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Wie Unternehmen ihre CO2-Emissionen erfassen können
Firmen müssen ihre CO2-Emissionen erfassen, um Vorschriften einzuhalten, Kosten zu senken und Nachhaltigkeit zu verbessern. Dies schafft Vertrauen und dient als Entscheidungsbasis.
Die Überwachung des CO2-Fußabdrucks eines Unternehmens ist zu einer zentralen Geschäftsfunktion und zu einem entscheidenden Bestandteil der Unternehmensstrategie sowie des operativen Wachstums geworden.
Zu den CO2-Emissionen zählt die Freisetzung von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen, die Wärme in der Atmosphäre speichern und zum Klimawandel beitragen. Während Unternehmen weiter wachsen und expandieren, kann die digitale IT-Infrastruktur einen wesentlichen Beitrag zu den CO2-Emissionen leisten, wobei die Emissionen des Technologiesektors laut der Internationalen Fernmeldeunion aufgrund des rasanten Wachstums von künstlicher Intelligenz (KI) und Rechenzentren steigen.
Starke Nachhaltigkeitspraktiken und Transparenz können das Vertrauen und die Loyalität der Kunden stärken, und eine umfassende Berichterstattung stellt sicher, dass Unternehmen die Umweltvorschriften einhalten. Die Entwicklung genauer Erfassungsmethoden und einer Strategie zum Emissionsmanagement ist entscheidend für den langfristigen Erfolg.
Warum IT-Führungskräfte CO2-Emissionen erfassen müssen
Ein klarer Überblick über den CO2-Fußabdruck des Unternehmens kann IT-Führungskräften helfen, dessen Auswirkungen auf die Umwelt zu erkennen und zu steuern.
Ohne glaubwürdige CO2-Daten auf Aktivitätsebene wissen IT-Führungskräfte kaum, wo Emissionen entstehen und wo sich Reduzierungen erzielen lassen, ohne Leistung oder Sicherheit zu beeinträchtigen. Der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens hat zudem Auswirkungen auf den IT-Betrieb und die gesamte Geschäftsstrategie und ist damit sowohl eine geschäftliche Notwendigkeit als auch eine Nachhaltigkeitsmaßnahme.
Wenn die mit der IT verbundenen Emissionen messbar und sichtbar sind, können Führungskräfte sie wie jeden anderen Input verwalten. Dadurch lassen sich Abfall reduzieren, Energiekosten senken und fundiertere Technologieentscheidungen treffen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an die Scope-2-Berichterstattung gemäß dem Greenhouse Gas Protocol, wobei vorgeschlagene Aktualisierungen Unternehmen zu detaillierteren und überprüfbaren Angaben zum Einsatz von sauberem Strom drängen.
Die Erfassung von Emissionen ist für Unternehmen aus mehreren Gründen unerlässlich, darunter die folgenden:
- Compliance. Das Versäumnis, CO2-Emissionen zu erfassen, stellt ein Compliance-Risiko dar. Vorschriften und Regelungen, wie die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen, verpflichten Organisationen dazu, ihre Nachhaltigkeitsbemühungen, einschließlich der Emissionen, zu erfassen und offenzulegen. In bestimmten Regionen, wie beispielsweise Kalifornien, verlangt die US-Börsenaufsichtsbehörde (SEC) Angaben zu Emissionen, dazu, wie sich der Klimawandel auf die Geschäftsstrategie auswirkt, und wie Unternehmen Klimarisiken mindern. Eine solche Berichterstattung darüber, wie Klimawandel Geschäftsmodelle beeinflusst und welche Maßnahmen zur Minderung von Klimarisiken ergriffen werden ist ebenso in der EU-Richtlinie enthalten.
- Druck durch die Unternehmensleitung. Der Druck, CO2-Emissionen zu erfassen, kann auch von Vorstandsmitgliedern und Investoren ausgehen. ESG-Kennzahlen sind ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensberichterstattung und beeinflussen die Entscheidungsfindung auf Vorstandsebene, sodass immer mehr Vorstände Berichterstattung und Transparenz in Bezug auf ESG-Initiativen verlangen.
