Vergleich der Desktop-Virtualisierung: VDI gegen Remote Desktop Services (RDS)

Desktop-Virtualisierung funktioniert mit RDS oder per VDI. Was sind die Unterschiede und Vorteile beider Vorgehensweisen?

Bei der Desktop-Virtualisierung besteht prinzipiell die Wahl zwischen virtuellen Desktop-Infrastrukturen (VDI) und Remote Desktop Services (RDS). Natürlich ist aber auch eine Kombination aus beiden denkbar.

Microsoft Remote Desktop Services (RDS) hießen früher Terminal Services, diese Technologie gibt es schon seit über 15 Jahren. Auf der anderen Seite stehen virtuelle Desktop-Infrastrukturen, die für Unternehmen ebenfalls eine legitime Option sind.

Wir möchten Ihnen helfen, die richtige Entscheidung für Ihre Umgebung zu treffen. Deswegen vergleichen wir die beiden Desktop-Virtualisierungs-Optionen VDI gegen RDS.

Was ist der Unterschied zwischen VDI und RDS?

Microsoft Remote Desktop Services und VDI eignen sich jeweils für unterschiedliche Szenarien.

VDI stellt für jeden Nutzer eine separate virtuelle Maschine (VM) zur Verfügung und verwendet darin ein Desktop-Betriebssystem. Die Anwender sind dabei voneinander isoliert. Somit eignet sich VDI besser für regulierte oder sichere Umgebungen, bei denen die Offenlegung von Daten ein großes Problem darstellt. Es bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass Sie viele Kopien von Windows sauber und sicher halten müssen. Weiterhin müssen Sie mit Boot Storms rechnen und die Updates verwalten. All das kann sich negativ auf die Performance des VDI-Storage auswirken.

Natürlich müssen VDI-Umgebungen nicht restriktiv aufgesetzt werden. Sie können den Anwendern die Rechte gewähren, dass sie in Ihrer persönlichen virtuellen Maschine volle Administrations-Rechte genießen und somit auch Anwendungen installieren dürfen. Allerdings ist dann die entsprechende virtuelle Maschine für diesen Mitarbeiter personalisiert. Oftmals bedeutet das auch, dass ein Update mithilfe eines Master-Abbildes oder Golden Images nicht möglich ist.

Bei RDS teilen sich auf der anderen Seite die Anwender eine virtuelle Maschine, die ein Server-Betriebssystem am Laufen hat. Durch diesen Umstand eignet sich Microsoft Remote Desktop Services besser für aufgabenorientierte Anwendungsfälle. 

Da es weniger Windows-Instanzen gibt, ist auch die Storage-Last für Updates und Neustarts geringer. Außerdem haben Sie weniger Overhead seitens CPU und Arbeitsspeicher. Somit können Sie in der Regel mehr Anwender pro Hardware-Einheit unterbringen.

RDS-Umgebungen sind von Natur aus restriktiv, weil man sie auf gemeinsam genutzten Ressourcen betreibt. Daher müssen Sie ein einheitliches Niveau an Service für jeden Anwender zur Verfügung stellen. Microsoft Remote Desktop Services bietet mithilfe von Cluster-Farmen auch Hochverfügbarkeit. 

Das bedeutet, dass mit RDS realisierte virtuelle Maschinen höchst austauschbar sind. Sie brauchen lediglich immer genug für die Menge an Anwendern, die gleichzeitig zur selben Zeit damit verbunden sind. Spezielle virtuelle Maschinen müssen also nicht jederzeit verfügbar sein. Somit benötigen Sie unter Umständen kein teures Shared Storage und können die mit RDS realisierten virtuellen Maschinen auf dem lokalen Storage des Hosts platzieren.

Wie Sie in unserem Vergleich der Desktop-Virtualisierungen sehen, adressieren diese beiden Technologien komplett verschiedene Anwendungsfälle. Aus diesem Grund setzen viele Unternehmen auch beide Optionen ein. Unterschiedliche Gruppen an Anwendern profitieren jeweils von VDI oder Microsoft Remote Desktop Services. Die Lösungen unterstützen sich sogar gegenseitig. Um die Geschichte einfacher zu machen, können Sie denselben Connection Broker und den gleichen Client verwenden, um sich sowohl mit VDI als auch mit RDS zu verbinden.

