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Welche Citrix-Alternative gibt es für den abgekündigten XenClient-Hypervisor?

Das Aus von Citrix XenClient kam nicht wirklich überraschend, und doch klafft jetzt eine Lücke im Produktportfolio. Wie lässt sich diese schließen?

Citrix hat bei seinem Typ-1-Hypervisor XenClient letztlich doch noch die Reißleine gezogen und das Produkt abgekündigt, was die Tür für die Windows- und wohl auch Linux-Version von Citrix DesktopPlayer weit aufstößt. Der offizielle Verkaufsstopp von XenClient war bereits am 1. Oktober 2015, der Support läuft allerdings noch bis 12. Dezember 2016, bevor am 12. Dezember 2016 die Lichter vollständig ausgehen.

Diese Ankündigung kam heimlich still und leise zum Beispiel über die XenClient-Produktseite von Citrix, aber die Botschaft ist klar: Für Citrix liegt die Zukunft bei Typ-2-Hypervisoren. Citrix DesktopPlayer wird  weiterhin angeboten und bietet die Möglichkeit, von Macs aus auf virtuelle Windows-Rechner zuzugreifen. Auch das entsprechende Synchronizer-Tool zum Management virtueller Maschinen wird Citrix weiter im Produktportfolio behalten. Die Ankündigung verriet sonst keine weiteren Details, obwohl viele XenClient-Kunden wohl noch einige Fragen hierzu haben dürften.

Wie viele Nutzer sind vom XenClient-Aus betroffen?

Citrix XenClient war nie ein Massenprodukt und kommt in den meisten Unternehmen eher in kleinen Bereitstellungen zum Einsatz, beispielsweise in der Entwicklungsabteilung. Durch die unterschiedlichen Distributionswege von XenClient ist es aber schwer, konkrete Zahlen zu bekommen. XenClient konnte beispielsweise als Einzelprodukt gekauft werden, stand aber auch XenDesktop Enterprise- und Platinum-Kunden zur Verfügung.

Man kann nun stark davon ausgehen, dass viele XenClient-Nutzer gerade deshalb zu XenClient griffen, weil es sich hierbei um einen Typ-1-Hypervisor handelt, womit diese Kundengruppe durch das XenClient-Aus ziemlich im Regen stehen gelassen wird. Vor Jahren hätte es noch veritable Alternativen für den Einsatz in Unternehmen gegeben, inzwischen beschränkt sich die Auswahl aber eigentlich so ziemlich auf XenClient.

Citrix hat XenClient allerdings als OpenXT der Open-Source-Community übergeben, wer also keine Berührungsängste mit Open-Source-Software hat, für den kann dies eine mögliche Alternative sein. Dabei sollte man aber bedenken, dass OpenXT wahrscheinlich noch mehr unter der fehlenden Unterstützung moderner Hardware leidet, als das sowieso schon auf XenClient zutrifft. Das liegt einerseits an der starken Ausrichtung auf Security-Umgebungen, andererseits am fehlenden Support eines kommerziellen Entwicklungsteams.

Welche Citrix-Alternative gibt es zu XenClient?

Die einfache Antwort auf die Frage nach Alternativen zu XenClient lautet natürlich Citrix DesktopPlayer, den Citrix schon seit ein paar Jahren zusammen mit Oracle für Mac-Anwender entwickelt. Das größte Problem dabei ist aber, dass DesktopPlayer bislang lediglich für Mac OS erhältlich ist. Im April 2014 hatte Citrix bereits eine Windows-Version angekündigt, und obwohl inzwischen eine Technical Preview erhältlich ist, lässt das finale Produkt noch immer auf sich warten.

Aber selbst wenn demnächst eine Windows-Version erscheinen würde, wäre damit nur die Hälfte des Weges geschafft. Die Maschinen, die derzeit noch XenClient nutzen, sind natürlich keine Macs. Sie sind aber auch nicht für Windows lizenziert, weshalb zumindest für die Migration auch eine Linux-Version notwendig ist. Damit müssten sich Unternehmen mit DesktopPlayer aber auch mehr mit Linux auseinandersetzen, als dies derzeit noch bei XenClient der Fall ist, da XenClient eine in sich selbst geschlossene Umgebung bietet. Allerdings ist dies immer noch die bestmögliche unter den schlechten Optionen. Wenn es für bestehende XenClient-Kunden Hoffnung gibt, dann ruht sie im Erscheinen einer Linux-Version des DesktopPlayer.

Wann können wir mit neuen DesktopPlayer-Versionen rechnen?

Eine Linux-Version von Citrix DesktopPlayer ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr als wilde Spekulation. Citrix selbst hat nie von einer Linux-Version gesprochen, aber immerhin kürzlich einen neuen Fokus auf Linux bewiesen, indem mit XenDesktop jetzt auch virtuelle Linux-Desktops bereitgestellt werden können. Diese beiden Produkte stehen aber natürlich in keinem Zusammenhand zueinander, und doch zeigt diese neue Funktionalität, dass Citrix mehr auf seine Linux-nutzenden Kunden zugeht.

Zumindest die Windows-Version von DesktopPlayer dürfte aber kurz vor der Veröffentlichung stehen. Es ist schwer zu glauben, dass Citrix XenClient abkündigt, ohne kurz darauf mit einer positiven Meldung aufzuwarten. Daher rechne ich stark mit einer Veröffentlichung von DesktopPlayer für Windows vielleicht sogar noch im Oktober oder zumindest im November. Hoffentlich wird dabei auch gleich eine Linux-Version angekündigt.

Die Abkündigung von XenClient ist durchaus ein logischer Schritt, wenn man den Arbeitsaufwand mit der geringen Anzahl an Nutzern in Relation setzt. Betroffene Unternehmen dürften einige harte Migrationen vor sich haben, aber durch den Wechsel hin zu einem Typ-2-Hypervisor öffnet Citrix mehr Anwendungsfälle für Client-Hypervisoren als je zuvor. Man kann nur hoffen, dass Citrix seinem DesktopPlayer zusätzliche Ressourcen zuweisen kann und die Plattform früher als geplant auf den Markt bringt.

Über den Autor:
Gabe Knuth ist ein unabhängiger Industrieanalyst und Blogger und ist weltweit durch seine Arbeit bei BrianMadden.com bekannt. Er hat über 12 Jahre Erfahrung im Bereich Application Delivery und hat dabei miterlebt, wie sich die Industrie vom einseitigen Terminal Services bis hin zur heutigen Application- und Desktop-Virtualisierung entwickelt hat. Statt auf den Hype, den man in der IT-Welt oft antrifft, fokussiert Gabe sich stattdessen auf praxis-orientierte, anwendungsnahe Technologien und auf Lösungen, die im heutigen Unternehmensalltag nützlich sind.

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