Brian Jackson - Fotolia

Spectra Logic: Neuausrichtung durch Portfolioänderungen

Mit neuer Datenmanagement-Software Vail, erweiterten Funktionen und mehr Integration der Speicherlösungen sowie Schutz vor Cyberattacken verfolgt die Firma eine neue Strategie.

Um Spectra Logic war es in letzter Zeit etwas ruhiger geworden, auch wenn sich der Anbieter von Speicherlösungen durchaus am Markt gut behauptete. Allerdings verbinden viele Anwender den Firmennamen meist mit Bandspeicher und aus diesem Schatten der Vergangenheit will das Unternehmen nun herauswachsen. Aus diesem Grund startete Spectra Logic im Oktober 2021 eine umfassende Produktoffensive, die aus einer neuen Datenmanagement-Software sowie umfassenden Erweiterungen des Produktportfolios besteht.

Mit Vail in den Markt für Datenmanagement

Die wohl größte Neuerung besteh in der Software Vail, mit der das Datenmanagement über verschiedene Standorte und Clouds unter einem globalen Namensraum ermöglicht. Dabei spielt es zudem keine Rolle, ob die Daten auf virtuellen Maschinen oder anderen Instanzen gespeichert sind. Der Anbieter möchte damit vor allem hybride Multi-Cloud-Umgebungen besser verwaltbar machen. Unterstützt werden dabei Public-Cloud-Umgebungen von Amazon, Microsoft und Google sowie Storage-Hardware von Spectra Logic und Drittanbietern. Diese Ressourcen lassen sich in einer Managementebene zentralisieren.

Administratoren können dann unter anderem Daten über die verschiedenen Speicherumgebungen hinweg synchronisieren und migrieren, Richtlinien konfigurieren, wo Daten gespeichert oder wohin sie verschoben werden sollen. Die Daten werden in diesem Speicherpool als S3-Objekte dargestellt. Die Richtlinien am Backend platzieren die Daten an den besten Stellen, um die Speicherkosten zu minimieren und die Anwendungsleistung zu maximieren, aber das Frontend des Objektspeichers abstrahiert all dies aus der Sicht der Endbenutzer. Vail ist so flexibel, dass es sich auch auf Speicherlösungen wie Synology betreiben ließe. Durch die hohe Skalierbarkeit eignet sich die Software somit für jede Umgebung und wächst bei Bedarf mit.

Die Lösung soll es möglich machen, Daten zwischen diesen unterschiedlichen Plattformen zu verschieben, ohne dafür hohe Egress-Kosten (Kosten für das Rückholen von Daten aus der Cloud) bezahlen zu müssen. Darüber hinaus kann Vail mit den Bandbibliotheken von Spectra Logic verbunden werden, indem BlackPearl, die Objektspeicherplattform des Anbieters, als Gateway verwendet wird. In diesem Anwendungsfall könnten Kunden eine bandbasierte, lokale, Amazon Glacier-ähnliche Umgebung mit Vail verbinden und den Benutzern Zugang zu einer Archivspeicherschicht geben.

Mit der Managementsoftware will der Hersteller auch Edge-Umgebungen adressieren, die besonders speziellen und äußerst flexible Daten- und Speicherlösungen benötigt. Wie erwähnt läuft die Software auch auf Speichersystemen anderer Hersteller, beispielsweise Dell EMC Isilon NAS. Die wichtigsten Funktionen sind hier gelistet:

  • Objekte innerhalb des globalen Namensraum können auf multiple und verschiedene Speicherstandorte und Storage-Ziele gesichert werden.
  • Übergreifende multi-direktionale Datensynchronisation über Clouds und lokale Ressourcen hinweg.
  • Serverloses Cloud-basiertes Management mit konfigurierbaren Richtlinien, um ein konsistentes Management über alle Standorte hinweg zu ermöglichen.
  • Migrationen zu einer Cloud oder zwischen Clouds ohne Hersteller-Lock-in.
  • Optimierung der Egress-Kosten.
  • Sicheres und zentrales Repository für Langzeitarchivierung und Disaster Recovery.
  • Lokaler Glacier-ähnlicher Speicher mit automatisierten Bandbibliotheken.

Spectra Logic steigt mit Vail in einen Markt ein, der Neuland für das Unternehmen ist. Das erste Funktionsangebot scheint durchdacht und geht bereits ein Stück weiter in seiner Flexibilität wie andere Lösungen, zum Beispiel ActiveScale Cold Storage von Quantum, das sich zunächst nur auf die eigenen Speicherumgebungen beschränkt. Allerdings könnte der Spectra-Logic-Software eine Sammlung der Metadaten guttun, um mehr automatische und granulare Funktionen für die Festlegung von Richtlinien zu ermöglichen.

