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IT-Trends 2020: Die Marschroute zur digitalen Zukunft und IoT

IoT ist nur der erste Schritt zur kompletten Vernetzung. Micro Clouds und Blockchain verändern gleichzeitig die Geschäftslandschaft ganzer Branchen.

So groß der Hype um das Internet of Things (IoT) aktuell auch sein mag, es ist doch nur der erste Schritt auf dem Weg zur kompletten Vernetzung. Standardisierte Datenplattformen sind das Herzstück für einen vollkommen datenbasierten Unternehmensalltag, in dem aus disruptiven Technologien neue Geschäftsmodelle entstehen. Mit der kompletten Vernetzung an der Spitze, schicken sich Technologien wie Micro Clouds und Blockchain an, die Geschäftslandschaft ganzer Branchen von Grund auf zu verändern.

Bereits heute prägt das Internet der Dinge unseren Alltag nachhaltig. Früher noch Zukunftsmusik betrachtet, hat sich zum Beispiel das Smartphone mittlerweile zur Schaltzentrale und einem Alleskönner gemausert, das neben Kommunikation auch Beleuchtung, Einkäufe, Küchengeräte und sogar die eigene Haustür steuern kann. Auf der Straße nimmt die Entwicklung autonomer Fahrzeuge ihren Lauf. Mit Blick auf das Jahr 2020 ist abzusehen, dass sich dieser technologische Fortschritt beschleunigt – sowohl im B2C- als auch im B2B-Umfeld.

Neue Technologien und Geschäftsmodelle erfordern zwangsläufig neue Arbeitsmodelle. Stationäre Arbeitsplätze und strikte Prozesstrennungen gehören in einer Informationsgesellschaft der Vergangenheit an und weichen einer webbasierten, kollaborativen und fluiden Arbeitsumgebung. Dank dem Zugriff auf Anwendungen aus der Cloud, können Aufgaben überall und jederzeit und mit einer Vielzahl von Devices erledigt werden.

Neue technologische Möglichkeiten bieten selbstverständlich nicht nur Chancen, sondern auch neue Herausforderungen. So werden Quantencomputer zur Nutzung im Sicherheitssektor weiterentwickelt, sind allerdings auch gleichzeitig eine ernstzunehmende Bedrohung für gängige und heute etablierte Sicherheitsverfahren und -algorithmen.

Geschäftsmodelle, Arbeitswelt, disruptive Technologien und sich daraus ergebende neue Herausforderungen senden bereits heute ihre digitalen Schockwellen aus und machen es zunehmend schwierig zu prognostizieren, wie diese Teilbereiche individuell und untereinander interagieren werden.

Neue Wertschöpfungsketten und Plattformen

Innovative Geschäftsmodelle des digitalen Marktes werden zu einer grundlegenden Umstrukturierung der Wertschöpfungsketten führen. Der Grund: Statt firmenindividueller Datensilos werden branchenweite Datenplattformen die Grundlage für Entscheidungsfindung und Serviceangebote bilden und insbesondere die Servicezusammenstellung in neuen Serviceökosystemen neu definieren. Denn den Wettbewerb immer nur entlang der eigenen Wertschöpfungskette zu denken und zu optimieren, schränkt die Schlagkraft von Daten ein. In der Verbindung von Daten mit Geschäftsorganisationen liegt das wahre Potenzial. So nutzen Unternehmen die immer kurzlebigeren Marktchancen und können Produkte und Services anbieten, die sich schneller den Bedürfnissen der Kunden wie auch veränderten Marktbedingungen anpassen.

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Dazu braucht es eine ganzheitliche Sichtweise auf die relevanten Daten, nicht nur die eigenen. Diese Plattformen entwickeln sich zum Dreh- und Angelpunkt der Kooperation zwischen Unternehmen und generieren spürbare Mehrwerte für deren Kunden. Parallel müssen Unternehmen natürlich auch Fragen wie Welche Daten werden unter gar keinen Umständen mit anderen Geschäftsorganisationen geteilt? und Wer ist der Besitzer bestimmter Daten? beantworten und entsprechende Vereinbarungen treffen.

Vertragliche Übereinkünfte und festgelegte Rahmenbedingungen müssen in Plattformen zur gemeinsamen Datennutzung zwischen den Partnern getroffen werden. Dabei ist insbesondere die Nutzungsdauer der Daten zu regeln. Blockchain bietet eine technologische Möglichkeit, vertraglich bindende Transaktionen abzusichern und überprüfbar zu machen – insbesondere im Umfeld loser Geschäftsbeziehungen.

Vom Internet der Dinge zu autonomen Micro Clouds

Während branchenweite Datenplattformen im Jahr 2020 eine geschäftsverändernde Rolle spielen werden, wandelt sich schon heute die Datenerfassung und -erzeugung durch IoT in ihren Grundmauern. Prognosen gehen von 50 Milliarden verbundenen Geräten im Jahr 2020 aus – ein wesentlicher Anteil entfällt auf den industriellen Bereich.

Die dabei erzeugten Datenmengen bedingen eine grundlegende Veränderung der heutigen Informationsinfrastruktur. IoT-Systeme müssen autonom, robust, beherrschbar und vor allem sicher sein. IoT-Systeme werden von ihren Rändern (Sensor-Aktor-Netzwerke) über Gateways mit den Datenplattformen verbunden, um untereinander und miteinander effektiv zusammenarbeiten zu können.

Die vorherrschenden Kommunikationsstandards für IoT-Geräte sind momentan NFC (Near Field Communication), ZigBee, Z-Wave, LiFi und Bluetooth (BTLE), neben einer ganzen Reihe von firmenindividuellen Implementierungen im freien 2,4 GHz und Sub-GHz Bereich. Dazu kommen auch offene Industriestandards wie LoRa oder Sigfox, die dem sicheren wie energiesparenden Kommunizieren dienen.

„Neue technologische Möglichkeiten bieten nicht nur Chancen, sondern auch neue Herausforderungen.“

Hermann Gouverneur, Atos Deutschland

Um in Echtzeit auf gesammelte Daten und gewonnene Erkenntnisse reagieren zu können, muss die Berechnung der Erkenntnis und Reaktion nahe an den Objekten und damit dezentral erfolgen. Jedoch sind die Netzwerkleistung und Energiekapazitäten von solchen Objekten und IoT-Ökosystemen noch begrenzt. Das Dilemma lösen IoT-Gateways zur zentralen Verbindung wie auch zur dezentralen Nutzung.

Diese Gateways benötigen eine höhere Rechenleistung, so entstehen IoT Micro Clouds – autonome Systeme, die sich aus IoT-Anwendungen zusammensetzen. Um Datensicherheit und Privatsphäre zu gewährleisten, werden Micro Clouds den Zugriff auf die Objekte kontrollieren und Daten verschlüsseln. Gateways werden das Verhalten von Sensoren und Aktoren überwachen und dafür sorgen, dass die Sender und Empfänger erreichbar bleiben.

Der unterbrechungsfreie Datenstrom garantiert innerhalb der Produktion verlässliche Steuerung, Prognosen, verkürzt Reaktionszeiten und spart Zeit bei Wartungs- und Reparaturarbeiten, da die permanente Überwachung und Steuerung eine vorausschauende (Predictive) oder gar direkt eingreifende (Prescriptive) Wartung ermöglichen.

Über den Autor:
Hermann Gouverneur ist Chief Technology Officer bei Atos Deutschland und Gründungsmitglied der Atos Scientific Community.

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