Definition

6G

Was ist 6G?

In Deutschland sind laut Bundesnetzagentur 95 Prozent der Fläche mit 5G-Mobilfunk versorgt. Es handelt sich dabei aber zum weitaus größten Teil um eine Mischform aus 4G und 5G, 5G NSA oder 5G Non-Standalone genannt. Das echte 5G, 5G Standalone oder 5G SA, das im Gegensatz zu 5G NSA die volle Performance bietet, ist bei Weitem noch nicht so verbreitet – abhängig vom Mobilfunkanbieter ist es für Privatpersonen sogar überhaupt noch nicht buchbar. Die Industrie arbeitet aber schon am Nachfolger von 5G, folgerichtig 6G genannt.

6G steht für Sixth Generation Wireless. 6G-Netzwerke werden in der Lage sein, höhere Frequenzen als 5G-Netzwerke zu nutzen sowie eine erheblich höhere Kapazität und deutlich geringere Latenz zu bieten. Eines der Ziele von 6G ist die Unterstützung von Kommunikation mit einer Latenzzeit von einer Mikrosekunde. Das bedeutet, 1.000 Mal schneller als bei einer Millisekunde – oder ein Tausendstel der anvisierten bestmöglichen 5G-Latenz.

Der 6G-Technologiemarkt dürfte in Bereichen wie Bildgebung, Präsenztechnologie und Standortbestimmung erhebliche Verbesserungen ermöglichen. In Verbindung mit künstlicher Intelligenz (KI) wird die 6G-Recheninfrastruktur den optimalen Standort für die Datenverarbeitung automatisch ermitteln und Entscheidungen über Datenspeicherung, -verarbeitung und -austausch treffen. Dadurch hat sie das Potenzial, außergewöhnliche Leistungen zu erbringen und neue Möglichkeiten für eine Vielzahl von Anwendungen und Branchen zu schaffen.

6G wird auf den Standards des 3rd Generation Partnership Project (3GPP) basieren. Dies ist dieselbe Organisation, die auch die Standards für 5G und 5G New Radio (NR) für die drahtlose Kommunikation entwickelt und pflegt. Es ist wichtig zu beachten, dass 6G noch keine voll funktionsfähige Technologie ist. Obwohl Regierungen und der private Sektor erhebliche Anstrengungen und finanzielle Mittel in die Forschung und Entwicklung dieses drahtlosen Standards der nächsten Generation investieren, werden die Industriespezifikationen für 6G-fähige Netzwerkprodukte erst in einigen Jahren vorliegen. Einige Telekommunikationsunternehmen, wie beispielsweise Ericsson, gehen davon aus, dass 6G frühestens Anfang der 2030er-Jahre für den kommerziellen Markt verfügbar sein wird.

Was sind die Vorteile von 6G gegenüber 5G?

Wie 5G wird voraussichtlich auch 6G mehrere Frequenzbänder für die drahtlose Kommunikation nutzen. 6G-Netze werden jedoch hauptsächlich mit Signalen im höheren Bereich des Funkfrequenzspektrums arbeiten. Es ist noch zu früh, um die Datenraten von 6G zum Stand von 2025 zu schätzen.

Im Jahr 2021 demonstrierte LG erfolgreich die Übertragung von 6G-Daten über eine Distanz von 100 Metern im Freien sowie adaptives Beamforming im Rahmen desselben Versuchs. Im Jahr 2022 diskutierte Mahyar Shirvanimoghaddam, außerordentlicher Professor an der Universität Sydney, dass eine theoretische Spitzendatenrate von einem Terabit pro Sekunde (TBit/s) bei drahtlosen 6G-Datenübertragungen möglich sein könnte. Diese Schätzung gilt für Daten, die in kurzen Bursts über begrenzte Entfernungen übertragen werden.

