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Kaufkriterien für ein Unified-Communications-System

Das richtige System für Unified Communications auszuwählen, ist alles andere als einfach. Wir stellen die Top-Anbieter auf dem UC-Markt vor und helfen bei der Kaufentscheidung.

Der Unified-Communications-Markt bietet eine Fülle von Produkten und Services, die auf Organisationen jeder Größe abzielen, von kleinen Firmen bis zu großen Unternehmen. Dank des kontinuierlich wachsenden und anspruchsvollen Telekommunikationsmarkts ist die Einführungsrate von Unified Communications (UC) in den letzten fünf Jahren dramatisch gestiegen. Dadurch entstehen für bestehende und neue UC-Anbieter neue Chancen.

Angesichts derart vieler Anbieter, Optionen und Funktionen kann es für ein Unternehmen schwierig sein, sich für das richtige Unified-Communications-System zu entscheiden. Dieser Artikel vergleicht die Top-Anbieter auf dem UC-Markt auf Grundlage von vier wichtigen Kaufkriterien.

Evaluierung von End-to-End-Services

Nur wenige Anbieter ermöglichen End-to-End-Services für Unified Communications. Trotzdem sollten auch die anderen Anbieter bei den Kaufentscheidungen von Unternehmen Berücksichtigung finden, je nach den Anforderungen. Eine End-to-End-Plattform besteht in der Regel aus den folgenden drei Elementen:

  • IP-Telefone;
  • UC-Serverplattform oder SaaS-Lizenz; und
  • Anwendungen oder Services, zum Beispiel ein Softphone, Anrufmanager, Instant Messaging, Präsenz- und Contact-Center.

End-to-End-Services können Organisationen erhebliche Einsparungen bei den Vorlaufkosten bringen, denn sie ermöglichen es, größere Ermäßigungen für Hardware, Software, Services und Support auszuhandeln. End-to-End-Services können auch die Zeit verkürzen, die nötig ist, um ein Problem zu identifizieren und zu lösen, falls externer Support erforderlich ist.

Da nur ein einziger Anbieter die gesamte Kommunikationsplattform besitzt, kann er das Problem nicht auf jemand anderen schieben. Andererseits glauben einige Organisationen, dass ein End-to-End-Anbieter zu einem Vendor Lock-in führt, so dass in der Zukunft kein oder wenig Raum für alternative Services, Endpunktoptionen bei Telefon oder Video und Upgrade-Pfade bleibt.

Diese Bedenken könnten, jedenfalls zu einem gewissen Grad, zutreffen. Allerdings hält ein End-to-End-Produkt die Organisation nicht immer davon ab, nach alternativen Anbieterplattformen für künftige Upgrades oder Erweiterungsanforderungen zu suchen. Wenn eine Organisation ein End-to-End-Produkt in Erwägung zieht, bieten Firmen wie Alcatel-Lucent Enterprise (ALE), Avaya, Cisco und Mitel UC- und Infrastruktur-Services als End-to-End-Lösung.

Ciscos UC-Enterprise-Service umfasst als Flaggschiff die Anrufsteuerungsplattform Cisco CallManager, außerdem Unity Connection für Messaging, Voicemail, IM und Anwesenheitsservice sowie den Expressway-Server für Video Conferencing.

Cisco bietet darüber hinaus eine Reihe von IP-Telefonen sowie Konferenzgeräte und Personal Video Devices, um alle UC-Services für das Intranet, Extranet oder mobile Anwender abzudecken.

Mitel Networks bietet einen Cloud-verwalteten Service, der ein End-to-End-Produkt namens MiTel MiCloud enthält. Mitel erwarb diese Technologie durch die Übernahme von ShoreTel im Jahr 2018 – und entwickelt das Produkt bis zum heutigen Tag weiter.

MiCloud umfasst Services wie eine primäre Anrufverwaltung, Web-Conferencing, IM und Präsenz. Die Plattform nutzt sowohl eine mobile als auch eine Desktop-App für alle Services einschließlich Anrufe. Aus Sicht der Administration bietet MiCloud eine komplette Konfigurations- und Managementplattform für On-Premises-Nutzer sowie für Remote- und mobile Arbeitskräfte.

Mitels Schlüsselbestandteil für die Plattform ist die Einfachheit, die es erleichtert, die gesamte UC-Infrastruktur zu konfigurieren und zu warten.

