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Roadmaps 2020: Speicherhersteller im Überblick

Jeder große Speicheranbieter verfolgt eigene Ansätze für ein erfolgreiches 2020. Das Portfolio von sechs Anbietern reicht von Plattenspeicher bis zu All-Flash-Arrays für die Cloud.

Die größten Anbieter von Speichersystemen der Enterprise-Klasse stehen 2020 einer Reihe von Herausforderungen und Chancen gegenüber. Angesichts sinkender weltweiter IT-Umsätze, immer schnellerer Storage-Komponenten sowie des Trends zur Cloud, müssen sich die Anbieter von Primärspeichersystemen diesen neuen Konzepten und Technologien zuwenden.

Jeder der großen Speicheranbieter hat seine eigenen Pläne für den Umgang mit diesen Entwicklungen. Werfen wir einen Blick auf das, was die großen Hersteller von Speichersystemen im Jahr 2019 getan haben und was 2020 von ihnen zu erwarten ist.

Dell EMC: Düstere Wolken vertreiben

2019 im Rückblick: Dell EMC, der Marktführer im Bereich Unternehmensspeicher, verbrachte den größten Teil des Jahres 2019 damit, seine Cloud-Fähigkeiten zu stärken. Vielfach wurde versucht, Rückstände aufzuholen. Zu den neuen Cloud-Produkten gehören VMware-orchestrierte Dell EMC Cloud Platform-Arrays (sie integrieren Unity und PowerMax-Speicher) sowie die konvergente VxBlock- und die hyperkonvergente VxRail-Infrastruktur.

Mit dem neuen Equipment von Dell EMC für die Cloud können Anwender ihre privaten Clouds On-Premises mit der gleichen Agilität und Größe wie in einer Public Cloud aufbauen und bereitstellen. Der Bedarf dafür wächst, weil Unternehmen immer tiefer in KI und DevOps eintauchen.

Was ist für 2020 geplant: Seit einigen Jahren ist von einem neuen Midrange-Speichersystem (unter der Marke „Power“) die Rede. Die offizielle Vorstellung dieses Produkts wird 2020 erwartet. Allerdings war schon für 2019 ein Speichersystem der nächsten Generation angekündigt worden. Kunden mit aktuellen Midrange-Speichersystemen von Dell EMC werden wahrscheinlich nicht zu einem Upgrade gezwungen sein – zumindest nicht in der nächsten zeit. Die neue Speicherplattform wird wahrscheinlich Funktionen der Unity und der Midrange-SC-Serie zusammenführen, wobei der Schwerpunkt auf Containern und Microservices liegen wird.

Dell wird außerdem sein Tool-Set für Container erweitern, um Unternehmen bei der Bereitstellung von Mikroservices zu unterstützen, ließ Sudhir Srinivasan, der CTO von Dell EMC Storage, wissen. Er sagte weiterhin, dass Container ein sehr prominentes Design-Feature in dem neuen Midrange-Speicher sein wird.

Software-Stacks, die vor Jahrzehnten gebaut wurden, sind riesige monolithische Code-Stücke – sie werden das neue Jahrzehnt, wir nennen es die Datendekade, nicht überleben“, sagte Srinivasan.

Ereignisreiches Jahr bei HPE

2019 im Rückblick: In Bezug auf Produkteinführungen und Partnerschaften hatte Hewlett Packard Enterprise (HPE) ein geschäftiges Jahr 2019. HPE Primera All-Flash-Storage kam Ende 2019 auf den Markt. HPE rechnet damit, dass Kunden langsam vom bisherigen Flaggschiff 3PAR abrücken. Primera unterstützt NVMe-Flash. Dort werden maßgeschneiderte Chips den massiv-parallelen Datentransport auf PCI-Express-Lanes unterstützen. Der erste Primera-Kunde, BlueShore Financial, erhielt sein neues Array im Oktober.

HPE kaufte außerdem den Supercomputing-Giganten Cray. Damit will HPE seine Präsenz im Bereich der Höchstleistungs-IT ausbauen. In mehreren Schritten wurden die Lösungen für hyperkonvergente Infrastrukturoptionen erweitert. HPE portierte die InfoSight-Analyse auf HPE SimpliVity HCI. Damit kann HPE die von Nimble Storage übernommenen Cloud-basierten Vorhersage-Tools auf die gesamte HPE-Hardware-Palette übertragen. HPE brachte zudem ein disaggregiertes HCI-Produkt, das Nimble dHCI, auf den Markt und ging eine Partnerschaft mit Nutanix ein. Gemeinsam mit Nutanix will HPE seine GreenLake-Diensten um die HCI-Technologie erweitern. Zugleich wird  Nutanix der Verkauf ihres Software-Stacks auf HPE-Servern ermöglicht.

