von Mobile Apps für SAP-Anwendungen bedarf einer strukturieren Analyse und Prozessplanung, um die Anforderungen ideal zu erfüllen.

Angesichts der geradezu explosionsartigen Verbreitung von Smartphones und mobilen Anwendungen wünschen sich viele Geschäftskunden für ihre Unternehmensanwendungen die gleiche Mobilität und Benutzer-Freundlichkeit wie bei ihren privaten Geräten. Dies gilt auch für SAP. Doch bei einem so umfassenden und komplexen System, so sagen Branchenexperten, ist sorgfältige Planung ebenso erforderlich wie das Setzen von Prioritäten.

Die Anforderungen an eine Portierung von SAP-Anwendungen auf mobile Geräte haben sich erheblich verändert. SAP-Endkunden wünschen sich mobile SAP-Anwendungen, deren Funktionsumfang über das bloße Abarbeiten serviceorientierter Prozesse hinausgeht: Sie wollen Software, mit der sich schneller auf Kundenanfragen reagieren und die Wettbewerbsfähigkeit steigern lässt.

„Bei mobilen SAP-Anwendungen geht es heute nicht mehr nur um Prozesse an der Verladerampe. Sie integrieren auch Vorgänge im Vertrieb und richten sich so zunehmend an Wissensarbeiter“, sagt Chris Hazelton, Analyst bei der 451 Group. So legten Nutzer immer mehr Wert auf einen verbesserten Zugriff auf Kundendaten und einen schnellen Überblick über Performance und Ziele – also auf mehr CRM-Funktionen, Analysen und Tools für Zusammenarbeit.

In Bezug auf die Planung von Projekten für mobile SAP-Anwendungen stellt die zunehmende Popularität mobiler Anwendungen die IT vor mehrere Herausforderungen. Dazu zählen die Berücksichtigung verschiedener Geräte und Betriebssysteme, das Festlegen von Prioritäten für die Implementierung von Funktionen sowie die Rentabilitätsberechnung für bereits umgesetzte Funktionen.

„Meiner Ansicht nach haben wir bei der Funktionalität mobiler Anwendungen einen Wendepunkt erreicht“, sagt Warren Wilson, Research Director bei Ovum. Die Herausforderung sei heute, festzulegen, welche Funktionen in eine mobile Anwendung integriert werden sollen und anschließend herauszufinden, wie man dabei vorgeht.

Erste Schritte bei Projekten für mobile SAP-Anwendungen

Als Erstes müssen Unternehmen Richtlinien für mobile Anwendungen festlegen. In vielen Unternehmen vermischen die Angestellten bei der Auswahl mobiler Anwendungen ihre persönlichen Vorlieben mit geschäftlichen Erfordernissen. Dies stellt die IT-Abteilung vor Probleme, weil eine Vielzahl unterschiedlicher Geräte, Betriebssysteme und Anwendungen diverser Hersteller auf das Netzwerk des Unternehmens zugreift.

„Die steigende Zahl an Insellösungen und autonomen Komponenten wächst sich zu einem echten Problem aus“, so Michele Pelino, Principal Analyst von Forrester Research aus dem US-Bundesstaat Massachusetts. „Man braucht deshalb unbedingt eine strategische Vision für mobile Richtlinien.“

Laut Wilson lassen sich durch die standardmäßige Verwendung nur eines Geräts mehr Sicherheit und bessere Kostenkontrolle gewährleisten. Den Nutzern hier freie Wahl zu lassen, könne im Endeffekt sehr kostspielig werden, denn dann müssten auch die Anwendungen auf sämtlichen Modellen laufen. Allerdings habe umgekehrt auch die Festlegung auf ein Standard-Gerät Nachteile: Nutzer seien oft gegen derartige Vorgaben und würden deshalb nach Anwendungen Ausschau halten, deren Kauf sie selbst genehmigen können.

Deshalb prüfen viele Unternehmen, ob sie ihre Netzwerke für den Zugriff durch mehrere Betriebssysteme öffnen sollten, so Pelino. Die Realität sehe ohnehin häufig schon so aus, dass sich das nicht vermeiden lässt und zumindest drei oder vier Betriebssysteme unterstützt werden müssen. „Mehrere Betriebssysteme werden zur Norm“, sagt Pelino. „Das Ausmaß an Fragmentierung nimmt erst einmal zu, bevor es wieder geringer wird.“

Zudem bringt auch eine Beschränkung der zulässigen Betriebssysteme Nachteile mit sich. In der Regel eignen sich nicht alle Anwendungen für nur ein Betriebssystem oder ein bestimmtes Gerät. Pelino weiter: „Wenn sich Unternehmen damit beschäftigen, welche Betriebssysteme sich am besten für eine bestimmte Anwendung eignen, müssen sie auch Faktoren wie Display-Größe, Akkulaufzeit, Sicherheit und Usability berücksichtigen. Legt man sich auf nur ein Betriebssystem fest, schränkt das unter Umständen auch die Anzahl mobiler Anwendungen ein, die man Mitarbeitern zur Verfügung stellen kann.“

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SAP arbeitet für die Realisierung mobiler Anwendungen für Unternehmen mit Sybase zusammen, das es im Mai 2010 übernommen hat. Laut SAP werden zugleich weiter auch andere Partner wie Syclo bei der Entwicklung mobiler Anwendungen einbezogen. Für die strategische Entscheidung zur Zusammenarbeit mit mehreren Anbietern mobiler Anwendungen gab es für SAP mehrere Gründe: die ausufernde Zahl mobiler Geräte, die Produkteinführungszeit sowie die immer schnelleren Veränderungen am Markt.

