Rechenzentrums-Switches: Das müssen Sie beim Kauf beachten

Die geeigneten Rechenzentrums-Switches auszuwählen, ist oft nicht einfach. In diesem Artikel gehen wir auf die verschiedenen Kaufkriterien ein.

In Teil drei unserer vierteiligen Serie über den Kauf von Rechenzentrums-Switches stehen die Anschaffung und Bereitstellung dieses neuen Switch-Modells im Mittelpunkt. Teil eins beschäftigt sich mit den verschiedenen Typen von Rechenzentrums-Switches. Teil zwei zeigt die Einsatzszenarien, in denen ein Rechenzentrums-Switch den meisten Nutzen bietet. Im vierten Teil schließlich vergleichen wir die besten Rechenzentrums-Switches, die auf dem Markt erhältlich sind.

Wenn es darum geht, den passenden Rechenzentrums-Switch für Ihr Unternehmen auszuwählen, kann die Entscheidung, an welcher Stelle Sie ansetzen sollen, sich als schwierig erweisen. Obwohl die meisten Rechenzentrums-Switches im Allgemeinen die gleichen Aufgaben ausführen, müssen Sie – abseits vom Preis – eine Reihe von Faktoren berücksichtigen, um den geeigneten Ansatz für Ihre Anforderungen zu finden.

Physische Anforderungen

Im Hinblick auf Port-Typen und Port-Kapazitäten gibt es Rechenzentrums-Switches in allen Formen und Größen. Die Größen reichen von kleinen Switches mit nur einer Rack Unit bis hin zu wuchtigen Blade Switches, die mehrere Racks füllen. Es ist Ihre Aufgabe, herauszufinden, wie viele Ethernet-Ports (Kupfer/Glasfaser) und Fibre-Channel-Ports Sie aktuell sowie in der Zukunft benötigen.

Es ist wichtig, festzuhalten, dass kein einzelner Anbieter oder Switch für jede Situation optimal ist.

Die Hardware jedes Anbieters skaliert unterschiedlich, und Ihre Anforderungen an die physischen Ports lassen sich mit der Hardware eines bestimmten Anbieters womöglich besser erfüllen. Zusätzlich zur Anzahl der Ports müssen Sie sich entscheiden, ob Sie Glasfaserverbindungen mit 10 GBit/s, 40 GBit/s oder vielleicht sogar 100 GBit/s brauchen. Eventuell verlangt Ihr Rechenzentrum auch Unterstützung für redundante Links und Port-Aggregation zwischen Switches und Blade-Servern. Wenn Sie all dies berücksichtigen, werden Sie erkennen, dass sich Ihre Anforderungen hinsichtlich der Anzahl physischer Ports rasch vervielfachen.

Ein weiterer Aspekt, den es zu überlegen gilt, betrifft das Design. Planen Sie eine Top-of-Rack- oder eine End-of-Row-Konfiguration? Oder soll es am Ende eine vollständig zentralisierte Switch-Architektur sein? Vieles davon hängt von der Größe des Rechenzentrums ab und davon, wie die Kabel konfiguriert sind. Wenn eine Verkabelung für eine End-of-Row-Konfiguration bereits vorhanden ist, ist es in der Regel sinnvoll, das bestehende Verdrahtungssystem weiter zu verwenden und die End-of-Row-Switches mit höherer Kapazität bereitzustellen.

Wenn es sich um ein neues Rechenzentrum handelt oder eine neue Verkabelung genutzt wird, sollten Sie Top-of-Rack-Optionen prüfen. Dieser Ansatz bietet eine höhere Flexibilität, was die physische Port-Abdeckung in einem Rechenzentrum angeht.

Konvergierende Netzwerke

Falls Sie schon physisch getrennte lokale Netzwerke (LANs) und Storage Area Networks (SANs) verwalten und hoffen, beide konvergieren zu können, müssen Sie die Anbieter und Switch-Modelle ermitteln, die Hardware und Software für die LAN- und SAN-Konvergenz bieten.

