Definition

Datensouveränität (Datenhoheit)

Was ist Datensouveränität (Datenhoheit)?

Datensouveränität – häufig auch als Datenhoheit bezeichnet – beschreibt das Recht, die Macht und die praktische Fähigkeit eines Staates, einer Organisation oder einer Einzelperson, über die eigenen Daten selbstbestimmt zu verfügen. Sie umfasst insbesondere die Kontrolle darüber, wie Daten erhoben, gespeichert, verarbeitet, genutzt, weitergegeben und grenzüberschreitend übertragen werden. Datensouveränität verbindet somit rechtliche, technische und organisatorische Dimensionen und gilt zunehmend als Schlüsselfaktor einer digitalisierten Gesellschaft und Wirtschaft.

In einem engeren Verständnis umfasst Datenhoheit primär die rechtliche Zuständigkeit und Entscheidungsbefugnis, während Datensouveränität weitergehend die tatsächliche Fähigkeit enthält, diese rechtlichen Ansprüche in technischen und organisatorischen Systemen umzusetzen. In der Praxis werden beide Begriffe jedoch häufig synonym verwendet.

Abbildung 1: Die Datenhoheit wird durch die Gesetze und Vorschriften der Länder bestimmt, in denen die Daten erstellt, gespeichert, verarbeitet oder aufbewahrt werden. Es können die Vorschriften mehrerer Länder gelten.
Abbildung 1: Die Datenhoheit wird durch die Gesetze und Vorschriften der Länder bestimmt, in denen die Daten erstellt, gespeichert, verarbeitet oder aufbewahrt werden. Es können die Vorschriften mehrerer Länder gelten.

Nationale und rechtliche Dimension

Im staatlichen Kontext bedeutet Datensouveränität die Fähigkeit eines Landes, seine eigenen Gesetze und Regelungen auf alle Daten durchzusetzen, die unter seine Jurisdiktion fallen – unabhängig davon, wo diese Daten physisch gespeichert oder verarbeitet werden. Wichtige Teilaspekte sind die folgenden.

Datenlokalisierung

Vorschriften können vorgeben, dass bestimmte Datenarten – zum Beispiel personenbezogene, sicherheitsrelevante oder kritische Infrastrukturdaten – ausschließlich innerhalb nationaler oder europäischer Grenzen verarbeitet werden dürfen. Ziel ist es, staatlichen Einfluss und ausländischen Datenzugriff zu begrenzen.

Jurisdiktion und Anwendbarkeit nationaler Rechtsordnungen

Eine zentrale Frage ist, welches Recht auf Daten und Datenverarbeitung Anwendung findet.

Beispielsweise gilt nach der DSGVO das Marktortprinzip: Maßgeblich ist der Ort, an dem sich die betroffene Person befindet – nicht der Standort des verarbeitenden Unternehmens.

Schutz vor extraterritorialem Zugriff

Staaten wie die USA beanspruchen durch Gesetze wie den CLOUD Act Zugriff auf Daten, die von US-Unternehmen oder deren Tochtergesellschaften verarbeitet werden, auch außerhalb der USA. Europäische Staaten streben daher zunehmend Maßnahmen an, die ihre digitale Souveränität gegenüber solchen extraterritorialen Zugriffsbefugnissen schützen.

Bedeutung der Datensouveränität für Wirtschaft und Gesellschaft

Für Unternehmen, Verwaltungen und Institutionen ist Datensouveränität aus mehreren Gründen von hoher Relevanz:

  • Rechtssicherheit und Compliance: Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie alle lokalen und internationalen Datenvorschriften einhalten.
  • Schutz von Unternehmens- und Betriebsgeheimnissen: Daten sind strategische Ressourcen; ihr Verlust oder Missbrauch kann einen erheblichen Wettbewerbsnachteil darstellen.
  • Risikominimierung: Verstöße gegen Datenschutz- und Souveränitätsanforderungen können zu hohen Geldbußen, Reputationsschäden und rechtlichen Konflikten führen.
  • Stärkung des Vertrauens: Kunden und Geschäftspartner erwarten Transparenz, Rechtssicherheit und technische Schutzmaßnahmen, die den Umgang mit Daten nachvollziehbar machen.