Das Unified-Communications-System von ALE International (Alcatel-Lucent Enterprise) besteht aus dem OmniPCX Enterprise Communication Server, dem zentralen Server für die Anrufsteuerung mit zahlreichen Funktionen. Zu den weiteren Diensten gehören die OpenTouch Multimedia Services – die Präsenz, IM und Video Conferencing beinhalten – und der OpenTouch Session Border Controller, der Remote-Clients verbindet und SIP-Trunks beendet (Session Initiation Potocol).

ALE bietet außerdem die OpenTouch Business Edition an, eine UC-Plattform, die sich an Unternehmen mit bis zu 1.500 Nutzern und 3.000 Geräten richtet.

Organisationsgröße als entscheidende Überlegung

Die Größe einer Organisation ist ein wichtiger Faktor bei der Auswahl des passenden UC-Produkts. Die UC-Plattform jedes Anbieters unterstützt eine bestimmte Anzahl von Nutzern und ist üblicherweise für ein Funktionieren innerhalb dieser Grenzen ausgelegt. Deshalb ist es so wichtig, sich für einen UC-Service zu entscheiden, der die richtige Kapazität für eine Organisation bietet.

Unified-Communications-Systeme für KMU/SMB

KMUs haben einen Vorteil, denn sie sind so flexibel, dass so gut wie jede UC-Plattform passt. Allerdings bedeutet die geringe Größe im Allgemeinen fehlendes technisches Know-how, das notwendig ist, um komplexere UC-Plattformen zu betreiben. Daher ist ein Kompromiss erforderlich. Folgend finden Sie einige Unified-Communications-Systeme, die für kleine und mittlere Unternehmen gedacht sind.

OpenScape Business von Atos Unify ist eine umfassende Hardware- und Softwarelösung, die sich für Organisationen mit bis zu 1.500 Telefonen eignet. OpenScape Enterprise Express richtet sich an mittlere Unternehmen und unterstützt maximal 5.000 Telefone, mit einem Call Center für 250 Agenten. Beide Produkte sind sehr gut für die gesamte Palette von UC-Services geeignet, unter anderem Voicemail, IM, Präsenz und Mobilität.

Wie zuvor erwähnt, gibt es von ALE die Plattform OpenTouch Business Edition– ein Multimedia-Collaboration-Produkt für Organisationen mit bis zu 1.500 Anwendern. Alcatel-Lucent ist zudem einer der wenigen Anbieter mit einer End-to-End-Produktabdeckung, die die Netzwerkinfrastruktur umfasst.

Bei Mitels MiCloud handelt es sich um ein Cloud-basiertes Unified-Communications-System, das eine einfache Bereitstellung und eine kontinuierliche Verwaltung bietet. Aus technischer Sicht ist der Benutzer-Support von MiCloud unbegrenzt. Aber aufgrund von Einschränkungen bei der Internetbandbreite ist diese Plattform weitgehend für KMUs konzipiert.

Eine andere populäre Cloud-basierte UC-Option für KMUs ist Microsoft Teams. Viele Lizenzierungsmodelle von Office 365 enthalten Teams, ganz gleich, ob eine Organisation es nutzt oder nicht. Aus diesem Grund liegt für viele Unternehmen die Einstiegshürde sehr niedrig, Teams als umfassende Plattform für Telefon, Video Conferencing, Instant Messaging und Filesharing einzusetzen.

UC-Services für große Unternehmen

Größere Organisationen sind in ihrer Auswahl etwas eingeschränkter, können aber immer noch auf Anbieter wie Cisco, Avaya und Microsoft zurückgreifen.

Ciscos Unified Communications Manager (CUCM) kann mehr als 100.000 Anwender unterstützen, während deren Messaging-Plattform Unity Connection bis zu 20.000 Anwender unterstützt. Der IM- und Präsenzsservice von Cisco skaliert bis zu 45.000 Nutzer in einer CUCM-Installation oder 75.000 User außerhalb eines CUCM-Designs.

Avayas Aura Communication Manager kann anfänglich 36.000 SIP-Endpunkte unterstützen, aber je nach Infrastrukturdesign kann diese Zahl auch auf 250.000 Nutzer oder 350.000 SIP-Endpunkte hochschnellen. Dadurch wird das Produkt für große multinationale Konzerne interessant, die nach einer einzigen UC-Lösung suchen.

Ähnlich fängt die Unterstützung von Avayas Aura-Presence-Server bei 16.000 Anwendern an und lässt sich auf 250.000 SIP-Nutzer erweitern. Allerdings kann der Aura-Messaging-Server von Avaya bis zu 20.000 Anwender unterstützen.

