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Cloud Storage versus SAN: Was eignet sich wann?

Nicht immer sind Cloud-Angebote für Storage die beste Lösung. Anwender sollten abwägen, wann sich nach wie vor ein SAN empfiehlt, und dies Mit Cloud-Storage-Angeboten vergleichen.

Indem sie das Speichern von Daten in die Cloud verlagern, können sich Unternehmen mehr auf die Kernkompetenzen ihres Geschäftsmodells konzentrieren.

Zum Beispiel vereinfachen Cloud Services die Backup- und Recovery-Prozesse im Rechenzentrum, da sich nur noch ein kleinerer Teil der IT-Mannschaft um sie kümmern muss. Man muss nicht mehr eine große Backup-Infrastruktur verwalten, und kann stattdessen ein Recovery mit ein paar Mausklicks in Gang setzen. Große Cloud-Provider bieten Datenredundanz über geographisch verschiedene Standorte hinweg an und machen so die Daten der Kunden sicherer.

Zu den größten Vorzügen der Cloud gehören die schnelle Einrichtung von Ressourcen und zeitnahe Entscheidungsfindung. Diese Vorteile sind besonders in den Zeiten von Covid-19 relevant, wo so viele Menschen von zuhause arbeiten. Ganze Arbeitsumgebungen können heute über die Cloud in Stunden anstatt wie früher in Monaten eingerichtet werden. Cloud-Services erweisen sich als bestens geeignet für schnelle Änderungen der Arbeitsbedingungen und schnelle Antworten auf Notsituationen.

Trotzdem stößt man auf viele Probleme, wenn die Storage-Infrastruktur in die Cloud ausgedehnt wird. Es folgt ein Blick auf 13 Bereiche, in denen sich Probleme beim Managing von Cloud Storage im Vergleich zu einem lokalen SAN ergeben: Im Einzelnen betrachten wir diese Faktoren:

  • Kostenmanagement
  • Migrationspläne
  • Zurückführung von Cloud-Daten
  • Service Level Agreements (SLAs)
  • Anpassung an Kunden
  • Security und Compliance
  • Architektur
  • Kompatibilität
  • Backup und Recovery
  • Support
  • Hersteller-Lock-in
  • Überschaubarkeit
  • Zuverlässigkeit

Schlüsselprobleme bei lokalem SAN und Cloud Storage

Probleme beim Cloud Storage hängen oft mit der Wahl eines Cloud Providers zusammen. Bei einem lokalen SAN gibt es dagegen mehr Variationsmöglichkeiten und mehr Flexibilität, was die Behandlung von Problemen angeht. Es ist wichtig zu wissen, wie man Probleme im Verhältnis von Cloud Storage zu einem lokalen SAN löst. Die besten Ansätze erfordern genügend Sorgfalt und proaktive Prozesse, um die korrekten Lösungen für das eigene Unternehmen zu finden.

1. Kostenmanagement

Bei Cloud-Installationen ist es schwierig, die Kosten zu planen und mit ihnen richtig umzugehen. Die Fähigkeit, Ressourcen schnell zu erweitern, ist ein wesentlicher Vorteil auf der Cloud-Storage-Seite im Verhältnis zu einem SAN, aber die Kosten können sprunghaft ansteigen, wenn man so leicht neue Umgebungen schaffen kann.

Man sollte ein Audit zur Schätzung der Infrastrukturkosten der Cloud durchführen, einschließlich der Ausgaben bei:

  • dem Übergang zur Cloud durchführen
  • der Rückführung von Daten aus der Cloud ins eigene Rechenzentrum
  • zusätzlichen Kosten nach der Migration

Ausgehender Datentransfer wird zu normalen Tarifen abgerechnet, eingehender Datentransfer ist kostenlos. Es kostet mehr, Server und Daten zurück ins Rechenzentrum zu bringen, als sie in die Cloud zu verschieben. Es gibt keinen direkten Vergleich zwischen Providern, weil jeder Anbieter andere Optionen offeriert, einschließlich Pay-as-you-go, besondere Volumenrabatte oder Inanspruchnahme der Cloud-Instanzen auf Sekundenbasis.

