Definition

Walled Garden

Was ist ein Walled Garden?

Der Begriff Walled Garden – auf Deutsch etwa umzäunter oder ummauerter Garten – beschreibt im Internet eine digitale Umgebung, in der der Zugang zu Inhalten, Diensten oder Funktionen durch den Betreiber des Systems streng kontrolliert wird. Nutzer bewegen sich dabei in einem kuratierten, oftmals komfortablen, aber bewusst eingeschränkten Raum – ähnlich einem Garten mit hohen Mauern: Was sich außerhalb befindet, ist sichtbar oder bekannt, aber schwerer zugänglich.

Ursprung des Begriffs

Geprägt wurde der Ausdruck in den 1990er-Jahren, unter anderem von John Malone, dem damaligen CEO von Tele-Communications Inc., einem großen US-amerikanischen Kabelanbieter. Mit dem Aufkommen kommerzieller Internetzugänge begannen Unternehmen, eigene Inhalte und Services innerhalb geschlossener Netzwerke zu bündeln – ein Ansatz, der sich später auf Mobilgeräte, Apps und Plattformen übertrug. Die Firma AT&T, die Malones Unternehmen 1999 übernahm, verglich Walled Gardens mit einem Magazin: Leser haben eine Auswahl, aber eben nur innerhalb der gebotenen Seiten.

Typische Beispiele für Walled Gardens

Walled Gardens begegnen uns heute überall im digitalen Alltag. Die folgenden Beispiele sind besonders prägnant:

1. App-Ökosysteme: Apple App Store und Google Play Store

Apple kontrolliert seine App-Plattform strikt: Anwendungen müssen bestimmte Design-, Datenschutz- und Sicherheitsrichtlinien erfüllen, bevor sie zugelassen werden. So sollen Qualität und Schutz der Nutzer gewährleistet werden. Gleichzeitig verhindert diese Praxis die einfache Installation alternativer Apps (Sideloading) und schließt unabhängige Entwickler teilweise aus.

Auch Google betreibt mit dem Play Store einen zentralisierten Zugangspunkt zu Android-Apps. Zwar erlaubt Android prinzipiell das Sideloading, doch viele Sicherheitswarnungen und Hürden machen dies für durchschnittliche Nutzer unattraktiv.

2. Soziale Netzwerke: Facebook, Instagram, X (ehemals Twitter)

Diese Plattformen gestalten ihre Nutzererfahrung so, dass möglichst viel Interaktion innerhalb des eigenen Systems bleibt. Externe Links werden häufig in eingebetteten Browsern geöffnet, sodass die Nutzer nicht zur nativen Browser-App wechseln. Ziel ist es, die Verweildauer zu maximieren – und damit die Zahl der Werbekontakte zu steigern.

Ein Beispiel: Öffnet man auf X (Twitter) einen Nachrichtenartikel, geschieht dies innerhalb der App – und nicht in Safari oder Chrome. Das minimiert die Chance, dass Nutzer die Plattform verlassen.

3. Kommunikationsplattformen: Microsoft Teams und Slack

Teams und Slack sind Paradebeispiele für kollaborative Walled Gardens. Kommunikation, Dateifreigabe und Projektarbeit finden vollständig innerhalb der Plattform statt. Zwar bieten sie Schnittstellen zu anderen Diensten – etwa Zoom oder Google Drive –, doch für unternehmensinterne Kommunikation bleibt man meist innerhalb des Ökosystems. Das fördert Kundenbindung, erschwert jedoch die plattformübergreifende Zusammenarbeit.

4. Werbe- und Datenplattformen: Google, Meta (Facebook), Amazon

Diese Unternehmen bieten Unternehmen ausgefeilte Tools zur Zielgruppenansprache – allerdings nur innerhalb ihrer eigenen Netzwerke. Die Plattformen analysieren das Verhalten ihrer Nutzer, segmentieren diese und verkaufen den Zugang zu bestimmten Zielgruppen an Werbetreibende. Dabei behalten sie die vollständige Kontrolle über Daten, Reichweite und Anzeigenformate.