Spezielle Relevanz für Deutschland und die EU

Datensouveränität besitzt für Deutschland und die Europäische Union eine besondere strategische Bedeutung. Während andere Weltregionen oftmals von wenigen großen Technologieplattformen geprägt sind, verfolgt die EU einen eigenständigen Ansatz, der wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, staatliche Handlungsfähigkeit und Grundrechtsschutz miteinander verbindet. Die folgenden Aspekte verdeutlichen, warum Datensouveränität im europäischen Kontext nicht nur eine technische oder juristische Herausforderung ist, sondern ein zentrales Element der digitalen und geopolitischen Selbstbestimmung.

Europäische und nationale Sicherheit

Datensouveränität ist zunehmend Bestandteil der digitalen und geopolitischen Sicherheitsstrategie. Europäische Initiativen wie GAIA-X, der Data Governance Act (DGA) oder der Data Act verfolgen das Ziel, eine interoperable, vertrauenswürdige und souveräne europäische Dateninfrastruktur zu schaffen.

Abbildung 2: Gemäß der Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union sind personenbezogene Daten alle Informationen, die direkt oder indirekt zur Identifizierung einer Person verwendet werden können.
Abbildung 2: Gemäß der Datenschutz-Grundverordnung der Europäischen Union sind personenbezogene Daten alle Informationen, die direkt oder indirekt zur Identifizierung einer Person verwendet werden können.

Wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit

Die Kontrolle über Daten ist eine zentrale Voraussetzung für moderne Wertschöpfung in Bereichen wie künstliche Intelligenz (KI), Predictive Maintenance, Plattformökonomie oder Automatisierung. Datensouveränität reduziert Abhängigkeiten von dominanten US- oder chinesischen Technologieanbietern.

Grundrechtsschutz

Der Schutz personenbezogener Daten ist in der EU ein Grundrecht (Art. 8 EU-Grundrechtecharta). Datensouveränität stellt die institutionelle und technische Voraussetzung dar, dieses Recht auch im globalen Kontext durchzusetzen.

Herausforderungen im Cloud-Computing

Cloud-Technologien stellen Datensouveränität vor besondere Schwierigkeiten, da Daten global verteilt verarbeitet werden. Unternehmen müssen daher:

  • vertragliche Regelwerke wie Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) und Standardvertragsklauseln nutzen,
  • technische Schutzmaßnahmen wie Verschlüsselung, Schlüsselmanagement, Pseudonymisierung oder Confidential Computing einsetzen,
  • Service Level Agreements (SLAs) vereinbaren, die Transparenz, Zugriffskontrolle und Datenverfügbarkeit regeln und
  • Risiken durch ausländische Anbieter sowie extraterritoriale Gesetze systematisch bewerten.

Konkrete Handlungsoptionen für Unternehmen

Während Datensouveränität häufig als abstraktes oder politisch-strategisches Konzept diskutiert wird, stellt sich für Unternehmen ganz konkret die Frage, wie sich diese Anforderungen im operativen Alltag umsetzen lassen. Die folgenden Handlungsoptionen zeigen praxisnahe Wege auf, wie Organisationen ihre Datenhoheit stärken, regulatorische Anforderungen erfüllen und zugleich die eigenen Geschäftsmodelle resilient und zukunftsfähig gestalten können.

  • Datenklassifizierung und Risikobewertung: Identifikation sensibler Daten und deren regulatorischer Anforderungen.
  • Auswahl souveräner Cloud-Lösungen: Anbieter, die europäische Rechenzentren, eigenständige Betreibergesellschaften unter EU-Recht und gehärtete Zugriffsmechanismen garantieren.
  • Datensparsamkeit: Reduktion unnötiger Datensammlungen und Minimierung der Datenübertragung an Dritte.
  • Interne Governance-Modelle: Klare Richtlinien, Verantwortlichkeiten und technische Standards für den Umgang mit Daten.

Auf einen Blick: Datensouveränität (Datenhoheit)

Datensouveränität ist ein mehrdimensionales, strategisches Konzept, das rechtliche, technische, organisatorische und geopolitische Aspekte vereint. In einer globalisierten Datenwirtschaft ermöglicht sie Staaten, Unternehmen und Individuen, handlungsfähig, rechtskonform und wettbewerbsfähig zu bleiben. Für Europa ist Datensouveränität nicht nur eine Frage der Compliance, sondern eine Grundlage für digitale Unabhängigkeit, wirtschaftliche Innovationskraft und den Schutz grundlegender Rechte.

Sie ist damit sowohl ein Schutzmechanismus als auch ein strategischer Wettbewerbsvorteil.

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