Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

Die Bereitstellungsoptionen für SAP HANA im Überblick

Sie können SAP HANA lokal installieren oder aus der Cloud beziehen. Welche Möglichkeiten es gibt und welche wann die beste ist, erfahren Sie hier.

Wer sich mit der Bereitstellung von SAP-HANA-Lösungen beschäftigt, sieht sich mit einer Fülle von Möglichkeiten konfrontiert. Ganz oben auf der Liste steht die Entscheidung, SAP HANA entweder lokal zu installieren oder aus der Cloud zu beziehen. Obwohl dies eine recht simple Alternative zu sein scheint, führen beide Optionen zu einer ganzen Reihe von Folgeentscheidungen.

Darüber hinaus sind die Bereitstellungsoptionen für SAP HANA nicht statisch, sondern ständig in Bewegung. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels bieten mindestens 15 SAP-Partner mehrere Hundert zertifizierte HANA-Hardware-Appliances an. Ähnliches gilt für die Cloud: Obwohl SAP über eigene HANA Enterprise Cloud Services verfügt, hat das Unternehmen mindestens 50 Partner, die Varianten von SAP-HANA-Lösungen in der Cloud anbieten. Da SAP mehr und mehr seiner Zukunft in HANA investiert, springen natürlich auch die Partner auf. Deshalb erneuert sich ständig das Partner-Ökosystem von SAP, weil die Partner ihr eigenes Stück vom HANA-Kuchen abbekommen möchten.

"Wir sehen eine Vielzahl der Partner mit einigen bahnbrechenden Möglichkeiten auf den Zug aufspringen", sagt Sean Moore, Leiter von SAP Business Analytics and HANA bei Capgemini Nordamerika. "HP als einer unserer Partner bietet zum Beispiel einen flexiblen, cloud-artigen Hardwareansatz. Im Endeffekt bezahlen Sie in diesem Ansatz nur das, was Sie nutzen, und in diesem Fall ist es ‚Hardware as a Service‘, angetrieben von der massiven Leistung – und den Kosten – von HANA".

In einem flexiblen Servicemodell, erklärt Moore, möchte ein Unternehmen vielleicht seinen dreimonatigen Abschluss beschleunigen. Dazu braucht es für drei bis fünf Tage eine kostspieligere High-Performance-Rechenleistung – aber eben nur für diese paar Tage. "Sind die performance-kritischen Arbeiten erledigt, möchte das Unternehmen wieder zur kostengünstigeren Hardware zurückkehren. Deshalb bieten Unternehmen wie HP, AWS oder Cloudera vermehrt diese Art von Hardware as a Service als eine Möglichkeit, HANA zu nutzen – egal ob als Einzellösungen oder im Rahmen eines unternehmensweiten Ansatzes."

Lokale Bereitstellungsoptionen

Das traditionelle Bereitstellungsszenario für SAP HANA ist ein Appliance-Delivery-Modell. In diesem Modell richtet ein SAP-Hardwarepartner ein komplett vorkonfiguriertes System mit vorinstallierten, von SAP unterstützten Softwarepaketen ein.

Was ist SAP HANA Enterprise Cloud?

SAP bietet zwei HANA Cloud Services an: SAP HANA Enterprise Cloud (HEC) und SAP HANA Cloud Platform (HCP). Mit HEC stehen Kunden die kompletten HANA-Lösungen in einem Infrastruktur-as-a-Service-Angebot zur Verfügung - zusammen mit Full Managed Services für die Software. HEC entspricht ziemlich genau dem, was Sie erhalten, wenn Sie HANA lokal installieren würden, aber anders als die On-Premise-Variante wird HANA in der Cloud von SAP selbst verwaltet. Kunden können ihre bereits lizenzierten SAP-HANA-Lösungen einsetzen oder ein abonnementbasiertes Modell wählen.

In diesem Appliance-Delivery-Modell können die Kunden ein Scale-Up- oder ein Scale-Out-System wählen. Scale-Up oder vertikale Skalierung bedeutet, die Leistung durch Hinzufügen von Ressourcen zu einem Rechner wie mehr Speicherplatz oder weiterer CPUs zu steigern. Im Gegensatz dazu werden bei Scale-Out oder horizontaler Skalierung zusätzliche Rechner hinzugefügt.

Die Optionen sind damit aber noch nicht beendet. Möglich ist auch ein Hardware Virtualized Model auf Firmware-Level mit der Technologie der logischen Partitionierung (LPAR) von Hitachi für x86-basierte Server. Im Rechenzentrum laufen diese logischen Partitionen als eigenständige Bare-Metal-Server. Damit können Kunden mehrere, aber getrennte HANA-basierte Workloads auf demselben System betreiben.

