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Treibhausgasemissionen und CO₂-Emissionen verstehen
Eine exakte Unterscheidung der Klimabegriffe schützt Unternehmen vor kostspieligen Fehlern bei der Umweltberichterstattung. Präzise erfasste Emissionswerte senken die IT-Kosten.
Während Institutionen wie die Vereinten Nationen Menschen und Organisationen weltweit dazu aufrufen, gemeinsam gegen die fortschreitende Klimakrise vorzugehen, rücken auch Begriffe rund um den Klimawandel stärker in den Fokus. Dabei werden verschiedene Bezeichnungen häufig synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Bedeutungen haben.
Ein Beispiel hierfür sind die Begriffe „Treibhausgasemissionen” und „CO₂-Emissionen”. Beide Begriffe werden oft gleichgesetzt, unterscheiden sich jedoch in wichtigen Punkten.
Was sind Treibhausgasemissionen?
Ein Treibhausgas (GHG) ist ein gasförmiger Stoff in der Atmosphäre, der Wärmestrahlung absorbieren und wieder abstrahlen kann. Dadurch tragen sie zum natürlichen Treibhauseffekt bei. Zu den wichtigsten Treibhausgasen gehören Kohlendioxid (CO₂), Methan (CH₄), Lachgas (N₂O) und fluorierte Treibhausgase. Letztere sind rein künstlich hergestellte Stoffe wie Kältemittel, die ein oft tausendfach höheres Treibhauspotenzial als CO₂ haben. Auch Wasserdampf ist ein Treibhausgas.
Unter Emissionen versteht man die Freisetzung dieser Gase in die Atmosphäre. Treibhausgasemissionen umfassen somit sämtliche Emissionen klimawirksamer Gase. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen vor allem jene Treibhausgase im Fokus, deren Konzentration durch menschliche Aktivitäten steigt.
Hinweis: Zwar ist Wasserdampf das mengenmäßig bedeutendste Treibhausgas, doch seine Konzentration wird überwiegend durch die Temperatur der Atmosphäre bestimmt und nicht direkt durch menschliche Emissionen. Deshalb gilt Wasserdampf vor allem als Rückkopplung des Klimawandels und nicht als dessen Auslöser.
Was sind CO₂-Emissionen?
Der Begriff beschreibt ausschließlich die Freisetzung von Kohlendioxid (CO₂) in die Atmosphäre. CO₂-Emissionen stellen somit eine Untergruppe der Treibhausgasemissionen dar.
Im Englischen wird dafür häufig der Begriff Carbon Emissions (Kohlenstoffemissionen) verwendet. Dieser Ausdruck hat sich zwar eingebürgert, ist aber wissenschaftlich nicht ganz präzise, da in der Regel CO₂-Emissionen und nicht der chemische Stoff Kohlenstoff (Carbon) selbst gemeint sind.
Der ebenfalls verwendete Begriff Carbon Pollution stammt vor allem aus der politischen und öffentlichen Klimakommunikation und ist kein wissenschaftlicher Fachbegriff.
Warum werden die Begriffe häufig verwechselt?
Die Verwechslung von Begriffen wie Treibhausgasemissionen, Treibhausgase (THG), CO₂-Emissionen, Kohlendioxid und Carbon Emissions hat vor allem zwei Ursachen:
- Kohlendioxid ist der wichtigste Treiber des menschengemachten Klimawandels.
- Kohlendioxid oder CO₂ist für viele Menschen verständlicher als der allgemeinere Begriff Treibhausgase.
CO₂ als wichtigster Treiber
CO₂-Emissionen entstehen vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas. Sie machen den größten Anteil der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen aus und gelten als wichtigste Ursache der langfristigen globalen Erwärmung. Deshalb wird in der öffentlichen Kommunikation häufig verkürzt von Kohlendioxid gesprochen, obwohl eigentlich nur Kohlendioxid oder sämtliche Treibhausgasemissionen gemeint sind.
Wichtige Begriffe im Überblick
Gerade im beruflichen Alltag treffen wir oft auf englische Fachbegriffe. Hier ist die genaue Einordnung:
- Carbon (Kohlenstoff): Wird im Geschäftsenglisch häufig als Kurzform für Kohlendioxid verwendet. Chemisch sind Kohlenstoff (C) und Kohlendioxid (CO₂) jedoch unterschiedliche Stoffe.
- Carbon Dioxide (CO₂): Die chemische Bezeichnung für Kohlendioxid.
- Carbon Dioxide Equivalent (CO₂-Äquivalent, CO₂e): Eine unverzichtbare Vergleichseinheit, mit der sich unterschiedliche Treibhausgase anhand ihres jeweiligen Treibhauspotenzials (Global Warming Potential, GWP) in eine gemeinsame, vergleichbare Größe umrechnen lassen.
- Carbon Footprint (CO₂-Fußabdruck): Die gesamte Menge aller Treibhausgasemissionen, die eine Person, ein Produkt oder ein Unternehmen verursacht. Entgegen der Bezeichnung umfasst er nicht nur CO₂, sondern alle Treibhausgase, ausgedrückt in CO₂-Äquivalenten.
