Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

Entwicklung mit SAP HANA: Neue Generation von Echtzeitanwendungen entsteht

SQLScript, XS Engine, SAP River und Co.: SAP HANA bringt zahlreiche Tools und Services für die Entwicklung In-Memory-optimierter Anwendungen mit.

Dies ist der erste Artikel einer zweiteiligen Artikel-Serie zum Thema SAP HANA als Entwicklungsplattform. In diesem Beitrag erläutert Andreas Schaffry verschiedene Entwicklungsanwendungen, die auf Basis von HANA arbeiten.

SAP HANA, ob im On-Premise-Betrieb oder in Form des Managed Cloud Service SAP HANA Enterprise Cloud, ist weit mehr als „nur“ eine In-Memory-Datenbank für die schnelle Datenverarbeitung bei Geschäftsprozessen und tiefgehende Echtzeitanalysen. Sie bildet vielmehr eine Technologieplattform, die über Prognosefunktionen verfügt und als Grundlage für die Entwicklung In-Memory-optimierter Applikationen dient. Diese nativen SAP-HANA-Anwendungen bestehen wie klassische SAP-Software aus einer Datenbank- und Applikations- sowie der Präsentationsschicht, dem User Interface. Der große Unterschied: Bei HANA-basierten Lösungen verschmelzen die Applikations- und Datenbankschicht, was die Anwendungsarchitektur vereinfacht. Die Entwicklung nativer HANA-Applikationen erfolgt im SAP HANA Studio, das auf Eclipse basiert, wobei SQLScript, eine HANA-spezifische Erweiterung des SQL-Standards, JavaScript und Application Function Libraries (AFL) zum Einsatz kommen. Die Bedienoberfläche, also die Präsentationsschicht, wird in der Regel als Webanwendung realisiert, die auf SAPUI5, der SAP-eigenen Version der Auszeichnungssprache HTML5 basiert.

XS Engine vereinfacht Anwendungsarchitektur

Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung von SAP-HANA-Anwendungen kommt den Extended Application Services (XS Engine) zu. Sie fungieren als Applikationsserver, mit dem sich vollständige Lösungen in JavaScript und SQLScript realisieren lassen, die eine http-basierte Bedienoberfläche haben, wie etwa Webanwendungen oder mobile Apps, und die zudem direkt auf SAP HANA laufen. Zusätzliche externe Server oder IT-Komponenten sind somit nicht erforderlich, was auch die Anwendungsarchitektur vereinfacht. Gleichzeitig übernimmt die XS Engine die Rolle eines Web-Servers indem sie Präsentations- und Applikationsschicht miteinander verknüpft. 

XS Engine

Die Extended Application Services (XS Engine) bilden einen zentralen Baustein für die Entwicklung nativer SAP-HANA-Anwendungen.

Mit dem Service Pack 8 wurde das SAP HANA Studio zudem um eine webbasierte Development-Workbench erweitert, die Entwicklern sämtliche Tools bereitstellt, die sie für die Erstellung XS-basierter HANA-Anwendungen benötigen: HANA Views, SQLScript-Prozeduren, Rollen, serverseitige Logik sowie HTML- und JavaScript-Content. Die Workbench bietet außerdem die Möglichkeit, HANA-Applikationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verwalten.

SAP River: Beziehungen statt Algorithmen modellieren

Darüber hinaus gibt es mit SAP HANA Interactive Education (SHINE) eine Demo-Anwendung (siehe Video), mit der Entwickler den Angaben des Softwareherstellers zufolge die Erstellung nativer HANA-Applikationen schnell und einfach erlernen können. Bereits mit dem Service Pack 7 wurde mit SAP River eine neue Entwicklungssprache und ein neues Programmiermodell ausgeliefert, das die Entwicklung nativer SAP-HANA-Back-End-Anwendungen ermöglicht, die objektorientiert und modular aufgebaut sind. SAP bezeichnet diese Art von Anwendungen als SAP HANA Enterprise Applications. Mit der River Definition Language (RDL) sollen sich neue Anwendungen zugleich, anders als bei der konventionellen Programmierung, stärker in Beziehungen und weniger in Algorithmen modellieren lassen.

HANA-Applikationen im Online-Store

Inzwischen gibt es bereits eine ganze Reihe HANA-basierter Applikationen. Sie werden über den SAP HANA Marketplace, einen SAP-eigenen Online Store, direkt an Kunden vertrieben. Dazu zählt etwa die Anwendung SAP Fraud Management. Damit sollen Unternehmen durch vorausschauende Analysen in großen Datenmengen Betrugsfälle verhindern können bevor sie geschehen. Die Software untersucht transaktionale und historische Daten aus unterschiedlichen IT-Systemen in Echtzeit auf Betrugsmuster und zeigt verdächtige Aktivitäten sofort in Warnmeldungen an. Auch neue Betrugsmuster werden berücksichtigt, da SAP Fraud Management mit vordefinierten Regeln (Constraints) und Vorhersagealgorithmen arbeitet. Die Lösung kann sowohl On Premise installiert als auch in einer HANA-Cloud betrieben werden.

Ein weiteres Beispiel für Anwendungen, die komplett auf SAP HANA basieren, sind die SAP Intelligent Customer Engagement Applications. Dieses Lösungsportfolio besteht aus den Anwendungen SAP Customer Value Intelligence, SAP Audience Discovery and Targeting, SAP Social Contact Intelligence und der mobilen App SAP Account Intelligence. Mit diesen Anwendungen können verschiedene personalisierte Kundeninteraktionen für die Prozesse im Vertrieb, Marketing und Kundenservice ausgeführt werden.

Die Applikationen sollen Unternehmen einen Echtzeiteinblick in den Wert ihrer Kundenbeziehungen und das Kundenverhalten, die Segmentierung großer Zielgruppen ermöglichen. Vertriebsmitarbeiter im Außendienst können zudem Echtzeitinformationen zu Kunden abrufen oder auf kundenspezifische Verkaufsempfehlungen zugreifen und so Kundenbesuche effizienter organisieren.

Darüber hinaus gibt es auch diverse Rapid Deployment Solutions, die direkt auf SAP HANA entwickelt wurden, etwa die SAP HANA Sentiment Intelligence Rapid-Deployment Solution. Sie soll Unternehmen helfen, große Mengen an unstrukturierten Daten und Inhalten auf Social-Media-Plattformen zu analysieren und zu interpretieren. Aktuell sind auf dem SAP HANA-Marketplace 130 HANA-basierte Applikationen von SAP und SAP-Partnern erhältlich.

Mehr über die Anwendungsentwicklung mit der SAP HANA Cloud Platform und dem SAP HANA Cloud Portal erfahren Sie im zweiten Artikel dieser Serie.

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Artikel wurde zuletzt im August 2014 aktualisiert

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