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Synology Virtual Machine Manager in der Praxis mit Windows 11

Ein Synology-NAS übernimmt mit Virtual Machine Manager die Rolle eines Virtualisierungs-Hosts. Damit lässt sich auch Windows 11 virtualisieren und per RDP nutzen.

Die Kombination aus Virtualisierung, zentralem Speicher und kontrolliertem Fernzugriff ermöglicht eine Windows-Arbeitsumgebung, die unabhängig vom Endgerät nutzbar bleibt und vollständig unter Kontrolle des NAS steht. Der Zugriff ist remote per RDP möglich. Neben Windows 11 lässt sich über dieses Szenario auch Windows Server 2022/2025 installieren. Auch hier ist ein Remote-Zugriff möglich.

Abbildung 1: Übersicht im Synology Virtual Machine Manager mit laufenden und gestoppten virtuellen Maschinen sowie aktueller CPU- und Speicherauslastung des Hosts.
Abbildung 1: Übersicht im Synology Virtual Machine Manager mit laufenden und gestoppten virtuellen Maschinen sowie aktueller CPU- und Speicherauslastung des Hosts.

Grundidee und Einsatzszenario

Windows 11 läuft in diesem Szenario nicht auf einem klassischen PC, sondern als virtuelle Maschine (VM) direkt auf dem Synology-NAS. Das NAS übernimmt dabei mehrere Rollen gleichzeitig. Es fungiert als Virtualisierungs-Host, stellt den Speicher bereit, kontrolliert den Zugriff und vermittelt bei Bedarf auch externe Verbindungen. Anwender arbeiten lokal im Netzwerk oder greifen von unterwegs auf dieselbe Windows-Umgebung zu. Die virtuelle Maschine bleibt dabei hinter DSM (DiskStation Manager) verborgen. Es existiert kein direkter Internetzugriff auf Windows selbst, sondern ausschließlich über das NAS.

Abbildung 2: Einrichten der externen Verbindung zu einer VM auf einem Synology-NAS.
Abbildung 2: Einrichten der externen Verbindung zu einer VM auf einem Synology-NAS.

Voraussetzungen auf dem Synology-NAS

Für den stabilen Betrieb benötigt das NAS eine x86-64-CPU von Intel oder AMD mit aktivierter Hardwarevirtualisierung. ARM-basierte Modelle scheiden aus. DSM sollte mindestens in Version 7.1 installiert sein, natürlich möglichst aktueller. Für Snapshot-Funktionen empfiehlt Synology ein Btrfs-Volume.

Arbeitsspeicher ab 8 GB ist praxisgerecht. Mit 4 GB lässt sich Windows 11 zwar starten, reagiert im Alltag aber träge. SSD-basierter Speicher verbessert Startzeiten und Reaktionsfähigkeit erheblich. NVMe-SSDs oder SSD-Pools verbessern die VM-Performance deutlich.

Abbildung 3: Übersichtsseite des Virtual Machine Managers, die den korrekten Status von Host, Speicher und Virtualisierungsumgebung bestätigt.
Abbildung 3: Übersichtsseite des Virtual Machine Managers, die den korrekten Status von Host, Speicher und Virtualisierungsumgebung bestätigt.

Da Synology VMM derzeit kein virtuelles TPM (Trusted Platform Module) bereitstellt, wird Windows 11 im Installationsprozess mit den bekannten Setup-Bypass-Mechanismen installiert.

Virtual Machine Manager installieren und vorbereiten

Die Virtualisierungskomponente wird direkt über DSM installiert. Der Einrichtungsassistent prüft automatisch, ob CPU-Virtualisierung aktiv ist, Open vSwitch zur Verfügung steht und geeignete Volumes existieren. Der Installationspfad lautet:

Paketzentrum -> Virtual Machine Manager -> Installieren

Nach der Installation fordert der Assistent zur Auswahl des Speicher-Volumes für virtuelle Maschinen auf und richtet einen virtuellen Switch ein, über den spätere VMs mit dem Netzwerk verbunden werden.

Abbildung 4: Der Synology Virtual Machine Manager kann verschiedene Betriebssysteme virtualisieren, darunter auch Windows 11 und Windows Server 2025.
Abbildung 4: Der Synology Virtual Machine Manager kann verschiedene Betriebssysteme virtualisieren, darunter auch Windows 11 und Windows Server 2025.

Windows-11-ISO und Guest-Tools bereitstellen

Für die Installation wird eine Windows-11-ISO benötigt. Soll Windows Server 2022/2025 zum Einsatz kommen, wird auch diese ISO benötigt. Diese wird von Microsoft geladen und per SMB oder File Station auf das NAS kopiert. Zusätzlich ist die ISO der Synology-Guest-Tools erforderlich. Sie enthält VirtIO-Treiber und den QEMU-Guest-Agent, die für Netzwerkleistung, saubere Shutdowns und konsistente Snapshots entscheidend sind. Die Einbindung der ISO-Dateien erfolgt so:

Virtual Machine Manager -> Image -> ISO-Datei -> Hinzufügen -> Von Synology-NAS

Nach dem Import erscheinen beide ISO-Dateien als verfügbar und können bei der VM-Erstellung ausgewählt werden.

