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Die wichtigsten Unterschiede zwischen Hyper-V und VMware

VMware galt lange als Mittel der Wahl bei der Servervirtualisierung. Es erscheint ratsam, die Frage ob Hyper-V oder VMware eingesetzt werden soll, noch einmal zu überdenken.

Jahrelang war VMware die einzige sinnvolle Wahl für die Servervirtualisierung in Unternehmen. Microsoft hat jedoch drastische Verbesserungen an Hyper-V in Windows Server 2012 und Windows Server 2012 R2 vorgenommen. Daher erscheint es ratsam, die Frage der Verwendung von Hyper-V vs. VMware im Rechenzentrum und die Unterschiede zwischen diesen beiden Hypervisor-Technologien zu untersuchen.

Sowohl VMware als auch Microsoft bieten hochleistungsfähige Plattformen. Beide Unternehmen haben Produkte für kleine Geschäfte, verkaufen aber auch Produkte mit Funktionen, die für die größten Unternehmensumgebungen geeignet sind. Tatsächlich haben VMware und Hyper-V einen sehr vergleichbaren Funktionsumfang. Beide Produkte bieten in etwa den gleichen Funktionsumfang und unterstützen Funktionen wie Netzwerkvirtualisierung, VM-Migration, Speichermigration und Network Interface Card (NIC)-Teaming.

Worin unterscheiden sich VMware und Hyper-V grundsätzlich?

Obwohl die beiden Hypervisoren ähnliche Funktionssätze haben, sind ihre Funktionalitäten oft etwas unterschiedlich. Nehmen wir zum Beispiel das dynamische Memory. Beide Hypervisors passen die physische Memory-Nutzung dynamisch an die Bedürfnisse des Gastbetriebssystems an. Der Unterschied besteht darin, dass VMware dynamischen Memory-Support für jedes Gastbetriebssystem bietet, während Hyper-V dies in der Vergangenheit nur für VMs mit Windows unterstützte. Jedoch hat Microsoft den Linux-VMs in Windows Server 2012 R2 Hyper-V eine dynamische Memory-Unterstützung hinzugefügt.

Auch in Bezug auf die Skalierbarkeit gibt es signifikante Unterschiede zwischen den Hypervisors von Hyper-V und VMware. Hyper-V-Hosts können bis zu 320 logische Prozessoren unterstützen. Bei VMware sind es nur 160. Ebenso lassen sich mit Hyper-V-Servern bis zu vier TByte RAM adressieren, während es bei VMware vSphere 5.1 Enterprise Plus nur zwei TByte RAM sind.

Hyper-V-Überblick über VM-Staus, CPU-Nutzung und zugeteiltes Memory.
Abbildung 1: Hyper-V-Überblick über VM-Staus, CPU-Nutzung und zugeteiltes Memory.

Auch auf Cluster-Ebene bietet Hyper-V eine höhere Skalierbarkeit als VMware. Ein Hyper-V-Cluster kann bis zu 63 Knoten umfassen und bis zu 8.000 VMs unterstützen (mit maximal 1.024 aktiven VMs auf einem bestimmten Host). Im Gegensatz dazu können VMware-Cluster bis zu 32 Knoten enthalten und maximal 3.000 VMs pro Cluster unterstützen. Dort sind es maximal 512 aktive VMs pro Host.

Wenngleich Hyper-V VMware bei der Skalierbarkeit des Hypervisors schlägt, spielt es eine Rolle, wie die Anwenderunternehmen Hypervisoren in der realen Welt einsetzen. Viele große Unternehmen finden es sinnvoller, mehrere Cluster von relativ kleiner Größe zu erstellen, als hyperskalierte Cluster zu erstellen. Kleinere Cluster sind in der Regel einfacher zu verwalten, und wenn man mehrere kleine Cluster statt eines einzigen großen hat, kann man einige der Auswirkungen eines Fehlers auf Cluster-Ebene mildern. Das soll nicht heißen, dass die Skalierbarkeit von Microsofts Hypervisor nicht beeindruckend oder nützlich ist, sondern vielmehr, dass es im Moment nicht viele Unternehmen gibt, die den vollen Nutzen daraus ziehen.

Kosten und Lizenzierung

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen VMware und Hyper-V besteht in der Art und Weise, wie Produkte lizenziert werden. Microsoft enthält seit Windows Server 2012 den Hypervisor Hyper-V. Eine einzelne Rechenzentrumslizenz ist für bis zu zwei CPU-Kerne gültig und ermöglicht eine unbegrenzte Anzahl von VMs, die auf dem Host ausgeführt werden. Als zusätzlichen Bonus ermöglicht die Rechenzentrumslizenz jeder VM, die auf dem Host läuft, den Betrieb von Windows Server 2012, ohne dass dafür eine zusätzliche Betriebssystemlizenz erforderlich ist.

Außerdem sind alle Kernfunktionen von Hyper-V in einer Windows Server-Lizenz enthalten. Für die Nutzung von Funktionen wie Live-Migration müssen Anwender nicht extra bezahlen. Im Gegensatz dazu sind einige VMware-Funktionen zu einem Premiumpreis erhältlich.

Management-Tools

Microsoft verfolgt auch einen vereinfachten Ansatz für seine Produkte. Wie bereits erwähnt, ist Hyper-V in Windows Server 2012 enthalten. Größere Unternehmen benötigen wahrscheinlich auch den System Center Virtual Machine Manager mit den Funktionen für die Unternehmensverwaltung. Das ist jedoch auch so ziemlich alles an Hyper-V-Angeboten.

Im Gegensatz dazu bietet VMware Dutzende verschiedener Produkte oder Produktvarianten. Zwar kann VMware dadurch seinen Kunden eine sehr feine Granularität für genau die erforderlichen Funktionen und Fähigkeiten offerieren. Es gibt allerdings so viele verschiedene Produkte, dass es für einen unerfahrenen IT-Administrator schwer wird, die passenden Produkte zu bestellen.

So verwaltet der Admin VMs mit vSphere ESXi oder vCenter Server.
Abbildung 2: So verwaltet der Admin VMs mit vSphere ESXi oder vCenter Server.

Welches Produkt ist also besser: VMware oder Hyper-V? Sowohl VMware als auch Microsoft haben überzeugende Argumente für ihre jeweiligen Produkte.

Aus funktionaler Sicht sind die beiden Produkte einander zu ähnlich, um ein Produkt endgültig als „das Beste“ zu küren. Zudem gibt es neben dem den Funktionsumfang noch weitere Kriterien.

So gilt VMware als das ausgereiftere Produkt, und es gibt eine größere Anzahl an Produkten von Drittanbietern für die Arbeit mit VMware. Umgekehrt ist der Einsatz von Hyper-V oft weitaus kostengünstiger – doch auch nicht immer.

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