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VMware-Alternative: Allianz aus Nutanix, NetApp und Cisco
Broadcoms Bundling-Politik bei VMware löst Wechselbewegungen aus. Nutanix, NetApp und Cisco antworten mit einem Drei-Wege-Stack aus Compute, Storage und Virtualisierung.
Broadcoms Umbau der VMware-Lizenzierung treibt Unternehmen zum Umdenken. Nun bieten Nutanix, NetApp und Cisco zusammen einen Stack aus Compute, Storage und Virtualisierung. VMware-Kunden können darauf wechseln, behalten ihre Hardware und ihren Speicher und vermeiden die höheren Lizenzkosten. Der Markt für Servervirtualisierung bewegt sich nach Jahren der Konsolidierung erneut. Auslöser ist die Umstellung der VMware-Lizenzierung durch Broadcom mit neu zugeschnittenen Bundles und steigenden Listenpreisen.
Auf der Hausmesse .NEXT Anfang April 2026 in Chicago gab Nutanix-CEO Rajiv Ramaswami an, dass die Firma ein Marktpotenzial von bis zu 160.000 Unternehmen sieht, die eine Abkehr von VMware erwägen. Parallel dazu baut das Unternehmen zwei strategische Partnerschaften aus. Damit verschiebt sich die Rolle von Nutanix vom reinen Hypervisor-Ersatz zum Element eines Drei-Wege-Stacks mit NetApp und Cisco. Im Hintergrund läuft die mehrjährige Initiative Project Beacon, die IaaS und PaaS in unterschiedlichen – auch hybriden – Cloud-Umgebungen bietet, darunter die Nutanix Cloud Platform, Amazon EC2 und Microsoft Azure Virtual Machines.
Marktdruck nach der Broadcom-Übernahme
Mit der Übernahme von VMware hat Broadcom die Lizenzlandschaft im Virtualisierungssegment umgeordnet. Höhere Listenpreise, anders zugeschnittene Bundles und ein verändertes Support-Modell haben in vielen Unternehmen eine Neubewertung der Infrastrukturstrategie bis auf Vorstandsebene ausgelöst. Hinzu kommt das Auslaufen von vSphere Foundation in zahlreichen EMEA-Märkten, das den Druck zur Plattformbewertung verstärkt. Hier sollten Kunden mit entsprechenden Produktlizenzen mit ihren Distributoren prüfen, ob das Angebot weiter erhältlich ist. Eventuell muss auf VMware Cloud Foundation (VCF) oder zu einem anderen Drittanbieter-Produkt gewechselt werden.
Mit AHV liefert Nutanix einen Hypervisor mit, der innerhalb der Plattformlizenz ohne Aufpreis nutzbar ist. Bislang verbreitet war die Kombination aus Nutanix-HCI-Speicher und VMware-Hypervisor. Der Nutanix-Hypervisor AHV ist Teil der Plattformlizenz und kostet keinen Aufpreis. Bisher kombinierten viele Kunden den Nutanix-Speicher mit dem VMware-Hypervisor. Mit AHV brauchen sie den VMware-Hypervisor nicht mehr.
Partner beobachten zwei Wellen: Erste Bestandskunden haben bereits umgestellt, eine größere Gruppe prüft derzeit den Wechsel. Nutanix verweist auf einen Net Promoter Score jenseits von 90, der sich seit neun Jahren hält.
NetApp-Integration trennt Compute und Storage
Durch die Partnerschaft mit NetApp bekommt Nutanix Zugang zu einer großen Zahl von Enterprise-Storage-Systemen. Technische Grundlage ist die Anbindung von NetApp ONTAP über NFS. AHV-Workloads greifen damit auf einen externen Datastore zu. Compute und Storage lassen sich unabhängig voneinander erweitern. Das Modell weicht vom ursprünglichen Hyperconverged-Ansatz ab, bei dem Rechen- und Speicherknoten zusammenwachsen.
Unterstützt werden die NetApp AFF A-Series mit All-Flash-Speicher und Teile der FAS-Reihe mit Hybrid-Flash-Bestückung. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für das dritte Quartal 2026 angekündigt. Aktuell läuft die Integration im Early Access.
Damit unterstützt die Nutanix Cloud Platform erstmals einen klassischen Drei-Tier-Stack. Compute und Storage skalieren unabhängig, was vom reinen HCI-Ansatz abweicht. VM-Lifecycle-Management bleibt bei Prism, ONTAP übernimmt Storage-Funktionen wie Disaster Recovery, Replikation und Snapshots.