Auf dem Markt für Datenmanagement ist derzeit noch nichts entschieden, es gibt nicht wirklich einen dominierenden Anbieter. Dass der Trend jedoch weg von dem Aufzählen der Speicherhardware-Funktionen hin zu umfassendem Datenmanagement inklusive Schutz vor Cyberattacken geht, ist in den letzten zwei Jahren deutlich geworden. Neben den alteingesessenen Speicherunternehmen, die das Datenmanagement für sich entdecken, gehören auch Komprise, StrongBox, Datadobi und Data Dynamics zu den neuen Marktmittstreitern von Spectra Logic.

Stärkerer Schutz vor Angriffen: BlackPearl und StorCycle

BlackPearl ist ein hybrides Speichersystem des Herstellers und kombiniert Flash- mit Festplattenspeicher. Die Plattform wurde überarbeitet, um nicht nur mehr Funktionen, sondern auch umfassenderen Schutz vor Cyberattacken zu bieten. Das Unternehmen nennt diese neue Art der Angriffsabwehr „Attack-Hardened“. Damit sollen die Systeme in unterschiedlichen Umgebungen sichere Backups und erfolgreiche Wiederherstelllungen selbst nach einem Ransomware-Angriff gewährleisten.

Zum Funktionsumfang gehört unter anderem Folgendes:

Zu den technischen Eigenschaften gehören beispielsweise:

Aufgrund dieser umfassenden Funktionen und Ausstattung kann die BlackPearl-Plattform in zahlreichen Szenarien und Anforderungen dienen. So ist neben der Nutzung als Attack-Hardened Storage auch ein Einsatz als hoch-kapazitives NAS mit mehr als 20 Petabytes in einem 42 HE-großem Rack mit einer Dual-Controller-Architektur möglich. Dabei wird sowohl der primäre Speicher als auch das NAS von StorCycle unterstützt. Darüber hinaus lässt sich die Lösung als natives S3-Ziel nutzen, wobei Multi-Site-Replikation und Replikation in die Cloud möglich ist. Zudem kann es als On-Prem Glacier oder DS3 fungieren, in beiden Fällen wird eine zusätzliche Sicherung auf Bandmedien integriert.

StorCycle ist die Software für Storage Lifecycle Management des Anbieters und Teil der so genannten Attack-Hardened Lösung. StorCycle wird auf einer virtuellen Maschine oder einem dedizierten Server, der zwischen dem Primärspeicher und dem sekundären Storage gelegen ist. Der Sekundärspeicher kann dabei eine Blackearl-Instanz, ein NAS oder eine Public Cloud sein, die wiederum an Langzeitspeicher angeschlossen sind, wie Object Storage oder eine Bandbibliothek. In der Version 3.6 wurden dafür verschiedene Funktionen hinzugefügt.

Mit der Integration der Snapshot-Funktion der BlackPearl-Lösung sind Ransomware-Snapshots möglich. Das heißt, dass die Software Snapshots von BlackPearl-Volumes am Ende von Migrationsaufträgen initiieren und optional einen unveränderlichen Nur-Lese-Status von Volumes beibehalten kann. Darüber gibt es Bucket Adoption, mit der Benutzer ein bestehendes BlackPearl-Objektspeichersystem als Speicherort konfigurieren und den Inhalt des Buckets automatisch in die StorCycle-Datenbank übernehmen können. Die Objekte verbleiben im Bucket, sind aber für StorCycle-Wiederherstellungen verfügbar.

Auch Bandlösungen erhalten ein Update

Die erweiterbare Spectra Stack Bandbibliothek wurde 2018 eingeführt und unterstützt jetzt LTO-9-Bänder. Anwender können ein 6U-Gehäuse mit einem bis sechs LTO-9-Laufwerken und 10 bis 80 LTO-9-Bandkassettensteckplätzen als Startkonfiguration nutzen.

Durch Stapeln des Gehäusemoduls kann sie um das Achtfache auf 560 Steckplätze und 42 Laufwerke erweitert werden. Diese Bibliothek verfügt nicht nur über den traditionellen physischen Air Gap zwischen Kassetten und Laufwerken, sondern auch über eine kalte Partition, die Bänder sperrt, so dass sie nicht überschrieben oder in ein Laufwerk geladen werden können, wenn Ransomware die Kontrolle über die Bandbibliothek selbst übernimmt. Alle Spectra-Bandbibliotheken werden Anfang 2022 mit Attack-Hardened-Funktionen ausgestattet.

Erfahren Sie mehr über Storage Management

ComputerWeekly.de
Close