Verwirrung bei der Kommunikation zum Klimawandel
Wer sich intensiv mit Klimathemen beschäftigt, verwendet häufig Fachbegriffe, die für ein breites Publikum schwerer fassbar sind.
Eine im Jahr 2023 in der Fachzeitschrift Environmental Communication veröffentlichte Studie zeigte beispielsweise, dass Menschen in den USA Begriffe wie CO₂-Emissionen oder Carbon Pollution sehr viel stärker mit direkten Umwelt- und Gesundheitsschäden verbinden als das abstraktere Wort Treibhausgasemissionen.
Diese Erkenntnisse lassen sich nahtlos auf den deutschsprachigen Raum übertragen: Auch hierzulande ist eine klare, unmissverständliche Sprache entscheidend. Vielen Menschen fällt es leichter, zu verstehen, dass ein Auspuff oder ein Schornstein CO₂ ausstößt, als den abstrakten Sammelbegriff der Treibhausgasemissionen zu verinnerlichen. Für die Kommunikation über Nachhaltigkeitsziele, sei es intern im Unternehmen oder extern in Richtung der Kundschaft, ist eine zielgruppengerechte Sprache daher unerlässlich.
Wie Treibhausgase die Erde erwärmen
Der Mechanismus hinter der Erderwärmung ist einfach: Die Sonnenstrahlung erwärmt die Erdoberfläche. Diese gibt einen Teil der aufgenommenen Energie als Infrarotstrahlung wieder ab. Treibhausgase absorbieren einen Teil dieser Wärmestrahlung und strahlen sie in alle Richtungen, also auch zurück zur Erdoberfläche, ab. Dadurch verbleibt mehr Wärme im Klimasystem.
Der Begriff Treibhauseffekt leitet sich vom Gewächshaus ab: Sonnenlicht dringt durch die Glasscheiben ins Innere und erwärmt den Boden. Ein echtes Gewächshaus hält diese Wärme im Inneren, da das Glas den Luftaustausch mit der kühleren Umgebung blockiert. Die Atmosphäre funktioniert physikalisch über einen etwas anderen Mechanismus, der jedoch einen sehr ähnlichen Endeffekt hat. Ein Teil der von der Erde abgestrahlten Infrarotstrahlung entweicht ins Weltall, während Treibhausgase einen beträchtlichen Teil davon wie eine unsichtbare Decke absorbieren und zurückstrahlen.
In einem natürlichen Gleichgewicht sorgt dieser Effekt dafür, dass die Erde eine lebensfreundliche Durchschnittstemperatur von etwa 15 °C besitzt. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt läge sie bei −18 °C.
Warum der Treibhauseffekt heute zum Problem wird
Seit Beginn der Industrialisierung in Europa Mitte des 18. Jahrhunderts verbrennt der Mensch fossile Energieträger in großem Umfang. Dadurch steigen die Konzentrationen von Kohlendioxid, Methan und anderen langlebigen Treibhausgasen in der Atmosphäre kontinuierlich an. Diese zusätzlichen Emissionen verstärken den natürlichen Treibhauseffekt erheblich.
Der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Über 97 Prozent der aktiv publizierenden Klimaforscher führen den aktuellen Klimawandel überwiegend auf menschliche Aktivitäten zurück. Auch der Weltklimarat (IPCC) unterstreicht in seinen Sachstandsberichten diese Faktenlage und fordert Regierungen, Wirtschaft und Gesellschaft zu raschen Maßnahmen auf.
Was Unternehmen und die IT beitragen können
Gerade in Deutschland und der EU wird das Thema für Unternehmen zunehmend zur Pflichtaufgabe. Durch neue Richtlinien wie die europäische Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) müssen künftig Tausende Unternehmen detailliert über ihre Emissionen berichten. Zudem stellt das deutsche Energieeffizienzgesetz (EnEfG) strenge Anforderungen an den Stromverbrauch und die Abwärmenutzung, insbesondere bei Rechenzentren.
Unternehmen und ihre IT-Abteilungen spielen hierbei eine Schlüsselrolle. Zu den wichtigsten Hebeln gehören:
- Die Verringerung direkter und indirekter (digitaler) Treibhausgasemissionen,
- Der Aufbau energieeffizienterer Rechenzentren und nachhaltigerer IT-Infrastrukturen (Green IT).
- Die Einführung eines softwaregestützten, belastbaren Carbon Accountings, das sämtliche Treibhausgasemissionen – nicht nur CO₂, sondern als CO₂e – über die gesamte Lieferkette hinweg transparent erfasst.
Diese Maßnahmen helfen nicht nur dabei, strenge gesetzliche Vorgaben zu erfüllen und Strafen zu vermeiden, sondern senken angesichts der hohen Energiepreise ganz konkret den Energieverbrauch und damit die Betriebskosten.
Dieser Artikel ist im Original in englischer Sprache auf Sustainability and ESG erschienen.