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Netzwerk-Performance-Monitoring: Die Evolution von NPM-Tools

Der Markt für Netzwerk-Performance-Monitoring wandelt sich rasant. IoT und KI ändern die Spielregeln, so dass die Anbieter darauf mit innovativen Produkten reagieren müssen.

Technologien entwickeln sich weiter, das ist unumgänglich. Aber der Markt für Enterprise-NPM (Network Performance Monitoring, Netzwerk-Performance-Monitoring) hat in nur wenigen Jahren enorme Veränderungen erlebt.

Die früheren Netzwerk-Performance-Monitoring-Tools bieten nur einen Bruchteil dessen, was sich mit heutigen Lösungen dank neuer Datenquellen, Methoden und des Einsatzes von KI (Artificial Intelligence, AI) erreichen lässt. Die Fortschritte sind so überzeugend, dass viele Anbieter den Begriff NPM ersetzen und im Produktnamen stattdessen neue Marketingbezeichnungen wie Network Analytics und AI for IT Operations, kurz AIOps, verwenden.

Obwohl sich einige Anbieter mit ihren traditionellen NPM-Tools nach wie vor an kleinere Firmen richten, konzentrieren sich die meisten auf die Probleme, denen sich größere Unternehmen aufgrund einer steigenden Nachfrage nach zuverlässigen Netzwerkservices gegenübersehen.

Durch die NPM-Evolution entsteht auch neuer Wettbewerb bei Performance Monitoring und Analytics auf einem Markt, der sowohl Start-ups mit einzigartigen Features für benutzerspezifische Plattformen als auch Services von traditionellen Anbietern umfasst.

Wie hat sich der NPM-Markt entwickelt?

Die erste Generation von Tools für Netzwerk-Performance-Monitoring fokussierte sich ausschließlich darauf, Unternehmensnetzwerke und ihre dazugehörigen Serverkomponenten um Sichtbarkeit zu ergänzen.

Dazu gehörten traditionelle Monitoring-Methoden, wie Ping per Internet Control Message Protocol (ICMP), Simple Network Management Protocol (SNMP), NetFlow/IPFIX sowie grundlegende Monitoring-Tools mit und ohne Agenten für Netzwerkserver und Appliances. Damals boten diese Technologien Netzwerkfachleuten das richtige Maß an Sichtbarkeits- und Alarmierungsfunktionen für die meisten LANs, WLANs, WANs und unternehmenseigene Data Center.

Doch mit den Fortschritten bei Virtualisierung, IaaS, Hybrid Cloud Computing und WAN-Konnektivitätsoptionen – inklusive 5G – wurde deutlich, dass die Datenquellen und Methoden, die Informationen zum Netzwerkstatus lieferten, Sichtbarkeitslücken aufwiesen. Infolgedessen begannen in neuen Netzwerk-Performance-Monitoring-Tools sehr viel modernere Funktionen zur Datenerfassung und -analyse per Deep Packet Inspection (DPI) und Netzwerk-Streaming-Telemetrie als Teil ihrer Gesamtplattformen Einzug zu halten.

Einfach den Betrieb von Netzwerkkomponenten zu überwachen, reicht nicht mehr aus. Stattdessen verlangen Organisationen heutzutage eine umfangreichere, holistische Betrachtung von Status und Performance einer breiten Palette von Endgeräten, Anwendungen und über SaaS bereitgestellten Services.

Da diese Monitoring-Aufgaben alle mit dem Status des Netzwerks beginnen und enden, obliegt die Überwachung sämtlicher Geräte, Anwendungen und Service-Flows letztlich dem Netzwerkteam. Das bedeutet, viele der Monitoring-Fähigkeiten des Application Performance Monitorings (APM) sind in NPM-Plattformen enthalten und verknüpfen somit Funktionen, die vorher als getrennt voneinander angesehen wurden.

Die Einführung von IoT-Technologien hat unterdessen eine engere Integration zwischen Performance Monitoring und Security Monitoring forciert, wobei Tools für Netzwerk-Performance-Monitoring komplexer und differenzierter geworden sind.

IT-Abteilungen müssen jetzt den Performance- und Sicherheitsstatus von Dutzenden, Hunderten oder sogar Tausenden autonomer IoT-Sensoren, die sich mit unternehmenseigenen und fremden Netzwerken weltweit verbinden, überwachen und verwalten. Daten aus mehreren Quellen zu erfassen, auch direkt vom Netzwerk, ist der beste Weg, detaillierte Einblicke in den Status dieser Geräte zu erhalten.

Zu guter Letzt nutzen moderne Netzwerk-Performance-Plattformen zunehmend Machine Learning (ML) und künstliche Intelligenz (KI oder AI). Dabei analysieren sie aus mehreren Quellen erfasste Daten, um die Schritte zur Identifizierung, Root-Cause-Analyse und Remediation (Abhilfemaßnahmen) zu automatisieren, die als notwendig angesehen werden, um Performance-bezogene und sogar sicherheitsrelevante Probleme zu beheben.

