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Outsourcing von SAP Basis bringt Gelegenheiten für Neuqualifizierung

Das Outsourcing des SAP-Supports kann für Unternehmen sehr sinnvoll sein, da so hochqualifizierte Mitarbeiter für andere Bereiche verfügbar werden.

Den Support für SAP Basis nach außen zu vergeben, bringt ein wichtiges Thema auf: Was soll mit den für Basis zuständigen Mitarbeitern geschehen, wenn ein externer Anbieter die alltägliche Administration übernommen hat?

Viele entscheiden sich für ein Outsourcing dieser entscheidenden SAP-Funktion, da sie Geld sparen oder auf einen Talent-Pool zugreifen wollen, den es im Unternehmen nicht gibt. Solche Unternehmen haben also typischerweise keine besondere Basis-Kompetenz in der Belegschaft oder wollen nicht dafür bezahlen. Ein Outsourcing schafft für sie also auch keine Gelegenheit, kompetente Personen anderen IT-Initiativen mit höherem Wert zuzuordnen.

In anderen Fällen gibt die Verlagerung des alltäglichen Basis-Supports nach außen IT-Abteilungen aber durchaus die Möglichkeit, ihre internen Ressourcen neu zu sortieren. Oftmals hoch talentierte und bezahlte SAP-Experten lassen sich so in neuen Initiativen einsetzen, die dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile verschaffen können.

„Outsourcing schafft eine Gelegenheit, neu zu bewerten, welche Leute unbezahlbar sind“, sagt Jon Reed, unabhängiger SAP-Analyst und SAP Mentor. „Das Prinzip ist letztlich, Leute zu finden, die das Geschäft verstehen und eine Leidenschaft dafür haben, die Lücke zwischen Technologie, Unternehmenskultur und Menschen zu schließen“.

Profis für SAP Basis sind besonders vielseitig, und ihre Fähigkeiten gehen weit über Wartungsarbeiten mit Bugfixes und Patches hinaus. Die meisten von ihnen beherrschen mehr als eine Programmiersprache im SAP-Umfeld und sind auch in Gebieten jenseits von ERP-Systemen bewandert, etwa bei Datenbank-Administration, Business Intelligence, Java und selbst Systemsicherheit. Außerdem haben sie genaue Kenntnisse darüber, wie ein Unternehmen funktioniert. Wenn sie also von der täglichen Wartung und Bedienung von SAP-Anwendungen befreit sind, können sie laut Experten in strategischeren Rollen von Nutzen sein, von Projektmanagement bis zur Umstellung von Geschäftsprozessen.

„Es ist ganz natürlich, Basis-Profis zum Beispiel bei der Lieferanten-Steuerung einzusetzen, wo sie eine Verbindung zwischen Geschäft und IT schaffen. Auch ihre anderen relevanten Fähigkeiten lassen sich nutzen, zum Beispiel für Verhandlungen über Outsourcing-Vereinbarungen oder dafür, mit Leuten von der Geschäftsseite System-Anforderungen zu definieren“, sagt Liz Herbert, Principal Analyst bei Forrester Research.

Aufbau von sozialen Kompetenzen

Basis-Experten, die nach neuen Herausforderungen suchen, müssen selbst darauf achten, ihre Kompetenzen aktuell zu halten und für andere Rollen geeignet zu erscheinen. Entscheidend für den Wechsel zu strategischeren Aufgaben ist, dass sie ihre technischen Fachkenntnisse ergänzen mit eher sozialen Kompetenzen wie Change-Management, Projektmanagement, Einholung von Anforderungen, Aufbau von Koalitionen und Führungsstärke. Oft zeichnen sie sich durch Stärke bei technischen Fragen und Konfigurationen aus, sind aber nicht dafür ausgebildet, ihr Wissen so zu kommunizieren, dass sie im Unternehmen verstanden werden.

„Sie können über Konfigurationen und Funktionen sprechen, aber auf sehr SAP-zentrische Weise“, sagt Reed. „Um wirklich Einfluss zu haben, muss man aber über Wert sprechen, und der liegt auch im Auge des Betrachters.“ Um mehr Konzentration auf Beratung und geschäftliche Fragen zu erreichen, müssten Experten für SAP Basis also in der Lage sein, System-Eigenschaften in geschäftlichen Wert zu übersetzen. Dafür muss man Fragen stellen und zuhören können, sagt Reed.

Bei allem Gewicht auf soziale Kompetenzen sollten Basis-Profis aber auch nicht vergessen, sich in Bezug auf die technische Seite von Basis auf dem Laufenden zu halten. Kenntnisse des SAP Solution Manager werden heutzutage fast vorausgesetzt. Und Grundkompetenzen zu Basis mit Fertigkeiten auf neu aufkommenden Gebieten sowie einem oder zwei zusätzlichen Kernfeldern abzurunden, kann dabei helfen, sich zu differenzieren und ein Spezialgebiet zu entwickeln. Das erklärt Tony de Thomasis, SAP Mentor, Spezialist für Solution Manager und NetWeaver Practice Lead beim Beratungshaus Acclimation.

Mögliche Kernkompetenzen nach der Definition von de Thomasis können Standardgebiete sein wie CRM, ERP, Enterprise Portal und andere. Zusammen mit diesem Kern sollte es einen Satz an Fähigkeiten in verwandten neueren Bereichen geben, für die man selbst Interesse hat und die bei einer Spezialisierung helfen können. Beispiele für solche neueren Gebiete sind etwa Governance, Risiko und Compliance, Umwelt-Compliance, Performance- und Kapazitätsmanagement sowie Administration der Java 2 Platform, Enterprise Edition.

„Wählen Sie etwas, das Ihnen eine bessere Fundierung in einem Spezialgebiet gibt“, sagt de Thomasis. Am Markt seien bereits keine SAP-Generalisten mehr gefragt, und es gebe nichts Schlimmeres als zwei Kompetenzgebiete zu haben, die einander nicht ergänzen.

Letztlich, so de Thomasis, sollte beim Outsourcing von SAP Basis nicht das Abgeben von Verantwortung im Vordergrund stehen, sondern der geschickte Einsatz qualifizierter Kräfte. „Wenn Basis nur aus Kostengründen nach außen vergeben und dabei Personal eingespart wird, schafft das eine Belastung für die Zukunft“, erklärt er. Denn zusammen mit dem Basis-Team verlasse vielleicht die gesamte Innovationsfähigkeit das Unternehmen, die sonst weitere Kostensenkungen hätte vorantreiben können.

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