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Alternative Cloud-Services zu AWS, Microsoft und Google

AWS, Microsoft Azure und Google Cloud sind nicht die einzigen Optionen für Cloud-Services. Es gibt viele Alternativen an Cloud-Services, aus denen man wählen kann.

Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP) führen sicherlich den Cloud-Markt an, aber das Konkurrenzgeschehen wird mehr und mehr von Nischen- und aufsteigenden Alternativangeboten bestimmt.

Andere Provider von Public Clouds in dieser Mischung umfassen solche wie Alibaba Cloud, Virtustream von Dell Technologies, IBM Cloud (vormals Bluemix), Iron Mountain, Oracle und Rackspace. Inzwischen haben die günstigen Optionen für Cold Storage des Start-ups Wasabi gleich zu Beginn so viel Interesse auf sich gezogen, dass das Unternehmen zeitweise sein Probeangebot zurückgezogen hat. Zu den regionalen Anbietern gehören Backblaze, CenturyLink, Joyent und NTT Communications. Managed Provider und Systemintegratoren wie zum Beispiel Atmosera und Key Information Systems promoten ebenfalls das Cloud-Service-Modell. Und schließlich stellen traditionelle Softwareanbieter Clouds zur exklusiven Unterstützung ihrer besonderen Anwendungen zur Verfügung.

Was die Cloud-Storage-Alternativen zu den großen Drei angeht, gibt es zu viele Angebote, um sie alle hier aufzuzählen. Stattdessen beabsichtigt dieser Artikel, den IT-Profis ein Verständnis davon an die Hand zu geben, welche verschiedenen Services brauchbare Alternativen zu AWS, Azure und Google Cloud bieten, welche Arten von Providern es am Markt gibt und was man von diesen Cloud-Services zu erwarten hat.

Wie die großen Drei zu schlagen sind

Vor einigen Jahren sagten viele große Analystenhäuser voraus, dass der Cloud-Markt ein gegenseitiger Kampf zwischen Amazon, Microsoft und Google sein werde. Während diese drei weiterhin die führenden Provider bei den Marktanteilen und den renommierten Namen bleiben, stehen sie aber keineswegs alleine da. Die zweite Reihe der Cloud Provider bietet oft konkurrenzfähige Preise bei gleichzeitig besserem Service.

Aus technologischer Sicht besitzen die meisten dieser so genannten Tier-2-Cloud-Provider Storage-Architekturen, die ähnlich zu denen ihrer größeren Konkurrenten sind. Sie verwenden ein Modell für Object Storage, das Standard-Hardware und -Software für hohe Speicherkapazitäten einsetzt. Während die großen Drei Teams von Speicherentwicklern beschäftigen, benutzen die Tier-2-Provider in der Regel handelsübliche Software, die ganze akademische Mannschaften ersetzt. Die großen Drei kaufen ihre Hardware sicher zu besseren Preisen als ihre Konkurrenten, aber in Wirklichkeit ist der Hardwaremarkt so konkurrenzgetrieben, dass die Unterschiede zwischen den Kosten für kleine und große Käufer relativ gering sind.

Die großen Drei haben in der Tat die Cloud zu einem anerkannten Geschäft gemacht – aber es gibt jede Menge an anderen Cloud-Providern, die man jenseits von AWS, Google Cloud und Azure beachten sollte, einschließlich der internen IT-Abteilungen der Unternehmen.

Aus der Sicht von Geschäftsmodellen konzentrieren sich die meisten alternativen Provider auf eine besondere Funktionalität oder auf bestimmte Produktangebote. Zum Beispiel haben sich viele einen Ruf im Backup-Speichermarkt erworben, während sich andere auf Archivierung spezialisiert haben. Es gibt in diesem Segment auch Cloud Provider, die sich auf bestimmte Industrien wie zum Beispiel Healthcare, Government oder Finanzmärkte ausgerichtet haben. Ausrichtung und Spezialisierung verschaffen ihnen ein leichter zu handhabendes Cloud-Service-Modell, das letztlich die Zeit für Kunden reduziert, sich selbst in Richtung Cloud zu bewegen.

