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VoIP: Vier Wege, um Ihr Netzwerk fit zu machen

Vor der Bereitstellung von Voice over IP müssen Sie prüfen, ob Ihre Infrastruktur die Anforderungen unterstützt. Diese Faktoren beeinflussen die nötige Netzwerktechnologie.

Ganz gleich, ob Sie einfach Voice over IP (VoIP) aktualisieren oder ein komplettes Neudesign vornehmen, es empfiehlt sich immer ein Plan, der festhält, welche Technologie vorhanden ist und was Sie erreichen wollen.

Unternehmen müssen viele Überlegungen zur Infrastruktur berücksichtigen, wenn sie vorhaben, VoIP zu implementieren. Neue VoIP-Plattformen und -Services von Telekommunikationsanbietern sowie Cloud-basierte Lösungen erlauben IT-Abteilungen mehr Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich Architektur, Infrastruktur, Integration und Optionen für Endanwender.

Insgesamt betrachtet, sollten Sie dem Zugang zum öffentlichen Telefonnetz (Public Switched Telephone Network, PSTN), der Vorbereitung von LAN und WAN, der Endnutzerkonnektivität und Integrationsanforderungen erhöhte Aufmerksamkeit widmen. Werfen wir einen Blick auf alle genannten Optionen.

Zugang zum PSTN

Bei VoIP im Enterprise-Bereich müssen Sie sich um zwei unterschiedliche Arten von Anrufen kümmern: On-Premises (intern) und Off-Premises (extern). Bei On-Premises-Anrufen wird im Allgemeinen eine aus drei bis fünf Ziffern bestehende Durchwahl für Anrufe innerhalb des gleichen IP-basierten Unternehmens-LANs verwendet. Für Telefonate außerhalb der Firma, also Off-Premises, müssen Sie auf das PSTN zugreifen.

Jahrzehntelang waren analoge und digitale POTS-Anschlüsse (Plain Old Telephone Service) oder T-Carrier-Systeme die einzigen Optionen, sich mit dem PSTN zu verbinden. Diese Technologien nutzen andere Kommunikationsprotokolle als IP, das Protokoll, das moderne Unternehmensnetzwerke heutzutage einsetzen. VoIP-Gateways sind erforderlich, um zwischen dem Legacy-Telekommunikationsnetz und dem Unternehmens-LAN zu übersetzen.

Einige Telefonfirmen bieten allerdings direkte SIP-Trunks (Session Initiation Protocol), die Sprache nativ in IP direkt zum PSTN-Carrier übertragen. Netzwerkadministratoren müssen sich nicht länger mit teuren und komplexen T1- und T3-Line-Cards in VoIP-Gateways herumschlagen.

Einige Enterprise-Cloud-Anbieter offerieren jetzt Cloud-Services, die vollständig von einem VoIP-Service-Provider verwaltet werden. In diesen Situationen lässt sich die Off-Premises-Konnektivität von PSTN durch herkömmliche SIP-Trunks oder durch eine SIP-Verbindung über das Internet per Standardbreitband realisieren.

Falls Sie bei der VoIP-Implementierung das Internet für den PSTN-Zugang nutzen, sollten Sie daran denken, dass Sie die Möglichkeit verlieren, die Quality of Service (QoS) zu kontrollieren. Für Organisationen, die Sprachkommunikation als missionskritischen Service betrachten, ist es am besten, bei analogen oder digitalen Legacy-Telekommunikations-Trunks oder IP-basierten SIP-Konnektivitätsoptionen zu bleiben. Die Nutzung des aktuellsten internetbasierten PSTN-Zugangs bedeutet, dass Administratoren die VoIP-Infrastruktur nicht länger On-Premises pflegen und warten, da sie komplett vom Cloud-Provider gemanagt wird.