Abbildung 5: Der Bereich „Image“ im Virtual Machine Manager mit eingebundener ISO-Datei, die für die Installation eines Windows-Betriebssystems verwendet wird.
Abbildung 5: Der Bereich „Image“ im Virtual Machine Manager mit eingebundener ISO-Datei, die für die Installation eines Windows-Betriebssystems verwendet wird.

Neue Windows-11-VM erstellen

Die Erstellung erfolgt über den integrierten Assistenten von Virtual Machine Manager. Als Betriebssystemtyp wird Microsoft Windows gewählt. Anschließend werden Speicherort, Name und Ressourcen definiert. Erstellungsschritte sehen wie folgt aus:

Virtuelle Maschine -> Erstellen -> Microsoft Windows -> Speicher auswählen -> Name festlegen -> CPU und RAM zuweisen

Für produktives Arbeiten sind vier bis sechs virtuelle CPUs und mindestens 8 GB RAM sinnvoll. Die virtuelle Festplatte sollte mindestens 64 GB groß sein, besser 80 GB oder mehr, da eine spätere Verkleinerung nicht möglich ist.

Abbildung 6: Assistent zur Erstellung einer neuen virtuellen Maschine mit Auswahl des Betriebssystems „Microsoft Windows“ als Grundlage für eine Windows-11-VM.
Abbildung 6: Assistent zur Erstellung einer neuen virtuellen Maschine mit Auswahl des Betriebssystems „Microsoft Windows“ als Grundlage für eine Windows-11-VM.

Firmware, Maschinentyp und Boot-Konfiguration

Windows 11 stellt klare Anforderungen an die virtuelle Hardware. Die VM muss mit UEFI starten und den Maschinentyp Q35 verwenden. Andere Einstellungen führen häufig dazu, dass der Boot-Vorgang bereits im TianoCore-Stadium hängen bleibt. Erforderliche Einstellungen sind:

Firmware -> UEFI

Maschinentyp -> Q35

Als Startmedium wird die Windows-11-ISO ausgewählt. Die Guest-Tools-ISO wird als zusätzliches Medium eingebunden.

Windows 11 installieren

Nach Abschluss des Assistenten startet die VM automatisch. Die Verbindung erfolgt über die integrierte Web-Konsole von Virtual Machine Manager. Beim Start wird das Booten von der ISO bestätigt, anschließend beginnt die reguläre Windows-Installation. Der Installationsablauf umfasst folgendes:

Verbinden -> Boot von ISO bestätigen -> Sprache auswählen -> Jetzt installieren -> Virtuelle Festplatte auswählen -> Installation starten

Ein Produktschlüssel ist optional. Für den Betrieb ohne Microsoft-Konto wird die Netzwerkanforderung während der Ersteinrichtung deaktiviert. Während der Windows-11-Ersteinrichtung fordert das Setup zwingend eine Internetverbindung und ein Microsoft-Konto. Um stattdessen ein lokales Benutzerkonto anzulegen, wird im Setup eine Eingabeaufforderung geöffnet und ein interner Setup-Schalter gesetzt. Dazu wird im Setup mit Shift + F10 eine Eingabeaufforderung geöffnet und anschließend der Befehl OOBE\BYPASSNRO eingegeben. Windows startet danach neu und erlaubt die lokale Einrichtung ohne Online-Kontos. Nach dem automatischen Neustart wird ein lokales Benutzerkonto eingerichtet.

Synology Guest Tools installieren

Nach dem ersten Login bindet Windows die Guest-Tools-ISO als virtuelles CD-Laufwerk ein. Die Installation aktiviert optimierte Netzwerk- und Storage-Treiber sowie den QEMU-Guest-Agent. Der Installationsweg ist:

Explorer -> Virtuelles CD-Laufwerk -> Installer starten

Auszuführende Datei:

Synology_VMM_Guest_Tool.msi

Ab Windows 11 24H2 ist WMIC standardmäßig deaktiviert, wird aber von den Guest-Tools benötigt. Vor der Installation muss es nachgerüstet werden. Aktivierung per Kommandozeile:

dism /online /add-capability /capabilityname:WMIC~~~~

Nach erfolgreicher Installation wird die VM neu gestartet.

Anzeigeauflösung der VM optimieren

Die Web-Konsole startet mit niedriger Auflösung. Diese lässt sich direkt im UEFI der VM anpassen. Dafür gehen Sie wie folgt vor:

VM neu starten -> ESC drücken -> Device Manager -> OVMF Platform Configuration -> Auflösung einstellen -> Änderungen speichern -> Neustart

Auflösungen wie 1920 × 1080 haben sich als ideal erwiesen.

