Jakub Jirsk - Fotolia

SAP S/4HANA-Migration: Kritische Tipps zum Umstieg von ECC

Da sich das Ende des Supports für SAP ECC abzeichnet, müssen Unternehmen einige schwierige Entscheidungen treffen. Hier ist ein Blick auf die Möglichkeiten.

Sieben Jahre sind Äonen, wenn es um die Smartphone- und iPhone-Entwicklung geht, doch für Unternehmenssysteme ist es nur ein Wimpernschlag.

Das bedeutet, dass die End-of-Support-Frist 2027 für SAP ERP Central Component (ECC) verhältnismäßig schnell näher rückt. Für SAP-Kunden, die ihre Migrationsstrategie nicht bald evaluieren, werden die Folgen dieser Frist zu spüren sein.

Viele SAP-Kunden planen eine S/4HANA-Migration in der einen oder anderen Form, wie Untersuchungen der SAP-Anwendergruppen zeigen. Einige SAP-Kunden werden jedoch mindestens zwei oder mehr Jahre warten, bevor sie eine S/4HANA-Migration angehen, entweder weil es keine Priorität hat, ihnen die Ressourcen fehlen, sie das Produkt ausgereift sehen wollen – oder weil sie keinen Business Case haben.

Aber je länger sie warten, desto schwieriger ist es, ihre Implementierungen rechtzeitig zusammenzuführen.

Schrittweise S/4HANA-Migration

SAP-Kunden haben bei der S/4HANA-Migration andere Möglichkeiten als einen Big-Bang-Ansatz. SAP und seine Partner ermutigen Kunden, die keinen klaren Weg zu S/4HANA haben, sich für verwandte Produkte wie C/4HANA, Concur, SuccessFactors oder Ariba zu entscheiden.

„Diese Kunden sind etwas agiler und schätzen realistischer ein, was sie mit peripheren Cloud-Lösungen erreichen können, im Gegensatz zu einem Sisyphus-Ansatz, den ein Wechsel von ECC zu S/4HANA bedeutet“, erklärt Len Riley, Commercial Advisory Practice Leader beim Beratungshaus UpperEdge.

Einige Kunden verkleinern auch ihren ECC-Footprint und wechseln zu einer modularen Strategie für einige ihrer Geschäftsanwendungen. „Zum Beispiel können sie sich für C/4HANA als Plattform für ihr Customer Experience Management entscheiden, aber für andere Funktionen, für die sie traditionell ECC verwendet haben, schauen sie auch nach anderen Anbietern“, sagt Riley.

SAP ECC ausreizen

Einige SAP-Kunden planen sogar, bei ECC zu bleiben. Aber ist das möglich?

„Die kurze Antwort auf die Frage, ob SAP-Kunden weiterhin ECC nutzen können oder nicht, lautet ja, aber mit Konsequenzen“, sagt Harley Lippman, CEO und Gründer von Genesis10, einem IT-Service-Management-Unternehmen mit Sitz in New York.

„Nach Ablauf der Frist am 31. Dezember 2027 wird es zwei Optionen geben: Kunden können für den laufenden Support erhöhte Wartungsgebühren an SAP zahlen, oder sie können für den Support durch einen Drittanbieter zahlen. Da ECC eingefroren wird, werden die Unternehmen es im Grunde künstlich am Leben erhalten“, erläutert Lippman.

Es wird somit auch SAP-Implementierungspartner geben, die einen Umstieg auf S/4HANA unterstützen, auch nach Ablauf der Frist. Das ist laut Riley eine gute Nachricht für SAP-Kunden, die erst kürzlich ihre ECC-Systeme ausgerollt oder wichtige Upgrades abgeschlossen haben und daher keinen Appetit auf einen Umstieg haben. Kurzfristig mag ein Verbleib bei ECC keine schlechte Option sein, es ist allerdings nicht die beste.

„SAP drängt Kunden zu einer S/4HANA-Migration mit einem Zuckerbrot-und-Peitschen-Ansatz, der Anreize für Upgrades und Strafen für den Verbleib im ECC beinhaltet“, sagt Riley.

SAP-Kunden haben diesen Ansatz bei R/3 gesehen. Das Unternehmen bot damals Anreize im Zusammenhang mit Migrationskrediten an, und genau das tun sie jetzt auch. Die Frage ist: Wie lange werden Kunden Gutschriften für ihre zuvor lizenzierte Technologie erhalten können?