Im September 2025 zeigten Wissenschaftler in den USA und China einen kleinen 6G-Chip mit vollem Spektrum, der Daten mit einer Geschwindigkeit von 100 Gigabit pro Sekunde (GBit/s) übertragen kann. Wenn man bedenkt, dass mit den 5G-Netzen in den Deutschland  derzeit maximale Transferraten von ein bis zwei GBit/s möglich sind, wäre 6G mit einer möglichen Geschwindigkeit von 100 GBit/s bis zu hundertmal schneller.

Anhand eines Beispiels aus der Praxis lassen sich diese Unterschiede verdeutlichen:

Nehmen wir eine hochauflösende Filmdatei mit einer Größe von 3 GByte. Wenn das Herunterladen des Films über ein 3G-Netzwerk zwei Stunden dauert, benötigt man über ein 4G-Netzwerk etwa 20 Minuten. Ein 5G-Netzwerk beschleunigt das Herunterladen noch weiter, sodass nur zwei Minuten nötig sind, um den gesamten Film herunterzuladen. Dennoch sind die 5G-Geschwindigkeiten immer noch deutlich geringer als das, was mit 6G möglich sein könnte. Wenn eine Geschwindigkeit von einem TBit/s erreicht wird, könnte das Herunterladen des Films über ein 6G-Netzwerk nur einen Bruchteil einer Sekunde dauern.

Die extrem hohe Kapazität und extrem niedrige Latenz von 6G werden dazu beitragen, die mit 5G eingeführten Technologien weiterzuentwickeln und die Leistung von 5G-Anwendungen zu erweitern. Der Funktionsumfang wird außerdem erweitert, um neue und innovative Anwendungen in den Bereichen drahtlose Konnektivität, Kognition, Sensorik, Bildgebung, Digital Twin, autonome Fahrzeuge und Mixed Reality zu unterstützen. Mit 6G können Zugangspunkte mittels des Orthogonal Frequency Division Multiple Access (OFDMA) mehrere Clients gleichzeitig bedienen.

Die wichtigsten Merkmale von 5G.
Abbildung 1: Die sechs wichtigsten Merkmale von 5G-Mobilfunknetzen.

Die höheren Frequenzen von 6G ermöglichen viel schnellere Abtastraten als bei 5G. Die werden auch einen signifikant besseren Durchsatz und höhere Datenraten ermöglichen. Die Kombination von Sub-mm-Wellen (Wellenlängen, die kleiner als ein Millimeter sind) und Frequenzselektivität, um relative elektromagnetische Absorptionsraten festzustellen, könnte möglicherweise zu erheblichen Fortschritten in der Wireless-Sensing-Technologie führen.

Mobile Edge Computing (MEC) wird Bestandteil aller 6G-Netzwerke sein, während man es in bestehende 5G-Netzwerke erst explizit implementieren muss. Nach der Bereitstellung von 6G-Netzwerken werden Edge Computing und Core Computing als Teil eines kombinierten Kommunikations-/Computing-Infrastruktur-Frameworks sehr viel nahtloser integriert sein. Dieser Ansatz wird, wenn die 6G-Technologie in Betrieb geht, viele potenzielle Vorteile mit sich bringen, zum Beispiel einen besseren Zugriff auf KI-Funktionen.

Wann ist mit 6G-Internet zu rechnen?

Man geht davon aus, dass 6G-Internet im Jahr 2030 kommerziell startet. Im März 2024 veröffentlichte die 3GPP einen Zeitplan für die Entwicklung und Einführung von 6G. Demnach sollen die technischen Leistungsanforderungen für 6G bis 2026 definiert werden. Die tatsächlichen Spezifikationen werden bis 2028 in Release 21 enthalten sein. Jedes Release spiegelt die laufenden Entwicklungsarbeiten der 3GPP für 5G und 6G wider. Die Arbeiten an Release 20, das die Dual-Track-Frameworks für 5G-Advanced und frühe 6G-Versionen enthält, begannen Anfang 2025.

Die Technologie nutzt das verteilte Radio Access Network (RAN) und das Terahertz-Spektrum (THz) stärker, um die Kapazität zu vergrößern, die Latenz zu verringern und das Spectrum Sharing zu verbessern.

