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Neue Cloud-Servicemodelle bringen Provider ins Data Center

Die großen Public Cloud Player bieten mittlerweile auch Hardware und spezifische Technologien für lokale Umgebungen an. Was treibt diesen Trend an?

Die meisten großen Cloud-Serviceanbieter möchten sich für Unternehmenskunden so unverzichtbar wie möglich machen. Die üblichen Cloud-Services genügen hierfür nicht mehr. Sie bemühen sich daher, tiefer in die lokalen Rechenzentren vorzudringen. Im Mittelpunkt dieser Verschiebung bei Cloud-Servicemodellen steht der Wunsch, Kunden eine einfachere Verwaltung einer Hybrid Cloud zu ermöglichen.

Dieser Druck der Cloud-Anbieter, ins Rechenzentrum zu gelangen, lässt sich am besten anhand der Einführung von Cloud Appliances veranschaulichen – dies sind Hardwarepakete mit vorinstallierter Software, die Microsoft, Oracle und andere Anbieter verkaufen. Diese Appliances richten sich an IT-Teams, die einerseits die Public Cloud optimal nutzen möchten und andererseits ihre lokalen Technologien optimieren wollen.

In anderen Fällen nutzen Cloud-Anbieter gezielt Software (ohne Hardware), um ihre Kunden näher zu sich zu bringen. IBM Cloud Private zielt zum Beispiel darauf ab, den Nutzern einen Mix aus privaten und öffentlichen Cloud-Technologien anzubieten und sie damit enger an sich zu binden.

AWS Outposts ermöglicht es seinen Kunden, die gleichen APIs wie in der Public Cloud für lokale Arbeiten zu verwenden, die von Amazon-Servern ausgeführt werden. Microsoft positioniert seinen Azure Stack als On-Premises-Erweiterung seiner Cloud-Services. Ebenso bietet Oracle Cloud at Customer hinter der Firewall seines Kunden an. Google verkauft unterdessen eine Rechenzentrumsversion der Kubernetes Engine namens GKE On-Prem an Kunden, die Cluster über die Google Cloud Console verwalten möchten – auch wenn sich einige Cluster an lokalen Standorten befinden.

Als Ergebnis soll das herauskommen, was manche als Single Provider Hybrid Cloud bezeichnen. Diese neuen Angebote – egal ob Hard- oder Software – bringen einige Veränderungen für IT-Abteilungen mit sich. Diejenigen, die Anbietertechnologien einsetzen, können von der Reduzierung einiger Verantwortlichkeiten ausgehen. Sie sollten aber auch eine neue Komplexität erwarten und ihren Fokus mehr auf die Sicherstellung einer reibungslosen Servicebereitstellung legen.

Die Private Cloud optimieren

„Die Public Cloud und die damit verbundenen Appliances stellt man am besten den Private Clouds gegenüber, die Unternehmen in den letzten Jahren aufgebaut haben“, sagt IDC-Analyst Rick Villars. Egal, ob diese Private Clouds aus Einzelteilen mit eigenem Katalog und eigenen Skripten zusammengestellt wurden oder ob ein Unternehmen sich einfach dafür entschieden hat, seine Private Cloud von Unternehmen wie Rackspace oder CenturyLink erstellen zu lassen.

Laut dem State of the Cloud Report 2017 von RightScale haben 85 Prozent der Unternehmen eine Multi-Cloud-Strategie.
Abbildung 1: Laut dem State of the Cloud Report 2017 von RightScale haben 85 Prozent der Unternehmen eine Multi-Cloud-Strategie.

„In jedem Fall sind diese neuen Public-Cloud-Optionen konsistenter“, sagt Villars. „Im Grunde genommen war jede Private Cloud einzigartig, aber diese neuen Optionen sind alle im Wesentlichen ähnlich.“

Die größte Einschränkung bei bestehenden Private Clouds besteht darin, dass sie zu unflexibel sind: Sie können nicht das liefern, was ein Unternehmen benötigt. „Die Privat Clouds wurden in Bezug auf Kapazität und Speicherplatz vorkonzipiert - wenn Sie wachsen wollen, musste die IT das System als Ganzes hoch-tunen“, erklärt Villars. Außerdem sind die Systeme fragil. Wenn ein neuer Prozessor eingeführt wird, muss man von vorne anfangen.

Im Gegensatz dazu sind die neuen Cloud-Servicemodelle und -Plattformen einschließlich der zugehörigen Appliances wesentlich flexibler. „Das ist ein konsumorientiertes Modell“, stellt Villars fest.

Die Appliances erleichtern es der IT-Abteilung, Speicher- oder Rechenkapazität hinzuzufügen. Damit können neue Technologien einfach in eine Umgebung integriert werden und gleichzeitig lässt sich der tägliche Betrieb aufrechterhalten. „Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie sich keine Sorgen mehr über Patches, Fixes und Upgrades machen müssen. Und möglicherweise wird das System mit der Zeit sogar besser, da der Anbieter selbst Optimierungen und Sicherheits-Upgrades implementiert“, fügt der Analyst hinzu.

Der wichtigste Nutzwert, den diese neuen Angebote für die IT aber bieten, ist echte Modernisierung. Private Clouds waren ein Kompromiss, der darauf abzielte, das Rechenzentrum modern erscheinen zu lassen.

