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Warum verlängert SAP den Support für die Business Suite?

Die Ankündigung von SAP, die Mainstream-Wartung für die Business Suite 7 zu verlängern, wirft einige Fragen auf. Was steckt hinter dem Schritt des Anbieters?

Die jüngste Ankündigung von SAP, die Mainstream-Wartung für Kernanwendungen der SAP Business Suite 7 zu verlängern, wirft einige Fragen auf, die auch den Kern kommerzieller Enterprise-Systeme betreffen.

Mit der Verlängerung des Supports deutet SAP an, dass die Migration auf die neue ERP-Plattform S/4HANA bei den Kunden unweigerlich länger dauert. SAP hat hierzu Microsoft als Partner gewonnen, um Unternehmen bei der Migration ihrer lokalen SAP-Systeme auf die Azure-Cloud zu unterstützen.

Während des SAP Earnings Call zu den Ergebnissen des vierten Quartals 2019, der sich auf Seeking Alpha abrufen lässt, sagte Co-CEO Jennifer Morgan hierzu: „Einer der größten On-Premises-Kunden hat sich verpflichtet, den Hauptteil seiner SAP-Landschaft in den nächsten drei Jahren auf SAP HANA Enterprise Cloud on Microsoft Azure umzustellen.“

Auf die Frage, ob Verzögerungen bei der Einführung von S/4HANA auf technische Probleme bei der Migration zurückzuführen sind, sagte Co-CEO Christian Klein: „Wir haben das mit neuen Tools für die Datenmigration und das Upgrade selbst geglättet. Oft geht es tatsächlich darum, Geschäftsprozesse zu ändern, das Geschäftsmodell eines Unternehmens dort anzupassen, wo man kann, wo man die Leute mitnehmen muss, wo man Geschäftsprozesse, die dort lange existieren, anpassen und neu definieren muss. Das sind sicherlich die Hauptgründe, warum wir eine gewisse Verzögerung zwischen Lizenzkunden und Go-Live-Kunden haben.“

SAP hat sich verpflichtet, die Kernanwendungen seiner Business Suite bis 2027 im Rahmen des Standard-Wartungsvertrags zu unterstützen. Die Kunden können diesen sogar bis 2030 optional über die Extended-Wartung verlängern. Einige Branchenexperten sind der Meinung, dass ECC sogar bis 2035 unterstützt werden kann, also ein Jahrzehnt nach dem ursprünglich von SAP angegebenen Ende des Supports.

Die Entscheidung von SAP bietet eine große Chance für Drittanbieter von Support-Leistungen. Die neuesten Daten von Gartner deuten darauf hin, dass der Markt für Software-Support von Drittanbietern von 351 Millionen Dollar im Jahr 2019 auf 1,05 Milliarden Dollar im Jahr 2023 anwachsen wird – ein Anstieg von 200 Prozent.

Eric Robinson, Global Vice President und General Manager von SAP Services bei Rimini Street sagt: „Die Business Suite 7 hat noch eine Lebensdauer für viele Jahre, und zahlreiche SAP-Kunden werden in der Lage sein, den Wert ihrer derzeitigen robusten SAP-Systeme zu maximieren, indem sie Alternativen wie den Support durch Dritte nutzen, die eine Unterstützung bis mindestens 2035 bereitstellen. So können sie Mittel auf Innovationsinitiativen verlagern, die Wettbewerbsvorteile und Wachstum bei weitaus geringerem Risiko ermöglichen.“

Mit Blick auf ein mögliches Upgrade sagt Robinson: „Sobald S/4HANA und andere konkurrierende Systeme ausgereift sind, können SAP-Kunden flexibel das am besten geeignete System für ihre zukünftige Geschäftsplattform auswählen.“

ERP für jedes Unternehmen

In den frühen 1990er Jahren stand das Jahr-2000-Problem hinter der IT-Strategie vieler Unternehmen, ihre Unternehmenssoftware zu modernisieren, indem sie Anwendungen von älteren Großrechnersystemen auf die neue Client-Server-Architektur verlagerten, die auf Unix-Servern von HP, Sun und IBM lief.

