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Datenwiederherstellung in der Public Cloud mit nativen Tools

Native Public-Cloud-Services können Sie in Ihrem Disaster-Recovery-Plan unterstützen. Erfahren Sie in diesem Artikel mehr zum Datenwiederherstellungsangebot von AWS, GCP und Azure.

Administratoren fordern in ihren Unternehmen schon seit längerem bessere Disaster-Recovery-Pläne, um Schäden durch unvorhergesehene Ereignisse zu minimieren. Im Rückblick auf die wirtschaftlichen Ereignisse und die Pandemie dürfte jedem Entscheider klar sein: sie hatten Recht.

COVID-19 hat viele Unternehmen dazu gezwungen, ihre Disaster-Recovery-Strategie (DR) neu zu bewerten. Gleichzeitig hat die Krise unter anderem durch die breitflächige Umsetzung von Home-Office die Verbreitung von Public-Cloud-Ressourcen befördert. Die Konvergenz dieser beiden Trends hat dazu beigetragen, dass mehr Unternehmen die Disaster-Recovery-Optionen auf AWS, Microsoft Azure, Google Cloud Platform (GCP) und anderen Public Clouds in Betracht ziehen.

Notfallwiederherstellung in der Public Cloud

Im Vergleich zu herkömmlichen Ansätzen kann Infrastructure as a Service (IaaS) den DR-Prozess vereinfachen und beschleunigen und dabei die Kosten senken, indem IT-Teams statt Hardware, die als Reserve bereitsteht, Cloud-Ressourcen nach Bedarf anfragen können. Fällt der primäre Hosting-Standort aus, stellt Disaster Recovery as a Service (DRaaS) automatisch Anwendungen wieder her, indem es die erforderliche Cloud-Infrastruktur startet, Anwendungs-Images installiert sowie Datenbanken und Volumes mit ihnen verbindet.

Später, wenn die Hauptinfrastruktur wieder online ist, synchronisiert die DRaaS-Software ihn mit den Ausweichressourcen in der Cloud, löst einen Neustart der Anwendungen am primären Standort aus und nimmt die virtuelle Infrastruktur am sekundären Cloud-Standort außer Betrieb.

Die meisten der großen Cloud-Anbieter sind erst spät in den DRaaS-Markt eingestiegen und haben sich zunächst auf die Bereitstellung von Cloud-Infrastruktur und APIs für Disaster-Recovery-Systeme von Drittanbietern konzentriert. AWS und Microsoft haben jedoch inzwischen konkurrenzfähige Produkte auf den Markt gebracht, während Google nach wie vor nur Dokumentationen zum eigenständigen Aufbau von Cloud-basierter DR bereitstellt und kein vollwertiges DRaaS-Angebot.

Die Grundlage von DRaaS ist jedoch die Cloud, weshalb viele Kunden auf der Suche nach DR-Lösungen zunächst bei ihrem Cloud-Anbieter anfragen.

Amazon Web Services

AWS füllte die Lücke in seinem Portfolio, als es 2019 CloudEndure übernahm, dessen Produkte nun die Cloud-basierten Disaster-Recovery- und Workload-Migrationsangebote von AWS bilden. Mit ihnen können Nutzer Workloads von IaaS-Umgebungen On-Premises und außerhalb zu AWS oder zwischen AWS-Regionen replizieren. Es bietet:

  • Kontinuierliche Datenreplikation;
  • Einen kostengünstigen Workload-Staging-Bereich, der nur die erforderlichen AWS-Rechen- und Speicherressourcen verwendet;
  • Automatisierte Maschinenkonvertierung vom nativen Format in unterstützte AWS-Instanzen und Images;
  • Unterstützung für gängige Unternehmenssoftware, Betriebssysteme und Cloud-Umgebungen, einschließlich Azure, GCP, IBM Cloud, Oracle Cloud, OpenStack und VMware;
  • Point-in-Time-Wiederherstellung, also die Fähigkeit, entweder den aktuellen Anwendungszustand oder einen früheren Zeitpunkt wiederherzustellen; und
  • DR-Tests ohne Auswirkung auf den laufenden Betrieb.

Administratoren können auch VMware Site Recovery Manager mit vSphere Replication verwenden, um AWS zu einem DR-Ziel für On-Premises-Workloads zu machen. Der DR-Prozess mit dem Site Recovery Manager ist derselbe wie bei der Verwendung eines sekundären privaten Rechenzentrums, da VMware Cloud on AWS den nativen VMware Software-Stack ausführt.

Microsoft Azure

Ähnlich wie Amazon baute Microsoft sein DRaaS-Angebot durch eine Akquise aus. 2014 integrierte der Anbieter die Business-Continuity-Technologie von InMage in Azure Site Recovery.