Zugriff auf NAS-Daten aus Windows 11

Windows greift klassisch per SMB auf die Freigaben des NAS zu. Nach Aktivierung der Netzwerkerkennung erkennt Windows das NAS automatisch. Der Zugriffspfad sieht so aus:

Explorer -> Netzwerk -> Synology-NAS -> Freigabe

Damit arbeitet die Windows-VM direkt mit den zentralen Datenbeständen des NAS.

Externer Zugriff über QuickConnect

Der mobile Zugriff erfolgt über QuickConnect. Dabei greift kein Client direkt auf die Windows-VM zu. Der Zugriff führt immer zuerst über DSM, das als Vermittler fungiert. QuickConnect ermöglicht den sicheren Zugriff auf DSM. Für den Zugriff auf virtuelle Maschinen per RDP (Remote Desktop Protocol) empfiehlt sich zusätzlich ein VPN-Zugang zum NAS-Netzwerk. Die Einrichtung erfolgt so:

Systemsteuerung -> Externer Zugriff -> QuickConnect -> QuickConnect aktivieren -> QuickConnect-ID festlegen -> Übernehmen

Abbildung 7: Aktivieren von QuickConnect auf dem Synology-NAS.
Abbildung 7: Aktivieren von QuickConnect auf dem Synology-NAS.

QuickConnect prüft zunächst, ob eine direkte Verbindung möglich ist. Falls nicht, kommen NAT-Traversal-Mechanismen zum Einsatz. Erst im letzten Schritt wird der Datenverkehr über Synology-Relay-Server geleitet. Die Verbindung bleibt dabei verschlüsselt und für DSM kontrollierbar.

Remote-Desktop-Zugriff auf Windows 11

Der Zugriff auf die virtuelle Windows-11-Maschine erfolgt typischerweise über **Microsoft Remote Desktop. Die VM erhält dabei eine interne IP-Adresse im NAS-Netzwerk und lässt sich wie ein gewöhnlicher Windows-Host per RDP erreichen.

Für den Zugriff von außen kann zunächst über Synology QuickConnect eine Verbindung zu Synology DiskStation Manager aufgebaut werden. Von dort lässt sich die virtuelle Maschine über die Webkonsole des Synology Virtual Machine Manager starten und verwalten.

Für produktive Nutzung empfiehlt sich zusätzlich ein VPN-Zugang zum NAS-Netzwerk. In diesem Szenario verbindet sich der Client zunächst per VPN mit dem Standortnetz und greift anschließend direkt per RDP auf die Windows-VM zu.

Auf diese Weise bleibt die virtuelle Maschine vollständig hinter dem NAS und dem lokalen Netzwerk verborgen. Eine direkte Portfreigabe für RDP am Router ist in diesem Szenario nicht erforderlich.

Ordnerfreigaben für externen Zugriff

Zusätzlich können Ordner gezielt freigegeben werden, auch zeitlich begrenzt und mit Authentifizierung. So erteilen Sie die Freigabe:

File Station -> Ordner -> Rechtsklick -> Freigeben

Optional:

Sicheren Austausch aktivieren -> Zugriff festlegen -> Gültigkeit definieren

Diese Freigaben funktionieren lokal und über QuickConnect identisch.

Benutzer, Berechtigungen und Active Directory

Virtual Machine Manager nutzt die DSM-Benutzerverwaltung. Virtuelle Maschinen lassen sich auch einzelnen Benutzern oder Gruppen zuweisen. Bei aktivem Synology Directory Server stehen auch Active-Directory-Konten zur Verfügung. Berechtigungen wählen erfolgt so:

Virtual Machine Manager -> Virtuelle Maschine -> VM auswählen -> Bearbeiten -> Berechtigungen

Die Windows-VM kann anschließend selbst der Domäne beitreten und vollständig in bestehende Strukturen integriert werden.

Betrieb, Snapshots und Sicherung

Virtual Machine Manager steuert Start, Stopp und Neustart zentral. Snapshots sichern den Zustand der VM direkt auf dem NAS-Speicher. Der installierte QEMU-Guest-Agent sorgt dafür, dass diese Snapshots konsistent bleiben. Snapshot:

Virtuelle Maschine -> Aktion -> Snapshot erstellen

Für vollständige Sicherungen lässt sich die VM zusätzlich in Active Backup for Business einbinden. Damit steht eine vollständig nutzbare Windows-11-Arbeitsumgebung auf dem Synology-NAS zur Verfügung. Sie läuft zentral, bleibt kontrollierbar, lässt sich sichern und ist über das NAS auch von unterwegs erreichbar, ohne Windows selbst direkt dem Internet auszusetzen.

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