Daneben haben Kunden die Wahl zwischen der Bereitstellung von SAP HANA auf IBM-Power-System-Servern unter Linux mit POWER7+- oder POWER8-Prozessoren. Dies erweitert HANA um zusätzliche LPAR-Bereitstellungsoptionen.

Mit dem Servicepack SPS 09 führte SAP Multi-Tenant-Datenbank-Container ein, mit denen sich mandantenfähige Datenbanken innerhalb eines einzelnen SAP-HANA-Systems realisieren lassen. Speichergröße und CPU-Verbrauch können unabhängig voneinander konfiguriert werden. Die Mandantenfähigkeit könnte beispielsweise dafür eingesetzt werden, eine nicht ausgelastete Anwendung effizienter zu nutzen. Oder man kann sich entscheiden, auf ein größeres System umzusteigen, um langfristig mehr HANA-Implementierungen zu ermöglichen.

Virtuelle HANA-Umgebung

Funktioniert SAP HANA virtualisiert mit VMware vSphere? Dies ist tatsächlich ein möglicher Weg und vor allem für Unternehmen interessant, die bereits für ihr gesamtes Rechenzentrum in VMware-Virtualisierungslösungen investiert haben und es benutzen möchten, um ihre SAP-HANA Ressourcen zu managen. SAP-HANA-Kunden können vSphere auf einer zertifizierten Appliance nutzen – oder auf verifizierter, auf SAP HANA zugeschnittener Tailored-Data-Center-Integration (TDI)-Hardware, die TDI-Bereitstellungsoptionen anbietet.

Was ist SAP HANA Cloud Platform?

SAP HANA Cloud Platform (HCP) wurde als Plattform-as-a-Service-Angebot entwickelt, das es SAP-Partnern erlaubt, HANA-basierte Anwendungen oder Erweiterungen über ein Cloudmodell zu implementieren. Ebenso können technisch versierte SAP-Kunden ihre eigenen cloudbasierten Anwendungen bauen, um so ihre eigenen cloudbasierten oder On-Premise-Lösungen zu gestalten oder zu erweitern. Ein typisches Beispiel ist eine mobile App, die in der Cloud läuft, aber mit Datensätzen kommuniziert, die sich ganz woanders befinden.

TDI bietet die meiste Flexibilität, ist aber auch komplex. TDI ermöglicht es Unternehmen, SAP HANA auf vorhandener Hardware in ihren Rechenzentren zu installieren, allerdings nur, wenn die Hardware und die damit verbundene Netzwerkkomponente zertifiziert sind und die Leistungsstandards von SAP erfüllen. Der Vorteil: Man kann Geld sparen, indem man vorhandene Kapazitäten nutzt, während man gleichzeitig Flexibilität gewinnt.

Doch während Gartner berichtet, dass das TDI-Interesse zunimmt, gibt John Appleby, Global Head of SAP HANA für Bluefin Solutions, zu bedenken, es könnte noch ein langer Weg bis zum Mainstream-Einsatz sein. Bluefin Solutions ist ein weltweit tätiger, unabhängiger SAP-Partner, der vor allem mit größeren SAP-Kunden arbeitet.

"Ich habe draußen in der freien Wildbahn noch nie eine TDI für den produktiven Einsatz gesehen", bemerkt Appleby. Obwohl es ihm zufolge durchaus möglich ist, dass einige TDI-Lösungen schon eingesetzt werden, glaubt er nicht, dass sie noch im Jahr 2015 in nennenswerter Zahl starten werden. "Alle Kunden, mit denen wir zusammenarbeiten, setzen getrennte Systeme für BW und für die Suite ein", sagt Appleby. "Sie haben separate Systeme, separate Lizenzen, und sie laufen ohne Ausnahme auf zertifizierten Appliances."

Scale-Up versus Scale-Out

Obwohl Scale-Out-Systeme zum Zeitpunkt der Anschaffung tendenziell weniger kosten, da sie Unternehmen erlauben, im Fall eines Wachstums einfach neue Rechner hinzuzufügen, nimmt bei Scale-Out-Lösungen die operationale Komplexität zu. Am Ende kosten sie auf lange Sicht sogar mehr.

