Wie Software-defined ist hyper-konvergente Infrastruktur?

Hyper-konvergente Infrastruktur liegt derzeit groß im Trend. Ganz unbedarft sollte sich aber niemand auf diese neue Technologie einlassen.

Hyper-konvergente Infrastruktur hat in letzter Zeit für viel Aufmerksamkeit und Interesse unter IT-Fachleuten gesorgt. Noch immer allerdings besteht eine große Unsicherheit darüber, um was genau es sich dabei eigentlich handelt, welche Risiken damit einhergehen und welche Unternehmen sich näher damit befassen sollten.

Starten Sie einfach einmal eine Internetsuche – schnell werden Sie bemerken, dass es rund um den Begriff der Hyper-Konvergenz noch viele Unklarheiten gibt. Die ersten Suchtreffer sind bis heute Seiten, die sich alleine mit der Erklärung befassen. Noch nicht einmal zur Schreibweise scheint es bislang einen Konsens zu geben.

Konzeptionell ist hyper-konvergente Infrastruktur eine großartige Idee: Sie eliminiert Silos im Rechenzentrum und nutzt eine einzige Plattform, um disparate Data-Center-Dienste wie Computing, Storage und Networking zur Verfügung zu stellen und zu verwalten. 

Das hört sich doch stark nach dem oft beschworenen Software-defined Data Center (SDDC) an, richtig? In Gesprächen mit IT-Experten ergeben sich hierzu aber durchaus unterschiedliche Ansichten darüber, ob Hyper-Konvergenz mit SDDC gleichzusetzen ist – und beide Seiten haben gute Argumente für ihre Sicht der Dinge. Meine Antwort jedenfalls lautet, dass es sich hierbei um zwei unterschiedliche Dinge handelt.

In diesem Markt gibt es drei beinahe ähnliche Kategorien: Es gibt konvergente Infrastruktur, die im Wesentlichen eine hardwarebasierte Lösung für Computing, Storage und Switching darstellt. Diese verdichtete Hardware weist weniger Flaschenhälse auf als die traditionelle Herangehensweise. Daneben steht das SDDC, das in seiner reinsten Form vollkommen hardwareagnostisch ist. 

Beim SDDC geht es um das Verschieben der logischen Konfiguration weg von der Hardwareebene und hin zur Softwareebene, womit die Konfiguration ohne Modifikationen der zugrundeliegenden Plattform definiert oder – im laufenden Betrieb – umdefiniert werden kann. Die Kombination aus konvergenter Infrastruktur und SDDC ergibt schließlich das, was wir heute als hyper-konvergente Infrastruktur bezeichnen.

Es handelt sich also um eine Hardwareplattform, die Computing, Storage und Networking in sich vereint und um ein Verwaltungssystem sowie die Fähigkeit der Softwareebene ergänzt, operationale Aspekte der Infrastruktur definieren zu können. Hyper-konvergente Infrastruktur ist konvergente Infrastruktur, bei der operationale Aspekte und die Konfiguration von einem intelligenten (und oftmals automatisierten) SDDC verwaltet werden.

Meiner Ansicht nach handelt es sich beispielsweise bei dem Dell PowerEdge FX solange nicht um hyper-konvergente Infrastruktur, solange kein Hypervisor mit orchestrierendem Element beteiligt ist, der die Bereitstellung von Ressourcen für Storage, Computing und Networking übernimmt. In gleicher Weise ist eine Umgebung, die als SDDC mit disparaten Hardwareplattformen bereitgestellt wird, nicht hyper-konvergent.

Bekannte Anbieter wie Dell, Hewlett-Packard, Cisco und VMware verfügen alle über gebündelte Infrastrukturpakete, die Hyper-Konvergenz liefern. Doch der Markt für hyper-konvergente Infrastruktur wächst von Tag zu Tag und wird keineswegs ausschließlich von Branchengrößen bestimmt. Anbieter wie SimpliVity und Nutanix beispielsweise nutzen Hyper-Konvergenz, um die Grenzen zwischen lokal selbst vorgehaltener Infrastruktur und der Cloud zu verwischen.

Es bedarf keiner großen geistigen Anstrengung, um die Vorteile von Hyper-Konvergenz sowohl für Capex als auch für Opex zu erkennen. Dennoch bleiben zwei große Fragen: Wo liegen die Nachteile, und für wen eignet sich hyper-konvergente Hardware?

Wo liegen die Nachteile hyper-konvergenter Infrastruktur?