Automatisierte und detaillierte Verbrauchsberichte für Kostenverfolgung und Reporting zu bekommen ist kompliziert. Drittanbieter-Tools für Management und Reporting, wie sie zum Beispiel Datadog, Dynatrace und SolarWinds anbieten, können hilfreich sein.

Kostenmanagement in einer lokalen SAN-Umgebung dreht sich um das Management des Hardwarelebenszyklus, der Serviceverträge und der Kapitalausgaben, sofern sie das Budget betreffen. Lifecycle Management und exakte Planung der Hardwarewiederbeschaffung sind entscheidend für die Reduzierung der Kosten, wenn es um die Verwaltung einer lokalen Umgebung geht. Die Kosten für den Hardware-Support können nach Ablauf der fünfjährigen Garantiefrist in die Höhe schießen.

2. Migrationspläne

Weitere Herausforderungen für Cloud Storage entstehen bei den Migrationsmaßnahmen. Ein Plan für die Cloud-Migration muss alle Workloads berücksichtigen, die in die Cloud verlagert werden – und natürlich auch die Reihenfolge der Migrationsschritte. Man sollte professionelle Services heranziehen für das Design und den Aufbau eines schrittweisen Vorgehens, mit denen umgekehrt das Einführungsteam arbeiten und auch eine detaillierte Dokumentation erstellen kann.

Ein Migrationsplan für ein lokales SAN muss die zugrundeliegende Netzwerkinfrastruktur und Kompatibilität berücksichtigen. Zum Beispiel kann das alte SAN- oder Ethernet-Netzwerk mit 10 Gigabyte laufen und das neue mit 25 Gigabyte. Tools für die Software-Migration können hier eine Hilfe sein. Netzwerkanbieter stellen diese Tools oft umsonst zur Verfügung, sie können aber schwierig zu benutzen sein. Es stehen auch Drittanbieter-Tools, wie zum Beispiel Datadobi, zur Verfügung. Zu einer vollständig unterschiedlichen Hardwareplattform zu wechseln, erfordert besondere Aufmerksamkeit bei Security, Protokollen, IP- und Namensänderungen sowie bei weiteren Besonderheiten. Eine gründliche Planung ist eine wesentliche Voraussetzung für eine Migration in die Cloud oder auch lokal.

3. Zurückführung von Cloud-Daten

Warum sich wieder von der Cloud zurückziehen? Viele Faktoren können dazu beitragen, zurück ins eigene Rechenzentrum zu gehen. Die Daten in der Cloud zu behalten, kann mit der Zeit weniger kostengünstig werden. Andere Probleme können auftauchen bei Dingen wie Datenkontrolle und Sicherheit, Performance, I/O-Anforderungen und Anbieter-Lock-in.

Entscheidend ist eine gründliche Planung bei hoch performanten Anwendungen oder solchen mit spezifischen Anforderungen bei der Daten-Compliance. Einige dieser Anwendungen sind besser in einer lokalen SAN-Umgebung aufgehoben.

4. Service Level Agreements (SLAs)

Es gibt keine Standardisierung bei Service Level Agreements (SLAs) für Cloud-Umgebungen. Jeder Provider verfügt über seine eigenen SLA-Kennzahlen, Restriktionen und Ausnahmen im Zusammenhang mit Serviceverfügbarkeit und Standards.

Man sollte im eigenen Unternehmen Faktoren wie Verfügbarkeit, Antwortzeiten, Kapazität und Support-Anforderungen überprüfen. Und Firmen sollten alle legalen Anforderungen für Datensicherheit genau beachten und detailliert festlegen, wer verantwortlich für eventuelle Ausfälle ist.

Das lokale SAN-Management besitzt individuell angefertigte SLAs, die sich auf lokale Ressourcen und gegenseitige Vereinbarungen zwischen den Geschäftsabteilungen und dem Team für das SAN-Management stützen. Es ist wichtig, handhabbare und realistische Vereinbarungen zu schaffen und zu überprüfen, die das lokale IT-Team mit Hilfe der Hersteller unterstützen kann.

