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Disaster Recovery: Auch für kleine Unternehmen unverzichtbar

Disaster Recovery ist heute auch für KMUs ein Muss, weil sie denselben Angriffstypen ausgesetzt sind wie größere Firmen und stärker als früher von IT-Plattformen abhängig sind.

Kleine Unternehmen sehen sich praktisch denselben Bedrohungen gegenüber wie größere Organisationen. Doch während die Herausforderungen größer oder kleiner werden können, skalieren die Ressourcen, diesen Herausforderungen entgegenzutreten, meist weniger gut.

Disaster-Recovery-Planung für kleine Unternehmen ist daher ein verbreitetes Thema. Von Herausforderungen bei der Implementierung bis zu Wartung und Management – manche Firmen verzichten darauf, sich mit dem Thema zu befassen. Viele KMUs haben DR-Pläne und -Fähigkeiten, die man großzügig als minimalistisch beschreiben kann, andere verlassen sich auf ihr Glück. Glücklicherweise gibt es Optionen, um diesen Firmen in dieser Situation zu helfen. Der kritischste Punkt ist daher, dass diese Organisationen aufhören müssen, nach Ausreden zu suchen und anfangen sollten, geeignete Maßnahmen zu implementieren.

Ein aktueller Megatrend ist dabei eine echte Unterstützung: Laut Gartner-Analyst Mark Jaggers nutzen viele KMUs mittlerweile SaaS-Plattformen. Bei SaaS bestehen DR-Probleme hauptsächlich daraus, die Verträge sorgfältig durchzusehen und sich von den DR-Fähigkeiten und -Services des Providers zu überzeugen.

Es gibt zahlreiche Ressourcen, wo sich KMUs schnell über DR informieren und praktische, zeitsparende Schritte in Richtung auf die Entwicklung eines passenden DR-Plan durchlaufen können. In Deutschland bieten unter anderem die online erhältlichen Materialien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der jeweiligen Datenschutz-Landesämter wertvolle Informationen. Das gleiche gilt für die Online-Ressourcen des Branchenverbandes BITKOM. Gegebenenfalls bringt auch eine Beratung zum Beispiel bei der lokalen Industrie- und Handelskammer (IHK) wichtige Anregungen. Zudem haben viele IHKs Tipps zur Cybersicherheit und benachbarten Themen online gestellt. Zu nennen sind als Informationsquellen auch die Webseiten der Allianz für Cybersicherheit (AfC).

Zudem bieten auf KMUs spezialisierte Cybersicherheitsberater wertvolle Hilfestellung zum Thema DR an. Das ist besonderes dann nützlich, wenn sie auf die Branche des betroffenen Unternehmens fokussiert sind.

Aber auch viele Softwareanbieter haben kostengünstige Systemwartung und Werkzeuge zur DR-Unterstützung für alle Systemvarianten im Programm. Hier mag es sich um gehostete Angebote wie Webseiten und Web-Apps oder lokale Softwareinfrastrukturen handeln.

Herausforderungen und Ausreden

Viele kleine Unternehmen sehen das größere Risiko darin, Zeit für DR-Planung zu verschwenden, die sie damit verbringen könnten, Gelegenheiten für Geschäfte zu suchen, die die Basis ihres geschäftlichen Überlebens bilden. Die Kehrseite von Gelegenheiten sind allerdings Kosten, und wer bei IT-Zwischenfällen keine Daten verliert oder sie schnell wieder herstellen kann, hat ebenfalls ein gutes Geschäft gemacht.

Derrick Wlodarz, Präsident des US-amerikanischen Manged-IT-Service-Providers FireLogic, meint, dass eine der größten Herausforderungen bei der DR für kleine Unternehmen darin liegt, dass viele Firmen so lange Geld sparen, bis tatsächlich ein Desaster eintritt. Diese sich auf das Glück verlassende Haltung ist oft anzutreffen, weil DR-Tools für große Unternehmen für KMUs meist zu teuer und deswegen schwer zu rechtfertigen sind, solange es keinen größeren Systemausfall gegeben hat.

