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Storage-Preise: Strategien aus der doppelten Kostenfalle
KI-Skalierung und digitale Souveränität treiben die IT, doch steigende Cloud-Kosten und Speicherknappheit gefährden Budgets. Ohne sinnvolle Firmenstrategie drohen Fehlinvestitionen.
KI-Skalierung und digitale Souveränität sind Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit, kosten aber Geld. Gleichzeitig steigen Cloud-Kosten und die Speicherknappheit treibt Hardwarepreise in die Höhe. Unternehmen sollten strategisch auf diese Kostenfallen reagieren, um notwendige Investitionen nicht zu gefährden.
Künstliche Intelligenz (KI) als zukunftsfähiger Wettbewerbsfaktor ist unbestritten und digitale Souveränität gewinnt bei Unternehmen zunehmen an Bedeutung. Laut einer aktuellen Studie des AI Solutions Integrators Insight betrachten 66 Prozent der deutschen Unternehmen digitale Souveränität heute als strategisch wichtig – mit Blick auf die Situation in drei Jahren sehen 85 Prozent der Befragten die hohe Bedeutung. Gute Gründe also, in KI und Souveränität zu investieren. Doch gerade jetzt stecken viele Unternehmen in einem doppelten Kosten-Dilemma bezüglich ihrer Infrastruktur: Aufgrund der Speicherkrise steigen die Preise für Hardware und Unternehmen geben zu viel Geld für ihre Cloud aus.
Laut der Insight-Studie nutzen europäische Organisationen im Schnitt knapp ein Viertel (24 Prozent) ihrer jährlichen Cloud-Kapazität gar nicht. Das entspricht für eine Organisation mit durchschnittlichen Cloud-Ausgaben von 3,75 Millionen Euro über 900.000 Euro pro Jahr. Ein Teil der ungenutzten Kapazitäten ist auf absichtliches Überprovisionieren zurückzuführen. Aber die Mehrheit der verschwendeten Kapazitäten wird durch ungenutzte Ressourcen, mangelnde Transparenz über Cloud-Umgebungen und fehlende effektive Governance und Kostenverantwortung verursacht.
Gleichzeitig sind die Preise nach Prognosen für DRAM im ersten Quartal 2026 um bis zu 100 Prozent gestiegen. Experten erwarten eine weitere Erhöhung der Vertragspreise für konventionelle DRAM im 2. Quartal 2026 um weitere 58 bis 63 Prozent. Lieferzeiten für Speicherkomponenten haben sich auf bis zu neun Monate verlängert und die Angebote von Herstellern gelten teilweise nur noch sieben bis vierzehn Tage lang statt bisher 30 Tage.
Speicherkrise wird sich weiter verschärfen
Die hohen Kosten für Speicherkomponenten sind kein kurzfristiges Problem, das sich aussitzen lässt. Experten gehe davon aus, dass sich die Krise bis 2028 weiter verschärfen wird. Dies liegt vorwiegend am explodierenden Storage-Bedarf durch den zunehmenden Einsatz von generativer KI (GenAI). Bereits ein einziger KI-Server benötigt deutlich mehr fortschrittlichen Speicher als ein herkömmlicher Server. Da KI-Anbieter und Hyperscaler ihre Kapazitäten exponentiell ausbauen, benötigen sie einen enormen Anteil des weltweiten Speicherangebots und können dabei auch preislich gerade kleine und mittelständische Unternehmen deutlich überbieten.
Hersteller von Speichermodulen stellen ihre Produktion auf KI-fähige Technologien wie HBM (High Bandwidth Memory) und Premium-DRAM um, da diese eine wesentlich höhere Marge versprechen. Der langwierige Bau neuer Halbleiter-Fertigungsanlagen kann mit der rasant gestiegenen Nachfrage nicht mithalten, wodurch sich Preise und Lieferzeiten weiter erhöhen.
Die richtige Gesamtstrategie
Wie können Unternehmen ihre Cloud-Kosten besser nutzen und die Konsequenzen der Speicherkrise abfedern, um finanziell flexibler zu sein? Dazu braucht es strategische Maßnahmen.
Im ersten Schritt sollten Unternehmen eine Gesamtbetriebskostenanalyse (TCO) für ihre IT-Infrastruktur durchführen. Diese umfasst die Investitionskosten für Hardware und Software, die Betriebskosten für Wartung, Strom, Service und Personal sowie indirekte Kosten für Ausfallzeiten und Schulungen. Anschließend sind die jeweiligen Kapazitätsanforderungen für Projekte und Anwendungen zu betrachten. Schließlich muss der ROI (Return on Investment) die Rentabilität oder Effizienz einer Investition zeigen.
Auf Basis dieser Kennzahlen ist die optimale Gesamtstrategie abzuleiten. Diese muss nicht nur die richtige Balance zwischen operativer Resilienz, Agilität und wirtschaftlicher Effizienz darstellen, sondern auch die jeweils benötigten Kapazitäten für Cloud-Angebote und On-Premises-Infrastrukturen. Dieser Prozess ist dann regelmäßig zu wiederholen, um die Strategie an neue Entwicklungen anzupassen.