5. Anpassung an Kunden

In einer Cloud-Umgebung muss man besonders auf Sicherheitsrisiken achten, wenn es um die Anpassung für den jeweiligen Kunden an mobile Installationen, die Aufbereitung von Inhalten für mehrere Märkte und die Handhabung von persönlichen, identifizierbaren Informationen geht. Gesetzliche Vereinbarungen werden eventuell mit einem Cloud Provider benötigt, um die Compliance der Kundenanpassung zu gewährleisten.

Die gleichen Überlegungen gelten auch für ein lokales SAN. Gründliche Planung für die Business-Applikationen ist entscheidend, und die IT-Umgebung muss für bestimmte Bedürfnisse der Anwendung wie zum Beispiel Festplatten-I/O und Netzwerkbandbreite eingerichtet werden. Es fällt jedoch in den Aufgabenbereich des lokalen IT-Teams, die jeweilige Umgebung richtig an die Geschäftserfordernisse anzupassen.

6. Security und Compliance

Andere Probleme mit Cloud Storage hängen mit der Sicherheit und Compliance zusammen. Um nur eine Sache zu nennen: Cloud Computing erweitert die möglichen Angriffsflächen auf das Unternehmen. Während der Cloud Provider für physische Sicherheit, Business Continuity, Disaster Recovery und Netzwerk-Security verantwortlich ist, bleiben zusätzliche Kontrollen und Verantwortlichkeiten beim Kunden.

Security und behördliche Anforderungen legen oft fest, was man in die Cloud verschieben kann und was nicht. Angesichts der zahlreichen staatlichen, föderalen und internationalen Vorschriften – einschließlich Sarbanes-Oxley Act, Criminal Justice Information Services, HIPAA, DSGVO und Family Education Rights and Privacy Act – kann es durchaus sinnvoller sein, Daten lokal zu speichern.

Wenn man Cloud Storage gegen SAN abwägt, sind die Security-Anforderungen ähnlich. Es handelt sich wieder um den Unterschied zwischen einem Vertrag mit einem Hersteller, der Compliance verlangt, und dem lokalen IT-Team, das dafür sorgt, dass die Regelungen eingehalten werden. Man muss die eigenen Sicherheitsziele verstehen sowie das, was jeder Provider anbietet und wer schlussendlich für was verantwortlich zeichnet.

7. Architektur

Aus der Perspektive der Cloud-Einrichtung sollte man die eigene Umgebung betrachten und wie die Angebote des Providers zu den eigenen Arbeitsprozessen passen. So wird Microsoft Azure eventuell zu einem Unternehmen passen, dass bereits eine Menge von Microsoft-Software benutzt. Services von Amazon oder Google Cloud sind sinnvoll, wenn man bereits andere Services dieser beiden Anbieter verwendet.

Aus der Perspektive eines lokalen SAN-Management passt ein Architekturentwurf, der zur Verwirklichung der Geschäftsziele ein Gleichgewicht zwischen Preis und Performance anstrebt. Andere Überlegungen drehen sich um Business Continuity, Sicherheit, Reporting, Backup und Recovery.

8. Kompatibilität

Kompatibilität ist mehr ein Problem einer Cloud-Installation als das einer lokalen Umgebung. In der Cloud gibt es mehr Saas- und PaaS-Optionen. Das Testen der Kompatibilität einer Anwendung ist entscheidend, aber auch komplex. Wenn sich beim Testen Kompatibilitätsprobleme ergeben, können andere Optionen wie zum Beispiel Infrastruktur, PaaS und SaaS näher betrachtet werden. Man sollte sicherstellen, dass ein Bewertungs- und Kompatibilitätstest vor allen Migrationen fertiggestellt wird.

9. Backup und Recovery

Das Arbeiten mit Business Continuity und Data Recovery kann wegen der eingebauten Recovery-Optionen in der Cloud leichter sein. Die größten Herausforderungen für Data Recovery hängen mit der Wiederherstellung des laufenden Betriebs, einschließlich dem Verbrauch der Bandbreite, den Kosten für das Zurückbringen der Daten und der Zeit für die Wiederherstellung der Daten zusammen. Viele geschäftskritische Workloads sollten aus diesen Gründen im eigenen Rechenzentrum verbleiben.

Das Wiederherstellen von lokalen Daten ist oft komplexer, weil ein alternativer Recovery-Ort jenseits der eingebauten Tools des Speichersystems gebraucht wird. Dies kann bedeuten, doppelt so viel Hardware zu kaufen und einen separate Disaster-Recovery-Standort einzurichten.

