SDN und Unified Communications: Radikales Upgrade für UC-Anwendungen

SDN ist nicht nur für Netzwerk-Admins interessant. Auch Unified Communications (UC) kann von den intelligenten Software-defined Networks profitieren.

Schneller, besser, billiger – das ist das inoffizielle Mantra der IT. Die meiste Technik wird in kurzer Zeit billiger, schneller und besser. Unified Communications (UC) ist keine Ausnahme. Aber die größten Veränderungen für UC werden sich durch Weiterentwicklungen und Veränderungen im Bereich Kollaboration und Kommunikation ergeben.

Kaum ein Unternehmen kommt ohne Kommunikation aus, allerdings haben neue Techniken und Trends hier in den letzten Jahren einige Veränderungen angeschoben. Diese neuen Lösungen haben die Arbeitswelt enorm beeinflusst. Und hier wird sich auch das künftige Schicksal von Unified Communications entscheiden, denn die Technik muss künftige Veränderungen gezielt unterstützen.

Während der Wandlung haben sich die darunterliegenden Netzwerke massiv geändert – auch sie wurden besser, billiger und schneller. Das gilt vor allem für kabellose Infrastrukturen und WANs. Moderne Unternehmensnetzwerke sind ebenfalls schneller, besser und billiger, obwohl sie auf altbekannte Techniken wie 100 BASE-T, LAN-Switching, Power over Ethernet (PoE), virtual Local Area Networks (VLAN), TCP/IP usw. setzen.

In diesen Netzwerken deutet sich ein großer Wandel an, die UC-Systeme erhalten quasi einen neuen Unterboden. Diesmal geht es aber um mehr als nur besser, schneller oder billiger – es wird Zeit für Software-Defined Networking (SDN).

SDN unterstützt „hungrige“ UC Applikationen

Software-Defined Networking ist die neueste, alte Idee im Netzwerkumfeld. Die einfachste Umschreibung ist, das in diesen Netzwerken die Kontrollfunktionen von den Datenfunktionen getrennt sind. In den meisten Netzwerken übernehmen Netzwerkgeräte, etwa Switches, die Entscheidungen, wie Pakete geroutet werden (die Kontrollfunktion). Gleichzeitig übernehmen diese Systeme auch das eigentliche Routing der Pakete (die Datenfunktion). Es gibt klare Vorteile, diese beiden Funktionen zu trennen und die Netzwerkkontrolle zu zentralisieren.

Kling bekannt? Kein Wunder. Die Trennung und Virtualisierung von Komponenten ist bei Servern im Rechenzentrum Alltag. Bei der Server-Virtualisierung werden physische Komponenten, wie Prozessoren oder Speicher, abstrahiert. Das erlaubt den Administratoren, die Ressourcen genau dort hinzuleiten, wo sie benötigt werden. Dank Virtualisierung müssen physische Server nicht mehr neu zusammengebaut werden, wenn Ressourcen verschoben werden sollen.

Die Technik klingt zudem bekannt, denn Software-Defined Networks sind nicht der erste Versuch, die beiden Funktionen zu separieren. Der bislang populärste Einsatzort hierfür sind moderne WLAN-Netzwerke. Dabei sind die eigentlichen Access Points von den Controllern getrennt. Man könnte zudem argumentieren, dass X.25 und ATM – beide Techniken setzen auf permanente virtuelle Schaltkreise – ebenfalls Kontroll- und Datenbereich trennen.

SDN und UC passen zusammen wie der Deckel auf den sprichwörtlichen Topf. Das liegt mit daran, dass über die letzte Dekade die Kommunikationsfunktionen von Plattformen auf die Applikationsebene übertragen wurden, wenn auch als enorm hungrige Applikationen. Unified Communication ist sehr anfällig für Schwankungen in der Netzwerkleistung. Nutzer erwarten mittlerweile zudem, dass sie von einem Gerät auf ein anderes springen können – gerne auch innerhalb einer Unterhaltung. Wenige andere Applikationen haben so dynamische Anforderungen ans Netzwerk.

Server-Virtualisierung macht es relativ einfach, die Server-Applikationen über verschiedene physische Geräte zu verschieben. Das Problem ist, dass dies mit den gelernten Abläufen innerhalb des Netzwerks kollidiert. Das Switchen von Paketen ist als Technik auf Layer 2  deutlich schneller als das eigentliche Routing auf Layer 3, der Funktionsumfang ist allerdings limitiert. Werden Applikationen verschoben, etwa mit Hilfe von VMware vMotion, ist das katastrophal für die Switching-Tabellen in den Switches. SDN kann diese Probleme umgehen indem die Switching-Tabellen zentral vorgehalten werden. Software-Defined Networking macht Sinn im Rechenzentrum und Unified Communications macht die Technik interessant für Unternehmen.

Unified Communications wird stabiler, die Netzwerke flexibler

Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass SDN kein spezielles Produkt ist, sondern eine Technik. Unter dem Begriff werden Controller und Application Program Interfaces (APIs) gebündelt, die mit Anwendungen kommunizieren können. Das Ziel ist es, dass die UC-Umgebungen nahtlos mit den darunterliegenden Netzwerke kommunizieren können, um Engstellen zu verhindern und Netzwerkkapazitäten dort auszubauen, wo sie benötigt werden.

Eine enge Integration zwischen dem UC-System und dem Netzwerk kann sicherstellen, dass die zur Verfügung stehenden Bandbreite und Ressourcen richtig verteilt werden. Unified Communications ist eine potentielle Killer-App für den Einsatz in End-to-End-SDN-Implementierungen – gerade weil diese Systeme so hungrig nach Bandbreite sind.

Zu den populärsten SDN-Protokollen gehören OpenFlow, Shortest Path Bridging (SPB), TRILL und Open Shortest Path First (OSPF). Aktuell sieht es nicht so aus, als würde eine Technik als reiner Gewinner aus der Diskussion hervorgehen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Frameworks (etwa OpenDayLight oder OpenStack) sowie Hersteller-spezifische Lösungen (Juniper Contrail V, Nuage Networks Virtualized Services Plattform, Cisco onePK oder VMware NSX). Die gute Nachricht ist, dass man nicht komplett neue Switches kaufen muss. OpenFlow beispielswiese kann mit vielen bestehenden Switches zusammenarbeiten.

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