Dieser Artikel ist Teil unseres Guides: SAP HANA: Die In-Memory-Lösung von SAP verstehen und nutzen

Anwendung von In-Memory: Neue Geschäftsmodelle mit SAP HANA entwickeln

Mittelständische Firmen, die SAP Business All-in-One auf HANA portieren, beschleunigen ihre Analysen und gewinnen Einblicke ins aktuelle Geschäft.

Dies ist der dritte Teil einer vierteiligen Artikel-Serie zu SAP HANA-Anwendungen für den Mittelstand. Im ersten Teil ging es um die Frage, was die In-Memory-Appliance für KMUs zu bieten hat. Im zweiten Teil wurden die Preise für SAP HANA beleuchtet.

Mit der In-Memory-Appliance SAP HANA können Mittelständler die „Performance-Bremse“ ihrer SAP-Applikationen lösen. Von der hohen Geschwindigkeit profitieren insbesondere Unternehmen, die große Datenvolumina verarbeiten und präzise, aussagekräftige Kennzahlen-Analysen in Echtzeit benötigen, zum Beispiel der Einzelhandel oder die produzierende Industrie.

Mehrere MRP-Läufe täglich

Produzierende Unternehmen, deren SAP Business All-in-One-System auf SAP HANA läuft, können Simulationsprozesse wie die Materialbedarfsplanung (MRP) ad hoc ausführen. Da diese Simulationen teilweise weniger als eine Stunde benötigen, sind pro Tag mehrere komplette MRP-Läufe möglich. Somit kann die Produktionsplanung auf neue Kundenanforderungen, die Fertigung auf Ausnahmesituationen schnell und flexibel reagieren. Auch die komplexe Bewertung des Bestands an Halbfertig- und Fertigprodukten im Lager läuft nahezu in Echtzeit. Dadurch lassen sich Einkaufsprozesse und der Lagerbestand optimieren, gleichzeitig verringert sich die Kapitalbindung und der Gewinn steigt. Mit einer Ad-hoc-Simulation kann außerdem für jedes einzelne Verkaufsprodukt sofort herausgefunden werden, wie sich Preisschwankungen beim Rohmaterial auf die Herstellungskosten und die Marge auswirken.

POS-Daten nahezu in Echtzeit auswerten

Läuft das SAP-BW-System ebenfalls auf der In-Memory-Plattform, beschleunigt das den Datenfluss vom Laden und Einlesen aus den Quellsystemen bis zur Aggregation enorm und auch die Abfragezeiten verkürzen sich um das Hundert- bis Tausendfache. Somit liegen Kennzahlenberichte in wenigen Sekunden vor. Die Geschäftsführung erkennt Veränderungen im operativen Geschäft viel früher und kann nahezu ohne Zeitverlust darauf reagieren. Betreibt ein mittelständischer Einzelhändler, der täglich Millionen von Point-of-Sales-Datensätze verarbeiten muss, sein SAP BW auf SAP HANA, kann er – noch während eine Werbeaktion läuft – die Verkaufszahlen seiner Filialen analysieren und vergleichen. Da die Informationen zum Konsumentenverhalten quasi in Echtzeit vorliegen, lassen sich Aktionen sehr gezielt steuern, Abätze genau planen und Bestände optimal zuteilen – zum Vorteil der Gewinnmarge.

Wie das geht zeigt Schukat Electronic aus Monheim am Rhein, ein Großhändler für Elektronikbauteile und -komponenten. Die Firma ist mit 150 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 64 Millionen Euro ein klassischer Mittelständler. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss Schukat seine Prozesse zu den Kunden ständig optimieren. Dazu ist eine klare Sicht auf die Gesamtdurchlaufzeit pro Auftrag erforderlich wie auch ein detaillierter Einblick in die Daten der einzelnen SAP-Anwendungen, um die Laufzeiten an der richtigen Stelle optimieren zu können.

Mit SAP HANA führt Schukat sämtliche Prozessdaten auf einer Plattform zusammen und analysiert diese automatisiert im SAP BW. POS-Berichte liegen jetzt in wenigen Sekunden vor statt wie vorher nach vier Tagen. Damit hat der Versandhändler quasi in Echtzeit aktuelle Kennzahlen und Frühwarnindikatoren; er kann so den Kundenservice verbessern, etwa durch eine Verkürzung der Wartezeit bis zum Erhalt der Ware.

Maschinen vorausschauend warten

Die Stärken von SAP HANA – die schnelle Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen sowie präzise Prognosen – kommen auch in Maschine-zu-Maschine-Szenarien (M2M) zum Tragen: etwa bei der zustandsorientierten Instandhaltung, der vorausschauenden Analyse von Betriebsstörungen oder dem automatischen Wiederauffüllen von Verbrauchsteilen anhand des aktuellen Produktionsstatus und kurzfristiger Nachfrageprognosen.

Der geschäftliche Nutzen einer vorausschauenden Wartung liegt auf der Hand: Ungeplante Stillstandzeiten und die Produktion von Ausschuss werden auf ein Minimum reduziert, und das spart Kosten. Mithilfe von Signaldaten wie Temperatur oder Energieverbrauch überwachen Sensoren laufend den Zustand einer Maschine. Sie senden diese Informationen direkt an die SAP-HANA-Datenbank, wo sie in Echtzeit verarbeitet, über einen Algorithmus sinnvoll korreliert und analysiert werden. Das Ergebnis steht sofort in SAP ERP zur Verfügung, sodass sich der aktuelle Maschinenzustand jederzeit ablesen lässt.

Neue Generation von Applikationen

Darüber hinaus kann mit der In-Memory-Plattform die bestehende IT-Landschaft vereinfacht werden. Das reduziert den Administrationsaufwand und die IT-Kosten sinken. In der Regel werden ERP-, Business-Intelligence (BI)- und auch weitere Applikationen jeweils auf einer eigenen Datenbank betrieben. SAP HANA hebt diese traditionelle Trennung zwischen den transaktionalen OLTP-Lösungen wie SAP Business All-in-One und den OLAP-basierten Analyseanwendungen wie SAP BW auf, denn beide werden auf einer einzigen Datenbank zusammengeführt. Darüber hinaus lassen sich mit SAP HANA Abfragen direkt auf ERP-Daten ausführen, was auch die Berichtsprozesse vereinfacht, da BI-Funktionalität wieder in das ERP-System zurückgeführt werden kann.

Doch damit sind die Potenziale noch nicht ausgeschöpft, denn SAP HANA ist mehr als „nur“ eine In-Memory-Datenbank. Die Appliance dient auch als Entwicklungsplattform für eine Generation von Geschäftsanwendungen, mit denen sich neue Geschäftsmodelle und -prozesse gestalten und umsetzen lassen, die bisher nicht vorstellbar oder technisch nicht möglich waren. Zu diesen nativen SAP-HANA-Applikationen zählt etwa SAP Social Contact Intelligence. Mit dieser IT-Lösung können Beiträge auf sozialen Medien analysiert werden, die von Geschäftskontakten stammen und die eine Firma in einer internen Datenquelle wie SAP Business All-in-One speichert.

Welche Optionen von SAP HANA es für kleine Betriebe gibt, lesen Sie im vierten Artikel dieser Artikelserie.

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