SD-WAN: Der Aufzug in die Cloud-IT

Wenn Unternehmen eine Privat, Public oder Hybrid Cloud nutzen wollen, dann sollten sie mit dem WAN beginnen, meint Dr. Fausto Vaninetti von der SNIA.

Manchmal konzentrieren wir uns so sehr auf ein bestimmtes Thema und all die kleinen Details, dass wir das große Bild aus den Augen verlieren: Das ist, was das Sprichwort „den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen“ bedeutet. Die IT-Welt ist gegenwärtig in eine fortlaufende Debatte über die Cloud verwickelt. Die Menschen neigen dazu, sich die Cloud als so etwas wie einen Ort auf einer Landkarte vorzustellen. Die Cloud kann sich in einem Rechenzentrum oder außerhalb davon befinden, manchmal auch an einem nur schwer zu definierenden Standort.

In Wirklichkeit ist die Cloud aber kein Ort, sie ist ein Paradigma: Sie ist ein Verbrauchsmodell und steht für die Erwartung sofortiger Verfügbarkeit. Sie hat den Menschen die Augen geöffnet für die Möglichkeit größerer Agilität, von Automatisierung, Effizienz und Einfachheit. Und diese Eigenschaften sind in den unterschiedlichsten Cloud-Arten wiederzufinden.

Sollten Unternehmen nun eine private, öffentliche oder Hybrid Cloud einsetzen? Diese Frage steht in so engem Zusammenhang mit der Rechenzentrumstechnologie, dass ein Aspekt häufig vergessen wird: Wie können die Benutzer überhaupt auf die Cloud-Services zugreifen? Die Antwort ist einfach: über ein Wide Area Network (WAN). Aus diesem Grund sollte die Diskussion über die unterschiedlichen Cloud-Modelle zunächst von den möglichen Wide Area Networks ausgehen. Und deswegen sollte eine IT-Abteilung auch immer zuerst mit dem Netzwerkteam reden, wenn es darum geht, eine Cloud zu implementieren.

Niemand wäre auf die Idee gekommen, Wolkenkratzer zu bauen, wenn Otis nicht schon den Aufzug erfunden hätte. Es handelte sich um das, was wir heute eine Schlüsseltechnologie nennen, und war außerdem ein Unterscheidungsmerkmal auf dem Immobilienmarkt. Wenn man sich die Cloud-IT im weiteren Sinne ansieht, ist deutlich zu erkennen, dass die Benutzer auf die nötigen Services in der Cloud nur über ein WAN zugreifen können. Man kann eine absolut fantastische Anwendung in der Cloud – gleich welcher Art – laufen lassen, die aber dennoch völlig unnütz ist, wenn die Verbindung zu langsam ist. Bandbreite und Latenzen sind sehr wichtig, aber Paketverluste und Sicherheit spielen auch eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die Benutzer zufriedenzustellen.

In der Vergangenheit war die am weitesten verbreitete Lösung für die Verbindung in Unternehmen ein virtuelles privates Netzwerk (VPN) in Kombination mit der MPLS-Technologie eines Service-Providers. Mit der zunehmenden Verwendung des Internets als sinnvolles Unternehmens-WAN und die Verschiebung von Anwendungen entweder in die öffentliche Cloud (normalerweise für SaaS) oder in die Hybrid Cloud (normalerweise für PaaS und IaaS) stehen wir kurz davor, Zeugen der Weiterentwicklung des WANs zu werden. Heutzutage sind kompromisslose Performance und Verfügbarkeit von Anwendungen unabhängig vom Anwendungstyp und der Nutzungsart eine der höchsten Prioritäten von Unternehmen.

Die Kunden erwarten, dass die sich weiter entwickelnde WAN-Landschaft immer mehr auf dem Markt erhältliche Funktionen für die WAN-Optimierung umfasst. Und es ist sogar noch besser, wenn diese speziell für die Zugriffsoptimierung auf Anwendungen und die Cloud ausgelegt werden. Einige Eigenschaften, an die man da denken muss, sind Bandbreitenreduzierung, Umgang mit Paketverlusten und hohem Jitter, ein hoher Durchsatz selbst über große Strecken, Verschlüsselung und anwendungsspezifische Servicequalität. Der Schwerpunkt sollte auf Benutzererfahrung, Anwendungs-Performance, Sichtbarkeit, Kontrolle und Sicherheit liegen. Der Erfolg eines Cloud-Services hängt stark davon ab, wie gut und einfach sich die Benutzer über das WAN damit verbinden können.