Während bereits erste Diskussionen zur Definition von 6G stattfanden, begannen die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (F&E) im Jahr 2020 ernsthaft. 6G wird die Entwicklung fortschrittlicher Mobilfunktechnologien erfordern, zum Beispiel kognitive und hochsichere Netzwerke. Außerdem wird eine um Größenordnungen schnellere Erweiterung der spektralen Bandbreite als bei 5G erforderlich sein.

Viele der Probleme im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Millimeterwellenfunk für 5G müssen rechtzeitig gelöst werden, damit Netzwerkdesigner die Herausforderungen von 6G bewältigen können.

Wie wird 6G funktionieren?

Man rechnet damit, dass Wireless-Sensing-Lösungen mit 6G verschiedene Frequenzen selektiv nutzen werden, um die Absorption zu messen und die Frequenzen entsprechend anzupassen. Das ist möglich, weil Atome und Moleküle elektromagnetische Strahlung bei charakteristischen Frequenzen emittieren/absorbieren und die Emissions- und Absorptionsfrequenzen für ein bestimmtes Material gleich sind.

6G wird beträchtliche Auswirkungen für viele staatliche und industrielle Ansätze im Bereich öffentliche Sicherheit und Schutz kritischer Assets haben. Dazu zählen:

  • Bedrohungserkennung
  • Gesundheits-Monitoring
  • Feature- und Gesichtserkennung
  • Entscheidungsfindung auf Gebieten wie Strafverfolgung und Social-Credit-Systeme
  • Messungen der Luftqualität
  • Gas- und Toxizitätserkennung
  • Sensorische Schnittstellen, die sich wie das echte Leben anfühlen

Verbesserungen in diesen Bereichen würden auch der Mobiltechnologie sowie neuen Technologien, etwa Smart Cities, autonomen Fahrzeugen sowie Virtual Reality und wirklich immersive Augmented Reality, zugutekommen.

Brauchen wir 6G überhaupt?

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum die 6G-Technologie benötigt wird. Dazu gehören:

Einige Funktionen von 6G.
Abbildung 2: Das sind einige der Funktionen, die 6G voraussichtlich bieten wird.
  • Technologiekonvergenz: Die sechste Generation der Mobilfunknetze wird mehrere ehemals disparate Technologien integrieren, unter anderem Deep Learning und Big Data Analytics. Die Einführung von 5G hat den Weg für den Großteil dieser Konvergenz geebnet.
  • Edge Computing: Die Notwendigkeit, Edge Computing bereitzustellen, um einen Gesamtdurchsatz und eine geringe Latenz für extrem zuverlässige Kommunikationslösungen mit niedriger Latenz zu gewährleisten, ist ein wichtiger Treiber für 6G.
  • Internet der Dinge: Gleiches gilt für die Unterstützung der M2M-Kommunikation (Machine-to-Machine) im Internet of Things (IoT).
  • High-performance computing (HPC): Darüber hinaus ist ein enger Zusammenhang zwischen 6G und High Performance Computing (HPC) festgestellt worden. Während einige der Daten von IoT- und Mobilgeräten mittels Edge-Computing-Ressourcen verarbeitet werden können, wird der überwiegende Teil eine Verarbeitung durch stärker zentralisierte HPC-Ressourcen erfordern.

Wer arbeitet an der 6G-Technologie?

Das Rennen um 6G zieht die Aufmerksamkeit vieler Branchenakteure auf sich. Dazu zählen auch Keysight Technologies und Rhode&Schwarz sowie weitere Anbieter von Test- und Messlösungen sowie Antennen. Große Infrastrukturunternehmen wie Ericsson, Huawei, Nokia und Samsung haben signalisiert, dass sie 6G-Forschung und -Entwicklung in Arbeit haben.

Es ist sehr gut möglich, dass dadurch der Wettlauf um 5G zur Nebensache gerät, weil es spannender ist, zu beobachten, welche Länder den Markt für die 6G-Technologie und verwandte Anwendungen, Services und Lösungen dominieren.