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„Die hohen Kosten für Speicherkomponenten sind kein kurzfristiges Problem, das sich aussitzen lässt. Experten gehe davon aus, dass sich die Krise bis 2028 weiter verschärfen wird. Dies liegt vorwiegend am explodierenden Storage-Bedarf durch den zunehmenden Einsatz von gene-rativer KI (GenAI).“
Thomas Nies, Insight Technology Solutions
Die Realität sieht jedoch anders aus: 56 Prozent der europäischen Unternehmen führen vor wichtigen Entscheidungen zur Platzierung von Workloads keine umfassende Analyse der Gesamtbetriebskosten durch. Dies erschwert es, hybride Infrastrukturen auszubalancieren und zu optimieren. Entsprechend überprovisionieren Unternehmen ihre Kapazitäten sowohl in der Cloud als auch On-Premises.
Auswirkungen der Speicherkrise reduzieren
Bezüglich der Hardware-Engpässe können Unternehmen ihre Beschaffungsstrategien anpassen, um die Auswirkungen der Speicherknappheit zu reduzieren. Vier Aspekte sind hier von Bedeutung.
1. Vorausschauende Beschaffung statt ad-hoc
Unternehmen sollten gemeinsam mit erfahrenen Lösungspartnern ihre 12 bis 18 Monats-Roadmaps analysieren und daraus konkrete Bedarfsprofile ableiten. Ein Persona-Mapping hilft zu gewährleisten, dass die erforderlichen Geräte bei den richtigen Personen zum optimalen Preis landen.
Auf Basis der Analyse können Bestellungen frühzeitig durchgeführt und für die sofortige oder gestaffelte Lieferung geplant werden. Bei einer späteren Lieferung kann die Hardware zwischengelagert und dann bedarfsgerecht verschickt werden. Um eine solche Strategie mit der Finanzplanung abzustimmen, können Partner den Kauf über ein Bill-and-Hold-Modell abwickeln. Dies sichert kritische Bestände und fixiert Preise.
2. Flexible Finanzierung
Eine Vorratsstrategie bindet jedoch Kapital. Flexible Finanzierungslösungen wandeln große Hardware-Investitionen in planbare Betriebskosten um. Unternehmen sichern sich so die benötigten Bestände, ohne den laufenden Cashflow zu belasten.
3. Device as a Service
Ein weiterer, sehr wirkungsvoller Ansatz ist Device as a Service (DaaS). Hier werden Hardware, Software und Lifecycle-Services in einem monatlichen Preis pro Nutzer gebündelt – als Opex- oder Capex-Modell, je nach Finanzstrategie. Das schafft planbare, stabile Betriebskosten statt hoher, einmaliger Investitionen. Zudem entlastet es die Kunden bezüglich Beschaffung, Logistik und Lifecycle-Management und sorgt für die Verfügbarkeit aktueller Gerätegenerationen auch in angespannter Nachfrage-Situation. Das DaaS-System kann mit dem richtigen Anbieter international ausgerollt werden, wodurch Beschaffungsstrukturen in Tochterunternehmen harmonisiert und effektiver gestaltet werden.
Allerdings sollten Unternehmen darauf achten, dass ein DaaS-Anbieter über die notwendigen Beschaffungs- und Lagerkapazitäten weltweit verfügt, ebenso wie über gefestigte OEM-Beziehungen, um auch in der sich verschärfenden Knappheit handlungsfähig zu sein.
4. Moderne Cloud-Lösungen
Ergänzt werden diese Ansätze durch geeignete Arbeitsplatzstrategien. So benötigt nicht jeder Nutzer sofort ein neues Gerät mit zusätzlichen Speicherkapazitäten. Cloud-basierte Office-Lösungen bieten heute auch auf bestehender Hardware zuverlässige und schnelle Anwendungen. Unternehmen profitieren von einer verlängerten Lebensdauer bereits genutzter Endgeräte und der Verschiebung notwendiger Investitionsausgaben.
Fazit
Im Zuge steigender Cloud- und Hardwarekosten können es sich immer weniger Unternehmen leisten, ihre internen und externen Kapazitäten deutlich zu überprovisionieren. Sonst beschränken sie gegebenenfalls durch Budget-Verschwendung strategische Ziele wie die Einführung und Skalierung von KI-Anwendungen, das Erreichen der Datenhoheit oder die Modernisierung und Absicherung ihrer Infrastruktur. Daher benötigen Unternehmen heute die umfangreiche Strategie für eine resilienten, zukunftssichere IT-Infrastruktur. Dabei können erfahrene, fachlich breit aufgestellte Partner unterschiedliche Ansätze bieten und anhand aktueller Marktinformationen die jeweils optimale Lösung erarbeiten und umsetzen.
Über den Autor:
Thomas Nies arbeitet als Sales Director DACH bei Insight Technology Solutions. Seit über 30 Jahren ist Thomas Nies Teil des Insight-Teams und verantwortet die vertrieblichen Aktivitäten in Deutschland mit Fokus auf Technologie. Er hat zahllose Projekte in Unternehmen ganz unterschiedlicher Größe – vom klassischen Mittelstand bis zum Großkonzern – durchgeführt. Thomas Nies ist ein Experte für Hardwareeinkauf und Hardwarelösungen wie Device as a Service.
Die Autoren sind für den Inhalt und die Richtigkeit ihrer Beiträge selbst verantwortlich. Die dargelegten Meinungen geben die Ansichten der Autoren wieder.
