Amazon Web Services (AWS) weicht die Grenze zwischen PaaS und IaaS auf

Weicht Amazon Web Services (AWS) die Grenzen zwischen IaaS und PaaS auf? Oder bringt AWS einen echten Hybrid-Service aus IaaS und PaaS auf den Markt?

Machen Sie es sich nicht zu bequem in der AWS-Cloud. Amazon Web Services (AWS), Pionier des cloud-basierten Infrastructure as a Service (IaaS), beginnt Dienste anzubieten, die von einigen eher als Plattform as a Service (PaaS) betrachtet werden – und die Services agieren auch als solche.

Wenn Sie jetzt verwirrt sind, sind Sie nicht allein. Seit AWS im Jahr 2006 die Szene betreten hat, wurde die Cloud-Plattform als Low-Cost-Service und relativ schnörkelloser Dienst für Entwickler bekannt. Für die ersten Anwender machte diese Strategie Sinn, sagt James Staten, Chefstratege der Cloud und Enterprise Division von Microsoft. Aber die heutigen Teilnehmer am Cloud Markt sind anders: Sie verfügen eher über weniger technische Ressourcen und haben weniger Geduld oder Lust, an der Infrastruktur herumzubasteln. Auch steht AWS im Wettbewerb mit PaaS-affinen Anbietern wie Google App Engine und Microsoft Azure.

Cloud-Markt bewegt sich in Richtung PaaS

Deshalb muss man sich fragen: Weicht AWS die Grenzen zwischen IaaS und PaaS auf? Oder bringt AWS einen echten Hybrid-Service aus IaaS und PaaS auf den Markt? Welche Möglichkeiten gibt es für Kunden, die mehr PaaS haben möchten?

Die Antworten hängen davon ab, wer gefragt wird. Aber wenn wir die subjektiven Meinungen  beiseite lassen, kann man sagen: Der Markt verändert sich. Im Jahr 2013 entfielen laut dem Cisco Global Cloud Index 59% der installierten Cloud-Workloads auf die Kombination von IaaS und PaaS. Im Jahr 2018 werden IaaS und PaaS dagegen nur noch 41% der Workloads ausmachen – und IaaS wird der große Verlierer sein (mit einem Rückgang von 44% auf 28%). Offensichtlich herrscht hier sehr viel Druck.

In einem Bericht für das inzwischen geschlossenene Marktforschungsinstitut GigaOm Research, schreibt der Analyst und Berater David Linthicum, Senior Vice President für  Cloud Technology Partners, dass es überhaupt keine Frage sei, ob IaaS und PaaS konvergieren. Mit PaaS-Playern wie Microsoft und Google, die ebenfalls tiefgehende IaaS-Dienstleistungen anbieten und AWS mit seinen neuen PaaS-Angeboten "ist es schwer zu sagen, wo IaaS aufhört und wo PaaS anfängt - oder umgekehrt."

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Kann man proprietäre Datenbanken sicher in die AWS Cloud migrieren?

Aber ob AWS wirklich die Grenzen zwischen IaaS und PaaS aufweicht oder einfach nur seinen Job besser macht und die Services besser organisiert, ist fraglich. "Eines der größten Probleme von AWS ist, dass sie so viele Dienste haben. Für einen neuen Cloud-Kunden kann es ziemlich verwirrend sein, herauszufinden, wohin man gehen sollte und was zu tun ist", sagt Staten. "Ich sehe es so, dass AWS seine Dienstleistungen neu organisiert und IaaS mit PaaS vermischt, so dass je nach Art des Kunden die entsprechenden Services leichter gefunden und verwendet werden können, abhängig davon, was sie brauchen."

Denn fast jeder, der AWS schon einmal in Anspruch genommen hat, weiß: AWS zu bedienen ist eine Herausforderung. "Wir denken, dass Amazon intensiv darüber nachdenkt, wie sich die Hindernisse für seine Infrastruktur beseitigen lassen", sagt Kris Bliesner, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft 2ndWatch, die auch AWS-Partner ist. "Was Kunden auf der AWS-Infrastruktur Seite finden, ist ziemlich roh und ungeschliffen."

Das ist der Hauptgrund, warum sich Unternehmen hilfesuchend an AWS-Partner wenden. Aber für diejenigen, die eine „Do-it-yourself-Cloud " suchen „hat AWS nicht viele Produkte oder „Off-the-shelf“ Standard-Optionen. Und das sind gerade die Dinge, in die das Unternehmen jetzt investiert." Im Endeffekt will AWS kundenfreundlicher werden. "Amazon hat eine Menge von Kunden in der Mitte, die eine Infrastruktur und eine Plattform benötigen, und es gibt Raum für beide Services. Es ist nicht unbedingt eine Beeinträchtigung von Amazons Fähigkeiten, wenn die traditionellen Services vermischt werden“, ist  Bliesner überzeugt.

Meinung über AWS sind geteilt

"AWS verwischt auf jeden Fall die Grenzen", sagt Reiche Morrow, Gründer und Cloud-Architekt bei quicloud. Und das ist eine gute Nachricht für die Kunden. "Im Moment müssen Nutzer sehr viel selbst machen - mehr als sie unbedingt möchten. Deshalb arbeitet Amazon hart daran, die Klempnerarbeiten zu reduzieren."

Aber nicht jeder ist bereit, AWS als Cloud-Anbieter für hybride IaaS- und PaaS-Plattformen zu sehen. "Die Diskussion um PaaS Ding ist wirklich konträr", sagt Goran Kimovski, Principal Cloud Architekt bei TriNimbus, einem Teil des Partnernetzwerks von AWS. "Es gibt Dienste wie relationale Datenbanken, die Amazon anbietet und die AWS vollständig für seine Kunden verwaltet. Aber das ist nicht PaaS, das sind Managed Services." Seine Gründe? Kunden steht es beispielsweise frei, mit dem PaaS-ähnlichen Elastic Beanstalk zu starten, aber sie können diesem entwachsen und zu OpsWorks wechseln und dann irgendwann zu Codeworks migrieren. In einer traditionellen PaaS-Umgebung gibt es diese Möglichkeit nicht, einfach zu einem anderen Dienst zu migrieren, sagt Kimovski.

Oder um es anders auszudrücken: "Amazon hat ein Cloud-Angebot - Elastic Beanstalk –  in einer Ecke", sagt Ernest Müller, Produktmanager bei Idera Software und Blogger auf Agile Admin. "Im Vergleich dazu bietet Google App Engine ein automatisches Setup, Load Balancing, Caching-Speicher und mehr. Hier heißt es nur den Code hochzustellen und alles zu benutzen. Ich glaube wirklich nicht, dass die Grenzen [bei AWS] unscharf sind."

Ilja Summala, CTO von Nordcloud, ist damit nicht einverstanden. Der AWS-Partner hat beobachtet, wie Kunden auf AWS aufspringen, aber dann wieder aussteigen, weil es zu schwierig und zu teuer ist, es zu bedienen. PaaS-Funktionalitäten zu aktivieren ist ein Kinderspiel, zumal AWS aggressiv bei Unternehmenskunden wirbt. "Unternehmenskunden bietet dies die größte Flexibilität und ein besseres Kostenmodell", sagt Summala.

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