Folgend finden Sie einige der wichtigsten laufenden Projekte.

  • Die Universität Oulu in Finnland hat das Forschungsprojekt 6Genesis auf den Weg gebracht, um eine 6G-Vision für 2030 zu entwickeln. Die Universität hat außerdem eine Kooperationsvereinbarung mit dem japanischen Beyond 5G Promotion Consortium unterzeichnet, um die Arbeit des finnischen Forschungsprogramms 6G Flagship zu 6G-Technologien zu koordinieren.
  • Das südkoreanische Electronics and Telecommunications Research Institute erforscht das Terahertz-Band für 6G und arbeitet an Datengeschwindigkeiten, die 100 Mal schneller sind als 4G-LTE-Netzwerke und fünfmal schneller als 5G-Netzwerke.
  • Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (Ministry of Industry and Information Technology, MIIT) investiert in die 6G-Forschung und -Entwicklung und überwacht diesen Prozess.
  • In den Vereinigten Staaten hat die Federal Communications Commission (FCC) 2020 die Frequenzen über 95 Gigahertz (GHz) bis 3 THz für 6G-Spektrumtests freigegeben.
  • Die großen US-Mobilfunkanbieter AT&T, Verizon und T-Mobile haben gemeinsam mit den Technologiegiganten Apple, Google, HP Enterprise und Intel die Next G Alliance ins Leben gerufen. Diese Initiative des privaten Sektors hat das Ziel, die 6G-Technologie in Nordamerika zu entwickeln und zu vermarkten sowie die Führungsrolle Nordamerikas bei der Innovation und Umsetzung von 6G zu fördern.
  • Hexa-X ist ein europäisches Konsortium aus führenden Vertretern von Hochschulen und Industrie, das die Forschung zu 6G-Standards vorantreiben will. Das finnische Kommunikationsunternehmen Nokia leitet dieses Projekt, an dem auch der schwedische Betreiber Ericsson und die italienische TIM beteiligt sind.
  • Hexa-X-II ist das 6G-Flaggschiffprojekt des europäischen gemeinsamen Vorhabens „Smart Networks and Services“. Während Hexa-X die Grundlage für 6G schuf, indem es die 6G-Vision klarstellte, grundlegende Konzepte definierte und wichtige technologische Wegbereiter beschrieb, konzentriert sich Hexa-X-II auf die Erforschung des End-to-End-Systemdesigns. Dieses wird für die Bereitstellung neuartiger Dienste in 6G-Netzen erforderlich sein. Darüber hinaus zielt Hexa-X-II darauf ab, einen Systembauplan für eine integrative und vertrauenswürdige 6G-Plattform zu entwerfen. Dabei werden verschiedene Anwendungsfälle, Dienste und Anforderungen definiert, um sich mit Implementierungsaspekten zu befassen.
  • In Deutschland hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2021 bundesweit vier Hubs zur Erforschung der Zukunftstechnologie 6G ausgewählt. Je ein 6G-Forschungs-Hub entsteht unter Koordination des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (Open6GHub), des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, HHI (6G-RIC), der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (6GEM) und den Technischen Universitäten Dresden/ München (6G-Life).
  • Forscher der Universität Osaka in Japan und der australischen Universität Adelaide haben einen Mikrochip auf Siliziumbasis entwickelt, der über einen speziellen Multiplexer verfügt, um Daten zu teilen und eine effizientere Verwaltung von Terahertz-Wellen zu ermöglichen. Während der Tests behaupteten die Forscher, das Gerät übertrage Daten mit 48 GBit/s, verglichen mit der theoretischen Grenze von 10 GBit/s von 5G.

Jüngste Entwicklungen bei 6G

Im Dezember 2023 veröffentlichte die Internationale Fernmeldeunion (ITU) ihr 6G-Framework IMT-2030, das die neuen Möglichkeiten von 6G, neue Anwendungsszenarien auf der Grundlage aktueller und zukünftiger Technologietrends sowie die potenziellen Auswirkungen auf verschiedene Branchen hervorhebt.