Google etwa erlaubt kein einfaches Exportieren von Nutzerdaten oder Tracking-Ergebnissen – was Advertiser an das Google-Ökosystem bindet.

Warum setzen Unternehmen auf Walled Gardens?

Aus Unternehmenssicht bieten Walled Gardens eine Reihe strategischer Vorteile:

  • Bindung der Nutzer: Je länger sich Nutzer innerhalb eines Systems aufhalten, desto stärker ist die Kontrolle über das Nutzungserlebnis – und desto höher sind die potenziellen Einnahmen aus Werbung, In-App-Käufen oder Abo-Modellen.
  • Datensouveränität: Plattformbetreiber sammeln und analysieren umfassend Nutzerdaten – ein wertvoller Rohstoff im digitalen Zeitalter.
  • Sicherheits- und Qualitätskontrolle: Durch die zentrale Steuerung können gefährliche, fehlerhafte oder unerwünschte Inhalte leichter ausgeschlossen werden.
  • Wirtschaftliche Skalierung: Werbekunden, Entwickler und Anbieter von Inhalten werden in ein geschlossenes Geschäftsmodell eingebunden – teils durch exklusive Monetarisierungsmöglichkeiten, teils durch technische Abhängigkeiten.

Kritik: Geschlossene Systeme versus digitale Freiheit

Trotz ihrer Vorteile sind Walled Gardens nicht unumstritten. Kritiker sehen in ihnen eine Einschränkung der Netzneutralität und ein Hindernis für Innovation:

  • Zugangsbeschränkung: Inhalte außerhalb der Plattform sind schwer oder nur gegen Zusatzaufwand erreichbar – ein Problem insbesondere für kleinere Anbieter, die keinen Zugang zur Plattform erhalten.
  • Marktkonzentration: Wenige große Unternehmen kontrollieren einen Großteil des Informationsflusses und der digitalen Werbung.
  • Eingeschränkte Wahlfreiheit: Nutzer können Apps oder Inhalte nicht frei wählen, sondern nur aus dem kuratierten Angebot auswählen.
  • Mangelnde Interoperabilität: Kommunikation zwischen Plattformen ist oft eingeschränkt – sowohl technisch als auch politisch gewollt.

Diese Kritik hat zu Alternativbegriffen wie Walled Prison (umzäuntes Gefängnis) oder Closed Ecosystem (geschlossenes Ökosystem) geführt. Gerade im Zusammenhang mit der zunehmenden Regulierung großer Tech-Konzerne durch die EU (Digital Markets Act) wird die Problematik intensiv diskutiert.

Regulierung und Ausblick

Mit dem Inkrafttreten des Digital Markets Act (DMA) in der EU 2023 müssen sogenannte Gatekeeper wie Apple, Google und Meta ihre Plattformen teilweise öffnen – etwa für alternative App-Stores oder interoperable Messenger-Dienste. Damit wird der klassische Walled Garden infrage gestellt.

Langfristig steht die digitale Welt vor einem Spannungsfeld: Benutzerfreundliche, geschlossene Plattformen stehen offenen, aber fragmentierten Ökosystemen gegenüber. Die Zukunft könnte in einem hybriden Modell liegen – mit mehr Nutzerkontrolle und Transparenz, aber ohne auf Sicherheit und Komfort zu verzichten.

Auf einen Blick: Walled Garden

Ein Walled Garden ist ein geschlossenes digitales Ökosystem, in dem der Zugang zu Inhalten, Diensten und Funktionen vom Betreiber kontrolliert wird. Ziel solcher Umgebungen ist es, Nutzer möglichst lange innerhalb des Systems zu halten, die Datenverarbeitung zentral zu steuern und Sicherheit sowie Qualität zu gewährleisten. Bekannte Beispiele sind der Apple App Store, soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram sowie Plattformen wie Microsoft Teams oder Amazon Ads. Zwar bieten Walled Gardens Vorteile wie Schutz vor Schadsoftware und eine konsistente Nutzererfahrung, sie schränken jedoch die digitale Freiheit ein und fördern Marktkonzentration. Regulierungen wie der EU-weite Digital Markets Act zielen deshalb darauf ab, diese geschlossenen Systeme künftig stärker zu öffnen.

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