Worauf SAP-Kunden bei der Hardwareauswahl achten sollten

Beim Betrieb von SAP-Software sind Leistungsunterschiede zwischen den Hardwareherstellern kaum auszumachen - leidglich bei der Qualität des Supports.

Wenn es darum geht, den richtigen Server für den Betrieb einer SAP-Systemlandschaft auszuwählen, spielen Aspekte wie Support, Lizenzkosten und internes IT-Know-how oft eine größere Rolle als die ‚feinen‘ Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der Hardware zwischen den einzelnen Hersteller. „Verglichen mit der Zeit vor zehn bis 15 Jahren ist die Hardware heute verlässlich, auf der die operativen IT-Systeme laufen“, sagt Jim Spath, Technischer Architekt bei der Firma Stanley Black & Decker. Die Firma stellt Elektrowerkzeuge für Heimwerker, Garten- und Haushaltskleingeräte sowie Automobilprodukte her. „Die Unterscheidungsmerkmale kommen in aktuellen Verträgen insbesondere bei den ausgehandelten Supportpreisen zum Tragen“, so Spath weiter. „Das ist in etwa so als ob man sich beim Autokauf zwischen einem Porsche oder einem Volkswagen entscheiden muss.“

In das gleiche Horn stößt Ed Lawson, IT-Manager bei Pacific Coast Building Products (PCBP), einem Hersteller von Baumaterial. „Alle großen Hardwarehersteller bieten inzwischen leistungsfähige Lösungen an, die auch individuelle Kundenanforderungen erfüllen. Zwar hat jede Serverhardware ihre Eigenheiten und besonderen Merkmale, doch letztlich bieten alle Hersteller die gleichen Funktionen und die gleiche Prozessor- und Speicherleistung an.“

Supportqualität als K.O.-Kriterium

Für PCBP war die Supportqualität das Schlüsselkriterium bei der Hardwareauswahl. Das Unternehmen betreibt sein SAP-ERP-6.0-System wie auch die Anwendung SAP NetWeaver Business Warehouse auf virtualisierten IBM-Servern vom Typ „System p“ und nutzt zugleich das High-End-Plattenspeichersystem IBM XIV als Storage-Lösung. „Mit den IBM-Infrastrukturlösungen haben wir nicht nur ein maßgeschneidertes Hardwarepaket erhalten, sondern profitieren auch von zusätzlichen After-Sales-Leistungen beim Support sowie bei den Anwenderschulungen.“

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Geht es nach Wade Walla, Mitgründer des SAP-Beratungshauses Group:basis, dann sollten Unternehmen sich bei der Auswahl des Serverherstellers an ihrem bestehenden Know-how und der jeweils eingesetzten Software und der Datenbankplattform zu orientieren.

„Mitunter sind intern bereits Oracle-Wissen oder eigene Lizenzen für Microsoft SQL Server vorhanden. Da sich beim Betrieb von SAP-Systemen alles um die Datenbank dreht, ist es sinnvoll, zur bereits eingesetzten Datenbank auch die passende Serverhardware zu wählen. Anhand der Datenbank wie auch des Betriebssystems lässt sich genau sagen, welche Serverhardware in Frage kommt und welche nicht. „Wer zum Beispiel eine Datenbank von Oracle in Verbindung mit Sun Solaris als Betriebssystem nutzt, für den liegt auch die Anschaffung eines Oracle Servers auf der Hand“, erläutert Walla. Zugleich sollte die Qualität und die Expertise des Support-Teams des Herstellers genau unter die Lupe genommen werden.

Benchmarks als Entscheidungsgrundlage

Wenn es um eine SAP-Neueinführung geht, bieten alle großen Hardwarehersteller eigene Benchmarks an. Diese zeigen, wie gut und wie schnell die künftige SAP-Landschaft auf einer bestimmten Serverkonfiguration läuft. „Anhand der Testergebnisse kann SAP dem Kunden sagen, wie viele Lizenzen benötigt werden, wie umfangreich die Implementierung sein wird und welche SAP-Module in welcher Reihenfolge zu installieren sind. Diese Informationen werden dann an den Hardwarehersteller übergeben, der auf Basis der geplanten SAP-Implementierung die Serverhardware in der entsprechenden Konfiguration bereitstellt und den Preis dafür kalkuliert“, erläutert Walla.

SAP selbst spricht keine Empfehlung für einen seiner Hardwarehersteller aus. In einer Mitteilung des Walldorfer Softwarekonzerns heißt es: „Wir sind überzeugt, dass alle Hardwarelösungen [der Hardwarepartner, Anm. der Redaktion], die Anforderungen unserer Kunden erfüllen. Deswegen empfehlen wir Kunden, sich Zeit zu nehmen, um die Unterschiede zu verstehen, die es zwischen den verschiedenen Hardware-Plattformen gibt. Auf dieser Grundlage können sie entscheiden, welche Plattform für ihre Zwecke am besten geeignet ist.“

Auf Datenwachstum und Verfügbarkeit achten

Wichtiger als die Auswahl eines Servers ist für viele Firmen ohnehin die Frage, wie das enorme Datenwachstum mithilfe einer skalierbaren Infrastruktur bewältigt werden kann. „Die Hardwarekapazitäten müssen von Beginn an so ausgelegt werden, dass sie mit dem vorausgesagten Wachstum des Unternehmens und des Datenvolumens problemlos Schritt halten können“, verdeutlicht Walla. „Je mehr SAP-Belege oder Lagerbewegungen in einem System gespeichert werden, desto mehr schwillt die Datenbank an.“ Darüber hinaus dürften beim Aufbau der IT-Infrastruktur auch die Planung und Umsetzung von Hochverfügbarkeitskonzepten und die Umsetzung von Disaster-Recovery-Szenarien nicht vergessen werden.

Die passende Hardware für SAP HANA

Neben dem Betrieb im eigenen Rechenzentrum gibt es für Unternehmen verschiedene weitere Möglichkeiten für den Betrieb ihrer SAP-Umgebung. Die SAP-Anwendungen können im Rahmen eines Application Hosting in das Rechenzentrum eines externen IT-Dienstleisters ausgelagert oder bedarfsgerecht als Software as a Service (SaaS) aus der Cloud bezogen werden. Letzeres auch in Verbindung mit der In-Memory-Plattform SAP HANA. Der Walldorfer Konzern bietet seinen Kunden die Möglichkeit, die Anwendungen der SAP Business Suite, die auf SAP HANA betrieben werden sollen, aus einer Managed-Cloud-Umgebung zu beziehen – der so genannten SAP HANA Enterprise Cloud.

SAP-Kunden, die ihre On-Premise-Installationen von der bisher eingesetzten Datenbankplattform auf SAP HANA portieren wollen, können dabei unter neun Hardwareanbietern – bisher waren es sieben – wählen, deren Lösungen von SAP für die In-Memory-Plattform zertifiziert sind. Als Betriebssystem für die SAP-HANA-Datenbank kann derzeit ausschließlich Suse Linux genutzt werden. Laut Walla sollten Firmen auch darauf achten, dass ein Hardwarelieferant, den SAP erst kürzlich zertifiziert hat, möglicherweise noch nicht über sehr tiefgehende Erfahrungen bei der Implementierung von SAP HANA verfügt; ganz im Gegensatz zu Anbietern, die schon seit längerem zertifiziert und im Geschäft sind. Ein wichtiger Aspekt seien auch Features, die einen zusätzlichen Mehrwert versprechen. Dazu zählen Funktionen für die Datenreplikation, mit denen sich die Hochverfügbarkeit der SAP-Anwendungen on HANA sicherstellen lässt.

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