Drei Möglichkeiten, um die WLAN-Netzwerk-Performance zu testen

Wir stellen Ihnen diverse Tools vor, mit denen Administratoren die Performance des drahtlosen Netzwerks in einem Unternehmen bewerten können.

Wollen Sie quantifizieren, wie sich das Netzwerk für einen individuellen Anwender anfühlt, war das schon immer etwas kompliziert. Das Messen der drahtlosen (wireless) Netzwerk-Performance kann allerdings speziell herausfordernd sein.

Weil die WLAN-Umgebung so komplex ist, gibt es nicht wirklich ein einzelnes Tool, das umfangreiche Auskunft über das komplette drahtlose Netzwerk gibt. Als Netzwerk-Administratoren können wir lediglich einige Tools verwenden, um uns ein so umfangreiches Bild wie möglich über das drahtlose Netzwerk zu machen. Das Ziel ist es herauszufinden, wie „gesund“ das Netzwerk und wie gut das WLAN für individuelle Clients zu jeder möglichen Zeit an jedem denkbaren Ort ist.

Das Finden der richtigen Tools ist nur die halbe Miete

Bei unserer Mission, ein Gesamtbild zu erhalten, dürfen wir uns nicht nur auf die verfügbaren Tools konzentrieren. Verstehen wir allerdings, was uns die Tools mitteilen können, ist schon viel gewonnen. 

Betreiben Sie ein großes Netzwerk mit einem fortschrittlichen NMS (Network Management System) wie zum Beispiel von Cisco oder Aruba, stehen Ihnen möglicherweise Diagnose-Tools zur Verfügung. Solche haben sie bei kleineren Umgebungen wie bei Ubiquiti oder AirTight nicht. 

Aber auch mit den besten „eingebauten“ Tools erfahren sie bei weitem nicht alles über die WLAN-Performance. Nachfolgend wollen wir Ihnen einen Überblick verschaffen, was für Möglichkeiten überhaupt verfügbar sind. Außerdem gehen wir darauf ein, wie Sie die Tools einsetzen, um die Performance des WLANs zu bewerten. Das geht weit über Client-Metriken und „AP läuft oder funktioniert nicht“ hinaus.

Eingebaute Tools

Ob wir nun über ein NMS, einen Enterprise-WLAN-Access-Point (AP) oder die Client-Geräte sprechen, ist weniger relevant. Alle können uns wichtige Informationen liefern. Dazu gehören:

  • Client-Gerät: Hier gibt es eine ziemliche Schwankungen. Ein MacBook Pro kann uns informieren, zu welchem speziellen AP es verbunden ist. Das geht über die MAC-Adresse (Media Access Control). Weiterhin erfahren wir, wie hoch die Datenrate und wie gut die Signalstärke, sowie die Qualität aus Sicht des WLAN-Adapters ist. Mein Windows-PC oder Android-Smartphone geben mir möglicherweise nur Informationen über die Datenrate.
  • AP / Controller: An der Management-Schnittstelle können wir in Echtzeit sehen, welche Clients verbunden sind, welche SSID sie verwenden, bekommen Details zur Verbindung und eine Auskunft über die Menge des Traffics. In der Regel können Sie allerdings nicht sehen, um welche Art an Traffic es sich handelt und wie sich die jeweilige Anwendung verhält.
  • NMS: Netzwerk-Management-Systeme haben sich von einfachen Monitoring- und Konfigurations-Frameworks zu leistungsfähigen Reporting-Tools und Analyse-Engines gemausert. Es kommt darauf an, welches NMS von welchem Anbieter Sie verwenden und wie es lizenziert ist. Vielleicht bekommen Sie Einblicke inwiefern die Clients Anwendungen nutzen, wie „sauber“ das Spektrum im Allgemeinen ist, gemessen von jedem AP im System. Das gilt für den Moment als auch für den Verlauf. Vielleicht haben Sie auch einfache Client-Problemlösungs-Tools zur Verfügung. Diese verraten unter Umständen, wo der Authentifizierungs- und Zuweisungs-Prozess für einen bestimmten Client fehlgeschlagen ist.

Häufig setzt man auf drei grundlegende Support-Elemente, um herauszufinden, ob das Systeme von der drahtlosen Seite her in Ordnung ist. Allerdings bekommen Sie hier keine Auskunft, ob es Verzögerungen mit anderen wichtigen Services wie zum Beispiel DNS (Domain Name System) gibt oder ob sich YouTube-Videos auf einem bestimmten Client im WLAN angemessen abspielen lassen. Wollen Sie diese tiefgreifenden Einblicke erhalten, müssen Sie in der Regel zusätzliche Komponenten kaufen.

Service-Garantie- und Anwendungs-Performance-Management

Bei Service-Garantie für drahtlose Netzwerke geht es darum, das Netzwerk mit echten und synthetischen Transaktionen zu befeuern und dann zu definieren, wie sich KPIs (Key Performance Indicators) verhalten. Sie oder der Test-Plattform-Anbieter definieren diese KPIs. Diese enthalten vielleicht die Geschwindigkeit der DNS-Auflösung und die Reaktionsfreudigkeit hinsichtlich HTTP

Möglicherweise ist auch hinterlegt, wie lange es dauert, bis sich 802.1x-Anwender bei einem Active Directory Backend authentifizieren kann, wie Spotify reagiert und so weiter. Am teurerem Ende des Spektrums befinden sich Hardware-basierte Sensor-Overlays, die kontinuierlich KPIs messen und relevante Informationen an einen Management-Server übertragen. 

