Business Continuity und Disaster Recovery mit KI planen

Planung, Test und Durchführung von BC/DR- und Incident-Respone-Aktivitäten können vom Einsatz KI-ergänzter Systeme profitieren, indem sie die Flexibilität erhöhen.

Künstliche Intelligenz (KI) ist seit über 60 Jahren eine anerkannte akademische Technologiedisziplin. Unternehmen haben viele unterschiedliche Herangehensweisen entwickelt, um die Leistungsfähigkeit von Computern zur Simulation menschlicher Intelligenz und geistiger Fähigkeiten wie logischer Argumentation oder dem dem Ziehen von Schlussfolgerungen (Inferenz) einzusetzen. Mit der dramatischen Zunahme der Rechenleistung in den vergangenen 20 Jahren lässt sich KI heute sehr viel besser für geschäftliche Zwecke verwenden als damals.

Benutzt man KI, um kontinuierliche Verfügbarkeit sicherzustellen oder Disaster-Recovery-Lösungen zu planen, kann sie Schlüsselprozesse auf diesen Gebieten verbessern. Business Continuity und Disaster Recovery (BC/DR) können, durch die Einführung von AI mit ganz neuen Funktionen erweitert werden und an Relevanz gewinnen. Das gilt auch für das Incident Respone Planning, also die Planung gezielter Reaktionen und Abläufe bei Zwischenfällen.

So fügt sich KI in den Business Continuity/Disaster Recovery-Plan
Abbildung 1: So fügt sich KI in den Business Continuity/Disaster Recovery-Plan.

Zunächst soll hier analysiert werden, wo KI besonders nützlich für geschäftliche und Regierungsorganisationen wirken kann. Die Tabelle zeigt einen typischen Zeitplan für die Implementierung von KI für BC/DR. Er umfasst eine bestimmte, immer ähnliche Sequenz von Aktivitäten bei der Planung, beim Üben, bei der Aktivierung und der Fortführung von BC/DR und Incident-Response-Plänen. In jede der oben aufgeführten Situationen füllt KI eine unterschiedliche Rolle aus. Deshalb folgt nun eine genauere Betrachtung jeder Phase.

Einen Plan entwickeln

IT-Teams können einen durch KI ergänzten Entwicklungsplan für ihre BC/DR-Aktivitäten verwenden. Wird die Datenbank des Tools für die Planung mit einem Inferenzmechanismus oder kognitiven Funktionen ergänzt, können die Planer besser über die Organisation des Plans entscheiden. Die KI-Komponente kann zusätzliche Hinweise („tu dies, nicht das“) liefern, so dass sich der Plan leichter an unterschiedliche Zwischenfälle anpassen lässt.

KI kann beim Einsatz für BC sehr nützlich sein, um den Einfluss von Ausfällen aufs Geschäft zu untersuchen (Business Impact Analysis) oder Risiken einzuschätzen (Risk Assessment). Das gilt besonders, wenn Interviewdaten oder andere Dokumentation zu analysieren sind. Vielleicht lässt sich das Tool so optimieren, dass es bisher unentdeckte Beziehungen, etwa Interdependenzen, findet, die letzten Endes signifikant sind.

Übungsplan

Eine KI-Komponente in einem Plan, der automatisch ausgeführt wird, hilft dabei, neue und potentiell signifikante Situationen in den Ereignisfluss einzubauen. Mit dem Ablauf des Tests kann man mit Hilfe der Daten, die in das KI-unterstützte System eingebracht werden, die Reihenfolge der Aktivitäten verändern.

Dieses Stadium ist der letzte Punkt, KI vor dem Eintreten des Ernstfalles in die Planung von BC/DR zu integrieren.

Reaktion auf unerwartete Zwischenfälle

Unmittelbar nach einem Zwischenfall braucht man meist Zeit, das Ereignis zunächst einzuschätzen, seine Schwere zu bewerten und Entscheidung hinsichtlich Evakuierung, Wiederherstellung der Systeme und Restart zu treffen. Gut ist es, wenn das Incident-Resopnse-Team, das für die Initiierung, Koordinierung und Durchführung entsprechender Aktionen zuständig ist, über ein Smartphone mit Spracherkennung und einer KI-Komponente verfügt. Dann können die Teammitglieder dem System einfach beschreiben, was geschieht oder geschehen ist und das System liefert Empfehlungen für den nächsten Schritt.

Natürlich müsste ein solches System zuvor mit beträchtlichen Mengen experimenteller Daten gefüttert werden, um entsprechende Empfehlungen generieren zu können. Derzeit sind wohl menschliche Erfahrung und die menschliche Fähigkeit, in einem Notfall schnell und intuitiv zu entscheiden, noch unersetzlich. Trotzdem kann es wertvoll sein, zusätzliche Hinweise und Informationen von KI-gestützten Systemen zu bekommen.

So könnte ein KI-unterstütztes System mit Aktivitäten für die Wiederherstellung technologischer Komponenten beginnen, wenn bestimmte Schwellenwerte über- oder unterschritten werden. Das kann parallel zu den Incident-Response-Aktivitäten geschehen und bringt wertvolle Zeitgewinne bei der Reaktion auf vielfältige Situationen.