Verschiedene Arten von Tier-2-Providern

Es gibt in der Regel drei Typen von diesen Cloud Providern. Der erste Typus – der auf eine bestimmte Aufgabe ausgerichtete, spezialisierte Provider – ist gewöhnlich in der Softwareentwicklung tätig und hat sich entschlossen, ein Cloud-Service-Modell für seine Kunden einzurichten. Anstatt dafür einen der Mega-Cloud-Provider zu nutzen, entwerfen diese Provider eine Cloud, die genau für ihre Zwecke passt. Diese Unternehmen gehen in der Regel davon aus, dass sie mit der Kontrolle aller Komponenten, der Software und der Cloud den Kunden eine bessere Erfahrung und – mehr als wahrscheinlich – auch bessere Preise geben können. Die bekanntesten Beispiele für die auf eine bestimmte Aufgabe ausgerichtete Cloud sind jene aus dem Bereich der Data Protection und des Disaster Recovery as a Service. Unternehmen wie Acronis, Backblaze, Datto und Unitrends bieten entweder Cloud-Backup oder Cloud-Disaster-Recovery an. Der Vorteil dieser Art des Cloud-Service-Modells besteht darin, dass es die Cloud-Connectivity so einfach wie möglich macht.

Der nächste Typus von Cloud-Anbietern in der zweiten Reihe ist der Full-Service-Cloud-Provider. Ähnlich wie der zuerst genannte Provider für bestimmte Aufgaben, konzentrieren sich diese Anbieter auf einen besonderen Marktbereich, wobei sie aber eine Reihe von Softwareangeboten statt nur einem einzigen unterstützen. Oft entsprechen sie der heutigen Version eines Speicher-Resellers, der den Kunden das Softwareprodukt ihrer Wahl belässt, während er die dahinter liegende Infrastruktur und den Support liefert. Diese Provider erleichtern es, bestehende Anwendungen Cloud-gerecht zu machen, so dass die Kunden nicht ganz von vorn mit originären Cloud-Anwendungen beginnen müssen. Während sich die meisten auf Backup, Disaster Recovery und Archivierung konzentrieren, gibt es eine wachsende Gruppe von Unternehmen in diesem Bereich – wie zum Beispiel Iland, Iron Mountain und KeepItSafe –, die die Funktionalität von Desktop-as-a-Service zur Verfügung stellen.

Der letzte Typus der alternativen Cloud Providern hebt sich besonders von den großen Drei ab, indem er ähnliche „rohe“ Dienstleistungen wie Kapazität und Compute on Demand bereitstellt – letztlich als einen Full Service. Es scheint so, als wenn diese Provider ein besonders großes Risiko eingehen, indem sie direkt mit den Mega-Cloud-Providern konkurrieren. In der Realität sind jedoch viele von ihnen sehr erfolgreich. Das Cloud-Service-Modell und das erforderliche Software-Rahmenwerk, die in der Konkurrenz um die Kunden erforderlich sind, gibt es bereits von der Stange. Außerdem haben diese Provider eventuell noch andere Vorteile wie zum Beispiel Nähe zu den Kunden oder besondere Auswahlkriterien für die Länder, in die sie Daten replizieren.

