Tibco: Digitale Transformation und IoT sind für unsere Kunden wichtig

Tibco Software hat seit 2014 einige Veränderungen erlebt. Wolfgang Kelz von Tibco Software erläutert, worauf sich die Firma aktuell konzentriert.

Tibco Software wurde im Dezember 2014 von der Investment-Gesellschaft Vista Equity Partners akquiriert, nachdem das Unternehmen selbst unter anderem Jaspersoft und Maporama Solutions gekauft hatte. Seitdem konzentriert sich der Softwareanbieter vor allem auf Business-Intelligence- und Business-Process-Management-Lösungen. Im Interview erläutert Wolfgang Kelz, seit Juli 2016 VP Solution Consulting EMEA bei TIBCO Software, wie sich das Unternehmen in den letzten Monaten entwickelt hat und was sich hinter Project Flogo verbirgt.

Tibco Software hat 2014 den BI-Spezialisten Jaspersoft akquiriert, ein Jahr zuvor den Analytics-Anbieter Maporama Solutions. Wenige Monate später wurde Tibco von der Investment-Gesellschaft Vista Equity Partners übernommen. Wie kam es damals zu dieser raschen Übernahmeentwicklung?

Wolfgang Kelz: Als börsennotiertes Unternehmen ist man vom Druck getrieben, für Shareholders möglichst hohe Dividenden zu erzielen und man muss rigide Regularien und Prozessabläufe einhalten. Was uns bei Tibco aber wirklich antreibt, sprich unser Ziel und unser Fokus, ist herausragende Produkte und Lösungen zu entwickeln. Das konnten wir aber in diesem Umfeld nicht so ausleben und gestalten, wie wir das wollten. Mit Vista Equity Partners hat Tibco schließlich sowohl einen Investor wie auch Partner gefunden, der unser Unternehmen wertschätzt und das Potenzial sieht.

Darüber hinaus hat das Unternehmen umfassendes Verständnis für unseren Markt und umfangreiche Erfahrung mit großen Softwareunternehmen. Daher können wir uns ganz auf unsere Kernkompetenz fokussieren: die Entwicklung von erstklassigen Produkten. Als privat geführtes Unternehmen können wir wieder Entscheidungen unabhängig von den Quartalsergebnissen treffen und eine langfristig orientierte, nachhaltige Strategie leben.

Wie hat sich Tibco seitdem entwickelt?

Kelz: In den letzten Jahren hat sich Tibco Software auf allen Ebenen des Geschäfts gut weiterentwickelt. Wir haben umgestellt auf ein subskriptionsbasiertes Lizenzmodell. Des Weiteren haben zuvor einzeln agierende Geschäftsbereiche eine einheitliche Vertriebsstruktur erhalten und nicht zuletzt haben wir auf eine klare Fokussierung bei den Produkten gesetzt.

Tibco konzentriert sich bei seinen Angeboten auf die Bereiche Business Intelligence und Business Process Management. Warum hat sich Ihr Unternehmen bei der Produktkonsolidierung auf diese Bereiche fokussiert?

Kelz: Tibco hat zwei Schwerpunkte: Interconnect Everything und Augment Intelligence. Neben Business Process Management (BPM) fassen wir auch klassische Bereiche wie Integrations- und API Management unter Interconnect Everything. Zu dem Augment-Intelligence-Schwerpunkt zählen wir unsere Reporting-, Dashboard-, Streaming-Analytics- und Data-Visualization-Lösungen. Gerade in Hinblick auf die stetig wachsenden Herausforderungen im Bereich der digitalen Transformation und in Bezug auf Industrie 4.0 sowie IoT sind wir mit unserem Lösungsangebot stark aufgestellt. 

Begriffe wie digitale Transformation und Industrie 4.0 werden in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder genannt, um aktuelle technologische und wirtschaftliche Entwicklungen abzubilden. Welche Rolle spielen diese Themen aus Ihrer Sicht bei Ihren Kunden?

Kelz: Heute am Markt gilt nicht mehr „die Großen fressen die Kleinen“, sondern „die Schnellen überholen die Langsamen“ – das macht der technologische Fortschritt möglich. Aber wir beobachten ganz klar am Markt, dass es weniger um die Einführung komplett neuer, disruptiver Geschäftsmodelle geht, sondern um die Optimierung bestehender Prozesse – natürlich auf Basis von neuen technologischen Mitteln. Auch das wird dann als digitale Transformation begriffen. Und als Experten werden wir dazu gerufen, wenn es darum geht, eine digitale Transformation technologisch zu begleiten. Von daher spielen Themen wie Digital Transformation, IoT und Industrie 4.0 für unsere Kunden eine wichtige Rolle.