„Sie hatten Ihre bestehenden IT-Lasten, wollten aber die Bereitstellung vereinfachen und gleichzeitig die Betriebskosten senken“, erklärt Villars. „Es war nicht so, dass IT-Mitarbeiter sagten: Die Private Cloud ist meine neue alternative Form der Infrastruktur, um wie eine präzise Medizin neue Angebote zu schaffen, weil die alte Infrastruktur schwer zu replizieren und zu konsumieren war.“

Im Gegensatz dazu bieten die neuen Cloud-basierten Plattformen diesen dedizierten Ort, „damit Sie mehr im SaaS-Stil entwickeln und liefern können.“

Villars merkt jedoch an, dass es sich dabei um Plattformen handelt, die sich mehr auf Edge-Anwendungen erstrecken als auf traditionelle zentrale IT-Aktivitäten. Auch wenn die IT-Abteilung das Rechenzentrum anders betreiben könnte. „Der Schlüssel ist, dass Sie jetzt in der Lage sind, einen SaaS-ähnlichen Service für Ihre Fabrik, Ihr Kreuzfahrtschiff oder Ihr Krankenhaus bereitzustellen“, sagt er.

Neue Cloud-Servicemodelle gibt es in Hülle und Fülle.

„Die Diskussion über die Fähigkeiten, und die Entlastung der IT, muss auch die Kosten betrachten“, sagt Lauren Nelson, Analystin bei Forrester Research. Die neuen Optionen sind potenziell nützlich – aber preiswert sind sie nicht. Und analog wie Villars sagt sie, dass diejenigen, die bereit sind dafür zu zahlen, höchstwahrscheinlich Organisationen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sind: zum Beispiel Einrichtungen in abgelegenen Orten oder Kreuzfahrtschiffe.

„Hardwaresysteme, die von Cloud-Anbietern bereitgestellt werden, sind in der Regel Locked-Down-Systeme – sie werden vollständig vom Cloud-Anbieter oder einem ihrer Partner verwaltet.“
Ed AndersonGartner

Wie teuer sind diese Services? Konkrete Zahlen sind schwer zu bekommen. Nelson ist aber überzeugt, dass Microsoft Azure Stack – das erste Angebot auf dem Markt – teuer ist. „Der hohe Preis hat den Einsatz meist auf die Edge beschränkt, aber die neuen Modelle geben der IT-Abteilung immerhin die Möglichkeit einer Bereitstellung“, sagt sie. Das liegt nicht nur daran, dass Sie eine App über zwei Orte verteilen können, sondern auch daran, dass Sie diese Apps mit der Zeit leichter verschieben können.

Zweifellos liegt in diesen flexiblen Cloud-Servicemodellen ein gewisser Reiz. IT-Leute sehen eine große Infrastrukturinvestition als riskant an, da es fünf oder mehr Jahre dauern kann, bis sich das auszahlt. Bis dahin, so Nelson, könnte ihr Unternehmen eine andere Cloud-Strategie fahren.

„Bei diesen neuen Angeboten hingegen kommen Cloud-Anbieter an den Tisch und sagen, dass man eine Infrastruktur kaufen kann und sie architektonisch wie eine Cloud aussehen lässt", sagt sie. „Die große Herausforderung ist es, zu entscheiden, was Unternehmen bereit sind, im Voraus zu bezahlen, um dies tatsächlich zu verwirklichen.“

Im Hinblick auf die operativen Konsequenzen unterscheidet Ed Anderson, Analyst bei Gartner, weitere Auswirkungen auf die IT. „Hardwaresysteme, die von Cloud-Anbietern bereitgestellt werden, sind in der Regel Locked-Down-Systeme – sie werden vollständig vom Cloud-Anbieter oder einem ihrer Partner verwaltet“, stellt er fest. „Diese Art des Angebots untergräbt damit die klassische IT. Denn die spielt im Grunde genommen keine Rolle bei der Verwaltung und Administration dieser Lösungen.“

Deshalb verwandeln im Endeffekt die neuen Cloud-basierten Appliances das traditionelle Unternehmensrechenzentrum in eine Art Colocation-Einrichtung für den Cloud-Anbieter. „Die Auswirkung auf die traditionelle IT ist, dass sie keine Rolle mehr bei der Verwaltung des Systems spielt – außer, dass sie es an Strom und an das Netzwerk anschließen“, sagt er.

Die wesentliche Aufgabe liegt wohl im operativen Bereich: Hier muss sich die IT auf die Nutzung der von diesen Systemen bereitgestellten Dienste konzentrieren – im Endeffekt also darauf, dass die Endanwender zufrieden sind.

Im Gegensatz dazu bietet Software von Cloud-Anbietern – die jetzt über diese sich ändernden Cloud-Servicemodelle für den Einsatz in einem privaten Rechenzentrum zur Verfügung gestellt wird – eine neue Art von Technologie. Mit solcher Software – wie zum Beispiel GKE On-Prem, das die Google Kubernetes Engine im Rechenzentrum eines Kunden platziert, oder Amazon RDS auf VMware – können IT-Profis interagieren und sie verwalten. „Im Allgemeinen werden diese nur für die hybride Kompatibilität mit Public-Cloud-Services verwendet“, sagt Anderson.

Da das Cloud-Geschäftsmodell auf Massenstandardisierung basiert, muss das Vordringen von Cloud-Services in die privaten Rechenzentren den gleichen Standardisierungsgrad beibehalten wie Public-Cloud-Services. Das muss allein deshalb schon so sein, um das gesamte Cloud-Modell zu schützen.

Infolgedessen müssen Dienste wie Microsofts Azure Stack, AWS Outpost, Oracle Cloud at Customer und andere ähnliche Angebote vom Cloud-Anbieter abgesichert und verwaltet werden. Und egal wie diese Services auf den Kunden zugeschnitten werden: „IT-Profis werden weniger Verantwortung haben als früher“, sagt Anderson.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2019 aktualisiert

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