In hochskalierenden IT-Umgebungen können Hardware-Silos im Data Center ernsthafte Probleme darstellen. Oftmals sind ganz unterschiedliche Teams für Storage, Networking, Virtualisierung, x86 und Unix zuständig. In manchen Unternehmen gibt es zusätzlich dazu sogar noch ein eigenes Mainframe-Team.

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Für welche Zielgruppe eignet sich hyper-konvergente Infrastruktur eigentlich?

SDDC und Hyper-Konvergenz wirbeln die Data-Center-Branche gehörig durcheinander.

Bedeutet Hyper-Konvergenz das Ende allen Storages?

Die Nutzung hyper-konvergenter Infrastruktur kann all diese Beschäftigten unter einen Hut bringen, ohne damit jedoch das Problem zu lösen, dass die jeweiligen Zuständigkeiten noch immer aufwändig zugeordnet werden müssen. In Unternehmen mit einer Vielzahl einzelner Abteilungen, die jeweils über eigene Management-Strukturen verfügen, kann das auch personaltechnisch eine Herausforderung sein.

Dann wäre da noch das Problem des Anbieter-Silos. Um wahrlich hyper-konvergente Infrastruktur zu erhalten, werden Sie oftmals dazu gedrängt, sich exklusiv für die Plattform eines einzelnen Herstellers zu entscheiden. Die Beschränkung auf einen einzigen Anbieter wiederum engt Sie ein und nimmt Ihnen die Freiheit, jederzeit von den aktuell innovativsten Werkzeugen und Produkten zu profitieren.

Im Data Center ist unabdingbare Loyalität zu einem einzigen Anbieter eher kontraproduktiv, hier sollte besser ständig nach sogenannten „Best of Breed“-Lösungen gesucht werden. Sobald sich ein Unternehmen bedingungslos an einen Anbieter kettet, sagt es damit eigentlich nur aus, dass es seinen Schwerpunkt nicht auf Innovation, sondern auf Homogenität legt. Ich selbst würde mich nicht freiwillig auf Kosten der Innovation einem „Vendor-Lock-in“ hingeben.

Selbst wenn Sie diese anbieteroffene Sicht für vollständig falsch halten, sollten Sie dennoch objektiv bewerten, ob sie (hyper-)konvergente Infrastruktur mancher Anbieter nicht an spezifische Hardwareoptionen bindet.

Für wen eignet sich hyper-konvergente Infrastruktur?

Im Grunde ist die Idee hyper-konvergenter Infrastruktur großartig. Sie bietet einen klaren Weg zu hybrider Infrastruktur, die das dynamische Skalieren von Arbeitslasten ebenso ermöglicht, wie deren Verlagerung in und aus der Cloud ganz nach Bedarf. Eigentlich gibt es damit kaum einen besseren Weg, eine agile IT-Infrastruktur aufzubauen.

Allerdings kann Hyper-Konvergenz durchaus auch die Kerninfrastruktur eines Unternehmens einschränken. Zudem müssen sich die geeigneten und besten Einsatzbereiche hyper-konvergenter Infrastruktur erst noch zu beweisen. Viele Unternehmen mit speziellen Workloads profitieren davon, für solche Anforderungen auch spezifische Plattformen einzusetzen. Derlei kann, muss aber nicht in ein hyper-konvergentes Modell passen (definitiv würde es aber zu einem SDDC passen).

Hyper-konvergente Infrastruktur passt gut zu Unternehmen mit Zweigstellen oder konzentrierten Standorten. Auch kleinere Unternehmen mit hohen Anforderungen an ihre Infrastruktur kommen als Zielgruppe in Frage. Warum auch sollten man etwas dagegen haben, einfach vier Höheneinheiten Hardware in ein Rack zu schrauben, es anzuschalten und sofort betriebsbereit zu sein?

Hyper-Konvergenz wird sich sicher weiter entwickeln, und während dieses Prozesses wird sie nachfragebedingt wohl immer anbieterneutraler werden. Bis dahin bleibt Hyper-Konvergenz ein mächtiges Werkzeug, dessen Einsatz aber sorgfältig auf seine Vor- und Nachteile hin abgewägt werden sollte.

Über den Autor:
Todd Knapp ist Gründer der Firma Envision Technology Advisors, LLC. Er hat über 15 Jahre Arbeitserfahrung in den Bereichen Project Management und Business Technology Integration. Er ist zertifizierter VExpert, hält Vorträge  zu den Themen Virtualisierung und Storage-Technologien und schreibt regelmäßig Beiträge für industriespezifische Publikationen.

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