- Budgets. Das Nicht-Erfassen von Emissionen hat indirekte finanzielle Auswirkungen, insbesondere da Unternehmen angesichts einer volatilen Wirtschaftslage ihre Budgets weiter straffen. Wenn Emissionen erfasst werden, können sich Firmen ein besseres Bild davon machen, wie viel Geld ausgegeben wird, und fundiertere Entscheidungen zum Kostenmanagement treffen.
- Wettbewerbsvorteil. Nachhaltigkeit und ähnliche ESG-Initiativen werden zu einem entscheidenden Unterscheidungsmerkmal für Unternehmen, um sich an den Werten von Verbrauchern und Investoren auszurichten. Transparenz bei Nachhaltigkeitspraktiken und die Offenlegung von Emissionsdaten können Vertrauen bei Stakeholdern und Kunden aufbauen.
Den CO2-Fußabdruck der IT verstehen
Informationen über den CO2-Fußabdruck der IT können Führungskräften helfen, Emissionen effizienter und effektiver zu erfassen und zu steuern.
Der CO2-Fußabdruck eines Unternehmens funktioniert wie ein unternehmensweites Rechnungslegungssystem, ähnlich der Finanzbuchhaltung, bei dem jede Funktion eine Rolle dabei spielt, CO2-Emissionen zu verursachen oder zu reduzieren. Diese Bemühungen dürfen nicht isoliert nur vom Nachhaltigkeitsteam betrieben werden, und immer mehr Unternehmen erkennen dies.
Obwohl der CO2-Fußabdruck der IT vielschichtig ist und je nach den Anforderungen der Organisation variieren kann, sollten IT-Führungskräfte mehrere Schlüsselfaktoren verstehen, um ihre Emissionen genau zu erfassen.
Emissionen in Scope 1, 2 und 3
Es gibt drei sogenannte Scopes an Emissionen, die sich nach ihren Quellen richten. Diese sind:
- Scope 1. Scope 1 bezieht sich auf Emissionen aus unternehmenseigenen Quellen. Für IT-Teams können Emissionen dieses Scopes beispielsweise Generatoren vor Ort oder Rechenzentren umfassen, die fossile Brennstoffe nutzen.
- Scope 2. Dieser umfasst indirekte Emissionen, die aus zugekaufter Energie wie Strom, Wärme oder Dampf stammen. Zu diesen Emissionen können der Stromverbrauch für den Betrieb von Servern und Geräten sowie der von externen Quellen für Rechenzentren erzeugte Strom gehören.
- Scope 3. Scope 3 umfasst alle anderen indirekten Emissionen, die nicht unter Scope 2 fallen, wie beispielsweise den Transport von Geräten, Energie von Cloud- oder SaaS-Anbietern und die Entsorgung von Elektronikschrott. Scope 3 ist in der Regel die komplexeste Emissionskategorie und kann den größten Teil der Emissionen eines IT-Teams ausmachen.
Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die nur auf ein einzelnes Team beschränkt bleiben, werden kaum spürbare Fortschritte bringen, insbesondere angesichts von Scope-3-Emissionen, die entlang der gesamten Lieferkette und über den gesamten Produktlebenszyklus entstehen.
Endgeräte im Vergleich zu Rechenzentren
Seit dem Aufkommen von KI stehen Rechenzentren wegen ihres hohen Energieverbrauchs und ihrer Umweltwirkung besonders im Fokus. Mit der wachsenden Nutzung von KI steigt auch ihr Strombedarf, was sie zu einem wichtigen Treiber des CO2-Fußabdrucks vieler Unternehmen macht.
Endgeräte verursachen ebenfalls einen erheblichen Fußabdruck, vor allem durch sogenannte eingebettete Emissionen. Die meisten dieser Emissionen entstehen nicht bei der Nutzung, sondern bereits bei der Herstellung. Entscheidungen über Lebensdauer, Wiederverwendung, Umnutzung und fachgerechte Entsorgung wirken sich deshalb direkt auf die Scope-3-Bilanz aus.