Die Trennung von Compute und Storage wirkt sich auf die Teamarbeit aus. Compute- und Storage-Teams arbeiten in getrennten Bereichen, ohne dass die Plattform neue Silos zwischen ihnen schafft. Die Integration zielt auf anspruchsvolle Anwendungen ab. Dazu gehören Datenbanken, ERP-Systeme und andere Geschäftsanwendungen mit hoher Verfügbarkeitsanforderung. Hinzu kommen hybride Speicherszenarien und geografisch verteilte Replikation für Disaster Recovery.
Für sicherheitskritische Workloads bindet die Plattform die Schutzdienste von NetApp ein. Dazu gehören Autonomous Ransomware Protection with AI (ARP/AI) und der Ransomware Resilience Service. Beide Komponenten erkennen verdächtige Zugriffsmuster und mögliche Datenabflüsse im laufenden Betrieb. Für die Migration arbeiten NetApp Shift Toolkit und Nutanix Move zusammen. Beide Hersteller versprechen Zero-Copy-Konvertierungen einzelner VMs in wenigen Minuten. Auf der Roadmap stehen außerdem die Anbindung der NetApp-Cloud-Dienste und die Verzahnung mit der Nutanix Kubernetes Platform und der Agentic-AI-Schicht.
Cisco-Partnerschaft vom Rechenzentrum bis zum Edge
Cisco und Nutanix bauen darüber hinaus ihre Allianz in mehreren Bereichen aus. Bei der KI-Infrastruktur integriert Cisco die Nutanix-Komponenten Nutanix Enterprise AI (NAI), Nutanix Kubernetes Platform (NKP) und Nutanix Unified Storage (NUS) in seine AI PODs. Eine zugehörige Cisco-Validated-Design-Vorlage führt Storage, Netzwerk und Compute in einem wiederverwendbaren Bauplan zusammen.
Am Edge läuft die Nutanix Cloud Platform künftig auch auf Ciscos Unified-Edge-Hardware. Anwender setzen das AHV-Modell aus ihrem Rechenzentrum auch in Außenstandorten ein, zum Beispiel in Logistikknoten, an Produktionslinien oder in Filialen. Die Early-Access-Phase begann im April 2026, die GA-Phase ist für Juni 2026 vorgesehen. Die Lifecycle-Verwaltung läuft gemeinsam über Cisco Intersight und Nutanix Prism. Auch einzelne Cisco-Produkte passen sich direkt an Nutanix an. Den Unified Communications Manager (UCM), der bisher nur auf ESXi lief, validiert Cisco künftig auch für AHV.
Cisco nimmt im Rahmen dieser Partnerschaft Nutanix in sein Enterprise Agreement (EA) auf. Unternehmen kaufen Nutanix-Software über denselben Rahmenvertrag, der auch die Cisco-Infrastruktur abdeckt. Dazu gehören feste Preise, True-Forward-Anpassungen und die Möglichkeit, während der Vertragslaufzeit weitere Kapazitäten dazuzubuchen. Für Cisco-Kunden fällt der separate Beschaffungsprozess weg. Infrastruktur und Software laufen unter einem gemeinsamen Lifecycle-Vertrag. Das verkürzt Planung, Bereitstellung und Verlängerung.
Zur Plattformbasis gehören zwei zusammenhängende Bausteine. FlashStack with Nutanix verbindet die Nutanix Cloud Platform mit Everpure FlashArray und Cisco UCS. Das Bundle steht seit Januar 2026 allgemein zur Verfügung. Die Architektur skaliert Compute und Storage unabhängig voneinander. Sie unterstützt auch ältere Cisco-UCS-Hardware bis zur B200 M5. Damit läuft AHV auch auf vorhandener Cisco-Hardware. Neue Systeme sind dafür nicht nötig.
Die zweite Ankündigung betrifft FlexPod. Cisco öffnet die Plattform für die Nutanix Cloud Platform. FlexPod selbst, das langjährige Bündel aus Cisco-Netzwerk und Cisco-Compute mit NetApp-Storage, hat im Herbst 2025 eine Aktualisierung für KI-Workloads bekommen. Cisco und NetApp arbeiten seit über zwei Jahrzehnten zusammen. Aus dieser Kooperation wird nun ein Drei-Anbieter-Stack aus NetApp-Storage, Cisco-Compute und Nutanix-Virtualisierung.