Administratoren können Anwendungen von On-Premises-Systemen replizieren, wenn sie auf Azure Stack oder einer anderen Virtualisierungsplattform laufen. Site Recovery kann auch zwischen Azure-Cloud-Regionen oder sogar von AWS-Windows-Instanzen zu Azure replizieren. Wie CloudEndure unterstützt es das Erstellen von VM-Instanzen nach Bedarf, unterbrechungsfreie DR-Tests und benutzerdefinierte Ziele für Wiederherstellungspunkte und Zeitmarken.

Site Recovery unterstützt auch angepasste Wiederherstellungspläne und Runbooks, die Azure Automation oder PowerShell-Skripte für komplexe Szenarien verwenden können. Sie können als Teil von Site-Recovery-Plänen zum Einsatz kommen und die Reihenfolge festlegen, in der ausgefallene Maschinen neu gestartet werden, um Anwendungen mit vielen Abhängigkeiten wiederherzustellen.

Google Cloud Platform

Google Cloud bietet kein eigenes DRaaS-Produkt an. Stattdessen stellt der Anbieter Dokumentation zur Verfügung, anhand derer IT-Teams ihre eigenen Cloud-basierten Disaster-Recovery-Pläne mit GCP-Diensten erstellen können. Jenseits der verschiedenen IaaS-Produkte, die in Frage kommen, konzentriert sich die Dokumentation von Google auf verschiedene Automatisierungs-Tools, um manuelle DR-Prozesse bei der Replikation und beim Failover zu vermeiden. Die für DR geeigneten Dienste von Google Cloud Platform sind unter anderem:

  • Cloud Monitoring und Cloud Status Dashboard zum Überwachen von Anwendungen, Metriken und Ereignissen;
  • Cloud Deployment Manager zum automatischen Erstellen von GCP-Umgebungen aus vordefinierten Vorlagen; und
  • Infrastruktur-Templating- und Konfigurationsmanagement-Software von Drittanbietern mit GCP-Unterstützung wie Ansible, Chef und Terraform.

Im GCP-Partnerverzeichnis sind auch mehrere Unternehmen aufgeführt, die DRaaS oder DR-Managed Services auf der GCP-Infrastruktur anbieten.

Vorsicht: Data-Protection-Produkte werden oft als DR umetikettiert

Laut Gartner ist eine Software eine DRaaS-Plattform, wenn sie

  • Server- und Anwendungs-Images und repliziert sie in einer Cloud-Infrastruktur sammelt;
  • Daten in Cloud-Speicher- und Datenbankdienste repliziert;
  • das Erstellen und Verwalten von DR-Runbooks für die Automatisierung ermöglicht;
  • Cloud-Ressourcen, nämlich IaaS-Server, Speicher und Netzwerke bereitstellt, die für das Wiederbeleben einer Anwendung notwendig sind;
  • die Serverwiederherstellung unter Verwendung der zuvor gesammelten Ressourcen automatisiert;
  • den Fallback nach Behebung des Problems automatisiert; und
  • vordefinierte SLAs (Service-Level-Agreements) für die Wiederherstellungszeit der Anwendung, die Leistung und andere KPIs berücksichtigt.

Zu einem Cloud-basierten Disaster-Recovery-Service gehört somit viel mehr als Datensicherung und Cloud-Infrastruktur. Wie die Gartner-Analysten anmerken, bezeichnen einige Anbieter ihre Tools fälschlicherweise als DRaaS, obwohl sie nur einige der erforderlichen Komponenten wie Datenreplikation oder Software zur Orchestrierung der IT-Infrastruktur anbieten.

Die hohe Komplexität richtiger DRaaS ist auch der Grund, wieso es so schwer für neue Anbieter ist, den Markt zu erschließen.

Andere Cloud-Serviceanbieter und Kriterien bei der Auswahl

IBM Cloud bietet kein vollständiges DRaaS-Produkt an, arbeitet aber mit Veeam und Zerto zusammen, um Workload-Backups, Migration und Replikation zwischen lokalen VM-Umgebungen und der IBM-Infrastruktur zu ermöglichen. IBM Global Services bietet zwei Business-Continuity-Produkte an: vom Kunden verwaltete DRaaS und Wiederherstellung sowie Resiliency Orchestration Services, die von IBM verwaltet werden.

Oracle Cloud Infrastructure (OCI) verfügt ebenfalls über kein eigenes DRaaS-Produkt. Es gibt jedoch eine Dokumentation für die Verwendung von Data Guard, einer Hochverfügbarkeits-, DR- und Datensicherungssoftware für Oracle-Datenbanken mit OCI.

Wenn ein Unternehmen bereits AWS, Azure oder GCP als Haupt-Cloud-Anbieter nutzt, ist es wohl am sinnvollsten, auch das DR-Angebot der jeweiligen Public Cloud zu nutzen. Wer jedoch komplexe Multi- und Hybrid-Cloud-Systeme betreibt, sollten Sie über die Hyperscale-Anbieter hinausschauen und eine der vielen Drittanbieteroptionen in Betracht ziehen.

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