Es ist wichtig, einen Blick auf Ihre bestehenden SAN-Investitionen zu werfen, um zu sehen, welche Hardware bezüglich SAN und Fibre Channel over Ethernet (FCoE) mit Rechenzentrums-Switches kompatibel ist. Wenn Sie auf SAN-Seite kein vollständig konvergiertes FCoE-Netzwerk realisieren können, müssen Sie überlegen, wie viele ältere Fibre-Channel-Ports benötigt werden.

Einige Rechenzentrums-Switches bieten keinen nativen Fibre Channel mehr. Daher ist es wichtig, diesen Umstand frühzeitig festzustellen, so dass Sie sich auf Geräte konzentrieren können, die dies unterstützen. Darüber hinaus müssen Sie die physische Verkabelung in Ihrem Rechenzentrum betrachten, um die tatsächlichen Kosten für das Konvergieren der zwei Netzwerke zu einem einzigen abzuschätzen.

Das kann ein Grund sein, darüber nachzudenken, Ihre Rechenzentrums-Switches nicht an einem einzigen physischen Standort zu konzentrieren, sondern sie zu verteilen. Ein Rechenzentrum neu zu verkabeln, ist teuer. Außerdem sollte man zusätzliche Maßnahmen ergreifen, um die vorhandene Verkabelung weiter zu verwenden, wann immer dies möglich ist.

Durchsatzkapazität

Heutzutage fließen immer mehr Daten als Ost-West-Traffic. Das heißt, sie verlassen das Rechenzentrum nicht, und der Traffic bewegt sich zwischen virtuellen und physischen Servern. Der Großteil dieser Daten fällt zwischen Anwendungsservern und den dazugehörigen Back-End-Datenbanken sowie NAS-Repositories an.

Aus diesem Grund spielt der Rechenzentrums-Switch eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, den gesamten Ost-West-Traffic mit geringer Latenz und Verzögerung fließen zu lassen. Daher ist es so entscheidend, die gegenwärtigen und künftigen Datenströme sowie die damit einhergehenden Durchsatzanforderungen exakt einzuschätzen. Die Datendurchsatzkapazität von Switches kann erheblich variieren. Darum ist es wichtig, einen Switch mit ausreichender Backplane-Durchsatzkapazität zu wählen, um Engpässe zu vermeiden.

Anforderungen an Energieverbrauch und Kühlung

Unter den laufenden Kosten für ein Rechenzentrum ist die Stromrechnung der größte Posten. Die Energie, die zum Betreiben aller Netzwerk- und Serverkomponenten benötigt wird, erzeugt eine enorme Abwärme. Und die Klimaanlagen, die erforderlich sind, um die hohen Temperaturen wieder zu senken, verbrauchen wiederum selbst eine erhebliche Menge an Strom.

Den Energiebedarf von Rechenzentren zu reduzieren, ist nicht einfach nur eine Frage des Umweltschutzes. Es kann für die Firma auch eine beachtliche Kostenersparnis bedeuten. Wie viel Strom Rechenzentrums-Switches benötigen, ist je nach Anbieter unterschiedlich. Modelle, die auf Hardwarekomponenten mit geringem Verbrauch setzen, sind um ein Vielfaches effizienter und im Betrieb Jahr für Jahr günstiger.

Hypervisor-Integration von virtuellen Switches

Viele Rechenzentrums-Switches basieren einfach auf den virtuellen Switch-Funktionen, die in Hypervisor-Software von Anbietern wie VMware und Microsoft eingebaut ist.

Doch andere Anbieter von Netzwerkhardware und -software haben eigene, proprietäre virtuelle Switching-Software entwickelt. Diese integriert sich vollständig in den physischen Rechenzentrums-Switch. Der Vorteil, wenn Sie darauf achten, dass Ihre physischen Switches in die Hypervisor-Software integriert sind, ergibt sich, wenn Sie eine virtuelle Maschine (VM) von einem Blade-Server zu einem anderen verschieben müssen. 

