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Überblick über die Remote-Protokolle von VMware, Citrix und Microsoft

Blast Extreme und Framehawk-Technologie sind die neuesten Zugänge bei Remote-Protokollen. Wie schlagen sie sich gegenüber den bisherigen Protokollen?

Im gleichen Maße, in dem sich die Desktop- und App-Virtualisierung weiterentwickelt, halten auch die Remote-Protokolle der großen Hersteller Schritt. Sowohl Citrix HDX als auch Microsoft RemoteFX, VMware Blast und Teradici PCoIP unterstützen alle Funktionen, die modernes End-User-Computing benötigt. Damit hängt die Wahl der Virtualisierungs-Plattform nicht mehr vom jeweiligen Remote-Protokoll ab.

Für eine lange Zeit war es ein grandioser Start in jeder VDI-Debatten (Virtual Desktop Infrastructure), einfach nach dem besten Remote-Protokoll zu fragen. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Protokolle von Microsoft, VMware und Citrix boten ausreichend Raum für endlose Diskussionen.

Sind diese Zeiten vorbei? Oder ist die Wahl des richtigen Remote-Protokolls nicht doch immer noch ein wichtiger Teil bei der Auswahl eines VDI-Produkts?

Citrix ICA und HDX

Citrix hat die ganze Remote-Industrie mit seiner Independent Computing Architecture (ICA) eigentlich erst gegründet. In letzter Zeit steckt Citrix aber sehr viel Energie in den Wechsel von ICA zu HDX, einer Gruppe verschiedener Remote-Display-Protokolle, die seit 2009 in XenDesktop und XenApp zum Einsatz kommen.

In den frühen Jahren der Desktop-Virtualisierung war eine gute USB-Redirection, die Unterstützung mehrerer Bildschirme oder Videofunktionalität nur durch Drittanbieter-Tools zu bekommen. Mit der Zeit hat Citrix ICA/HDX aber zu einem modernen Remote-Protokoll gemacht, dem heute keine wesentlichen Funktionen mehr fehlen. Daran hat zum Beispiel auch die Integration der 2014 aufgekauften Framehawk-Technologie in HDX einen wesentlichen Anteil, durch die vor allem mobile Datenverbindungen mit geringen Netzwerkbandbreiten profitieren.

Die HDX-Technologien konzentrieren sich dabei auf ganz spezifische Aspekte bei der Auslieferung von Remote-Desktops und -Applikationen. HDX 3D Pro beispielsweise richtet sich gezielt an Anwender, die rechenintensive 3D-Applikationen verwenden. HDX Mobile unterstützt als weitere HDX-Untergruppe Windows-Apps und virtuelle Desktops auf mobilen Endgeräten.

VMware Blast und PCoIP

Im Jahr 2008 hatte VMware eine Lizenzvereinbarung mit Teradici abgeschlossen, um in seiner Horizon-Lösung das PC-over-IP-Protokoll nutzen zu können. Teradici kann auf eine lange Geschichte bei Remote-Protokollen zurückblicken, wodurch PCoIP beispielsweise schon immer die USB-Weiterleitung, mehrere Bildschirme und Videowiedergabe unterstützt hat.

PCoIP wurde ursprünglich für Hardware-Clients entwickelt, daher wurden anfangs auch keine Client-Drucker oder Festplatten am Client unterstützt. In den vergangenen Jahren haben VMware und Teradici allerdings viele Verbesserungen integriert, um mit Citrix HDX und Microsoft RemoteFX Schritt zu halten. Diese neuen Funktionen sind dabei nicht für alle Lizenznehmer von PCoIP verfügbar, das DaaS-Angebot (Desktop as a Service) AWS WorkSpaces beispielsweise nutzt lediglich das grundlegende PCoIP-Protokoll.

Allerdings steht die berechtigte Frage im Raum, wie lange die Kooperation zwischen VMware und Teradici noch dauern wird, da VMware vor kurzem das eigene Remote-Protokoll Blast Extreme für Horizon 7 vorgestellt hat. VMware hat Blast Extreme für die Unterstützung virtueller Desktops und Applikationen auf mobilen Endgeräten entwickelt.

Es basiert auf dem bereits vorhandenen HTML Access Protokoll sowie H.264-Kompressio, was fast alle heutigen Smartphones und Tablets unterstützen. IT-Abteilungen können damit jetzt wählen, welches der beiden Protokolle sie nutzen wollen, auch wenn ein dynamisches Umschalten derzeit nicht möglich ist und die Entscheidung damit vor dem Aufbau einer Sitzung erfolgen muss. Laut VMware gibt es aber an sich keine Funktionsunterschiede zwischen beiden Protokollen.

Microsoft RDP und RemoteFX

Microsoft hat das Remote Display Protocol (RDP) ursprünglich zusammen mit dem Release der Teminal Services (heute: Remote Desktop Services, RDS) im Jahre 1996 zusammen mit Windows NT 4.0 Server auf den Markt gebracht. Seitdem wurde RDP mit jeder neuen Windows-Version verbessert.

Viele der RDP-Verbesserungen betreffen inzwischen allerdings die RemoteFX-Technologie, die von Microsoft mit Windows Server 2008 R2 SP1 im Jahr 2009 veröffentlicht wurde. So ähnlich wie Citrix HDX mit ICA funktioniert, besteht auch RemoteFX aus verschiedenen Technologien, die die Performance von RDP verbessern. Das schließt zum Beispiel Funktionen wie den Support von Multi-Touch-Benutzereingabe, hardwarebasierte Grafikbeschleunigung und eine verbesserte USB-Weiterleitung ein. Auch wenn RDP eines der älteren Remote-Protokolle im Feld ist, sorgen die Funktionen von RemoteFX dafür, dass RDP trotzdem ein absolut ebenbürtiges Protokoll ist, dass es durchaus mit Citrix und VMware aufnehmen kann.

Es gibt tatsächlich noch eine ganze Reihe weiterer Remote-Protokolle im Markt, aber die meisten VDI- und DaaS-Produkte nutzen eines der hier vorgestellten. Als Joker könnte man zudem den Client-losen HTML5-Zugriff auf Unternehmensressourcen bezeichnen. Plötzlich arbeitet der ganze Markt an der Unterstützung für die gleichen HTML5-Schnittstellen und alle Anbieter integrieren die Funktionen eines universellen Clients. Der Trend zum HTML5-Client ist daher durchaus bemerkenswert, auch wenn man bei der Wahl zwischen Citrix, VMware und Microsoft zumindest aus Sicht des Remote-Protokolls wenig falsch machen kann.

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