Das Verständnis der Geschäftsnotwendigkeiten ist entscheidend, da langfristige Backup- und Failover-Optionen zusätzlich zu lokalen Snapshots und Basisfunktionen für Recovery auf einem einzigen lokalen Ort notwendig sein können.

Abbildung 1: Die unterschiedlichen Backup- und Storage-Angebote der drei Hyperscaler im Überblick.
Abbildung 1: Die unterschiedlichen Backup- und Storage-Angebote der drei Hyperscaler im Überblick.

10. Support

Man sollte sich genau Ausmaß und Form des benötigten Supports ansehen, bevor man sich für einen bestimmten Cloud Provider entscheidet. Die wichtigsten Möglichkeiten unterscheiden sich je nach Provider. Sie umfassen 24/7-Support und Antwortzeiten, Tools für Monitoring und Report für die eigene Umgebung, Consulting-Vereinbarungen, dedizierte Account-Manager und -Ingenieure sowie pro-aktive Überprüfungen durch ausgewiesene Experten.

Für die lokale SAN-Architektur gelten die gleichen Überlegungen. Aber man muss sicherstellen, dass es genug Mitglieder des IT-Teams mit der geeigneten Ausbildung für die Unterstützung der Infrastruktur gibt. Das gleiche gilt für geeignete Support-Verträge, um, falls nötig, die richtige Hilfe von den Herstellern zu bekommen.

11. Hersteller-Lock-in

Eine Lock-in-Situation kann es sowohl bei Cloud- als auch bei lokalen Installationen geben. Wenn man einen Hersteller bewertet, sollte man auf seine Migrationsvorgaben sowie auf die laufenden Infrastrukturkosten und -ressourcen achten. Alle Hersteller und Dienstleister sollten sorgfältig geprüft werden. Es sollte außerdem eine dedizierte Exit-Strategie existieren, weil ein Lock-in auf der Datenseite das größte Risiko darstellt – besonders bei einer Cloud-Umgebung, bei der ein Anbieterwechsel schwierig ist. Man sollte seine Daten unter Beachtung der maximalen Portabilität organisieren.

12. Überschaubarkeit

Die Überschaubarkeit oder das Management kann die Herausforderungen von Cloud Storage im Gegensatz zu SANs hervorheben. Cloud-Services können die Überschaubarkeit der Infrastruktur reduzieren. Zum Beispiel sind der direkte Zugang zu den Server-Konsolen und die direkte Kontrolle darüber, was auf einer geteilten Infrastruktur wirklich läuft, begrenzt. Alle Service-Provider unterstützen verschiedene Orchestrierungs-Tools und kooperieren mit verschiedenen Services. Ein Unternehmen muss genau überlegen, welchen Grad an Kontrolle es über seine IT-Umgebung braucht.

Für eine lokale SAN-Umgebung bieten die Hersteller im allgemeinen Management-Tools an. Es gibt auch zahlreiche herstellerneutrale Optionen. Es ist natürlich wichtig, Demo-Installationen durchzuführen und herauszufinden, was den eigenen Anforderungen entspricht.

13. Zuverlässigkeit

Cloud Computing ermöglicht es einem IT-Team, schnell komplexe Systeme zu entwickeln und sie rund um den Globus zu installieren – doch dieser Ansatz kann Risiken bei der Zuverlässigkeit erzeugen. Die Cloud Provider entwickeln kontinuierlich neue Ideen und bauen sie in ihre Services ein. Die vielen Änderungen können zu Ausfällen bei den Services führen. Man sollte auf global redundante Cloud-Angebote achten, um eine maximale Wiederherstellbarkeit und Zuverlässigkeit zu erreichen.

Lokale Installationen erfordern mehr eigene Planung und eigenes Management, um den Fortgang des Unternehmens abzusichern – im Allgemeinen mit mehreren Standorten und redundanter Hardware. Weitere Optionen umfassen die Replikation zu Third-Party-Cloud-Anbietern und die Aufstellung eines lokalen Business-Continuity-Plans mit redundanter Hardware und einem unternehmenseigenen Ausweichstandort.

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