Wiederherstellung technologischer Komponenten

Sind technologische Komponenten ausgefallen, kann ein KI-System so programmiert werden, dass es mit entsprechenden Wiederherstellungsaktivitäten beginnt, wie oben bereits angedeutet wurde. Dabei bietet sich die Kombination mit Cloud-basierten Backup- und Recovery-Ressourcen an, um einen Failover des Systems zu initiieren. So lässt sich auch sicherstellen, dass gesicherte Daten, virtuelle Maschinen, Datenbanken und andere technologische Ressourcen vorhanden und aktivierungsbereit sind.

Die Geschwindigkeit, mit der diese Aktivitäten hochgefahren werden können, ist wichtig, um die Wiederherstellungszeit zu verringern und potentielle technologische Schäden zu begrenzen.

Das Geschäft wieder in Gang bringen

Je nach der Schwere des Zwischenfalls kann es sein, dass eine Organisation verschiedene geschäftsbezogene Aktionen in Gang setzt. Beispielsweise eine alternative Arbeitsumgebung aufzubauen, alternative Produktionsressourcen hochzufahren, Geräte zu lokalisieren und andernorts bereitzustellen – beispielsweise Laptops, Server, Scanner oder Drucker – und sie zu aktivieren.

Wenn ein KI-gestütztes BC-System lernt, mit vielen unterschiedlichen Situationen umzugehen und eine Liste alternativer Ressourcen und eine Liste möglicher Reaktions- und Wiederherstellungsstrategien hat, kann es schnell Empfehlungen für die Wiederherstellung geben.

Technologische und geschäftliche Wiederherstellung verbinden

KI in BC/DR lässt sich auch dafür verwenden, die Wiederherstellung der geschäftlichen Abläufe und der technologischen Infrastruktur zu verbinden. Ein technologischer Zwischenfall muss den normalen geschäftlichen Ablauf nämlich nicht beeinträchtigen.

Bei schwereren technologischen Zwischenfällen, etwa einem Ausfall des Internets oder ein schwerer Stromausfall, wird es allerdings oft nötig sein, schnell und effizient BC-Aktivitäten anzustoßen, je nachdem, welche technologischen Ressourcen ausgefallen sind. Nutzen die BC/DR-Ressourcen gemeinsam KI-Ressourcen, kann es besser gelingen, schnell die richtigen Aktivitäten in der richtigen Reihenfolge anzustoßen.

Organisationen, die bereits aktiv KI-basierte Systeme verwenden, sind unter Umständen besser in der Lage, ihre BC/DR-Aktivitäten eigenständig zu planen.

Alternativ kann das System seinem menschlichen Gegenüber Handlungsempfehlungen geben, während Menschen für die tatsächlichen Aktionen zuständig sind. Ein solches System kann auch so programmiert werden, dass es auf nichttechnologische Unterbrechungen wie eine Grippeepidemie, einen Attentäter oder das Austreten gefährlicher Materialien reagieren kann.

Die Idee, dass ein System selbsttätig andere Systeme aktiviert, Reaktionen in Gang setzt und mit Notfallressourcen kommuniziert, geht allerdings vielen zu weit. Statt dessen kann es anfangs hilfreich sein, wenn ein KI-unterstütztes System Notfallteams lediglich Hinweise und Empfehlungen gibt.

Wie geht es weiter, wenn die unmittelbare Gefahr beseitigt ist?

Hat ein Unternehmen einen Zwischenfall so weit im Griff, dass es die Organisation nicht mehr unmittelbar bedroht, können KI-gestützte Systeme weitere Hinweise und Empfehlungen geben, um den Geschäftsablauf so schnell wie möglich zu normalisieren.

Natürlich sollten BC-Pläne in diese Richtung gehen. Doch bedenkt man die vielfältigen denkbaren Zwischenfälle, kann es sinnvoll sein, zunächst Zugriff auf genauere Daten zu bekommen. Beispiele sind Statistiken zu vergleichbaren Ereignissen oder Informationen dazu, wie andere Organisationen mit ähnlichen Situationen umgegangen sind.

KI-Technologie hat ganz sicher einen wichtigen Platz in zukünftigen BC/DR- und Incident-Response-Aktivitäten. Eigenständige Softwareprodukte können eine KI-Komponente und große Datenbanken mit relevanten Daten enthalten, um sinnvolle Hinweise und Empfehlungen zu geben. Viele Cloud-basierte Organisationen mit Angeboten für DRaaS (DR as a Service) und BCaaS (BC as a Service) denken schon heute darüber nach, ob es sinnvoll ist, ihren Systemen solche Komponenten hinzuzufügen.

Organisationen, die bereits aktiv KI-basierte Systeme verwenden, sind unter Umständen besser in der Lage, ihre BC/DR.Aktivitäten eigenständig zu planen. Denn es kommt vor allem darauf an, dass die Prozesse, die das Kerngeschäft unterstützen, geschützt werden.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2019 aktualisiert

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