"Meine Empfehlung an unsere Kunden ist klar: Machen Sie erst Scale-Up und Scale-Out, wenn Sie es benötigen. Aber wenn Sie Scale-Out nicht brauchen, machen Sie Scale-Out auch nicht", sagt Appleby. "Mittlerweile stehen Scale-Up-Systeme mit bis zu zwei Terabyte zu vertretbaren Kosten zur Verfügung, und das deckt bis zu 80 Prozent der Kundenbedürfnisse ab." Die meisten Bluefin-Kunden würden Scale-Out für ihre großen Business-Warehouse-Implementierungen einsetzen, aber Scale-Up für die Business Suite on SAP HANA, fügt Appleby hinzu.

Neben den SAP-eigenen HANA-Cloud-Services bieten viele SAP-Partner HANA-Lösungen in verschiedenen Größen und Kapazitäten an, mit und ohne Zusatzleistungen. Diese Optionen verlangen zusätzliche Entscheidungen bei einer Bereitstellung.

Ende 2014 gaben SAP und IBM beispielsweise bekannt, dass die SAP-HANA-Enterprise-Cloud-Services über die Softlayer-Cloud-Services von IBM zur Verfügung stehen werden. Warum sollte man also die SAP HANA Enterprise Cloud über IBM bereitstellen? IBM nimmt gerade viele zusätzliche Rechenzentren in Betrieb, die über die ganze Welt verteilt sind, und bietet eine Vielzahl von Nicht-SAP-Cloud-Services an. Ein Kunde könnte HANA-Workloads aus der IBM-Cloud wählen, da er IBM-Technologie vielleicht schon für andere Teile seiner IT verwendet.

Das Konzept funktioniert natürlich ebenso mit anderen Cloudanbietern, einschließlich der vor Kurzem angekündigten Amazon Web Services (AWS) für SAP HANA. Eine umfassende Liste der von SAP zertifizierten Hosting-Partner für die HANA-Cloud-Services zu finden ist jedoch nicht einfach. Der SAP Outsourcing Operations Partner Guide listet beispielsweise mehr als vier Dutzend zertifizierte HANA-Hosting-Partner auf.

On Premise versus Cloud

Obwohl SAP-Anwendungen derzeit meist als Appliances bereitgestellt werden, nutzen mehr und mehr Unternehmen die Cloud. Es stellt sich die Frage, wann eine Cloud-Bereitstellung angebracht ist. Die Total Cost of Ownership (TCO) scheint derzeit für eine lokale On-Premise-Bereitstellung zu sprechen. Allerdings wird allgemein erwartet, dass die Gesamtkosten für Cloud-Implementierungen im Laufe der Zeit sinken werden. Aber unabhängig davon, ob ein Unternehmen die TCO einer HANA-Lösung genau vorhersagen kann oder nicht: In einigen Situationen triumphiert die Cloud schon heute über lokale Bereitstellungen.

Mehr zum Thema SAP HANA:

SAP S/4HANA: zwischen Skepsis und schneller Implementierung.

SAP S/4HANA als On-Premise- und Cloud-Testversion verfügbar.

SAP HANA Hadoop Erweiterung: Ein großer Schritt in Richtung Internet der Dinge.

Wer hat die Nase vorn: SAP HANA oder Oracle Exalytics?

SAP HANA App Center: Marktplatz in der Cloud mit pfiffigen Apps.

Naheliegend ist die Entscheidung pro Cloud bei Unternehmen, die sensibel bei Investitionskosten sind. Besonders bei Lösungen, die eine große Vorabinvestition erfordern, bietet sich die Cloud als Alternative an. Unternehmen, die niedrige Investitionskosten bevorzugen, bevorzugen auch Betriebskosten in Form von laufenden Gebühren, die nicht den Kauf von konkreten, physischen Vermögenswerten erfordern.

Eine andere Situation, in der die Cloud die Oberhand hat, sind die vielen Neukunden, die noch keine lokalen SAP-HANA-Investitionen haben. Laut Capgemini-Berater Moore haben diese Kunden den Vorteil der neuesten Technologie, da sie nicht an die vorhandene Hardware gebunden sind. "Es gibt einen großen Unterschied in der Art, wie sie ihre Bereitstellungsoptionen wahrnehmen", betont er.

Natürlich können Unternehmen aller Art die Cloud nutzen, um Anwendungen in hybriden Umgebungen einzusetzen, entweder getrennt von den traditionellen ERP-Systemen oder in Verbindung mit ihnen. Mit SAP HANA bieten sich jedenfalls viele Optionen an – und sie werden immer vielfältiger.

Folgen Sie SearchEnterpriseSoftware.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

- GOOGLE-ANZEIGEN

ComputerWeekly.de

Close