7signal und Axon von Spirent Communications Inc. sind gute Beispiele. Diese Plattformen sind hinsichtlich der Leistungsfähigkeiten sehr beeindruckend und richten sich an große WLAN-Umgebungen mit entsprechendem Budget. Bei solchen ist beste WLAN-Performance in komplexen Umgebungen oftmals ein Muss. 

Gleichzeitig würde ich gerne sehen, dass mehr Service-Garantie eingebaut ist und man nicht in eine zusätzliche Hardware-Schicht investieren muss. Zumindest wenn man auf den Preis der marktführenden WLAN-Systeme und das NMS blickt, um diese zu unterstützen.

Andere Service-Garantie-Tools sind mehr taktischer Natur und nehmen auf weniger KPIs Rücksicht. Zu meinen Favoriten gehören die verschiedenen Versionen der AirCheck-Plattform von Fluke Networks. Es gibt alleinstehende Handheld-Geräte oder Anwendungen für Windows- und Android-Geräte. Die Preisgestaltung von AirCheck erlaubt es mehreren Mitarbeitern, eine Kopie zu führen. 

Damit können Sie im gleichen Test-Durchlauf DNS, DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol), Streaming-Media und Daten-Durchsatz auf Abruf messen. Sind 7signal oder Axon überdimensioniert oder übersteigen Ihr Budget, können Sie Ihre WLAN-Umgebungen mit einer Version von AirCheck oder einem ähnlichen Tool ausreichend überprüfen.

Außerhalb des WLANs gibt es die faszinierende Welt des Anwendungs-Performance-Managements. Hier verwenden Firmen wie eBay und PayPal Produkte wie zum Beispiel Crittercism und AppDynamics. Somit finden sie heraus, wie sich ihre Services bei mobilen Anwendern verhalten. Diese drahtlosen Netzwerk-Performance-Services befinden sich in der Regel nicht in der durchschnittlichen digitalen Werkzeugkiste eines Administrators. Es gibt allerdings viele Parallelen zu den Service-Garantie-Tools, die wir womöglich einsetzen. Aus diesem Grund sollte man sich damit etwas beschäftigen.

Client-Apps und Browser-basierte Utilities helfen ebenfalls

Von der universellen Speedtest.net-App für iOS- und Android-Geräte (und Web-Browser) bis zu Ixias Mobile Chariot Endpoint gibt es eine ganze Reihe an Apps, mit der individuelle Clients einfache Messungen für Netzwerk-Performance durchführen können. Selbst freie Tools sind hilfreich, wenn all Ihre Anwender die gleiche App verwenden, sich zum gleichen Endpunkt für die Tests begeben und die Ergebnisse in den Problemberichten hinterlegen. 

Der Teufel liegt hier allerdings im Detail. Mein Dual-Band-11ac-Tablet liefert wahrscheinlich andere Resultate beim gleichen Speedtest-Server als ein iPad der ersten Generation, wenn wir uns am gleichen Ort befinden. Beide Tests sind wertvoll, aber Sie müssen Schlussfolgerungen basierend auf den eingereichten Zahlen mit Bedacht ziehen.

Wir haben hier lediglich an der Oberfläche gekratzt. Allerdings haben Sie hoffentlich einen Überblick bekommen, welche Möglichkeiten Administratoren haben, die Anwender-Erfahrung in einem WLAN zu messen. Die meisten von uns verwalteten WLAN-Umgebungen haben sich zu wichtigen Infrastruktur-Segmenten entwickelt. 

Diese muss man mit Umsicht managen, da immer mehr Clients und Netzwerk-Services auf drahtlose Verbindungen setzen. Die moderne WLAN-Komplexität verlangt nach einer guten Support-Strategie. Was der richtige Ansatz für die jeweilige Umgebung ist, variiert allerdings. 

Gleichzeitig wollen Sie die Performance-Monitoring-Strategie nicht während des laufenden Betriebs austüfteln. Überprüfen Sie die Optionen und standardisieren Sie bezahlbare Tools, die für das Netzwerk bestimmte Blickwinkel liefern: aus Sicht des Netzwerks, aus Sicht des Clients und so weiter. Sie sollten die Werkzeuge gewissenhaft für Baselining und Problemlösungen einsetzen. Ihre Clients werden es Ihnen durch wesentlich weniger Problem-Tickets danken. Sollte dennoch ein Problem auftauchen, können Sie wesentlich effizienter reagieren.

Über den Autor:
Lee Badman ist ein Netzwerk-Techniker und technischer Leiter eines WLANS für eine große, private Universität. Er unterrichtet außerdem die Themen Netzwerk, drahtlose Netzwerk-Administration und drahtlose Security.

Folgen Sie SearchNetworking.de auch auf Facebook, Twitter und Google+!

Erfahren Sie mehr über WLAN

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close