Das Jahr wurde mit der HPE Container Platform abgeschlossen, einer Bare-Metal-Lösung für die einfachere Orchestrierung von Kubernetes. Die Container-Plattform verwendet die Technologien der kürzlich von HPE erworbenen Unternehmen MapR und BlueData.

Was steht für 2020 auf dem Plan: Sandeep Singh, Vize President für Speicherlösungen bei HPE, kündigte als Reaktion auf die Kundenwünsche hinsichtlich einfacheren Storages neue Analyse-Verfahren Einzug halten werden: „Eine KI-gesteuerte Vorhersage und Verhinderung von Problemen ist ein großer Wendepunkt für die Optimierung der Infrastruktur. Die Kunden räumen der KI bei ihren Überlegungen eine sehr hohe Priorität ein.“ Singh hat die Roadmap von HPE mitgestaltet.

Es wird sich also lohnen, die Fortschritte bei GreenLake zu verfolgen. Dann ist HPE seinem Ziel, die gesamte Technologie bis 2022 as-a-Service zur Verfügung zu stellen, ein Stückchen näher.

Hitachi Vantara: Erneuter Fokus auf traditionelle Unternehmensspeicher

2019 im Rückblick: Hitachi Vantara konzentrierte sich erneut auf die traditionelle Speicherung in Rechenzentren, ein Segment, das es in den letzten Jahren weitgehend an andere Array-Anbieter vergeben hatte. Hitachi unterzog sich 2019 einer umfassenden Aktualisierung des Flash-Arrays der Hitachi Virtual Storage Platform (VSP). Die VSP 5000 SAN-Arrays sind auf 69 PByte Rohspeicher skalierbar. Durch hardwarebasierte Deduplizierung in den Flash-Speichermodulenwird die Kapazität noch weiter erhöht. Durch die Virtualisierung der Speichersysteme von Drittanbietern hinter einer VSP 5000 können Kunden die Kapazität auf 278 PB skalieren.

Was steht für 2020 auf dem Plan: Der VSP5000 integriert die Hitachi Accelerated Fabric-Netzwerktechnologie. Das erlaubt eine Skalierung und Vergrößerung des Speichers. Hitachi will in diesem Jahr schrittweise Netzwerke mit anderen Hochleistungsspeicherprodukten einführen, so Colin Gallagher, ein Hitachi-Vizepräsident für Infrastrukturprodukte: „Wir hatten einen Innovationsrückstand, aber mit dem VSP5000 haben wir unser Mojo zurückbekommen.“

Hitachi-Arrays unterstützen Container, und gemäß Gallagher überlege man, ob man die Unterstützung von Containern über ein Kubernetes-Plug-in hinaus weiterentwickeln müsse, wie es andere Anbieter getan hätten. Hitachi plant, die Datenverwaltungsfunktionen in der Analysesoftware Hitachi Pentaho zu erweitern. Damit sollen KI und DevOps möglich werden. Laut Gallagher sind Data Protection- und Storage as a Service ein weiterer Schwerpunkt bei Hitachi für 2020.

IBM: Hybrid-Cloud mit cyberresistenter Speicherung

2019 im Rückblick: IBM brachte den IBM Elastic Storage Server 3000 auf den Markt. Dabei handelt es sich um ein NVMe-Array das mit der parallelen Dateispeicher-Lösung IBM Spectrum Scale gebundelt wurde. Der Elastic Storage Server 3000 kombiniert NVMe-Flash und containerisierte Softwaremodule. Ziel ist die schnellere Bereitstellung für KI-Anwendungen, so Eric Herzog, IBMs Vize President Storage Channel.

Darüber hinaus erweitere IBM die konvergente Infrastruktur Versastack und die Midrange-SAN-Arrays der Storwize-Familie um neue PCIe-fähige NVMe-Flash-Speicher.

Was im Jahr 2020 zu erwarten ist: Wie andere Speicheranbieter versucht auch IBM, sich in den Unwägbarkeiten von Cloud und as-s-Service zurechtzufinden. Die Produktentwicklung fokussiert sich auf Speichersysteme, der in jeder Cloud eingesetzt werden können. IBM Cloud Services erlauben es den Anwendern, Infrastrukturen, Plattformen und Speichersysteme as-a-Service zu nutzen. Das Programm gibt es seit zwei Jahren. Dieses Jahr ergänzt IBM das Portfolio um softwaredefinierte Speichersysteme. Kunden haben somit die Wahl zwischen Capex in Form von Hardware oder Opexin Form der Spectrum-Suite. Nicht-IBM-Kunden können die Spectrum-Speichersoftware auf qualifizierten Systemen Dritter ausführen.