Im Dezember 2024 beschloss die 3GPP auf Empfehlung einiger Unternehmen der Telekommunikationsbranche, dass für 6G eine Kanalbandbreite von 200 MHz in Betracht gezogen werden sollte. Zudem wurde eine Trägerfrequenz von 7 GHz für die Nutzung von 200-MHz-Kanalbandbreiten empfohlen. Die Verfügbarkeit dieser Bandbreite bleibt allerdings eine Herausforderung, da höhere Bandbreiten in der Regel für nicht kommerzielle Zwecke wie Verteidigung genutzt werden. Somit stellt sich die Frage, wie sie verfügbar gemacht werden kann, um die Demokratisierung von 6G zu ermöglichen.

Private Unternehmen sind besonders daran interessiert, 6G so schnell wie möglich zu entwickeln und zu kommerzialisieren. Ein Beispiel dafür ist das südkoreanische Unternehmen Samsung. Im Juli 2020 veröffentlichte Samsung ein Whitepaper mit dem Titel 6G: The Next Hyper-Connected Experience for All. Darin wird die Vision des Unternehmens für 6G dargelegt und es werden erste Erwartungen hinsichtlich des Zeitplans für 6G geäußert. Das Unternehmen geht davon aus, dass die früheste Kommerzialisierung von 6G bereits 2028 erfolgen wird, gefolgt von einer massiven Kommerzialisierung um 2030.  Das Whitepaper behandelt auch andere wichtige Themen im Zusammenhang mit der Entwicklung von 6G:

  • Megatrends wie vernetzte Maschinen und die Offenheit der Mobilkommunikation.
  • Die wichtigsten Anforderungen zur Realisierung der erwarteten 6G-Dienste, darunter hohe Datenraten, eine Latenzzeit von weniger als 100 Mikrosekunden, eine höhere Netzabdeckung und eine höhere Gerätedichte.
  • Die Technologien, die zur Erfüllung dieser Anforderungen unerlässlich sein werden, darunter Multiple Input, Multiple Output (MIMO), Metamaterial-Antennen, Split Computing und flexiblere Netzwerktopologien.

Im Jahr 2024 startete China einen mit einem THz-System ausgestatteten 6G-Testsatelliten in die niedrige Erdumlaufbahn. Dies war der weltweit erste 6G-Satellit, der hochfrequente THz-Wellen nutzt. Der Satellit, der in einer Höhe von etwa 310 Meilen umkreist, bietet viel höhere Datenübertragungsraten und geringere Latenzzeiten als Satelliten in höheren Umlaufbahnen und eröffnet damit die Möglichkeit, abgelegene Gebiete mit Hochgeschwindigkeitsinternet zu versorgen. Laut einem Weißbuch der Internationalen Fernmeldeunion aus dem Jahr 2023 strebt China die Kommerzialisierung von 6G-Technologien bis 2030 an.

Auch die USA intensivieren ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Bereich 6G. Im Februar 2024 gab das Weiße Haus gemeinsam mit neun anderen Regierungen (Australien, Kanada, Tschechische Republik (Czechia), Finnland, Frankreich, Japan, Republik Korea (Südkorea), Schweden und Vereinigtes Königreich) eine Erklärung ab, um die internationale Forschung im Bereich 6G zu lenken. In der Erklärung wird festgehalten, dass 6G von Grund auf sicher, offen und widerstandsfähig sein soll. Die National Telecommunications and Information Administration (NTIA) unterstützt die Entwicklung von 6G für US-Verbraucher und Innovatoren. Sie arbeitet auch mit anderen Bundesbehörden, darunter der Federal Communications Commission (FCC) und dem Commerce Spectrum Management Advisory Committee, zusammen, um die nationale Frequenzstrategie 2023 des Landes voranzutreiben und die Führungsrolle der USA bei der Entwicklung globaler 6G-Standards sicherzustellen. Darüber hinaus fördert die NTIA die Offenheit, Interoperabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit künftiger 6G-Einführungen.