Diese Predictive Analysis hilft Unternehmen erheblich, den zeitlichen Aufwand zu verringern, um Probleme zu identifizieren und zu lösen. Das erhöhte Maß an Funktionalität spiegelt ebenfalls wider, dass der Begriff Netzwerk-Performance-Monitoring nicht mehr die gesamten Fähigkeiten der heutigen fortschrittlichen und umfassenderen Performance-Analytics-Plattformen abbildet. Werfen wir einen Blick auf einige dieser Monitoring-Plattformen, um zu sehen, welche Vorteile sie ermöglichen.

Cisco: DNA Analytics and Assurance

Das Portfolio von Cisco umfasst etliche Plattformen, die unter den Dachbegriff Performance Monitoring fallen. Dazu zählen der Prime Performance Manager und das neuere ACI mit AppDynamics-Integration. Ciscos DNA-Initiative (Digital Network Architecture) scheint allerdings das Framework zu sein, das die Basis für die künftige Netzwerk- und Geräte-Monitoring-Strategie des Anbieters bildet.

DNA besteht aus mehreren zentralen Bausteinen, die in Ciscos moderner Architektur für Intent-based Networking genutzt werden. Einer dieser Bausteine ist Cisco DNA Analytics and Assurance, ein Produkt zum Netzwerk-, Service- und Geräte-Monitoring.

Produktfunktionen

DNA Analytics and Assurance nutzt Schnittstellen der Netzwerk-Streaming-Telemetrie, die in die Firmware einer Reihe von Cisco-Assurance-fähigen Switches, Routern und WLAN-Controllern eingebaut sind. Das Tool kann ebenfalls Telemetrieinformationen von Cisco-fremden Endpunkten, Geräten und Anwendungen erfassen. Um optimal von DNA zu profitieren, ist jedoch eine durchgängige Cisco-Infrastruktur Voraussetzung.

Die Monitoring-Plattform basiert auf drei Hauptkomponenten: Visibility, Insight und Action. Visibility steht für die Erfassung und Analyse von Daten aus unterschiedlichen Quellen im Netzwerk. Dashboard-Ansichten veranschaulichen den Netzwerk-, Anwendungs- und Client-Status in einem einzigen Tool. Insight ist die Fähigkeit, die Daten mithilfe von KI so zu nutzen, dass verschiedene Performance-bezogene Probleme aufgezeigt werden. Auch bei Action, der letzten Komponente, setzt Cisco DNA Analytics and Assurance wieder KI und Machine Learning ein, um festzulegen, welche Änderungen vorgenommen werden müssen, um das Problem zu beheben.

Kauf- und Lizenzierungsoptionen

Alle Cisco-Produkte sind über Partner-Reseller erhältlich. Lizenztechnisch gesehen ist mindestens eine DNA-Center-Appliance erforderlich, um die Funktionen von Analytics and Assurance zu nutzen. Kunden können Assurance-Lizenzen über eines von drei softwarebasierten Abonnements kaufen. Die DNA-Essentials-Lizenz bietet Monitoring und Automation auf grundlegendem Level.

Die DNA-Advantage-Lizenz ergänzt die Komponente Deep Analytics und Intelligence. Die DNA-Premier-Lizenz schließlich enthält alle Features von DNA Advantage und zusätzlich Integrationsoptionen für Ciscos Netzwerksicherheits-Tool.

Juniper: Mist-WLAN und Contrail SD-WAN

Wie Cisco hat auch Juniper einige Monitoring-Plattformen in seinem Produktportfolio, darunter Junos Space Network Management und AppFormix. Durch die Übernahme von Mist kam WLAN-Performance-Analytics hinzu. Nach Aussage von Juniper-CEO Rami Rahim sei ein Grund für den Kauf von Mist gewesen, „die von Mist entwickelte KI-für IT-Engine zu nehmen und das gesamte breit gefächerte Portfolio von Juniper funktionell damit auszustatten.“

Junipers Cloud-basiertes Contrail SD-WAN, das Anfang 2019 auf den Markt kam, war das erste nicht auf WLAN basierende Produkt des Anbieters, das die Technologie von Mist enthielt.

Produktfunktionen

Bei der Mist-WLAN-Plattform handelt es sich um einen Cloud-Service, der es Kunden ermöglicht, Access Points (AP) von Mist zu überwachen, ganz gleich, wo diese bereitgestellt werden. Für Standorte, die aufgrund von Einschränkungen bei der Internetbandbreite ein On-Premises-Management erfordern, kann Mists Edge-Produkt dieses Dilemma lösen.