Der erste Schritt bei der Wahl des richtigen Providers besteht für ein Unternehmen darin, seine Cloud-Fähigkeiten abzuschätzen. Je mehr Zeit und Möglichkeiten man hat, diese Fähigkeiten zu entwickeln, desto mehr werden einem die Mega-Cloud-Provider zusagen. Je weniger Fähigkeiten ein Unternehmen aufzuweisen hat und je mehr es mit Zeitproblemen zu kämpfen hat, desto mehr sind Tier-2-Provider interessant. Die Auswahl eines bestimmten Provider-Typs hängt gerade von diesen eigenen Cloud-Fähigkeiten ab, zusätzlich zu dem gewünschten Ausmaß an Flexibilität. Wenn ein Unternehmen seine bestehende Software-Ausstattung vorzieht, kann ein Full-Service Provider dabei helfen, sie Cloud-fähig zu machen. Wenn es nicht über eine solche Präferenz verfügt, können mehr auf einem besonderen Gebiet spezialisierte Provider voraussichtlich die endgültige schlüsselfertige Cloud-Erfahrung zur Verfügung stellen.

Gründe, die für die großen Drei sprechen

Es gibt durchaus Gründe, einen der führenden Cloud Provider auszuwählen. Zunächst schließen alle drei – AWS, Microsoft Azure und Google Cloud – die Lücke bei den Kenntnissen und Fähigkeiten, um ihre Cloud-Services auch für traditionelle Unternehmen irgendwie leichter zugänglich zu machen. Wie bei den Tier-2-Providern konzentrieren sich die meisten dieser Anstrengungen auf komplette Dienstleistungen für Data Protection, File Sharing und Archivierung. Sie erfordern immer noch mehr Cloud-Kenntnisse auf Kundenseite als bei den mehr schlüsselfertig ausgerichteten Clouds, aber diese Anforderungen verringern sich. Ein weiterer guter Grund besteht darin, dass viele Softwarehersteller einen der führenden Cloud Provider für ihre Cloud-Dienste benutzen anstatt ihre eigene Cloud zu bauen. In den meisten Fällen verwaltet der Softwareentwickler auch die Cloud-Kosten, so dass der Kunde sich nur um eine Rechnung kümmern muss. Und schließlich gibt es fast kein Risiko, dass es einem dieser Provider irgendwann an den nötigen Ressourcen für seine Compute- oder Cloud-Services fehlen könnte.

Gründe, die für eine spezialisierte Cloud sprechen

Der hauptsächliche Grund, einen spezialisierten Cloud Provider zu wählen, liegt in dem jeweiligen Zweck einer Unternehmens-Cloud sowie in dem besonderen Anspruch des Cloud Providers. Spezialisierte Cloud Provider liefern schlüsselfertige Lösungen wie DRaaS (Disaster Recovery as a Service), Cloud-Backup und Cloud-Archivierung. Als Teil davon stellen sie ihre eigene Software und Cloud zur Verfūgung. Die Einbindung aller notwendigen Komponenten sollte für eine gleichmäßige Arbeit sorgen, aber ein Unternehmen muss die Software des Providers akzeptieren und sich in seiner Cloud gut aufgehoben fühlen.

Wenn sich ein Unternehmen nach einem Wechsel bei Data-Protection- oder Archivierungssoftware umsieht oder neue Funktionen wie DRaaS hinzufūgen will, dann macht eine spezialisierte Cloud womöglich keinen Sinn.

Gründe, die für eine Full-Service-Cloud sprechen

In vieler Hinsicht ähnlich wie ein spezialisiertes Cloud-Angebot aufgebaut, stellt der Full-Service-Provider eine schlüsselfertige Cloud mit komplettem Support zur Verfūgung, wobei er tendenziell eine Spezialisierung auf einem bestimmten Gebiet anstrebt. Full-Service-Provider unterscheiden sich darin, dass sie auch eine große Bandbreite an On-Premises-Software unterstützen. Es besteht insofern auch eine wesentlich größere Chance, dass ein Full-Service-Provider die aktuell laufende Software eines Kunden unterstützt als ein spezialisierter Provider, und mit der Full-Service-Cloud profitieren die Kunden von der Cloud-Erfahrung des Providers und sie sind nicht gezwungen, alles selbst zu lernen.