Künftiger Anwendungsbereich von 6G-Netzwerken

In den 2010er-Jahren wurde der Begriff Beyond 4G (B4G) geprägt. Damit wollte man auf die Notwendigkeit hinweisen, die Evolution von 4G über den LTE-Standard hinaus voranzutreiben. Es war nicht klar, was 5G mit sich bringen würde, und zur damaligen Zeit waren nur F&E-Prototypen ohne verbindliche Standards in Arbeit. Der Begriff B4G blieb eine ganze Weile erhalten und deutete an, was jenseits von 4G möglich und potenziell nützlich sein könnte. Ironischerweise entwickelt sich der LTE-Standard nach wie vor weiter, und einige Aspekte finden sich in 5G wieder.

Ähnlich wie B4G kann man Beyond 5G (B5G) als Wegbereiter für 6G-Technologien begreifen, die die Fähigkeiten der fünften Mobilfunkgeneration und 5G-Anwendungen ersetzen werden. Die vielen privaten Wireless-Implementierungen von 5G, einschließlich LTE, 5G und Edge Computing für Unternehmens- und Industriekunden, haben geholfen, die Grundlagen für 6G zu schaffen.

6G-Wireless-Netzwerke der nächsten Generation werden dabei noch einen Schritt weiter gehen. Durch sie wird ein Netz von Kommunikationsanbietern entstehen, von denen sich viele ihr eigenes Netz aufbauen, ähnlich wie die Integration von Solarenergie zur gemeinsamen Energieerzeugung im Smart Grid geführt hat.

Data Center sehen sich aufgrund von 5G bereits mit großen Veränderungen konfrontiert. Dazu gehören Virtualisierung, programmierbare Netzwerke, Edge Computing und Probleme rund um die gleichzeitige Unterstützung von öffentlichen und privaten Netzwerken. Eventuell wünschen sich zum Beispiel einige Geschäftskunden eine Kombination von On-Premises RAN mit Hybrid On-Premises und Hosted Computing – jeweils für Edge und Core Computing – sowie im Data Center gehostete Core-Netzwerkelemente für private Business-Netzwerke oder alternative Service-Provider.

6G-Mobilfunknetzwerke werden die Mittel für Kommunikation und Datenerfassung liefern, die notwendig sind, um Informationen zu sammeln. Für den 6G-Technologiemarkt wird aber ein Systemansatz benötigt. Er wird Data Analytics, KI und Berechnungsmöglichkeiten der nächsten Generation über HPC und Quantencomputing umfassen.

Zusätzlich zu den tiefgreifenden Veränderungen in der RAN-Technologie wird 6G durch die Konvergenz zahlreicher neuer Technologien auch Veränderungen in der Struktur des Kernkommunikationsnetzwerks mit sich bringen. Vor allem die künstliche Intelligenz wird mit 6G in den Mittelpunkt rücken.

Zu den weiteren Veränderungen, die 6G voraussichtlich mit sich bringen wird, gehören:

  • Nano-Core: Es wird erwartet, dass sich ein sogenannter Nano-Core als gemeinsamer Rechenkern herausbildet, der Elemente von HPC und KI umfasst. Der Nano-Kern muss kein physisches Netzwerkelement sein. Stattdessen könnte es sich um eine logische Sammlung von Rechenressourcen handeln, die sich viele Netzwerke und Systeme teilen.
  • Koordinierung von Edge und Core: 6G-Netzwerke werden wesentlich mehr Daten erzeugen als 5G-Netzwerke. Die Datenverarbeitung wird sich dahin gehend weiterentwickeln, dass eine Koordinierung zwischen Edge- und Core-Plattformen erforderlich ist. Als Reaktion auf diese Veränderungen müssen sich die Data Center weiterentwickeln.
  • Datenverwaltung: Die 6G-Funktionen in den Bereichen Sensorik, Bildgebung und Standortbestimmung werden riesige Datenmengen erzeugen, die im Auftrag der Eigentümer des Netzwerks, der Dienstanbieter und der Datenbesitzer verwaltet werden müssen.
  • Höhere Energieeffizienz: Die Entwickler von 6G werden sich darauf konzentrieren, die zugrunde liegende Hardware so zu optimieren, dass sie in den erweiterten Frequenzbereichen, in denen 6G betrieben wird, energieeffizient arbeitet.
  • Verbesserte, äußerst zuverlässige Kommunikation mit geringer Latenz: Der URLLC-Dienst (Enhanced Ultra-Reliable Low-Latency Communication), der durch 5G für Anwendungen mit sehr hohen Zuverlässigkeits- und nahezu Echtzeit-Reaktionsanforderungen ermöglicht wird, wird mit der Einführung von 6G weiter verbessert. 6G wird höhere Geschwindigkeiten, eine größere Netzabdeckung und eine stabilere Leistung bieten und damit Anwendungen wie autonome Fahrzeuge und Fernoperationen weiter unterstützen.