Der andere Hebel, den SAP nach Angaben von Riley nutzen wird, ist wahrscheinlich ein pauschaler Ansatz für den Umstieg auf S/4HANA, so dass Unternehmen neue Funktionalitäten hinzufügen können, die nur mit Cloud-Systemen verfügbar sind, und Lizenzen anbieten, die es Unternehmen ermöglichen, ECC parallel zu S/4HANA zu betreiben.

Für Kunden, die bis 2027 nicht zu S/4HANA wechseln, wird SAP wahrscheinlich einen Aufschlag für den Support verlangen. Sogar Kunden, die nach dem Stichtag eine Drittpartei zur Unterstützung ihrer ECC-Implementierungen beauftragen, werden bei der Migration zu S/4HANA wahrscheinlich mit finanziellen Strafen von SAP rechnen müssen. Das muss berücksichtigt werden, wenn Unternehmen erwägen, ob sie bei ECC bleiben wollen.

„SAP wird für jede Aktion, die ein Kunde ergreift, eine Gegenmaßnahme haben“, sagt Riley. „Wenn man wirklich zum Support durch Drittanbieter tendiert, sollte man sich über die Auswirkungen dessen im Klaren sein, was auf der Strecke bleibt.“

Versteckte Risiken nach 2027

Die Entscheidung, bis zum Support-Ende von ECC keine S/4HANA-Migration durchzuführen, hat reale Konsequenzen. Organisationen, die bei ECC bleiben, müssen die Auswirkungen des Verzichts auf Cloud-Optionen abwägen – und zukünftige Erweiterungen ihrer ERP-Systeme.

„Die Investitionen von SAP werden für S/4HANA und nicht für die Legacy-Anwendungen vorgesehen sein“, sagt Lippman.

Abbildung 1: Die S/4HANA-Optionen im Vergleich.
Abbildung 1: Die S/4HANA-Optionen im Vergleich.

„Aus Sicherheitsperspektive ist der Verbleib bei ECC wahrscheinlich die riskanteste Option, insbesondere wenn sich Unternehmen für die Unterstützung durch Dritte entscheiden“, sagt JP Perez-Etchegoyan, CTO des Security-Anbieters Onapsis. Die Unternehmen werden keinerlei Unterstützung von SAP erhalten, einschließlich Sicherheits-Patches, wodurch Finanz-, Personal- und andere regulierte Daten gefährdet sind.

„Zumindest mit dem Premium-Support, den sie nach Ablauf der Frist von SAP erhalten, werden sie einige Sicherheits-Patches haben“, sagt Perez-Etchegoyan. Die beste Option, was die Sicherheit anbelangt, ist es, die Planung rechtzeitig anzugehen und bis zum Stichtag zu S/4HANA zu migrieren.

In Anbetracht der sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungslandschaft, kombiniert mit staatlich geförderten Angriffen, die ERP-Schwachstellen zur Waffe machen, sind die Sicherheitsrisiken tiefgreifend. Jede Organisation, die über ein ERP-System verfügt, kann aufgrund der dort gespeicherten Datenbestände ins Visier genommen werden.

„Es ist immer wichtig, ein Security Gate in den Migrationsprozess und in den gesamten Betrieb zu integrieren, besonders jetzt“, erklärt Perez-Etchegoyan. „Auch wenn Organisationen vielleicht nicht absichtlich bei ECC bleiben, werden einige es behalten, da sie nicht rechtzeitig geplant haben, um die Frist 2027 einzuhalten.“

„Wir haben sieben Jahre Zeit, aber es ist wirklich ein langer Prozess“, sagt der Sicherheitsexperte und verweist darauf, dass Organisationen zusätzlich zur Migration von Geschäftsanwendungen mehrere Systeme konsolidieren müssen. Das ist ein beträchtlicher Aufwand. Für SAP-Kunden ist dies aber der beste Ansatz, zumal sie unterschiedliche Implementierungsoptionen für S/4HANA haben.

Letztendlich können Kunden bei ECC bleiben, doch SAP-Experten zögern, diesen Ansatz zu empfehlen. Im Gegensatz zu ECC kann S/4HANA in einer Public oder Private Cloud, in einer hybriden Umgebung oder On-Premises betrieben werden, was die Akzeptanz des Systems erhöht. Und angesichts der Sicherheitsrisiken, die der Betrieb ungepatchter Software mit sich bringt, kann sich der Verbleib bei ECC für Organisationen, die den Termin versäumen, als schwerer finanzieller Schlag erweisen.

Fortsetzung des Inhalts unten

Erfahren Sie mehr über Business-Software

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close