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Acht Fragen vor der Kaufentscheidung an Hersteller hyperkonvergenter IT

Der Einkauf von IT-Hardware sollte nie leichtfertig erfolgen. Diese acht Fragen sollten sich Unternehmen vor dem Kauf hyperkonvergenter IT stellen.

Hyperkonvergente IT ist in immer mehr Rechenzentren anzutreffen und jeder Anbieter hyperkonvergenter Produkte versucht, sich von Mitbewerbern abzugrenzen.

Mit Blick auf die vielen unterschiedlichen Hyperconverged-Hersteller werfen wir in diesem Artikel einen Blick auf die unterschiedlichen Funktionen und Eigenschaften hyperkonvergenter Lösungen, die für Unternehmen für die Kaufentscheidung am Wichtigsten sind.

Bei der Planung aktueller und neuer virtueller Umgebungen können die Antworten auf die folgenden acht Fragen bei der Bewertung helfen, welche Produkte die eigenen Anforderungen am besten abdecken.

1. Wie große muss die eigene IT skaliert werden?

Anbieter hyperkonvergenter Produkte haben unterschiedliche Standardwerte, wenn es darum geht, wie viele Nodes oder Appliances in einem Cluster unterstützt werden oder wie gut bestimmte Funktionen über mehrere Cluster hinweg unterstützt werden. Viele Anbieter beispielsweise setzen ein Minimum von drei Nodes voraus, daher ist es wichtig, im Voraus zu wissen, welche Minimal- und Maximal-Vorgaben für einzelne Hersteller gelten. Um die eigene Umgebung sinnvoll planen zu können, ist auch das Wissen um ähnliche Vorgaben zu Arbeitsspeicher, Storage und Compute nötig.

2. Welche Hypervisoren werden unterstützt?

Fast alle hyperkonvergenten Produkte unterstützen VMware vSphere, die meisten auch Microsoft Hyper-V. Es finden sich aber auch einige Lösungen, die Hypervisoren wie Xen oder KVM unterstützen. Hyperkonvergente IT in der engeren Auswahl sollte also auf jede Fall die Hypervisoren der eigenen Umgebung unterstützen.

3. Wie lässt sich das hyperkonvergente Produkt in die eigene Infrastruktur integrieren?

Diese Frage kann durchaus als Erweiterung der zweiten Frage verstanden werden, allerdings geht es hier mehr um die bestehende Infrastruktur, vor allem um Management, Konfiguration und Security-Tools. Die ausgewählten Produkte sollten leicht in die bestehende Umgebung zu integrieren sein und bereits vorhandene Technologien unterstützen. Dieser Punkt ist nicht zu vernachlässigen und hat einen großen Einfluss auf zukünftige Kosten, was Betrieb und Personal des Rechenzentrums betrifft.

4. Welche Kosten sind bei Wartung, Training und Support zu erwarten?

Hyperconverged-Anbieter unterscheiden sich auch bei der Frage, welche Art Support zu welchen Kosten angeboten wird. Manche bieten Support nur über einen separaten Vertrag mit einer bestimmten Laufzeit. Andere wiederum inkludieren den Support im ersten Jahr in den Kaufpreis, danach wird auch hier ein separater Support-Vertrag nötig.

Verfügbare Trainingsressourcen, Rund-um-die-Uhr-Support, IT-Beratung für Installation und Konfiguration oder auch Unterstützung bei der Fehlersuche (inklusive Zugang zu Anwender-Foren, Wikis oder Knowledge-Base-Artikel) wären hierbei relevante Punkte. Weiter könnten hier auch die Bereitstellung von Ersatz-Equipment im Fall eines Defekts angeboten werden.

Wer seinen Geschäftserfolg auf hyperkonvergente Hardware aufbaut, der muss sich auch auf einen erstklassigen Support verlassen können, vor allem wenn man selbst an SLAs für Verfügbarkeit und Antwortzeit eines Services gebunden ist.