Tools für die VMware-Migration
Für den Wechsel der Virtualisierungsebene stehen mehrere Werkzeuge bereit. Für VMs auf VMware vSphere Virtual Volumes (vVols) bietet Nutanix eine Zero-Copy-Migration. Sie überführt VMDK-Container ohne Datenkopie in die AHV-vDisk-Struktur. vVols hat sich im Markt nie breit durchgesetzt. Broadcom hat die Technologie zudem aus dem Produktportfolio genommen. Der Anwendungsfall bleibt damit in der Praxis begrenzt. In VMFS- und NFS-Umgebungen führt der Weg weiterhin über Nutanix Move. Das Werkzeug repliziert die Daten, konvertiert die VMs automatisch mit Netzwerk-Mapping und prüft das Ergebnis nach Abschluss der Migration.
Über eine Veeam-Anbindung lassen sich zudem Backups aus ESXi-Beständen wieder in AHV-Umgebungen einspielen. Kunden mit großen Backup-Archiven müssen damit nicht mehr bei VMware bleiben. Auch die VMware-Lizenz für ältere Backup-Stände wird verzichtbar. Im VDI-Bereich unterstützt Omnissa Horizon 8 nach der Abspaltung von VMware den AHV-Hypervisor nativ. Provisioning über Prism Central, vGPU-Anbindung und Instant-Clone-Verfahren stehen darin bereit. Auf der Netzwerkebene tritt Flow Networking als Pendant zu VMware NSX an. Das bildet die Mikrosegmentierung ab. Bestehende NSX-Policies lassen sich nicht automatisch übernehmen. Migrationsprojekte müssen die Regeln in Eigenarbeit neu aufbauen.
KI-Infrastruktur, Neoclouds und Token-Governance
Nutanix Agentic AI bringt eine eigene KI-Schicht in die Plattform. Sie abstrahiert die GPU-Ressourcen und stellt ein KI-Gateway für die Anbindung an Large Language Models (LLM) bereit. Damit setzen Unternehmen agentenbasierte Workflows um, ohne Hardware und Modell-Ebene selbst zu verwalten. Erstmals öffentlich gezeigt wurde die Architektur auf der GTC-Konferenz von Nvidia. Auf der .NEXT kam die Multi-Mandanten-Fähigkeit für sogenannte Neoclouds hinzu. Solche KI-nativen Cloud-Anbieter betreiben GPU-intensive Server-Pools. Sie sind beweglicher und reagieren schneller als die großen Hyperscale-Plattformen.
Neocloud-Betreiber gliedern ihr Angebot in Service-Stufen. Sie reichen vom GPU-as-a-Service-Modell bis zur Bereitstellung einzelner Sprachmodelle als Models-as-a-Service. Im Models-as-a-Service-Ansatz bietet der Betreiber jedes geprüfte Sprachmodell als eigenständigen Service-Endpunkt an. Pro Modell laufen eigene GPU-Speicherbudgets, Performance-Tracking und Token-Auswertung. Über die Plattform lässt sich der Token-Ausstoß je Nutzer beobachten und drosseln. So bleiben die KI-Kosten kalkulierbar, ohne dass agentenbasierte Anwendungen unkontrollierte Mehrausgaben verursachen.
Agentische Systeme erzeugen weitere Agenten, die viele Tokens verbrauchen. Schutzmechanismen müssen das einschränken. Das KI-Gateway leitet Anfragen semantisch und verteilt die Last über die verschiedenen Modelle. Es begrenzt die Tokens auf Nutzer-Ebene. Für den Sommer 2026 hat Nutanix einen KI-Katalog sowie ergänzende Entwicklungswerkzeuge angekündigt, darunter Vektordatenbanken und MLOps-Funktionen. Auf der Hardware-Seite arbeitet Nutanix mit Nvidia und AMD zusammen. Das ermöglicht Angebote als GPU-as-a-Service und Kubernetes-as-a-Service.
