Was CIOs vor der Migration auf SAP S/4HANA beachten sollten

Die ERP-Landschaft befindet sich im Wandel. Insbesondere SAP-Kunden müssen mittelfristig eine Entscheidung treffen, ob sie von ECC zu S/4HANA migrieren wollen.

Da sich das Support-Ende für SAP ERP Central Component (SAP ECC) abzeichnet, stehen SAP-Kunden in naher Zukunft vor schwierigen Entscheidungen. Es ist wichtig, die beste Lösung für diese Herausforderung zu finden.

2019 war ein turbulentes Jahr für SAP, da das Unternehmen eine Restrukturierung sowie einen Führungswechsel vollzogen hat. Die interne Umstrukturierung wird zweifellos die Richtung des Unternehmens beeinflussen. Doch die meisten Kunden werden wohl mehr mit einer Migration von SAP ECC zu S/4HANA zu kämpfen haben, da ihnen die Frist für das Ende des ECC-Supports 2027 beziehungsweise 2030 bevorsteht.

Um CIOs und anderen Führungskräften zu helfen, dieses Thema zu verstehen, hier vier kritische Punkte, die es zu verstehen gilt, wenn eine Migration von SAP ECC zu S/4HANA durchgeführt werden soll – und welche anderen Optionen es gibt.

1. SAP-Kunden wechseln nicht schnell zu S/4HANA

SAP-Kunden nehmen sich Zeit für die Planung einer Migration von SAP ECC zu S/4HANA, und einige planen dies nicht einmal, wie eine Umfrage der SAP-Anwendergruppe in den USA (ASUG) aus dem Jahr 2019 ergab.

„Eine Option für Kunden ist, ihren ECC-Fußabdruck mit einem modularen Ansatz zu verkleinern.“
Len RileyUpperEdge

56 Prozent der Befragten haben noch keine konkreten Schritte für eine S/4HANA-Migration unternommen, obwohl sie dies laut der Umfrage irgendwann vorhaben. Zwölf Prozent beabsichtigten im vergangenen Jahr jedoch nicht, zu S/4HANA zu wechseln. Mittlerweile setzen sich allerdings alle befragten Unternehmensverantwortliche laut der 2020er-Befragung mit dem Thema auseinander und planen einen Wechsel.

SAP-Kunden nennen eine Reihe von Gründen für einen verzögerten Umzug zu S/4HANA, darunter die Priorität anderer IT-Projekte, fehlende IT-Ressourcen und das Fehlen eines soliden Business Case. Dennoch geht SAP davon aus, dass die Kunden letztendlich eine Migration von ECC zu S/4HANA angehen.

„Insgesamt hat man das Gefühl, dass sie es tun wollen, dass sie dafür planen, dass sie Daten und Informationen sammeln und dass sie nach Anwendungsfällen suchen, die einen Business Case vorantreiben“, beurteilt Geoff Scott, CEO von ASUG, die abwartende Haltung.

2. Es gibt mehrere Optionen für das Support-Ende

Eine Reihe von SAP-Artikeln befasst sich mit den Möglichkeiten, die Kunden haben, nachdem der Support eingestellt wird. Dies gilt insbesondere für Unternehmen, die sich noch nicht über die Konsequenzen eines Umzugs Gedanken gemacht haben.

SAP und seine Partner haben Kunden ermutigt, die bisher keinen klaren Weg zu S/4HANA haben, zuvor verwandte Produkte wie C/4HANA, Concur, SuccessFactors oder Ariba zu testen, sagt Len Riley, Commercial Advisory Practice Leader bei UpperEdge.

„Eine weitere Option für Kunden ist, ihren ECC-Fußabdruck mit einem modularen Ansatz zu verkleinern“, sagt Riley. Sie können sich zum Beispiel für C/4HANA als Plattform für ihr Customer Experience Management entscheiden. Bei anderen Geschäftsprozessen könnten sie sich an andere Anbieter als SAP wenden.

3. Business Case ist entscheidend für Wechsel zu S/4HANA

Die Entscheidung, ob und wie man zu S/4HANA wechselt, erfordert das Verständnis der technischen Anforderungen und die Erstellung eines Business Case. Unternehmen können S/4HANA in der Cloud, On-Premises oder in einer hybriden Umgebung einsetzen, wobei jede dieser Umgebungen Vor- und Nachteile hat (siehe Abbildung 1).

SAP ECC verfügt über ausgereifte Module für eine Reihe von Branchen und eine vollständige Palette von Funktionen, doch SAP ist der Meinung, dass dies für Funktionen wie Echtzeit-Entscheidungsfindung, Big-Data-Verarbeitung und andere Anwendungen, die heute zum Geschäft gehören, nicht ausreicht, sagt Bjoern Braemer, Head of SAP S/4HANA Movement bei SAP, die bei der Erstellung eines S/4HANA-Geschäftsplans helfen.

Die Datenmengen wachsen exponentiell, und die Business-Intelligence- und Analysefunktionen von S/4HANA sind laut Braemer ein überzeugendes Argument für einen Umzug.

Abbildung 1: SAP S/4HANA-Optionen: Cloud versus Hybrid versus On-Premises.
Abbildung 1: SAP S/4HANA-Optionen: Cloud versus Hybrid versus On-Premises.

Dennoch kann ein Umzug zu S/4HANA überwältigend erscheinen, da die Sorge um die Komplexität des Ökosystems SAP-Kunden dazu zwingt, die Frage nach Greenfield- oder Brownfield-Ansatz zu beantworten, so dass sie sich unter Umständen auch für eine Cloud-Bereitstellung entscheiden. SAP-Kunden, die einen Umzug zu S/4HANA in Erwägung ziehen, sollten die Anzahl der technischen und geschäftlichen Entscheidungen, die sie treffen müssen, nicht unterschätzen.

4. S/4HANA soll „intelligentes Unternehmen“ ermöglichen

Jeder Artikel, der sich aktuell mit SAP befasst, wäre nicht vollständig, wenn er nicht auf das eingehen würde, was der SAP als „intelligentes Unternehmen“ bezeichnet.

„S/4HANA soll dazu beitragen, ein intelligentes Unternehmen zu schaffen, das sich darauf konzentriert, aus den Daten tiefe und zeitnahe Einblicke zu gewinnen“, sagt Derek Oats, CEO Americas bei SNP, einem SAP-Partner mit Sitz in Heidelberg, der Migrationsdienstleistungen anbietet, in einem Kommentar zu S/4HANA und intelligenten Unternehmen.

Um ein intelligentes Unternehmen zu schaffen, benötigen Kunden nach Angaben von Oats eine Plattform, die Daten aus Quellen wie Unternehmensanwendungen und IoT-Sensoren aufnehmen und für die Analyse, KI und Machine Learning aufbereiten. „S/4HANA nutzt dazu SAP HANA und präsentiert die Daten dann in einer leicht zu navigierenden Benutzeroberfläche“, sagt er.

Viele aktuelle SAP-Kunden könnten sich jedoch an andere Anbieter wenden, um diese Funktionen zu aktivieren. „Es wird diese Bewegung in der Kundenbasis geben“, sagt Joshua Greenbaum, Principal bei Enterprise Applications Consulting. „Das ‚Wo‘ und ‚Was kommt als nächstes‘ ist allerdings kompliziert.“

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