Eine der Herausforderungen für SAP war laut Wilson die Einzigartigkeit jeder Implementierung. Bei der Entwicklung von SAP-Anwendungen werden teils vollkommen unterschiedliche Ansätze verfolgt. Somit liegen diesen einzelnen Implementierungen oft völlig eigene Datenschemata zugrunde. „Wenn mobile Anwendungen auf einem Datenschema beruhen, müssen mobile SAP-Anwendungen stets individuell angepasst werden, damit sie robust genug sind.“

Um diese Herausforderung zu meistern, arbeiten Systemintegratoren (SI) wie Accenture und IBM mit Unternehmen wie Sybase zusammen, die beim Kunden die Implementierung dieser Anwendungen übernehmen. SAP verweist Kunden also an einen SI, der anschließend mithilfe der Tools und Anwendungen der SAP-Partner die Anwendungen entsprechend anpasst. In den meisten Fällen kann ein Partner laut Wilson den größten Teil der Planung und der Implementierung übernehmen. Alternativ stehen sofort einsatzbereite Anwendungen von Anbietern mobiler Lösungen zur Verfügung.

Durch seinen EcoHub hat SAP die Suche nach solchen Partnern erheblich vereinfacht. Auf diesem Online-Marktplatz werden die Produkte der SAP-Partner angeboten und von den Nutzern bewertet. Plant ein Kunde den Einsatz mobiler SAP-Anwendungen, verweist SAP ihn fast immer an einen seiner Partner.

Festlegen der Priorität mobiler Anwendungen

Laut Pelino sollten Unternehmen im Hinblick auf die Entwicklung mobiler SAP-Anwendungen prüfen, in welchen Bereichen sie die größten Vorteile für ihre geschäftlichen Abläufe erzielen, und ihre Prioritäten danach ausrichten. Bei der Auswahl von Anwendungen sollte immer zuerst berücksichtigt werden, welche Mitarbeiter am häufigsten sind. Dabei solle die Frage im Vordergrund stehen, wer kann im Kundenservice auftretende Themen schneller bearbeiten kann.

„Viele Unternehmen konzentrieren sich zuerst auf die Anwendungen, mit denen sich die Produktivität oder Effizienz von Mitarbeitern steigern oder Probleme im Kundenservice und Support lösen lassen“, so Pelino. Denn Unternehmen stünden immer unter dem Druck, mit weniger Mitarbeitern mehr leisten und gleichzeitig für die Zufriedenheit ihrer Kunden sorgen zu müssen.

„Profitable Geschäftsbereiche sollten als erste mit mobilen Technologien ausgestattet werden“, sagt Chris Hazelton von der 451 Group. Bei der Implementierung von Anwendungen sollten sich Unternehmen ansonsten stets einen Prozess nach dem anderen vornehmen. Kostenstellen wie die Personalabteilung müssten daher zunächst zurückstehen, wobei der Einsatz fertiger Anwendungen von SAP-Partnern Zeit und Geld sparen könne.

Messen der Rendite von mobilen SAP-Projekten

Vor einer Implementierung der mobilen Anwendungen muss unbedingt festgelegt werden, wer davon profitieren soll und wie die Vorteile gemessen werden. Hazelton schlägt hier vor, zunächst genau festzustellen, wie viel die nicht-mobile IT-Unterstützung für den Vertrieb aktuell kostet und wie viel Umsatz dadurch erzielt wird. Als nächstes solle man prüfen, wie viel die mobile Unterstützung kosten würde und ob der erwartete Umsatzzuwachs diesen Aufwand rechtfertigt.

Hilfreich ist es in diesem Zusammenhang auch, sich vom Anbieter Angaben zur Rentabilität bei ähnlichen Kunden und Projekten zur Verfügung stellen zu lassen. Anhand von Referenzwerten vergleichbarer vertikaler Märkte lässt sich leichter abschätzen, auf welchem Niveau sich Kosten und Rendite tatsächlich bewegen. Gleichzeitig ist es wichtig, die Endnutzer so früh wie möglich in den Entwicklungsprozess mit einzubeziehen. Damit, so Wilson, lässt sich sicherstellen, dass die entwickelte Anwendung überhaupt den wahren Bedürfnissen der Nutzer entspricht.

Auf keinen Fall aber sollte man zu viel auf einmal versuchen – dies ist einer der größten Fehler, den Unternehmen machen können, und er erschwert zugleich die genaue Ermittlung der erzielten Vorteile.

Faktoren wie Display-Größe und Akkulaufzeit setzen bei mobilen Geräten natürliche Grenzen, sagt Pelino. Unternehmen sollten daher bei den Nutzern keine zu hohen Erwartungen wecken – die Desktop-Erfahrung lasse sich selten vollständig nachbilden. „Die Nutzer wollen natürlich erstmal alles“, so die Analystin. Doch oft komme es dann so, dass Unternehmen große Summen investieren und am Ende doch keiner die damit aufgebauten mobilen Angebote wirklich nutzt.

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