Die Mist-Plattform bietet detaillierte Einblicke in die Wi-Fi- und BLE-Performance (Bluetooth Low Energy), während sie gleichzeitig KI nutzt, um Wireless-Anomalien mit automatischer Root-Cause-Analyse und Remediation-Schritten zu korrelieren. Contrail SD-WAN verwendet einige dieser Technologien, um die Performance von SD-WAN-Links (Software-defined WAN) zu beobachten. Außerdem bietet die Lösung im Falle von Service-Störungen automatische Root-Cause-Analyse und Remediation.

Kauf- und Lizenzierungsoptionen

Juniper-Hardware, -Software und -Lizenzen können über einen Partner-Reseller erworben werden. Mist-WLAN wird derzeit als abonnementbasierter Service für Kunden angeboten. Die Hardwareoptionen umfassen proprietäre Wireless APs und Edge-Gateway-Produkte, die zentral von Mist verwaltet werden.

Broadcom: DX NetOps

Broadcoms Übernahme von CA Technologies im Jahre 2018 zeigt langsam Auswirkungen. In puncto Performance Monitoring hat Broadcom mehrere eigenständige CA-Tools für Monitoring, Analytics und Alerting zu einem einzigen Paket namens DX NetOps zusammengefasst.

Hierbei steht DX für Digital Transformation. Die Produktkonsolidierung sollte dazu beitragen, den Kaufprozess aus Sicht der Endkunden zu vereinfachen. Die nun unter dem Banner DX NetOps firmierenden Tools umfassen die folgenden Produkte: CA Performance Management, CA Spectrum, CA Network Flow Analysis, CA Mediation Manager und CA Virtual Network Assurance. Sie wurden früher alle einzeln verkauft.

Produktfunktionen

Die in DX Netops eingebauten Methoden zur Datenerfassung ermitteln kritische Performance-Metriken in modernen Netzwerkinfrastrukturen, etwa SNMP, NetFlow, REST, Streaming-Telemetrie sowie andere Netzwerk- und Anwendungsmessungen. Die KI-Controller von NetOps analysieren die erfassten Informationen und zeigen den Status von LAN, WLAN, SD-WAN, Software-defined Data Centern (SDDC) und Cloud-Services an. Das Produkt eignet sich insbesondere für Multivendor-Netzwerke sowohl mit modernen Netzwerkkomponenten und -designs als auch mit Legacy-Elementen.

Kauf- und Lizenzierungsoptionen

Alle Produkte und Services von Broadcom sind über dessen autorisiertes Vertriebsprogramm erhältlich. In einigen Fällen können Unternehmen sogar Vereinbarungen für einen Direktkauf treffen. Die Hardware- und Lizenzierungskosten hängen von zwei wesentlichen Faktoren ab: erstens davon, ob DX NetOps als physische Appliance oder als VM bereitgestellt wird. Und zweitens von der Anzahl der Geräte im Netzwerk, die überwacht und analysiert werden müssen.

LiveAction: LiveNX

LiveAction ist ein langjähriger Pure-Play-Anbieter im Bereich Netzwerk-Monitoring und Performance Analytics. Dessen Produkt, LiveNX, ist eine praktikable Option für Netzwerk-Administratoren, die eine Multivendor-Architektur für LAN, WAN, WLAN und die Cloud nutzen.

Produktfunktionen

LiveNX war eines der ersten Produkte, das Datenströme aus Quellen wie SNMP-, NetFlow-, DPI- und Wi-Fi-Controllern sowie andere, über vordefinierte API-Hooks extrahierte Daten vereinheitlichte. LiveNX erweiterte auch historische Netzwerktelemetriedaten, um Daten von Endpunkten und die User Performance Experience zu erfassen.

Im Gegensatz zu einigen anderen anbieterneutralen Produkten bildet LiveAction Partnerschaften mit großen Netzwerkanbietern. So kann das Unternehmen seine Monitoring- und Analysesoftware besser in Anbieterprodukte integrieren. Dies unterstützt die langfristige Kompatibilität und verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Bugs auftreten, während die Firmware von Netzwerkkomponenten aktualisiert wird.

Kauf- und Lizenzierungsoptionen

LiveAction verkauft seine Software, Lizenzen und Wartungsverträge sowohl direkt als auch über sein Reseller-Partnerprogramm. Die LiveNX-Plattform nutzt ein flexibles Lizenzmodell. Es basiert darauf, wie viele Geräte die Kunden verwalten wollen und welche Monitoring- und Analytics-Funktionen sie wünschen.

Hinweis der Redaktion: Die TechTarget-Redakteure haben sich mittels intensiver Recherche über Tools für das Netzwerk-Performance-Management auf vier führende Anbieter im Bereich Netzwerk-Performance-Monitoring konzentriert. Zwei dieser Anbieter fokussieren sich vor allem auf das Monitoring von Single-Vendor-Netzwerken, während die anderen beiden einen anbieterneutralen Ansatz verfolgen, was die Vielfalt des aktuellen Marktes widerspiegelt. Unsere Recherche enthält Studien von Gartner und TechTarget.

Nächste Schritte

Was Sie beim Kauf von NPM-Tools beachten sollten

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