Mehr zum Thema Industrie 4.0:

Leitfaden zu rechtlichen Aspekten der Industrie 4.0 in Sachen IT-Sicherheit.

Erfolgreiche Industrie-4.0-Projekte mit ERP-MES-Integration in sechs Schritten.

IoT und Industrie 4.0: Cisco eröffnet Innovation Center openBerlin.

Smart Factory: Herausforderungen im Rahmen der Industrie 4.0.

Zu früh für Industrie 4.0? BSI-Veröffentlichung wirft düsteres Licht auf ICS-Sicherheit.

Können Sie uns eine möglichst marktnahe Einschätzung geben, wie weit insbesondere deutsche Unternehmen in diesen Bereichen entwickelt sind beziehungsweise sich in den letzten zwei Jahren entwickelt haben?

Kelz: Branchenübergreifend lässt sich dazu schwer eine Aussage treffen. Im Bereich des Maschinen- und Anlagenbaus beispielsweise nehmen wir eine hohe Akzeptanz von neuen Technologien wahr – natürlich nur unter der Voraussetzung, dass diese auch klare Vorteile mit sich bringen. Predictive Maintenance als eine Ausprägung von IoT oder Streaming Analytics sind dabei Anwendungsfälle, die von Unternehmen dieser Branche bereits gelebt werden.

Bei vielen Menschen entsteht der Eindruck, dass intelligente Vernetzung und intelligente Maschinen ihre Jobs in Zukunft ersetzen beziehungsweise sie die Handlungshoheit verlieren. Wie reagieren Sie auf diese Ängste?

Kelz: Der Fortschritt war, ist und wird immer von der Angst vor Veränderung begleitet. Und es ist auch tatsächlich so, dass sich Aufgaben und Jobinhalte durch die Vernetzung und die Entwicklung von immer intelligenteren Maschinen verändern werden. Aber die Veränderung bringt auch neue Berufsbilder mit sich und so entstehen durch den Fortschritt auch immer wieder neue Chancen. Allein in den vergangenen Jahren ist so der Data Engineer und Data Scientist entstanden. Das Stichwort heißt hier Human Interaction – auch hinter einer intelligenten Maschine sollte das intelligente Handeln von Menschen stehen.

„Gerade in Hinblick auf die stetig wachsenden Herausforderungen im Bereich der digitalen Transformation und in Bezug auf Industrie 4.0 sind wir mit unserem Lösungsangebot stark aufgestellt.“

Wolfgang Kelz, Tibco Software

Tibco hat Anfang Oktober Project Flogo – ein Integrationsprodukt für das Internet der Dinge – vorgestellt. Was genau steckt hinter diesem Projekt?

Kelz: Um die IoT-Entwicklergemeinde zu fördern und die Evolution von Digital Business und dem Internet der Dinge zu forcieren, hat TIBCO das Project Flogo ins Leben gerufen. Project Flogo, eine extrem kompakte, quelloffene Integrationssoftware, ist eines der ersten Design-Bots für die Entwicklung von IoT-Edge-Anwendungen. Mit der kachelbasierten Umgebung lassen sich Integration und Datenverarbeitung direkt in vernetzte Geräte einbringen beziehungsweise dort bereitstellen. Das Project Flogo lässt sich auch in sehr kleinen vernetzten Geräten realisieren, da der durchschnittliche Installationsumfang bis zu 20-mal unter dem von Node.js und bis zu 50-mal unter dem von Java liegt. Entwickler profitieren unter anderem von vordefinierten Bausteinen für Anwendungsentwicklung, Integration, Datenverarbeitung, Microservices und Fehlerbehandlung inklusive Debugger mit Step-Back-Funktion.

Können Sie uns einen Ausblick geben: Welche Zukunftsprojekte verfolgt Tibco neben dem Projekt Flogo?

Kelz: In unseren Entwicklungszentren arbeiten wir an Themen im Umfeld von IoT, Machine Learning, Graphdatenbanken und Stream-Analytics.

In welchen Bereichen sehen Sie in den nächsten fünf Jahren ein besonderes Entwicklungspotenzial für Tibco?

Kelz: Seit Gründung des Unternehmens besteht unsere Ziel darin, Lösungen zu entwickeln, die Firmen mit den richtigen Informationen zur rechten Zeit bereichern, damit diese schnelle und vor allem auch umsetzbare Entscheidungen fällen können.  Wir arbeiten am Puls der Zeit, das heißt wir werden auch in den nächsten Jahren unsere Produkte weiterentwickeln und enger miteinander verzahnen und darüber hinaus sicherlich weitere Produkte auf den Markt bringen, um unseren Kunden, die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie für einen Wettbewerbsvorsprung benötigen.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close