Software-definierte WAN-Lösungen sind diese Tage ein heiß diskutiertes Thema. Der Grund für diesen Hype ist nicht zuletzt die weitverbreitete Bereitstellung von IT-Services in der Cloud. Außerdem kann eine SD-WAN-Verbindung durch eine Software gesteuert werden, die selbst in der Cloud angesiedelt ist, wodurch die Kombination noch weiter optimiert wird. SD-WAN ist eine Variation von Software-defined Networking (SDN) für Verbindungen über große Distanzen außerhalb von Rechenzentren. Mit der SD-WAN-Technologie können Unternehmen ihre Zweigstellen in weit entfernten Regionen an ihre Rechenzentrumsnetzwerke und die Cloud anschließen.

„Unternehmen, die darüber nachdenken, eine private, öffentliche oder Hybrid Cloud zu implementieren, sollten immer mit dem WAN beginnen.“

Dr. Fausto Vaninetti, SNIA Europe

Die Router für Zweigstellen umfassen WAN-Optimierung und SD-WAN-Funktionen, wodurch weniger dedizierte Hardware-Appliances benötigt werden. Produkte in der Kategorie Network Function Virtualization Infrastructure (NFVI) sind ebenfalls ein attraktiver neuer Ansatz zur Kombination mehrerer Services (wie Sicherheit, Load Balancing, WAN-Optimierung) auf einer einzigen x86-Server-Engine. Die WAN-Optimierung wird ebenfalls in Software-Tools für die Datenreplikation integriert, wodurch das Backup in die Cloud erleichtert wird.

Die Hybrid Cloud ist definitiv einer der Topkandidaten für die preiswerte, sichere und flexible Bereitstellung von IT-Services. In Kombination mit dem aktuellen Trend hin zu Virtualisierung, Mobilität, Desktop-Virtualisierung und Analysen kommt es so zu größeren Bandbreiten und erhöhter Management-Komplexität. SD-WAN-Lösungen scheinen die Antwort auf dieses Problem zu sein. Sie sind maßgeblich für einen schnellen Wandel von WAN-Architekturen von Unternehmen, die keine Notwendigkeit haben, das Management der WAN-Anwendungsperformance über das Internet, MPLS und zellulare Netze hinweg zu vereinen. Für Unternehmen mit komplexen Netzwerken und Anforderungen sind integrierte Plattformen besonders attraktiv. Für die einfacheren Umgebungen von Zweigstellen und Rechenzentren wiederum sind virtualisierte Lösungen als Teil einer größeren NFVI-Strategie das Beste.

Unternehmen, die darüber nachdenken, eine private, öffentliche oder Hybrid Cloud zu implementieren, sollten immer mit dem WAN beginnen. Gerade so, wie Aufzüge Wolkenkratzer möglich machten, macht die SD-WAN-Technologie die Cloud-IT möglich. Ein berühmter Song aus den siebziger Jahren handelte davon, wie eine Frau einen Stairway to Heaven kaufte. Jetzt könnte es an der Zeit für IT-Manager sein, einen Aufzug in die Cloud-IT zu kaufen.

Über den Autor:
Dr. Fausto S. Vaninetti ist Mitglied im Board of Directors der Storage Networking Industry Association (SNIA) Europe. Neben dieser ehrenamtlichen Tätigkeit arbeitet er hauptberuflich als Senior Technical Consultant for Datacenter Technologies bei Cisco Systems. Dr. Vaninetti verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrungen in der IT-Branche. Zu seinen Fokusthemen gehören Storage Networking, Datacenter-Verbindungen, Unified Computing und Applikationsbeschleunigung.

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Artikel wurde zuletzt im April 2017 aktualisiert

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