An welcher Stelle Anbieter die RDS-Unterstützung verbessern können

Um die richtige Desktop-Virtualisierungs-Strategie zu wählen, müssen Sie ein bisschen mehr über die großen Anbieter wissen. Wir zeigen Ihnen nachfolgend, wie Citrix und VMware VDI und RDS-Unterstützung handhaben.

VDI und RDS mit Citrix

Citrix bietet seit zirka 20 Jahren Data-Center-basierte Anwender-Desktops an und ist sehr früh auf der Windows-Welle mitgesurft. Was nun RDS heißt, nannte sich ursprünglich Citrix Multi-Win. Als Microsoft die Terminal Services als eine Spezial-Edition von Windows NT 4.0 zur Verfügung stellte, haben tatsächlich Citrix-Entwickler den Code geschrieben und Microsoft hat diesen lediglich lizenziert.

Citrix hat an seinem sehr effizienten HDX-Protokoll festgehalten, das ein wichtiger Teil von VDI ist. Weiterhin gibt es einen Citrix Provisioning Server, der das Betriebssystem beim Booten an eine virtuelle Maschine streamt. 

Somit ist die Verwaltung eines einzelnen Betriebssystem-Abbilds möglich. Es funktioniert sowohl in RDS- als auch VDI-Umgebungen. Citrix XenApp funktioniert ebenfalls mit RDS und macht daraus eine skalierbare und WAN-optimierte Lösung. Um den Kunden entgegenzukommen, die sowohl RDS als auch VDI einsetzen, stellt Citrix eine Lizenz zur Verfügung, die XenDesktop und XenApp abdeckt.

Desktop-Virtualisierung mit VMware

VMware könnte etwas mehr tun, um RDS in seinem View-Produkt zu unterstützen. Die Möglichkeit, View für eine Verbindung und deren Absicherung  hinsichtlich RDS zu verwenden, gibt es seit Version 3. 

Darüber werden Sie allerdings nicht allzu oft etwas hören. Die große Einschränkung hinsichtlich View und RDS ist, dass es bei VMware keine Unterstützung für das PCoIP-Protokoll (PC over IP) gibt. Es unterstützt lediglich Microsofts Remote-Desktop-Protokoll. Teradici hat allerdings kürzlich angekündigt, dass man Remote Desktop Session Host Unterstützung in Bezug auf PCoIP spendieren wird.

Ich glaube, dass der Grund dafür ist, dass die Software Rendering Engine für PCoIP in View sehr viel Prozessor-Last erzeugt. Somit könnten zwei oder drei PCoIP-Anwender einen RDS-Server an seine Grenzen bringen, wenn Sie auch nur YouTube-Videos ansehen. Teradici hat kürzlich seine PCoIP-Server-Offload-Karte Apex 2800 veröffentlicht, die die CPU hinsichtlich  PCoIP-Enkodierung entlastet. Ich würde das gerne in Aktion sehen, um PCoIP zusammen mit RDS zu aktivieren.

Weiterhin könnte VMware RDS-Unterstützung verbessern, indem die Linked-Klon-Technologie in RDS-Hosts implementiert wird. Somit ließe sich ein einzelnes Master-Abbild patchen und verwalten, womit man Dutzende mit RDS realisierte virtuelle Maschinen automatisch aktualisieren könnte.

Wenn man die Einschränkungen dieses Vergleichs der Desktop-Virtualisierung im Hinterkopf behält, können Sie nun evaluieren, ob VDI oder RDS Probleme für Ihr Business löst. Keine der Lösungen eignet sich für jeden Anwendungsfall und viele Firmen nutzen lediglich einen der beiden Ansätze. Beide Herangehensweisen könnten Ihnen aber dabei helfen, vom herkömmlichen Windows-Desktop wegzukommen.

Über den Autor:
Alastair Cooke ist freiberuflicher Trainer, Consultant und Blogger. Er hat sich auf Server- und Desktop-Virtualisierung spezialisiert. In Australien und Neuseeland ist er für den APAC-Virtualisierungs-Podcast und durch regionale Community-Veranstaltungen bekannt. Im Jahre 2010 wurde Cooke mit dem Titel VMware vExpert geadelt.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2012 aktualisiert

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