5. Wie groß ist die Produktfamilie und welche Variationen gibt es?

Manche Anbieter hyperkonvergenter Lösungen bieten nur eine Produktvariante, die sich lediglich in punkto Memory und Prozessor konfigurieren lässt, während Storage und Netzwerk immer gleich bleiben. Andere wiederum haben grundlegende Produktvarianten im Portfolio und bieten darüber hinaus Storage- oder Compute-fokussierte Appliances beispielsweise für VDI-Umgebungen (Virtual Desktop Infrastructure).

Hier sollte man vorab überlegen, wie sich die Anforderungen an Storage, Compute und Netzwerk verändern werden und dann entscheiden, ob ein einzelnes Produkt diese Anforderungen abdecken kann oder ein Anbieter mit einem größeren Produktportfolio hyperkonvergenten Lösungen besser passt. Anderenfalls kann es leicht passieren, dass man sich an ein System kettet, das nicht flexibel genug für das weitere Wachstum ist und Scale-out-Szenarien nur unter massiver Überprovisionierung bestimmter Ressourcen ermöglicht.

6. Wie steht es um Hochverfügbarkeit, Disaster Recovery und Backup?

Noch vor der Kaufentscheidung sollten zudem die Anforderungen an Verfügbarkeit, Failover- und DR-Szenarien (Disaster Recovery) evaluiert und mit den SLAs und Anwenderprofilen der eigenen Kunden abgeglichen werden. Es ist absolut unumgänglich, dass die Anbieter der hyperkonvergenten Produkte diese Anforderungen ebenfalls erfüllen, ohne dabei zu teuer zu werden. Diese Recherche wird einiges an Zeit in Anspruch nehmen, ist ihren Aufwand aber mehr als Wert.

Hier ist es auch eine gute Idee, nach dem Kontakt zu einem Referenzkunden zu fragen, um so die Herstellerangaben anhand einer realen IT-Abteilung abzugleichen. Manche Anbieter sehen in diesem Vorgang zwar einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Konkurrenten, trotzdem sollte man als möglicher Kunde eines Hyperconverged-Anbieters immer versuchen, eine möglichst reale Vergleichsposition zu finden.

7. Wie einfach ist die Verwaltung im täglichen Betrieb?

Es ist sehr wichtig, auch langfristig mit dem Betrieb der hyperkonvergenten Lösung keine Probleme zu haben, daher sollte vor dem Kauf geklärt werden, wie schwierig die Installation, Migration und Verwaltung ist. Wie gut treffen die Voraussetzungen des Produkts die Personalstärke und Qualifikation der IT-Abteilung? Gibt es ein Training, um Administratoren auf die Verwaltung vorzubereiten? Gibt es vielleicht sogar ein Zertifizierungsprogramm, um die technischen Anforderungen und das nötige Fachwissen dokumentierbar, übertragbar und aktuell zu halten?

Da hyperkonvergente Infrastrukturen Technologien integrieren, die typischerweise von separaten IT-Teams verwaltet werden, stellt sich auch die Frage, wo letztendliche die Verantwortung liegt. Beim Server-, Virtualisierungs- oder Storage-Team? Oder wird vielleicht sogar ein ganz neues Team notwendig? Zudem sollte man einen Blick auf die Usability der Verwaltungsumgebung werfen und herausfinden, bis zu welchem Grad die Automatisierung unterstützt wird und in welcher Regelmäßigkeit der Hersteller seine Automatisierungs-Tools aktualisiert und pflegt.

8. Wie gut passen die Kosten in die aktuelle Budget-Planung?

Die Gesamtkosten eines hyperkonvergenten Systems vollständig zu verstehen kann zu einer großen Herausforderung werden. Zusätzlich zu den Capex-Ausgaben (oder wiederkehrenden Opex-Ausgaben im Falle eines Service-basierten Produkts) werden auch Opex-Kosten für die jährlichen Wartungs- und Serviceverträge fällig. Zudem könnten je nach Unternehmensanforderung auch zusätzliche Kosten für Hochverfügbarkeit, Failover-Möglichkeit, Ausfallsicherheit oder Backups und Disaster Recovery fällig werden.

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