Bei diesem Vorgang werden der physische Switch-Port und die Sicherheitsrichtlinien für die Port-Schnittstelle des physischen Rechenzentrums-Switch automatisch mit übernommen. Der entscheidende Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, ist die Häufigkeit, mit der VMs verschoben werden. Falls Verschiebungen oft vorkommen, stellt das automatisierte und integrierte Umschalten zwischen den physischen und virtuellen Switches möglicherweise eine wichtige Funktion dar.

Lösungen aus einer Hand

Ein paar Anmerkungen zur Verwaltung eines Netzwerks mit durchgängiger Hardware von einem einzigen Anbieter. Einheitliche Richtlinien für Design und Konfiguration sowie ein vereinfachtes Troubleshooting sind klare Vorteile, wenn Sie sich für die Komplettlösung aus einer Hand entscheiden.

Darüber hinaus lassen sich einige proprietäre Funktionen von Rechenzentrums-Switches nur dann nutzen, wenn Upstream-Switches vom selben Anbieter stammen. Das gilt umso mehr für erweiterte Redundanzfunktionen von Rechenzentren.

Sie müssen sich ebenfalls Gedanken über Software-defined Networking (SDN) machen und wie Ihre aktuellen Investitionen genutzt werden können, wenn SDN sich durchsetzt. Wenn Sie nicht gerade eine wirklich offene SDN-Plattform nutzen, ist das Design von einem einzigen Anbieter eine kluge Wahl, was die Zukunftsfähigkeit Ihrer Investition betrifft.

Andererseits zeigt sich auch die Kehrseite der Medaille, wenn Sie Lösungen aus einer Hand bevorzugen. Die Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter ist der deutlichste Nachteil, falls proprietäre Funktionen im Produktiveinsatz verwendet werden. Wenn diese proprietären Funktionen nie in offene Standards überführt werden, sind Sie möglicherweise durch das geschlossene System in einer Sackgasse gelandet und haben ohne eine komplett neue Architektur nur wenige Upgrade-Möglichkeiten.

Anbieterunterstützung

Evaluieren und berücksichtigen Sie die Kompetenz eines Anbieters, Support zu leisten für Ihre Rechenzentrums-Switches beim Austausch von Hardware, bei Upgrades und Konfiguration der Software sowie beim Troubleshooting.

Anbieter von Rechenzentrums-Switches mit einem kleineren Marktanteil tun sich eventuell schwerer damit, strikte Zeitvorgaben für den Austausch von Hardware einzuhalten. Andererseits sind sie möglicherweise in der Lage, einen etwas persönlicheren Support zu bieten.

Alle Supportvereinbarungen haben Vorteile und Nachteile. So sind die meisten Anbieter in ein oder zwei Supportbereichen hervorragend, haben in anderen jedoch Mängel. Hier gilt es zu ermitteln, welche Supportkategorien des Anbieters Sie höchstwahrscheinlich in Anspruch nehmen werden, und die Anbieter zu finden, die sich in diesen Bereichen auszeichnen.

Entscheidungsfindung durch Gewichten der Kaufkriterien

Bei der Anschaffung von Rechenzentrums-Switches müssen Sie eine Menge Dinge berücksichtigen. Es ist wichtig, festzuhalten, dass kein einzelner Anbieter oder Switch für jede Situation optimal ist. Entscheidend ist vielmehr, dass Sie die richtigen Fragen stellen, um die Anzahl der passenden Produkte entsprechend Ihren spezifischen Anforderungen einzugrenzen. Anschließend können Sie auf Grundlage dieser Informationen die Anbieter evaluieren. Ausschlaggebend hierbei sind die zu erwartende Qualität des Supports und die Zukunftsfähigkeit Ihrer Investition.

Diese Kaufkriterien sollen Ihnen als Richtschnur dienen, um Ihr Ziel zu erreichen und den optimalen Rechenzentrums-Switch für Ihr Unternehmen zu finden.

Im nächsten Teil vergleichen wir die besten auf dem Markt befindlichen Rechenzentrums-Switches. So erhalten Sie eine Vorstellung davon, wie sich die einzelnen Modelle gemäß Ihren Anforderungen eignen.

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