Cloud- und Hybrid-Infrastruktur
Immer mehr Unternehmen verlagern ihre IT von lokalen Infrastrukturen in Cloud- und Hybrid-Umgebungen. Dabei müssen sie berücksichtigen, wie sich diese Anbieter auf ihren CO2-Fußabdruck auswirken.
Die Erfassung dieser Art von Emissionen fällt in der Regel unter Scope 3, da sie von externen Dienstleistern stammen, was die Nachverfolgung komplexer machen kann.
Tools zur Erfassung von CO2-Emissionen
Die richtige Software zur Erfassung von CO2-Emissionen ist entscheidend, um Emissionen zuverlässig und effizient zu überwachen.
Dashboards und Berichte treiben den Fortschritt nicht von selbst voran, entscheidend sind die Menschen, die damit arbeiten. CO2-Daten werden dann besonders wertvoll, wenn IT-Teams klar erkennen, wie sich etwa eine längere Gerätenutzung, höhere Wiederverwendungsraten oder veränderte Entsorgungsprozesse direkt auf Emissionen und Nachhaltigkeitsziele auswirken.
Zu den verfügbaren Lösunge gehören unter anderem die folgenden:
Carbon Monitor
Carbon Monitor bietet täglich aktualisierte Daten zu globalen CO2-Emissionen für Benchmarking und Analyse.
Wichtigste Funktionen:
- Tägliche Emissionsverfolgung.
- Branchenanalyse.
- Historische Vergleiche.
Bereitstellung: Webbasiert.
Preis: Kostenlos.
Climate TRACE
Climate TRACE ist ein globaler Emissions-Tracker, der Satelliten- und bodengestützte Daten sowie KI nutzt, um Emissionen zu verfolgen und Reduktionen branchen- und regionenübergreifend zu schätzen.
Wichtigste Funktionen:
- Unabhängige Überwachung und Verifizierung von Emissionen weltweit.
- Zugang zu öffentlichen Daten.
- Aufschlüsselung der Emissionen nach Sektoren.
Lizenzierung: Öffentliche, webbasierte Plattform.
Preis: Kostenlos.
IBM Environmental Intelligence Suite
Die Environmental Intelligence Suite von IBM ist eine Cloud-basierte Nachhaltigkeitsplattform, die Klimarisiken überwacht und bewertet, Emissionen verwaltet und durch KI und Datenanalyse auf Umweltstörungen vorbereitet.
Wichtigste Funktionen:
- Verfolgung von CO2-Emissionen über verschiedene Bereiche hinweg.
- Modellierung von Klimarisiken.
- CO₂-Prognosen auf Basis des aktuellen Verbrauchs, von Klimatrends und betrieblichen Faktoren.
Lizenzierung: SaaS.
Preise: Gestaffelte Abonnements beginnen bei 500 US-Dollar für die wesentlichen Funktionen. Kostenlose Testversion über IBM verfügbar.
Microsoft Cloud for Sustainability
Microsoft Cloud for Sustainability
ist eine Suite aus Daten- und KI-Produkten, darunter Microsoft Sustainability Manager, Emissions Impact Dashboard und Environmental Credit Service. Sie ermöglicht die Erfassung, Analyse und das Management von Umweltauswirkungen.
Wichtigste Funktionen:
- Datenintegration mit Microsoft Azure und externen Systemen.
- Emissions-Dashboards, die Daten über verschiedene Bereiche und Betriebsabläufe hinweg zentralisieren.
- Nachhaltigkeitsprognosen mithilfe von Was-wäre-wenn-Analysen.
- Geplante Integration von Microsoft Copilot für intelligentere Analysen, Berichterstellung und Datenabfragen.
Lizenzierung: SaaS.
Preise: Abonnementbasiert, gestaffelt nach Funktionen und Nutzung. Für bestimmte Funktionen ist eine kostenlose Testversion verfügbar.
Watershed
Watershed ist eine KI-Plattform für Unternehmensnachhaltigkeit, die darauf ausgelegt ist, CO2-Emissionen über alle Bereiche hinweg zu messen, zu berichten und zu reduzieren.