Workload-Vielfalt und Dual-Native-Architektur
Mit NKP Metal verlagert Nutanix die Kubernetes-Steuerung auf Bare-Metal-Hardware. Eine Hypervisor-Schicht liegt dabei nicht dazwischen. Container laufen in der Plattform wahlweise in VMs oder als Bare-Metal-Workload. Datendienste, Sicherheitsrichtlinien und die Verwaltungsoberfläche bleiben in beiden Varianten gleich. Nutanix bezeichnet das Modell als Dual-Native-Architektur. Eine Funktion mit dem Namen Follow-me Security wendet Policy-Regeln einheitlich auf allen Ebenen an, von der Public Cloud über das zentrale Rechenzentrum bis an den Edge.
Für Edge-Szenarien mit knappem Energie- und Platzbudget reduziert dieses Modell den Overhead. Der Nutanix Database Service (NDB) läuft jetzt im Early Access auch auf Containern. Damit deckt die Plattform auch datenbankzentrierte Workloads ab. Das ist ein Meilenstein der Initiative Project Beacon. Sie soll jeden Workload an jedem Standort der Hybrid Cloud betreiben können. Nutanix löst sich damit vom Image des reinen HCI-Ersatzes. Das Unternehmen positioniert hier seine Plattform für alle Phasen eines Workload-Lebens.
Lieferketten, Cloud-Anbindung und Datensouveränität
Hinter der Plattformstrategie steht auch die Frage nach widerstandsfähigen Lieferketten. Aktuelle Hardware-Lieferzeiten liegen zwischen drei und acht Monaten. Der hohe Bedarf für KI-Hardware und das geopolitische Umfeld machen Server und Komponenten zur Mangelware. Nutanix reagiert darauf mit einer breiteren Hardware-Kompatibilitätsliste. Beim Storage kommen NetApp, Everpure FlashArray C und Dell PowerStore als Compute-Only-Nodes im Early Access dazu. AMD-GPU-Systeme, Edge-Systeme und Lenovo ThinkSystem-Speicher ergänzen die Liste. Für Cisco-Kunden kommt die FlexPod-Integration hinzu.
Auf der Cloud-Seite läuft die Plattform jetzt auch auf der AWS European Sovereign Cloud und auf Google Cloud C3-Instanzen mit Hyperdisk-Block-Speicher. Nutanix-Lizenzen lassen sich zwischen eigenem Rechenzentrum und Public Cloud verschieben. Sobald wieder Hardware verfügbar ist, holen Anwender die Workloads zurück ins eigene Rechenzentrum. Nutanix Data Lens steht erstmals in einer On-Premises-Variante ohne SaaS-Anbindung bereit. Damit eignet sich die Plattform für souveräne Cloud-Umgebungen, in denen externe SaaS-Komponenten aus regulatorischen Gründen nicht erlaubt sind.
Kriterien für die Plattformentscheidung
Die Entscheidung über einen Plattformwechsel hängt für IT-Verantwortliche von mehreren Faktoren ab. Ganz oben steht der Erhalt vorhandener Investitionen. Bestandskunden mit ONTAP-Speicher behalten ihre Storage-Schicht und tauschen nur die Virtualisierungsebene aus. Cisco-Kunden mit UCS- und FlexPod-Hardware koppeln die Nutanix-Plattform an ihre vorhandene Compute-Basis. Damit umgehen sie parallele Beschaffungsprozesse. CIO und CTO achten in der Regel auf eine schnelle Plattformbereitstellung. Wichtig ist ihnen die Kontrolle über Kosten und Investitionen. Der CISO bewertet die Migration nach Auditfähigkeit und verbleibendem Risiko. Compliance- und Datenschutzbeauftragte achten auf die Nachweisbarkeit über alle Schichten. Enterprise Architects suchen wiederholbare Muster, die spätere Refresh-Zyklen ohne Sonderfälle erlauben.
Operativ kommt die Lizenzportabilität als weiterer Punkt hinzu. Sie schafft Spielraum, wenn die Hardwarebeschaffung über Monate stockt. Darüber hinaus spielt das Wettbewerbsumfeld eine Rolle. Nutanix konkurriert direkt mit Red Hat OpenShift Virtualization und Microsoft Azure Stack HCI/Azure Local. In Europa drängen Proxmox und Verge OS in dieselbe Lücke. Sangfor positioniert sich für vergleichbare Workloads. Die jetzt anstehenden Plattformentscheidungen wirken über den üblichen Refresh-Zyklus hinaus. Sie legen Architektur und Kostenrahmen für die kommenden fünf bis sieben Jahre fest.