Univerge 3C von NEC deckt dank seiner 30.000-Nutzerunterstützung problemlos die Anforderungen sowohl von KMUs als auch von größeren Unternehmen ab. Univerge 3C ist ein vollwertiges UC-Produkt, das sich für Organisationen eignet, die kontinuierlich wachsen. UC-Services wie Voicemail, IM, Anwesenheit, Video Conferencing und Mobilität sind eng in das Produkt und den UC-Client von Univerge 3C integriert. Interface und Funktionen des UC-Clients sind über alle Plattformen hinweg fast identisch, so dass es den Usern leicht fällt, auf Laptops und mobilen Geräten damit zu arbeiten.

Trotzdem handelt es sich um eines jener Produkte, die für einige kleinere Firmen, die keinen allzu umfangreichen Support für die UC-Administration haben, möglicherweise übermäßig komplex sind. Daher ist dies ein Produkt, an dem eher mittlere bis größere Organisationen interessiert sein dürften.

Es gibt noch weitere Plattformen, die für große Organisationen gedacht sind. Dazu zählt der OmniPCX Enterprise Communication Server von Alcatel-Lucent Enterprise, der bis zu 250.000 Nutzer unterstützt. Ebenfalls in diesem Segment anzutreffen ist die Plattform OpenScape Enterprise Voice von Unify, die sich für bis zu 500.000 Anwender eignet und damit eines der größten Deployments darstellt.

Das UC-Produkt MiVoice MX-ONE von Mitel schließlich kann es mit den meisten Konkurrenten aufnehmen und unterstützt bis zu 100.000 oder mehr Nutzer. Mitels UC-Suite besteht aus MiCollab, zuständig für Präsenz, Messaging und Mobilität; dem Medienserver MX-ONE, einem Software-Medien-Gateway; und Hardware-Medien-Gateway-Einheiten.

Flexibilität von Virtualisierungsplattformen, Cloud-verwaltete Services und Hochverfügbarkeit

Im Gegensatz zu VoIP-Anlagen, die historisch auf proprietären Hardware-Appliances basierten, laufen UC-Produkte in erster Linie auf offener serverbasierter Hardware. Das bedeutet, Redundanz und Hochverfügbarkeit sind entscheidende Faktoren, um die Service-Downtime zu minimieren.

Alternativ muss man sich bei Cloud-basierten UC-Services keine weiteren Gedanken machen, da der Service-Provider sich um die zugrunde liegende Hardware und Software kümmert, die für die Inhouse-Services zuständig ist. Deshalb geht es bei der Hochverfügbarkeit um die Fähigkeit des Service-Providers, die Dienste reibungslos auszuführen, während die Organisation sich Sorgen um einen zuverlässigen Zugriff auf Public-Cloud-Ressourcen über das Internet macht.

Für On-Premises-Architekturen bieten Provider Support für Virtualisierungsumgebungen wie Hyper-V und VMware sowie für Multiserver-Deployment-Modelle, die Load Balancing und eine erweiterte Kapazität über größere geografische Distanzen ermöglichen. Während sich alle On-Premises-Anbieter um den Support von Multiserver-Deployment-Modellen bemühten, sieht das Ganze schon anders aus, wenn es um Virtualisierung geht.

Wenn eine Organisation sowohl mit Hyper-V als auch VMware arbeitet, dann mag es leichter fallen, sich für das richtige UC-Produkt zu entscheiden. Auf der anderen Seite haben einige Unternehmen strikte Richtlinien, die den Einsatz einer speziellen Virtualisierungsplattform erzwingen.

Univerge 3C von NEC läuft unter Windows Server und unterstützt Hyper-V und VMware. Andere Linux-basierte Betriebssysteme beinhalten jedoch OpenScape Enterprise von Unify und den Cisco CallManager. Beide unterstützen die VMware-Virtualisierungsplattform.

Mitels UC-Plattform MX-ONE schließlich nutzt Server mit Standardhardware, auf denen Suse Linux läuft, unterstützt aber auch die Virtualisierung von VMware. Avayas Aura Communication Manager läuft auf Red Hat Enterprise Linux und unterstützt die VMware-Virtualisierungsplattform.

Die Auswahl des passenden Unified-Communications-Systems wird immer komplexer, da UC-Anbieter ihre Produkte und Deployment-Architekturen fortlaufend erweitern – und gleichzeitig neue und unterschiedliche Funktionen einführen. Mehr denn je kommt es darauf an, die richtige Entscheidung zu treffen. Grundlage bilden die Kriterien, die für Ihr Unternehmen relevant sind.

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