Doch auch kleine Unternehmen vermeiden substantielle Zeit- und Geldverluste, den Verlust von Kunden und Geschäftsgelegenheiten, wenn sie für mögliche Desaster planen und Wiederherstellungsoptionen implementieren.

Verbesserungen und Chancen

Viele Services bieten zur Zeit nur grundlegende DR-Tools für Kleinunternehmen. Besonders Remote Backup ist ein großer, in den letzten Jahren realisierter Fortschritt. Ein kleines Unternehmen kann seine Computer schnell mit einem der vielen im Wettbewerb miteinander stehenden Services sichern, ohne zu viel Zeit und Geld zu investieren. Auch Webwartungsdienste bieten die Sicherung kritischer Sites, Updates und Wiederherstellungswerkzeuge zu verträglichen Kosten, die aber die Auswirkungen von Hackern und Abstürzen dramatisch verringern.

Wlodarz beschreibt, wie die Prozesse sich in kleinen Unternehmen in den vergangenen fünf bis zehn Jahren signifikant verändert haben. Erstens speichern heute viele KMUs kritische Dokumente und Systeme mehr oder weniger ausschließlich digital, und sie sind hinsichtlich ihrer alltäglichen Geschäftsprozesse sehr viel abhängiger von diesen Plattformen. Zuvor waren digitale Ressourcen vor allem von zusätzlichem Wert für KMUs. DR wurde eher als Luxus denn als unumgänglich betrachtet.

„Die hohen Verluste an Umsatz und Produktivität, die sich heute mit jeder Stunde, in der Systeme ausfallen, auch für SMBs verbinden, machen DR zu einer schlichten Notwendigkeit, allerdings merken das viele nicht“, bedauert Wlodarz.

DR-Optionen am Markt

Andererseits gibt es am Markt heute laut Wlodarz mehr Möglichkeiten denn je, um DR für KMUs umzusetzen. Viele Services sind in der Reife durchaus mit denen für Fortune-500-Unternehmen in früheren Zeiten vergleichbar. Beispiele sind Datto, Solar Winds, Carbonite, aber auch Acronis, Dunkel, Microsoft Azure und viele andere. Viele Dienste und Tools bieten professionelle Funktionen zu bezahlbaren Preisen.

Zum nächsten wichtigen Thema in diesem Bereich könnte sich schon bald der Schutz von Office 365 entwickeln. „Viele Firmen glauben, dass Microsoft Backups für sie durchführt“, sagt Wlodarz. Aber die vertraglichen Vereinbarungen von Microsoft enthalten keine Backup-Verpflichtungen für O365 und empfehlen dringend irgendeine Form der Datensicherung durch Dritte.

Immerhin sind im KMU-DR-Markt deutliche Verbesserungspotentiale sichtbar. Das meint zumindest Greg Schulz, ein unabhängiger IT-Berater. „Eine der Herausforderungen für KMUs ist, dass sie oft wirklich sehr klein sind, bis hin zum Einzelinhaber, Prosumer oder Hobbyakteur“. Die Hersteller begrenzen ihre Anstrengungen für diese Klientel, weil andere Kunden mehr Umsatz versprechen.

Laut Schulz lohnt es sich, aber, sich nach Nischenanbietern umzusehen, die sich speziell an KMUs richten. Wie auch immer ist es jedenfalls nicht empfehlenswert, auf DR zu verzichten. Zwei Beispiele für hiesige IT-Anbieter, die KMU-fokussierte DR-Services oder -Produkte anbieten, sind Care4it oder Compusafe.

Ein Einstieg ist sogar mit noch weniger Aufwand möglich: „Wenn man 50 Euro auf dem Konto hat, kann man ein kapazitätsstarkes Laufwerk für die Hosentasche kaufen und vierteljährlich einen Systemklon ziehen, das ist wenigstens ein Anfang“, meint Schulz.

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