LAN-Vorbereitung für die VoIP-Implementierung

Aus LAN-Sicht dreht sich bei der VoIP-Planung alles um die Bereitstellung von ausreichend End-to-End-Durchsatz und gleichzeitig um die Verringerung von Latenz und Jitter. Da Sprache ein Echtzeit-Streaming-Protokoll ist, kann jede Netzwerküberlastung katastrophale Folgen haben. Bei der Implementierung einer neuen VoIP-Installation oder eines größeren Upgrades besteht ein wichtiger Schritt darin, kritische Netzwerk-Uplinks im LAN zu prüfen, um Bereiche zu identifizieren, in denen Flaschenhälse auftreten können. Wenn Sie Links finden, die an die kritische Überlastungsgrenze kommen, kann ein Upgrade auf einen schnelleren Link oder Port-Aggregation den Flaschenhals eliminieren und sicherstellen, dass VoIP-Traffic weniger wahrscheinlich unterbrochen wird.

Insgesamt betrachtet, sollten Sie dem PSTN-Zugang, der Vorbereitung von LAN oder WAN, der Endnutzer-Konnektivität und Integrations-Anforderungen erhöhte Aufmerksamkeit widmen.

Konfigurieren Sie End-to-End QoS, um zu gewährleisten, dass das Netzwerk Echtzeit-Sprach-Streams nicht behindert. QoS trägt dazu bei, die Anzahl verworfener oder verzögerter Pakete weiter zu reduzieren, indem dieser Service Sprach-Traffic von anderen Traffic-Typen unterscheidet und priorisiert, so dass er bei der Übertragung von einem Netzwerkgerät zu einem anderen eine bevorzugte Behandlung erfährt.

Wenn Sie ein Netzwerk-Upgrade durchführen und bereits QoS im Netzwerk implementiert haben, ist es nach wie vor sinnvoll, die QoS-Konfiguration zu überprüfen, denn möglicherweise stehen neue und bessere Verfahren für das Traffic Shaping zur Verfügung, um die VoIP-Performance weiter zu steigern.

VoIP-Plattformen: Überlegungen zu Remote-Standorten

Wenn es an die Planung geht, VoIP an Remote-Standorten zu implementieren, haben Unternehmen eine Fülle von Optionen. Die WAN-Konnektivität zwischen Zentralen und Remote-Standorten wird in der Regel über ein gemietetes MPLS des Service-Providers oder per Metro Ethernet erreicht, mitunter auch durch einen Site-to-Site-VPN-Tunnel über Standardbreitband-Internetverbindungen.

VoIP-Plattform-Traffic, der zur Zentrale zurückkommt, kann irgendeine dieser Verbindungsmethoden nutzen. Beachten Sie, dass Sie bei der Übertragung von Sprach-Traffic über Breitband keine Möglichkeit besitzen, QoS zwischen den Standorten anzuwenden.

Neuere SD-WAN-Technologien können mehrere Internet-Links mit mehreren sicheren Tunneln kombinieren und VoIP-Traffic dann über den Link mit der geringsten festgestellten Latenz routen. Etliche Unternehmen entledigen sich ihrer teuren, gemieteten WAN-Optionen zugunsten einer SD-WAN-kontrollierten reinen Breitbandkonfiguration für ihre VoIP-Plattformen.

VoIP-Implementierung: Funktionen und Integration

Moderne VoIP-Plattformen können beliebig viele Funktionen und Optionen zur Softwareintegration bieten. Eine der populärsten Funktionen ist die Möglichkeit, die gesamte Funktionalität Ihrer traditionellen Tischtelefone als App abzubilden, die auf einem Smartphone installiert ist. In Anbetracht der wachsenden Zahl mobiler Arbeitskräfte ist dies ein äußerst beliebtes Feature, das Endnutzer wünschen.

Über Portabilitätsfragen hinaus fassen Enterprise-Anwendungen nativ Sprache, Video, Conferencing, Text-Chat und File Sharing zu einer einzigen Team-Collaboration-Plattform für den Unternehmensbereich zusammen. Die meisten VoIP-Plattformen bieten des Weiteren offene APIs, um Sprache in Services wie Trouble-Ticketing-Systeme, Customer Relationship Management (CRM) und KI-Bots zu integrieren. Durch die Kombination von Unternehmens-Apps lässt sich Automatisierung realisieren, die Geschäftsprozesse optimieren kann.

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