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Die häufigsten Probleme bei der USB Redirection in VDI-Umgebungen

Bei der USB Redirection für VDI-Umgebung kommt es auf viele Faktoren an. Letztlich spielt das Netzwerk aber die entscheidende Rolle.

Die Weiterleitung von USB-Geräten an virtuelle Desktops erhöht die Nutzerfreundlichkeit in VDI-Umgebungen (Virtual Desktop Infrastructure) enorm, die Performance der weitergeleiteten Geräte hängt dabei aber maßgeblich vom Netzwerk sowie der verwendeten VDI-Lösung ab. Schon alleine aus diesem Grund sollten sich Administratoren gut überlegen, für welche USB-Geräte die USB Redirection ermöglicht werden soll.

Durch die USB Redirection können Anwender ihre USB-Geräte an einem lokalen Computer anschließen und dann über ihren virtuellen Desktop darauf zugreifen. Dabei leitet VDI-Software die Funktionen des USB-Gerätes über das Netzwerk vom lokalen Rechner an den virtuellen Desktop weiter. Und genau hier, bei der Weiterleitung über das Netzwerk, liegt die Ursache für häufige Probleme bei der USB Redirection.

Die Herausforderungen bei der USB-Weiterleitung werden durch die Weiterentwicklung des USB-Standards (beispielsweise von USB 2.0 auf USB 3.0) nicht gerade kleiner, genauso sorgen auch eine Vielzahl zu unterstützender Serverbetriebssysteme oder die VDI-Software selbst nur zu oft für zusätzliche Probleme. Produkte wie VMware Horizon View oder Citrix XenApp/XenDesktop unterstützen zwar natürlich die Weiterleitung von USB-Geräten, haben aber ihre jeweils eigenen spezifischen Problembereiche.

Bevor Administratoren also bei der Desktop-Virtualisierung unüberlegt die USB Redirection aktivieren, sollten sie sich einen Überblick über die möglichen Herausforderungen und Probleme verschaffen.

USB Redirection in WAN- und LAN-Umgebungen

Einer der ersten Gedanken bei der Planung der USB-Weiterleitung sollte der Netzwerkkapazität gelten. In Unternehmen kommen für Büroumgebungen typischerweise Local Area Networks (LAN) und für geografisch weiter ausgedehnte Umgebungen Wide Area Networks (WAN) zum Einsatz. Die USB Redirection funktioniert zwar grundsätzlich in beiden Netzwerken, die besseren Ergebnisse erzielt man aber natürlich in LAN-Umgebungen.

Man nehme zum Beispiel Microsofts RemoteFX-Technologie, die auf dem Remote Desktop Protocol (RDP) basiert. USB Redirection mit RemoteFX funktioniert sowohl in LAN- als auch in WAN-Umgebungen, ist aber nur für LAN-Verbindungen optimiert. Um die Weiterleitung von USB-Geräten zu unterstützen, wird eine Netzwerklatenz von weniger als 20 Millisekunden benötigt, was LAN-Verbindungen vor keine allzu großen Probleme stellt, in WAN-Umgebungen aber durchaus knifflig werden kann.

Latenz und Zuverlässigkeit eines Netzwerkes spielen also eine kritische Rolle bei der USB Redirection. Laut der technischen Dokumentation für Horizon View benötigt eine Leseanfrage für ein weitergeleitetes USB-Speichergerät drei Paketumläufe (Round Trips) zwischen Client und virtuellem Desktop, während das Empfangen einer ganzen Datei mehrere Leseanfragen in Anspruch nehmen kann. Da ist es offensichtlich, wie sich die Latenz im Netzwerk aufsummieren kann.

Schwache oder unzuverlässige Netzwerkverbindungen beeinträchtigen zwar in gewisser Weise jeden Anwender im Unternehmensnetzwerk, bei der USB Redirection kommen die Probleme aber mit am deutlichsten zum Vorschein. Immerhin gibt es hierbei einige Abläufe im Hintergrund, auf die sich Performance-Probleme enorm negativ auswirken. Da ist es dann auch keine Überraschung, dass vor allem USB-Geräte mit hohen Anforderungen an den Datendurchsatz am schwersten von Latenz- oder Verfügbarkeitsproblemen in WAN-Umgebungen betroffen sind, hier wären zum Beispiel USB-Webcams zu nennen.

Die Weiterentwicklung der USB Redirection

Die USB-Weiterleitung und damit auch die zugrundeliegenden Technologien befinden sich in einem ständigen Prozess der Weiterentwicklung. Horizon View unterstützt zum Beispiel USB 3.0, Anwender werden aber keinen Performance-Vorteil gegenüber USB 2.0 bemerken – weil Latenz, Bandbreite und Verlässlichkeit des Netzwerkes noch immer zu große Beschränkungen mit sich bringen.

Citrix begrenzt die Unterstützung für USB-3.0-Geräte sogar noch stärker. Aktuell unterstützt die generische USB Redirection in XenDesktop keine USB-Geräte, die über einen USB-3.0-Port verbunden sind. Anwender müssen für die Anbindung von USB-3.0-Geräten also entweder auf einen USB-2.0-Anschluss ausweichen oder einen von Citrix zur Verfügung gestellten virtuellen Kanal für spezifische Geräte verwenden.

Um ein reibungsloses Funktionieren der USB Redirection zu gewährleisten, müssen auch VDI-Software und Serverbetriebssystem auf dem aktuellen Stand sein. VMware unterstützt beispielsweise keine USB-Weiterleitung für Systeme mit Windows Server 2003 oder Windows Server 2008 sowie für Horizon-View-Desktops, die per Microsoft Terminal Services verwaltet werden. Citrix XenApp wiederum erlaubt keine generische Weiterleitung für alle Windows-Versionen vor Windows Server 2012 R2. Microsofts RemoteFX-Protokoll schließlich wurde erst mit Windows Server 2008 R2 SP1 eingeführt.

Zu guter Letzt spielen aber natürlich auch unterschiedliche Versionen der VDI-Software eine entscheidende Rolle. Vor Horizon 5.2 führte die Weiterleitung von Audiogeräten zu einer verringerten Qualität, was einer der Gründe für das standardmäßige Deaktivieren der USB Redirection in Horizon 5.2 für Audiogeräte ist. Mit Horizon 6 kamen schließlich verschiedene Verbesserungen, wie die Möglichkeit zur Weiterleitung von USB-Speichergeräten zu RDSH-Desktops (Remote Desktop Session Host). Mit View Agent 6.0.1 und Horizon Client 3.1 folgte die Unterstützung für USB-3.0-Geräte.

Aus Sicht des Anwenders sieht die USB-Weiterleitung sicherlich weniger anspruchsvoll aus, als sie tatsächlich ist. Man verbindet sich von einem lokalen Computer mit dem virtuellen Desktop und der USB-Port scheint nur wenige Zentimeter weit entfernt. Bei all den technischen Vorgängen im Hintergrund müssen VDI-Administratoren aber die optimale Umgebung konfigurieren, um der USB Redirection auch auf Anwenderseite zum Erfolg zu verhelfen.

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Artikel wurde zuletzt im April 2016 aktualisiert

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