Nach der Einführung des ERP-Systems R/3 gehörte SAP, die ihre ERP-Software zuvor auf Großrechnersystemen angeboten hatten, zu den Softwareunternehmen, die davon profitierten. In den frühen 2000er Jahren gewann Linux als Alternative zu proprietären Unix-Systemen an Bedeutung. Die Verfügbarkeit von Xeon, Intels erster Familie von richtigen Serverprozessoren, Red Hat Enterprise Linux und Windows Server 2000 bot Unternehmen die Möglichkeit, ihre ERP-Systeme auf kostengünstigere Intel-basierte Hardware zu migrieren.

Durch die Support-Verlängerung für ECC möchte SAP das Risiko reduzieren, dass seine ECC-Kunden alternative SaaS-Produkte verwenden.

Auch die ERP-Systeme wurden aktualisiert. Die grafische SAP-Benutzeroberfläche wurde angepasst, um die entsprechend neuen Endgeräte zu berücksichtigen. Das Kernprodukt, die SAP Business Suite, ist hierbei eine stabile Plattform geblieben.

Diese Stabilität hat Unternehmen das Vertrauen gegeben, die Verarbeitung von Geschäftstransaktionen ihrem SAP-ERP-System zu überlassen. Das sagt zumindest Derek Prior, ehemaliger Gartner-Analyst und Geschäftsführer des SAP-Beratungsunternehmens Resulting IT: „Wenn Menschen zu SAP-Kunden werden, wollen sie ERP. Das ist ein 20-jähriger Lebenszyklus. SAP wird zu einem wesentlichen Wirtschaftsgut, das wie andere Wirtschaftsgüter auch anders bilanziert werden muss.“

Angesichts der kritischen Rolle, die ERP-Systeme bei der Abwicklung von Geschäftsprozessen spielen, erforderte die Implementierung in großen Organisationen oft den Aufbau eines internen Teams von Geschäfts- und Technikexperten, kombiniert mit Beratungsleistungen von großen Systemintegratoren.

Nach der Bankenkrise von 2008 und dem anschließenden wirtschaftlichen Abschwung entschieden sich viele Unternehmen dafür, die IT-Kosten durch Auslagerung der Anwendungswartung zu senken, wodurch sie wesentliche SAP-Kenntnisse verloren, die für den Betrieb des ERP-Systems erforderlich waren.

Laut Prior bauten die erfolgreichsten SAP-Anwender Kompetenzzentren auf, um ihr internes SAP-Fachwissen zu verbessern. Solche Fähigkeiten sind unerlässlich, wenn Unternehmen den Weg von ECC zu S/4HANA beginnen.

Über ERP-Systeme hinaus

In dem Forrester-Bericht Look beyond ERP, der im Oktober 2019 veröffentlicht wurde, stellt die Analystin Liz Herbert die Fähigkeit von ERP-Systemen in Frage, effektiv genug zu sein, wenn Unternehmen ihre Geschäftsprozesse zusammenführen und digitalisieren wollen.

Laut Herbert müssen Unternehmen auch ihre operativen Systeme und Prozesse bei der digitalen Transformation in Angriff nehmen. Als Beispiel nennt sie ein Versorgungsunternehmen, das eine ansprechendere Kundenplattform einführen wollten. Allerdings musste sich die Geschäftsführung vor dem Beginn des Projekts belehren lassen, dass ihre Vision auf dem vorhanden Legacy-System nicht möglich ist.

Eine Research Note von Adam Shepherd von Arete Research, die sich mit der Verlängerung des SAP-Supports befasst, deutet darauf hin, dass das ursprüngliche Support-Enddatum 2025 gegen SAP arbeitet. Laut Shepherd nutzen viele Kunden die Frist als Gelegenheit, um sich nach Best of Breed Software-as-a-Service-Produkten umzusehen, die Komponenten ihres SAP-ERP-Systems ersetzen sollen.

Durch die Support-Verlängerung für ECC möchte SAP laut Shepherd das Risiko reduzieren, dass seine ECC-Kunden alternative SaaS-Produkte statt der von SAP angebotenen verwenden.

Während jedoch jede Erweiterung des ECC-Supports eine gute Nachricht ist, wirft der Bericht von Arete Research die Frage der Wartungsgebühren auf. Sollten Unternehmen, die ECC nutzen, weiterhin 20 Prozent ihres ursprünglichen Vertragswerts für Wartung bezahlen, wenn das zu wartende Produkt nicht erweitert wird? Eric Robinson ist überzeugt, dass dies eine gute Möglichkeit für Drittanbieter darstellt, da sie die Wartung zu wesentlich geringeren Kosten anbieten können.

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