Die Full-Service-Cloud ist für jene Unternehmen sinnvoll, die sich ihre monetären und Ausbildungsinvestitionen in ihre laufende Software erhalten wollen. Sie ist ideal für Unternehmen, die mit dem, was sie besitzen, zufrieden sind und die lediglich bestehende Anwendungen in die Cloud ausdehnen wollen. Die Software, die Daten in die Cloud verschiebt, ist die des Kunden.

Eine Anmerkung zur Vorsicht: Obwohl der Umzug von einem Full-Service-Provider zu einem neuen möglich ist, braucht er seine Zeit und kann zudem teuer sein. Unternehmen, die eine Full-Service-Cloud in Erwägung ziehen, sollten viel Vertrauen zu der Datensicherheit und den verfügbaren Diensten des Providers sowie in sein langfristiges Überleben haben.

Seine eigene Cloud aufbauen

Eine andere Option besteht darin, wenn Unternehmen ihre eigene Cloud sind. Die gleichen wirtschaftlichen Faktoren und die gleiche Software, die Tier-2-Provider in die Lage versetzen, mit den großen Drei zu konkurrieren, sind es auch, mit denen die IT-Abteilungen der Unternehmen mit Tier-2-Providern konkurrieren können. Natürlich zwingt diese Option die Unternehmen, sich das erforderliche Cloud-Knowhow zu verschaffen, aber damit sind sie auch dauerhaft in Besitz ihrer Investition im Gegensatz zum Mieten einer Cloud.

Gründe, die für eine Tier-2 IaaS-Lösung sprechen

Tier-2-Clouds als Infrastructure-as-a-Service (IaaS) stellen in der Regel nicht zusätzliche Services über die der großen Drei hinaus zur Verfügung. Ihr hauptsächlicher Vorteil gegenüber den großen Providern besteht in ihren Preisen. Es gibt eventuell auch einige Vorteile bei der Lokalisierung des Rechenzentrums wie zum Beispiel die Zusicherung einer besseren Datenkontrolle oder geringere Latenzen.

Einem Tier-2 IaaS-Provider mangelt es jedoch an dem physischen Ausmaß der großen Drei. Außerdem macht es die schiere Größe von AWS, Google Cloud und Azure ihnen fast unmöglich, an die Grenze ihrer Ressourcen zu stoßen – sowohl bei den Compute- als auch bei den Cloud-Service-Leistungen. Solange ein Tier-2 IaaS-Provider sein Wachstum im Griff hat, sollte er auch in der Lage sein, unbegrenzte Ressourcen anzubieten. Aber seine Kunden sollten einen Überblick darüber haben, welche Leistungen vorhanden und in Reserve sind, um sicher zu sein, dass die Ressourcen nicht in der Zukunft versickern.

Vorsichtig und vorbereitet sein

Tier-2-Provider bewegen sich in einem insgesamt etwas unsicheren Geschäftsumfeld. Während dieses Marktsegment voll von Anbietern ist, wird sich auf Dauer nicht jeder Cloud Provider aus den Bereichen IaaS, Spezialisierung oder Full Service durchsetzen können. Kunden müssen sich der potentiellen Risiken bewusst sein und brauchen eine Ersatzstrategie für den nicht ganz unwahrscheinlichen Fall, dass ihr Cloud Provider untergeht.

Die großen Drei haben in der Tat die Cloud zu einem anerkannten Geschäft gemacht – aber es gibt jede Menge an anderen Cloud Providern, die man jenseits von AWS, Google Cloud und Azure beachten sollte, einschließlich der internen IT-Abteilungen der Unternehmen. Im Zentrum jeder Cloud-Strategie stehen Überlegungen darüber, was ein Unternehmen eigentlich mit dem Übergang in eine Cloud erreichen will, welche Erfahrungen, welches Know-how und welche Software man dafür besitzt, und welche Art von Provider am besten als Partner geeignet wäre, um diese Cloud-Ziele in die Praxis umzusetzen.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2019 aktualisiert

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