Was ist ein 7G-Netzwerk und warum ist es notwendig?

Obwohl 6G-Netzwerke frühestens im Jahr 2032 einsatzbereit sein werden, hat die Forschung an Mobilfunktechnologien der siebten Generation (7G) bereits begonnen. Das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) entwickelt mithilfe seiner Arbeitsgruppe Extremely High Throughput die 802.11be-Spezifikation für 7G und eine Branchenzertifizierung in Zusammenarbeit mit der Wi-Fi Alliance.

Der überarbeitete Standard des IEEE wird für Mai 2024 erwartet. Die Gerätehersteller erhalten damit Designspezifikationen für die Interoperabilität und Performance.

6G-Netzwerke versuchen, schnelle Gigabit-Ethernet-Konnektivität auf kommerzielle und private Geräte auszuweiten. Man erwartet, dass 6G einen wesentlich höheren Durchsatz und Datenfluss bietet. In der geplanten Form wird 6G Folgendes ermöglichen:

  • theoretische Datenrate von bis zu 400 GBit/s gleichzeitig über mehrere Gigahertz-Kanäle
  • bis zu drei Kanäle mit 160 Mhz Bandbreite
  • Multiplexing von bis zu acht Spatial Streams.
6G vs. 7G
Abbildung 3: 6G ist zwar noch nicht fertig, aber erste Arbeiten zur 7G-Technologie deuten schon jetzt auf Unterschiede zu 6G in Bezug auf Geschwindigkeit, Bandbreite und Spatial Streams hin.

6GE (das E steht für Extension) ist ein Zwischenschritt zwischen 6G und 7G. Diese Verbindungen nutzen einen neu lizenzierten 6-GHz-Kanal, der die verfügbaren Frequenzen für die Übertragung von 6G-Signalen erweitert. Die FCC in den USA war die erste Regulierungsbehörde, die 2020 grünes Licht für das 6-GHz-Spektrum gab, um die Innovation von 6GE-Wi-Fi-Geräten zu fördern.

Die 7G-Technologie wird einen Quantensprung in der Bandbreite darstellen, um ultradichte Workloads zu unterstützen. 7G besitzt beispielsweise das Potenzial, durch die Integration in Satellitennetzwerke für Erdbeobachtung, Telekommunikation und Navigation eine kontinuierliche globale Wireless-Konnektivität zu ermöglichen. Unternehmen könnten 7G einsetzen, um Fertigungsprozesse zu automatisieren und Anwendungen zu unterstützen, die eine hohe Verfügbarkeit, vorhersehbare Latenz oder eine garantierte Quality of Service (QoS) erfordern.

Im Vergleich zu 6G ist 7G auf Folgendes ausgelegt:

  • Die Datenübertragung soll fünfmal schneller sein als bei 6G-Projektionen
  • Verdoppelung der Kanalgröße auf 320 MHz
  • Bereitstellung von 16 Spatial Streams, verglichen mit acht bei 6G.

Dieser Artikel wurde im Dezember 2025 aktualisiert, um neue Entwicklungen widerzuspiegeln und das Leseerlebnis zu verbessern.

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