„Wir werden zunächst einen Spectrum-Protect-Datenschutz anbieten und im Laufe 2020 bis 2021 die Spectrum-Softwarefamilie auch in mit weiteren Lösungen ausbauen werden“, sagt Herzog.

Eine Sache, die IBM 2020 beobachten muss, ist Auswirkung der 34 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Red Hat auf die Speicherprodukte und -services der beiden Anbieter.

NetApp: Warten auf den Aufschwung

2019 im Rückblick: Die Umsätze haben sich 2019 bei mehr oder minder allen Storage-Anbieter reduziert. NetApp verzeichnete jedoch den größten Rückgang. Zu Beginn des Jahres 2019 prognostizierte NetApp noch einen Jahresumsatz von 6 Milliarden US-Dollar, was aufgrund der schwachen Umsätze bis zum Jahresende jedoch um rund 10 Prozent nach unten korrigiert werden musste.

George Kurian, CEO von NetApp, machte für die Umsatzrückgänge zum Teil die schlechte Performance im Vertrieb verantwortlich. Er hofft, dass sich diese Situation verbessert. Schulungen und Verkaufsanreize sollen dazu beitragen. Der Anbieter verabschiedete sich auch von mehreren Top-Führungskräften, die in den Ruhestand gingen. Das warf die Frage auf, wie NetApp die Roadmap künftig gestalten wird.

Was man im Jahr 2020 erwarten kann: Angesichts der Turbulenzen konzentrierte sich Kurian weiterhin auf die Cloud. NetApp führte die Strategie der Data Fabrics fort. Damit soll die die Nutzung der OnTap File-Services über Container in den drei großen Public Clouds möglich gemacht werden. Der NetApp Cloud Data Service (zunächst auf NetApp HCI) erlaubt Kunden sowohl den lokalen als auch den Cloud-Betrieb von OnTap Storage. NetApp schloss das Jahr mit NetApp Keystone ab, einer Pay-as-you-go-Kaufoption, die den Angeboten anderer Storage-Anbieter ähnelt.

Obwohl NetApp in neue Hardware-Löschungen investieren möchte, wird eher Storage-Software für steigende Umsätze sorgen, sofern Unternehmen ihre Daten in die Cloud verlagern, so Octavian Tanase, Senior Vice President der NetApp OnTap Software and Systems Group.

„Es werden mehr Daten außerhalb des traditionellen Data Centers erstellt, und Kubernetes hat die Orchestrierung der Applikationen verändert. Die Kunden wollen schnell eine Datenpipeline mit Data Governance und Mobilität aufbauen – wir wollen versuchen, dies zu monetarisieren“, so Tanase.

Pure Storage: Flash für die Datensicherung, nativ in der Cloud

2019 im Rückblick: Der Spezialist für All-Flash-Arrays hat das Portfolio um die SAN-Arrays der Reihe FlashArray//C und Modelle der FlashBlade-NAS-Reihe mit einer höheren Speicherdichte erweitert. FlashArray//C erweitert die Spitzen-Produktreihe von Pure Storage um ein Modell, das Intel Optane DC SSD-basierte MemoryFlash-Module und Quad-Cell-NAND-SSDs im selben System nutzt.

Pure Storage ging auch einen großen Schritt beim Übergang zu einem einheitlichen Speichersystem. Dies geschah maßgeblich durch die Übernahme des schwedischen Softwareunternehmens Compuverde. Es war die zweite Akquisition in den letzten Jahren für Pure. 2018 wurde StorReduce, Software-Startup für Deduplizierung gekauft.

Was im Jahr 2020 zu erwarten ist: Die Preise für Festplatten und Flash haben sich so aneinander genähert, dass Kunden dazu übergehen können, Flash für Backup und andere sekundäre Workloads in Betracht zu ziehen, so Matt Kixmoeller, Vice President of Strategy bei Pure Storage.

„Eine der größten Herausforderungen und Chancen ist es, den Kunden zu vermitteln, dass Flash für Tier-2-Anwendungen in Betracht gezogen werden darf“, so Kixmoeller.

Flexible Cloud-Storage-Optionen und mehr Speicherplatz in der Software sind weitere Punkte auf der Roadmap von Pure Storage. Der Cloud Block Store, den Pure im letzten Jahr eingeführt hat, stehe gerade erst am Anfang, so Kixmoeller. Es werde erwartet, dass diese Lösung bei den Kunden große Aufmerksamkeit erzeuge. Die meisten Anbieter unterstützen Amazon Elastic Block Storage, indem sie ihre Arrays in ein Colocation-Center stellen und ihre Betriebssoftware auf EBS laufen lassen. Pure verfolgt indes einen anderen Ansatz und hat das Backend-Software-Layer so umgestaltet, dass dieses nativ auf Amazon S3 läuft.

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