Wichtigste Funktionen:
- Emissionsverfolgung und -modellierung für Scopes 1, 2 und 3 sowie andere wichtige ESG-Kennzahlen.
- Tools zur Lieferantenbindung und Überwachung von Scope 3.
- Berichts-Engine, die auf regulatorische Rahmenbedingungen abgestimmt ist.
- Partnerschaft mit EvoVadis zur Verbesserung der Lieferantendatenerfassung und zur Schließung der Datenlücke bei Scope 3.
Lizenzierung: SaaS.
Preise: Maßgeschneiderte Unternehmenspreise beginnen bei etwa 30.000 US-Dollar pro Jahr.
Best Practices für die Implementierung
Eine konsistente und genaue Erfassung von CO2-Emissionen erfordert das passende Tool für die jeweiligen Nachhaltigkeitsanforderungen sowie die Bereitschaft, entsprechende Prozesse fest in der Organisation zu verankern.
Ein sinnvoller Ausgangspunkt ist es, eine klare Basislinie für IT-bezogene Emissionen festzulegen und diese in den täglichen Betrieb zu integrieren. Zunächst sollte definiert werden, wofür die IT in Scope 1, Scope 2 und Scope 3 verantwortlich ist. Anschließend können vorhandene Daten aus IT und Facility Management konsolidiert werden, etwa Stromverbrauch, Berichte zur Cloud-Nutzung, Hardware-Einkäufe und Bestandsaufnahmen.
Für eine bessere Erfassung sollten IT-Führungskräfte auf folgende Best Practices achten:
- Optimierte Datenerfassung, mit zuverlässigen Datenquellen, standardisierten Formaten und zentraler Speicherung.
- Datenautomatisierung, möglichst mit Echtzeitüberwachung und weniger manuellem Aufwand.
- Hybride Erfassung, also die Berücksichtigung von Cloud- und lokalen Ressourcen sowie deren Zuordnung zu Geschäftsbereichen.
- Messung verwertbarer Daten, etwa CO2-Kosten pro Workload, um fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.
Solche Erkenntnisse helfen im Alltag bei der richtigen Dimensionierung von Workloads, einer besseren Auslastung, einer längeren Gerätelebensdauer und bei Beschaffungsstandards, die effizientere und transparentere Optionen bevorzugen.
Auf einen Blick: CO2-Emissionen erfassen
Die Erfassung schafft Transparenz über Klima‑ und Geschäftsrisiken, sichert Compliance mit Berichtspflichten und liefert Entscheidungsgrundlagen für Kosten- und Ressourcenoptimierung.
- Scopes: Scope 1 = direkte, betriebliche Emissionen (zum Beispiel Notstromaggregate); Scope 2 = indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie; Scope 3 = alle weiteren indirekte Emissionen entlang der Lieferkette und Produktlebenszyklen.
- IT-Schwerpunkte: Rechenzentren und KI‑Workloads (hoher Stromverbrauch), Cloud‑/Hybrid‑Dienste (Scope‑3‑Relevanz), Endgeräte (eingebettete Emissionen bei Herstellung und Entsorgung).
- Sofortmaßnahmen: Basislinie erstellen, Datenquellen identifizieren (Strom, Cloud‑Reports, Hardware‑Beschaffung), Verantwortlichkeiten festlegen, automatisierte Datenerfassung einführen.
- Sinnvolle Messgrößen: CO2 pro Workload, CO2 pro Gerät, Energieverbrauch pro Nutzer/Service, Anteil erneuerbarer Energie am Verbrauch.
- Tools/Standards: Gängige Referenzen und Plattformen (GHG‑Protocol, CO2‑Bilanzierungssoftware) nutzen; auf Datenqualität und Prüfbarkeit achten.
- Schnelle Erfolge: Workload‑Dimensionierung optimieren, Auslastung verbessern, Gerätelebensdauer verlängern, Beschaffungsrichtlinien für energieeffiziente Hardware einführen.
Dieser Artikel ist im Original in englischer Sprache auf TechTarget.com erschienen.